WIR SIND VIELE – JEDE*R EINZELNE VON UNS!

Die NRW-Erklärung der Vielen


Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt.

Als Kulturschaffende in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. In diesem Land wurde schon einmal Kunst als entartet diffamiert und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter ihnen auch viele Kunstschaffende.

Heute begreifen wir die Kunst- und Kultureinrichtungen als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich so im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen Möglichkeiten! Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteur*innen dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur.

Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaffenden, mit allen Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen gedenken, sobald sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden.

Wir als Unterzeichnende der NRW Kunst- und Kultureinrichtungen, ihrer Interessensverbände und freien Kunst- und Kulturschaffenden begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung:

• Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über rechte Strategien. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Häuser den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.
• Alle Unterzeichnenden bieten kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda.
• Wir wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
• Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Rassismus ist Alltag. Rechtsextremismus ist ein Symptom davon. Dieses Bündnis will nicht nur Symptome bekämpfen, sondern in die Tiefe wirken. Wir setzen uns deswegen mit den eigenen Strukturen auseinander und stellen diese zur Verhandlung. Wir müssen die Kunst- und Kulturräume sowie unsere Gesellschaft öffnen, damit wir wirklich Viele werden!

Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!


„Vielstimmigkeit“ – Marcus Lobbes über ICH, EUROPA

Christian Freund, Uwe Schmieder, Alexandra Sinelnikova

 


Vielstimmigkeit

Regisseur Marcus Lobbes über ICH, EUROPA

Interview: Michael Eickhoff & Matthias Seier

Marcus Lobbes arbeitet seit 1995 als Regisseur und Ausstatter im Musik- und Sprechtheater. Seine kompromisslosen Klassiker-Umsetzungen sorgen seit Jahren ebenso wie seine zahlreiche Ur- und Erstaufführungen in vielen renommierten, innovativen Theatern der Republik für volle Häuser und überregional für überragende Kritiken. Neuartige kollektive Arbeitsformen mit den Ensembles und sein enger Kontakt zu zeitgenössischen Autoren zeichnen seine künstlerische Handschrift aus. Wie sehr das zu gleichzeitigem Erfolg bei Publikum und Kritik führt, lassen zahlreiche Einladungen und Auszeichnungen erahnen. Zunehmend hält sein Ansatz auch in der Nachwuchs-Ausbildung Einzug: So wurde er in der jüngsten Zeit als Gastdozent und Redner an die Akademie der Künste in Ludwigsburg, das Salzburger Mozarteum, die Universität Rostock, die Hochschule Mainz und an die Kunstuniversität Graz eingeladen. (Foto: privat)

Als wir Sie für diese Inszenierung anfragten, gab es bis dahin bloß die erste grobe Idee: nicht-europäische Autoren schreiben für eine imaginierte Figur „ Europa“ einen Text über die Geschichte zwischen „Orient“ und „Okzident“. Was hat Sie daran gereizt? In der ersten Idee ging es darum, Knotenpunkte der gemeinsamen Geschichte zu beschreiben. Die Idee, dass man Annäherung über geschichtliche  Motive und Szene – bspw. Lawrence von Arabien oder „die Türken stehen vor Wien“ – schaffen kann, hat viel von einer hollywood-romantischen Suche nach den großen gemeinsamen Bildern. Da hat es mich gereizt, diese Bilder mit Gegenbildern von außen gegenüberzustellen: Was ist unsere Darstellung von Geschichte? Und natürlich war ich schlichtweg neugierig. Die Aussicht auf Texte nicht-europäischer Autor_innen, die auch mit unserem Verständnis von Theater kollidieren könnten, hat mich gereizt! Wir bekommen unsere eigene Geschichte gespiegelt und spiegeln nicht – wie sonst so oft in Europa – die Geschichte des Anderen.

Hat sich Ihrer Wahrnehmung nach in den letzten Jahren etwas im Verhältnis zwischen dem sogenannten Abend- und dem sogenannten Morgenland  verändert? 2006 habe ich mich erstmals damit am Theater beschäftigt – das war relativ kurz nach den gescheiterten islamistischen Kofferbombenattentaten in Köln. Danach kam der sogenannte „Arabische Frühling“, was begrifflich auch eine westliche Zuschreibung war. Im Laufe dieser Zeit hat sich natürlich viel verändert. Dringend revidiert gehört das Bild des Orients als einer Einheit, in der alle die gleichen Interessen haben. Zudem wandelte sich stark die Beziehung zu Europa selbst und wie man Europa entgegentritt, sowohl im Positiven wie im Negativen. Einerseits verstärkte sich die Suche nach einem politisch-kulturellen Austausch, andererseits gelangen natürlich auch immer mehr die Angst und der Hass beiderseits in den Vordergrund.

Marlena Keil

Und hat sich durch dieses Projekt Ihr Verhältnis zu der Thematik gewandelt oder erweitert? Ich war beim Lesen der Texte überrascht, wie homogen Europa von einer völlig nicht-homogenen Autor_innenschaft beschrieben wird. Das Klima, wie Europa in diesen Texten beschrieben wird bzw. wie es sich in diesen Texten darstellt, ähnelt sich oft. Da geht es viel um den guten Glauben an die Tradition dieses Kontinents und an die Hoffnung, die er weiterhin nach außen ausstrahlt – im ständigen Bewusstsein der gigantischen Schneise der Verwüstung, die er immer wieder anrichtete und anrichtet.

Der tote Zeus: Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder

Was waren bei der Beschäftigung mit den Texten die Herausforderungen? Ich musste zu Beginn damit klarkommen, dass ich bei diesen Texten mit dem theaterüblichen Interpretationsansatz nicht weit kommen würde. Die Frage war ja, wie man diese Texte in einer gleichermaßen zwingenden wie auch für alle passenden Form unterbringt. Die Texte entstammen  unterschiedlichen Denkweisen und Federn, die teils nur wenig mit unserem Theaterverständnis zu tun haben.

Gab es inhaltliche Hürden? Wir bieten mit diesem Abend eine Plattform für die Sichtweisen von anderen. Da habe ich versucht, von jeder Bewertung der Inhalte Abstand zu nehmen. Das tue ich sonst nicht. Die Maxime war, die Texte so zu nehmen, wie sie sind, und gemeinsam mit dem Ensemble herauszufinden, was ein jeweiliger Text uns gibt und was er kann – ohne als große Interpretationsmaschine dort einzugreifen.

Bettina Lieder

Gibt es eine Erklärung dafür, warum die Texte so gegenwärtig sind und eher zurückhaltend auf die Geschichte zurückgreifen? Nein, das hat mich tatsächlich überrascht. Historische Ereignisse tauchen in diesen Texten immer wieder nur als kleine Nadelstiche auf. Sie sind insofern weniger Knotenpunkte einer gemeinsamen Geschichte innerhalb der letzten 1400 Jahre, bei denen Ost und West anknüpfen und „Da ist etwas Entscheidendes passiert“ sagen könnten.

Aus eben diesen inhaltlichen Hürden entstand die Idee, eine Art von Nachbereitung des Abends im Institut zu schaffen. Ist sie für Sie auch ein inhaltliches Anliegen? Gewiss. Man kann schon den Abend direkt nach dem Applaus verlassen und trotzdem Gedanken, Bilder und Gefühle mitnehmen und das eigene Wissen oder die Meinung überprüfen. Das muss so ein Theaterabend in sich schaffen. Und trotzdem wollen wir das Feld aufmachen und zeigen, dass auch wir nur im weitesten Sinne nach Antworten gesucht und uns dem Material „ausgeliefert“ haben: so wie es ist, kommt es im Großen und Ganzen auch auf die Bühne. Und dass das Publikum nun bei Neugier hier weiterlesen und sich weiter austauschen kann, ist mir wichtig: aus welchem Kosmos entstammt der Text? Wer genau ist der Autor? Welche Passagen tauchten auf der Bühne nicht auf? Was ist das Sekundärmaterial?

Was macht diesen Abend besonders? Wem würdest du den Abend empfehlen? Und wem eher nicht?Besonders macht diesen Abend die Vielstimmigkeit, die einen Beitrag zum Gesamt-Diskurs über Europa liefert. Dieser Diskurs liegt ja eh offen vor uns und beschäftigt mehr oder weniger direkt jeden, spätestens seit 2001 ist er uns im Hinterkopf verankert. Dieser Abend ist eine große Gemeinschaftsarbeit: die Autor_innen durften eigenständig handeln, die Schauspieler_innen auf der Bühne, das Regie-Team ebenfalls. Ich habe mich darauf verlassen, dass das Kuratieren und Ordnen der Beiträge dabei nicht zu einem revuehaften Kessel Buntes führt. Wer also den Kessel Buntes sucht, wird ihn hier nicht finden. Es ist keine farbenfrohe Reise durch die Geschichte oder Kultur Europas. Es ist ein ernster Abend über ein ernstes Thema, allerdings mit Leichtigkeit und Zauber.

Uwe Schmieder, Bjšörn Gabriel

Ich, Europa feiert am 13. Oktober Premiere. Weitere Termine: 27. Oktober, 17./18./25. November… Alle Termine und Infos online.

Probenfotos: Birgit Hupfeld
 

Everything Belongs to the Future – Videothek

 

Laurie Penny im Gespräch mit dem SRF: „Die nächste Revolution ist feministisch“

Laurie Penny ist die zurzeit wichtigste junge Feministin. Mit ihrer zugleich wütenden wie witzigen Art schaffte sie es, dem Feminismus neues Leben einzuhauchen. Im Gespräch mit Barbara Bleisch spricht sie über den Zusammenhang von Körper und Kapitalismus und von Fantasie und Revolution. 
 

TED-Talk von Cynthia Kenyon über Möglichkeiten eines längeren Lebens

Was bestimmt das Altern? Biochemikerin Cynthia Kenyon hat eine einfache, genetische Mutation entdeckt, welche die Lebenserwartung eines simplen Wurms – C. elegans – verdoppeln kann. Die Lehren aus dieser und anderen Entdeckungen deuten darauf, wie wir eines Tages massgeblich jugendliches menschliches Leben verlängern können.
 

 

5 FRAGEN AN JÖRG BUTTGEREIT

Die seltsam ritualisierte Welt der blutig-erotischen Schlitzerfilme

5 Fragen an Im Studio hört Dich niemand schreien-Regisseur Jörg Buttgereit

Uwe Rohbeck, Alexandra Sinelnikova, Marlena Keil, Caroline Hanke

Lieber Jörg Buttgereit, wie ist es, wieder in Dortmund zu inszenieren? „Besessen“ ist ja nun schon etwas her.

Buttgereit: Ich bin dem Schauspiel Dortmund ja immer treu geblieben und habe im letzten Jahr mehrere Abende meiner Gesprächsreihe für Freunde der Trivialkultur, „Nackt und zerfleischt“, auf der Studiobühne gemacht. Das neue Stück schließt da nahtlos an.

Ihre bisherigen Dortmunder Stücke kreisten thematisch um Sexploitation, Godzilla, die krude Welt des Leichenteile-Sammlers Ed Gein, den Elefantenmenschen, den Vampir Nosferatu und den Film „Der Exorzist“. Und auch diesmal nehmen Sie ein spezifisches Genre in den Fokus: Die italienischen Giallo-Horrorfilme. Genauer gesagt, die Werke des italienischen Filmemachers Dario Argento aus den 1970ern und 80ern, in Italien gefeiert und in Deutschland zensiert, sowie die Giallo-Hommage „Berberian Sound Studio“ von Peter Strickland aus dem Jahre 2012. Spielt auch „Im Studio hört Dich niemand schreien“ in Italien?

Ja, das Stück spielt 1976 in Italien. Wir begleiten den deutschen Tongestalter Maximilian Schall in diese seltsam ritualisierte Welt der blutig-erotischen Schlitzerfilme. Herr Schall hat bislang nur Tierfilme vertont und hat jetzt echte Probleme, sich mit dem Machwerk „Die Blutbraut der Bestie mit den schwarzen Handschuhen“ anzufreunden. Auch wenn das Stück im Sujet Italo-Horror angesiedelt ist, funktioniert es wie eine Komödie.

Wir sehen ein Tonstudio irgendwo in Italien – wieso haben dann zwei Figuren einen englischen Namen, und eine einen deutschen?

In den italienischen Giallos treten oft internationale Filmstars auf, um eine weltweite Vermarktung zu erleichtern. Einige Filme des Regisseurs Dario Argento wurden in Deutschland koproduziert und spielen in München oder Berlin.

Ihr langjähriger Weggefährte Frank Behnke, der auch schon mit David Lynch, Tom Tykwer und Oscarpreisträger Alan Splet gearbeitet hat, ist diesmal in Dortmund an Ihrer Seite – wie kam es dazu?

Frank Behnke hat die bedrückende Tonspur meiner Episode in dem Kompilationsfilm „German Angst“ kreiert. Da es in „Im Studio hört Dich niemand schreien“ um die Tonebenen eines Horrorfilms geht, schien mir die Zusammenarbeit naheliegend und reizvoll.

Susanne Priebs hat für das Stück nicht nur die Kostüme, sondern auch ein sehr detailgetreues Bühnenbild entworfen und dabei die Tatsache, dass das Stück 1976 spielt, scharf im Auge behalten. Haben Sie ein Lieblingsrequisit?

Die Bühne ist voll mit wunderschönen Requisiten. Die alte majestätische Bandmaschine im Zentrum des Geschehens ist natürlich ein Hingucker. Im digitalen Zeitalter empfinde ich solche wuchtigen analogen Maschinen als sehr anrührend.


Teambild

IM STUDIO HÖRT DICH NIEMAND SCHREIEN
von Jörg Buttgereit und Anne-Kathrin Schulz
frei nach Peter Strickland und Dario Argento

Premiere am 16. September 2018 am Schauspiel Dortmund, bereits ausverkauft

Weitere Termine: 20. September, 6. Oktober, 28. Oktober, …

Mit: Christian Freund, Ekkehard Freye, Caroline Hanke, Marlena Keil, Uwe Rohbeck und Alexandra Sinelnikova.


Jörg Buttgereit (*1963) ist Regisseur und Autor diverser Arthouse-Horrorfilme (u.a. „Nekromantik“ und „Der Todesking“), Hörspiele, Theaterstücke, Filmkritiken und der Bilderheft-Serie „Captain Berlin“. In der Spielzeit 2011/12 gab er mit dem ersten – von Kritik und Publikum gleichermaßen umjubelten – „Double-Feature in 3 D“ GREEN FRANKENSTEIN und SEXMONSTER! sein Debut am Schauspiel Dortmund. 2012 inszenierte er die True-Crime-Tragödie „Kannibale und Liebe“, 2013 „Der Elefantenmensch“, 2014 „Jörg Buttgereits NOSFERATU LEBT!“ und 2015 „Besessen“. Anfang 2015 erschien sein Episodenfilm „FINAL GIRL“ in der Compilation „GERMAN ANGST“, 2017 inszenierte er „Die lebenden Toten oder: Monsters Of Reality“ in Essen. Seit 2018 kuratiert er am Schauspiel Dortmund die Gesprächsreihe Jörg Buttgereits NACKT UND ZERFLEISCHT.

Frank Behnke (*1955) studierte Filmton und Sound Design bei Oscar-Preisträger Alan Splet bei „Blue Velvet“ (Regie: David Lynch). Ton bei „Lola rennt“ (Regie: Tom Tykwer) u.v.a. Filmen. Er arbeitet als Autor, Tonmeister, Schauspieler, Cutter, Sound Designer und als Dozent für Ton, Schnitt, Sound Design an Filmschulen in Zürich, Münster, Berlin, Bozen, München, Potsdam. Mit Regisseur Jörg Buttgereit verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit, z.B. bei diversen Musikvideos (Klaus Beyer, Half Girl, Stereo Total, Mutter) und Spielfilmen (z.B. Final Girl / German Angst).

Susanne Priebs (*1983) studierte Architektur an der FH Düsseldorf und Baukunst an der Kunstakademie Düsseldorf mit einem Master Abschluss in Architektur. Seit 2006 Arbeit als freie Bühnen- und Kostümbildnerin u.a. für das Staatstheater Kassel, das Schauspiel Dortmund und das Schauspiel Essen. Am Schauspiel Dortmund arbeitete sie als Ausstatterin bei „GREEN FRANKENSTEIN und SEXMONSTER!“, „Kannibale und Liebe“, „Der Elefantenmensch“, „Jörg Buttgereits NOSFERATU LEBT!“, „Besessen“, „Triumph der Freiheit #1“, „Memory Alpha oder Die Zeit der Augenzeugen“ und „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm verantwortlich“ und gestaltete die MEGABAR.

INTERVIEW: Wie werden Parallelwelten möglich?

DIE PARALLELWELT

Am 15. September wird zwischen dem Schauspiel Dortmund und dem Berliner Ensemble eine Uraufführung stattfinden, die es so noch nicht gegeben hat. Auf zwei Bühnen, die 420 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt liegen, findet zeitgleich ein einziges Stück statt: Zwei identische Bühnenwelten, jeder Schauspieler und jede Schauspielerin hat einen “Zwilling” im anderen Theater.
Verbunden sind die Bühnen via Glasfaser, Bildschirm und Lautsprecher – und so können die Ensembles miteinander spielen und sprechen. Die Textgrundlage für Die Parallelwelt ist wie schon so häufig in den letzten Jahren (z.B. in Die Borderline Prozession) eine Textcollage, die Kay Voges im Autorenkollektiv mit der Schauspielerin Eva Verena Müller und dem Dramaturgen Alexander Kerlin geschrieben hat.

Doch wie gelingt dieses große Vorhaben überhaupt technisch? Von welchen Datenmengen reden wir? Und bekommt man von der großen Distanz nach Berlin als Zuschauer etwas mit?

Das fragen wir Dominik Bay, als Experte für die lichtschnelle Versendung von Daten und als Netzwerk-Ingenieur weltweit tätig. Erste Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Dortmund im Rahmen von „Crashtest Nordstadt“ – seitdem immer wieder auf, neben oder unter der Bühne am Start, wenn in der analogen Welt Raum und Zeit überwunden werden müssen.


Ganz grob formuliert: wie funktioniert die Simultan-Theateraufführung technisch überhaupt, wie geht sowas? Letztlich ist es nichts anderes als eine Liveschalte im TV, jedoch mit einem besonders kritischen Punkt der Interaktionsfähigkeit. Für eine flüssige Interaktion darf die Zeitverzögerung nicht zu hoch sein. Üblicherweise fällt man sich ab 100 Millisekunden (ms) ins Wort, die Reaktionszeit eines Menschen liegt im Schnitt bei 250ms, visuelle Reize können jedoch schon innerhalb von 13ms wahrgenommen werden. Da wir auf der Bühne sowohl visuelle als auch akustische Latenz haben, muss beides perfekt passen. Schauspieler orientieren sich nicht nur an Gehörtem, sondern auch an Bewegungen oder Mimik. Nachrichtensprecher müssen das nicht.

Wird es eine für das Publikum bemerkbare Rückkopplung oder Zeitverzögerung geben? Es kann im Fehlerfall eine Zeitverzögerung geben, die man als Zuschauer vermutlich nicht bemerken wird. Schauspieler, die das Stück perfekt in- und auswendig kennen, werden aber vermutlich merken, wenn etwas später kommt als sonst üblich. Der Übertragungsweg hat eine Länge von ca. 597km und damit eine Latenz je Richtung von 2.99ms. Da wir noch diverse Effekte kompensieren muessen, kommen noch ca. 0.41ms hinzu. Damit sind wir bei 3.4ms – das betrifft jedoch nur das Lichtsignal. Die angeschlossenen Netzwerkgeräte werden weitere 1.5ms hinzufügen, damit sind wir bei 4.9ms je Richtung. Um das Bild auf die Leinwand oder den Bildschirm zu bringen, benötigen wir im Schnitt weitere 9ms – damit haben wir 13.9ms je Richtung – und noch ca. 11ms Puffer bis zu unserer selbst gesetzten Obergrenze von 25ms.

Derzeit bastelst und verkabelst du viel am Berliner Ensemble und am Schauspiel Dortmund miteinander und steigst sogar auf deren Häuserdacher. Was genau machst du? Der Dortmunder Teil war eigentlich ziemlich einfach. Zum Glück sind wir wieder im Schauspielhaus in der Innenstadt, und nicht mehr im abgelegenen Megastore. Daher haben wir Zugriff auf Glasfaserinfrastruktur, die das Schauspielhaus mit den Geräten im Rechenzentrum im Osten von Dortmund verbindet. Und dann sind wir schon fast an der „Rennstrecke“ nach Berlin, einmal an der B236 hoch und es geht auf eine Glasfaserleitung, die etwa parallel zur A2 verläuft. Dort endet das Kabel in einem engmaschigeren Stadt-Netzwerk mit mehr Wegen. Zum Glück war die Wahl des Providers einfach, da es im Berliner Ensemble schon einen Glasfaseranschluss gibt. Bei diesem Provider versuchen wir gerade einen Weg zu finden, der möglichst wenige weitere Verbindungsarbeiten innerhalb der Stadt erfordert, das ist nicht immer ganz einfach. Eine Alternative war daher, eine Richtfunkverbindung aufzubauen. Leider war das Thema ziemlich schnell erledigt, da die hohen Gebäude am Potsdamer Platz zwischen dem Rechenzentrum und dem Berliner Ensemble stehen. Ohne Sichtverbindung können wir da leider nichts machen. Die andere Möglichkeit: das Signal am Schöneberger Gasometer umlenken. Das ist jedoch weit weg und denkmalgeschützt.

Wie funktioniert der Datentransfer über Glasfaser-Leitungen von Berlin nach Dortmund und zurück? Bei jedem der verschiedenen Netzbetreiber mieten wir eine Wellenlänge auf den Glasfaserleitungen an. Das ist eine Farbe, die dann nur von uns verwendet wird. Auf dieser Wellenlänge außerhalb des Sichtbereichs des menschlichen Auges können wir dann unseren Daten in Lichtpulse mit dieser Farbe umwandeln, und die wird dann von den Providern durchgelassen. Damit wir nur unsere Farbe benutzen können und auch die anderen Nutzer nicht stören, sind an unserem Leitungsanfang und Ende entsprechende Filter installiert. Wie ein Brillenglas, welches nur für eine bestimmte Farbe durchlässig ist. Danach geht es mit vielen anderen Signalen auf ein Prisma, und dann auf die Glasfaserleitung.


Die Parallelwelt

Premiere: 15. September 2018 (ausverkauft).

Weitere Termine: 20./26. September, 28./31. Oktober, 16 November,…

Probenfotos: Birgit Hupfeld.

MIT BLEISTIFT, RADIERGUMMI UND LIEBE ZUM THEATER

Was Sie schon immer über Souffleusen wissen wollten, aber nie zu fragen wagten


Ruth Ziegler ist seit 2016 Souffleuse am Schauspiel Dortmund. Kurz vor der Premiere von Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm beantwortet sie 15 Fragen über einen der vermutlich geheimnisvollsten Theaterjobs überhaupt.

Von Ruth Ziegler.


Die ganz grundsätzlichen Antworten zuerst:

Nein, ich sitze nicht in einem Kasten unter der Bühne. Ja, das ist ein Vollzeitjob. Unterschätzen Sie die Schauspieler*innen nicht. Die können auch Irritation und das Suchen nach Worten ganz hervorragend spielen.

Okay, die Hauptfragen wären geklärt. Aber darf man überhaupt Souffleuse sagen? Oder besser Souffleurin?

Zu mir darf man Souffleuse sagen. Die Berufsbezeichnung kommt ja aus dem Französischen und wäre ich Französin wäre ich ebenfalls une souffleuse. Falls jemand aber lieber Einflüstererin oder Vorsagerin sagen möchte…

Ruth Ziegler (hier bei einer Probe für TRUMP) ist nach mehreren Hospitanzen und Mitarbeit im Foyer-Team seit 2016 Souffleuse am Schauspiel Dortmund. Nebenher studiert sie Komparatistik und Theaterwissenschaft in Bochum. Die meisten Backstage-Aktionen hatte sie wohl beim Stück „hell / ein Augenblick“: innerhalb weniger Sekunden von einer zur anderen Seite des Megastores eilen, meist in völliger Dunkelheit.
Gut. Und was genau heißt soufflieren? Wörtlich heißt das französische Verb souffler wehen, aber eben auch vorsagen oder einflüstern. In der Praxis heißt soufflieren aber manchmal auch, sich über Musik und andere Geräusche hinweg Gehör zu verschaffen. Es ist also hilfreich, wenn man ein bisschen im Umgang mit seiner Stimme geschult ist.

Was braucht man sonst für den Job?

Sensibilität für Sprache, Literatur, und ein bisschen für Menschen, sind gute Voraussetzungen. Ansonsten arbeite ich mit viel Liebe fürs Theater, Bleistift, Radiergummi, Lampe und mit bunten Klebezetteln.

Und wo ist die Souffleusenschule?

Das Theater ist die Souffleusenschule. Die Arbeit hat viel mit Erfahrung zu tun und auch damit, die Schauspieler*innen gut zu kennen. Es ist Learning-by-Doing, darum kann ich hier auch nur für mich sprechen. Aber wenn da draußen andere Souffleusen und Souffleure sind, die Lust haben sich auszutauschen: ihr wisst jetzt, wo ihr mich findet.

Wie können wir uns deine Arbeit vorstellen?

Die Zuschauer*innen sehen mich ja meist mit Textbuch in den Vorstellungen sitzen. Mittig in der ersten Reihe – für den Fall, dass jemand einen Textaussetzer hat, über den er allein oder mit Hilfe der Kolleg*innen nicht hinwegkommt.
Meine Arbeit auf den Proben ist ähnlich, allerdings unter anderen Voraussetzungen. In Vorstellungen würde ich immer eher laufen lassen, auf Proben kann es manchmal wichtiger sein, im Textablauf genau zu sein und zu korrigieren. Außerdem spielt da der Textlernprozess der Schauspieler*innen natürlich eine Rolle. Gerade in den ersten Probenwochen, wenn der Text sich noch ändert und szenisch noch viel Verschiedenes ausprobiert wird, habe ich viele Einsätze.

Man kennt das vielleicht selbst vom Auswendiglernen von Vokabeln oder Gedichten. Dinge bleiben besser im Gedächtnis, wenn sie in einen bestimmten Ablauf eingebettet oder mit bestimmten Bewegungen verknüpft sind. Solange sich also Abläufe noch ändern, entfällt auch schon mal leichter ein Text. Das ist die eine Seite meiner Arbeit, die viel mit Geistesgegenwart zu tun hat und damit, sich auf die jeweilige Probensituation einzustellen. Man muss einschätzen können, worauf es gerade ankommt.

Und was ist die andere Seite der Arbeit?

Die andere Seite ist Textpflege. Wobei ich eigentlich lieber sage, dass ich den Text hüte. Dazu gehört zum Beispiel, dass ich Textänderungen notiere und ins digitale Skript einarbeite. Aber hauptsächlich besteht dieser Teil darin, die Schauspieler*innen auf Abweichungen oder Auslassungen hinzuweisen – regelmäßig in der Probenphase und, gegebenenfalls, auch nach Vorstellungen.

Eine Seite aus dem Soufflagebuch für „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“. Das Blitz-Symbol bedeutet „Licht einschalten“, die Notenschlüssel signalisieren Musikeinsätze. Das umkreiste R verdeutlicht, dass die Reihenfolge oft abweicht. Und die bunten Klebezettel signalisieren Textabweichungen oder -auslassungen während der Proben.
Was für Fehler passieren am Häufigsten?

Das kann man so allgemein nicht sagen. Es hängt zum einen natürlich vom Text ab. Shakespeare hat eine andere Sprache als Jelinek und beide haben so ihre Tücken. Wie leicht oder schwer einem ein bestimmter Text fällt und auch welche Abwandlungen man intuitiv daran vornimmt, hat viel mit dem eigenen Sprachgefühl zu tun. Ich sagte ja, dass es auch wichtig ist, die Schauspieler*innen zu kennen, weil man so mit der Zeit einschätzen kann, wie sie mit Texten umgehen und auch, wie sie lernen. Jede*r Schauspieler*in hat ein bisschen andere Wünsche und Bedürfnisse, was die Zusammenarbeit mit mir angeht. Manche kommen häufiger zu mir, um ihren Text mit mir durchzugehen, andere fast nie. Einige rufen „Text!“, andere nennen mich beim Namen oder geben mir Zeichen, wenn sie Hilfe brauchen. Und auch jeder Text hat ein bisschen andere Bedürfnisse. Bei einem sehr rhythmischen Text, zum Beispiel beim Schiller-Klassiker, kann es auf jedes einzelne Detail einer Zeile ankommen, andere Texte verzeihen kleinere Ungenauigkeiten eher. Und dann kommt es natürlich auch darauf an, was dem/r Regisseur*in am Text wichtig ist.

Und kannst du die Texte irgendwann auch auswendig?

Jein. Im Gegensatz zu Schauspieler*innen lerne ich den Text ja nicht bewusst auswendig und das wäre auch für meine Arbeit kontraproduktiv. Mein Gedächtnis ist schließlich auch nicht unfehlbar. Aber natürlich prägt sich durch die Wiederholung schon das eine oder andere ein. Das kann nützlich sein, wenn zum Beispiel jemand spontan eine bestimmte Textstelle prüfen möchte. Dann macht es nichts, wenn ich die Stelle im Textbuch nicht auf Anhieb finde, sondern nur durchs Hören merke, dass etwas nicht stimmt.

Kannst du uns vielleicht eine Anekdote erzählen?

Ich glaube, ich möchte das nicht so gerne. Nicht, weil es keine gäbe, aber es liegt irgendwie in der Natur der Sache, dass man über meine Arbeit ohnehin nicht reden kann, ohne über die Fehler anderer, also der Schauspieler*innen, zu reden und das ist mir, ehrlich gesagt, so schon ein bisschen unangenehm.

Ist es in Ordnung für dich, wenn Zuschauer dich ansprechen?

Grundsätzlich ja. Es gilt natürlich die alte Schulbusregel: Während der Vorstellung nicht mit der Souffleuse sprechen! Aber auf die Idee ist bisher auch noch kein Zuschauer gekommen. Ansonsten gebe ich gerne Lob weiter oder Auskunft, wie lang die Pause ist oder wie noch mal dieses eine besondere Wort war, das da an einer Stelle vorkam. Nur eine Frage werde ich ganz sicher nicht beantworten.

Ui, okay. Und welche ist das?

Ob jemand während der Vorstellung einen Hänger hatte. Oder ob ich einen Einsatz hatte – das bleibt mein Geheimnis! Das hat vor allem mit Loyalität zu tun. Außerdem finde ich, Theater darf ein bisschen magisch sein. Zu dieser Magie gehört auch, nicht alles genau zu wissen und zu durchschauen.

Na gut. Dann zu guter Letzt, die eine Frage, die uns alle umtreibt: Dein Einsatz bei TRUMP – spontan oder inszeniert?

Voll inszeniert. Der Moment entstand zufällig auf der Probe, gefiel aber so gut, dass er einfach übernommen wurde. Ich befürchte aber, dass ich im Laufe der vielen Vorstellungen eine gewisse Spielfreude entwickelt habe und man vielleicht inzwischen ein bisschen mehr merkt, dass es inszeniert ist, als das vielleicht zu Anfang der Fall war. Apropos, du wolltest doch eine Anekdote hören: Dieser Partyhut mit der Amerikaflagge, den ich bei TRUMP trage…

Ja?

Ursprünglich hab ich den mal aufgesetzt, weil ich dachte, es könnte den Schauspieler*innen helfen, mich zwischen den Zuschauern zu entdecken, falls sie mich brauchen. Nach der Probe saßen wir dann zusammen am Tisch und ich sagte: „Ich hab mal diesen Hut aufgesetzt, damit ihr mich besser seht, funktioniert das?“ Aber noch ehe einer von ihnen antworten konnte, sagte der Regisseur: „Egal, es ist lustig.“ Und seitdem hab ich den Hut.

Sonst noch was zu sagen?

Setzen Sie sich ruhig neben mich. Ich beiße nicht und leises Umblättern gehört zu meinen Souffleusenkernkompetenzen. Das Geschehen auf der Bühne wird Sie ausreichend fesseln, sodass Sie nicht in Versuchung geraten, sich selbst zu spoilern, indem sie in mein Buch gucken. Außerdem ist das meistens nicht der schlechteste Platz. Also keine Scheu: setzen Sie sich ruhig neben mich.

EIN ZUTIEFST BERÜHRENDES GEFÜGE AUS MUSIK UND TEXT

Maria Helgath im Gespräch mit Dirk Baumann

Maria Helgath (Sängerin)
Bettina Lieder
Frank Genser
T.D. Finck von Finckenstein (musikalische Leitung)
Petra Riesenweber (Piano)
Robin Grunwald (Sänger)

Maria Helgath steht im Schauspiel Dortmund in Claudia Bauers Inszenierung von „Schöpfung“ als Solistin auf der Bühne. Auf Grundlage von Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ erzählt der Abend von den Chancen und Risiken der technologischen Entwicklung rund um Künstliche Intelligenz und humanoide Roboter und stellt die provokante Frage: Wenn der biologische Mensch selbst zum Schöpfer wird, wer sind dann Adam und Eva? Die Sprechtexte sind neu hinzugekommen und von Regieteam und Ensemble gemeinsam entwickelt worden. Im Interview mit Dramaturg Dirk Baumann erzählt Maria Helgath unter anderem, warum der Abend unbedingt etwas für Haydn-Fans ist. Die ungewöhnliche Kooperation aus Sprech- uns Musiktheater steht noch bis zum Ende der Spielzeit auf dem Spielplan.

„Die Schöpfung“ gehört ja zu den bekanntesten Oratorien überhaupt. Was ist für dich der Unterschied zwischen der Schöpfung im Schauspiel und Dortmund und der Partie in einer klassischen konzertanten Aufführung?
 
Im Konzertbereich liegt der Fokus auf der Musik. D.h. man versucht als Sänger und Musiker alles, alle Bilder, alle Emotionen akustisch entstehen zu lassen. Natürlich gibt es oft auch Rollen, die man als Sänger auf musikalischer Ebene interpretiert und mit denen man Geschichten erzählt. Haydn hat in der „Schöpfung“ sehr lautmalerisch komponiert: der Adler schwingt sich zum Beispiel in aufsteigenden Linien von der unteren Mittellage nach oben in luftige Tonhöhen oder die Tauben girren durch kleine Triller. Das wird in unserer Version in Dortmund in großen Teilen aufgebrochen bzw. in einen neuen Kontext gesetzt. Zwar wird der Klavierauszug teilweise am Cembalo im Original gespielt, der Klang wird durch das Arrangement von T.D. Finck von Finckenstein aber so verfremdet oder mit elektronischen Sounds unterlegt, dass bestimmte Details sehr eindringlich vor Augen geführt werden. Oder wir singen Arien zwar wie im Original, wiederholen aber dann eine Stelle absurd oft oder machen ein Rezitativ, das eigentlich einen reinen Erzählcharakter hat, zu einer Art Arie. Manches hat T. D. Finck von Finckenstein auch komplett umarrangiert, die Essenz eines Stückes herausgegriffen, neu interpretiert, in einen neuen Zusammenhang gesetzt, wodurch man es natürlich völlig anders hört! In der klassischen konzertanten Aufführung würde niemals ein Ausschnitt von vier Takten aus einem Terzett xmal wiederholt und über einen elektronischen Beat gesetzt werden, aber genau diese Herangehensweise ist besonders bei „Schöpfung“ im Schauspiel. Oft löst die Musik den nächsten thematischen Schritt aus, manchmal fungiert sie als eine Art Soundtrack zum Bühnengeschehen und oft bildet sich aus Musik und Text ein zutiefst berührendes und aufrüttelndes Gefüge, das die einzelnen Bestandteile in ganz neue Dimensionen treibt und den Zuschauer sehr herausfordert, wirklich hinzusehen und hinzuhören.

„Der Mensch in seiner Unvollkommenheit will eigentlich nur lieben und geliebt werden.“

Würdest du sagen, dass die Inszenierung auch etwas für Haydn-Fans ist?
 
Unbedingt! Ich glaube, wer wirklich Haydn-Fan ist, ist offen und neugierig. Haydn hat humorvoll und optimistisch komponiert, dem versuchen wir auch am Schauspiel Dortmund gerecht zu werden, hier allerdings im krassen Kontrast zu den Sprechtexten. Haydn beschreibt in seiner Komposition eine schöne, intakte, gesunde, vollkommene Schöpfung, doch was haben wir, was hat der Mensch daraus gemacht? Wie nutzen wir unsere menschliche Schöpferkraft, die Haydn sehr lautmalerisch und musikalisch wunderschön in den Szenen um Adam und Eva beschreibt? Also gut, mal abgesehen davon, dass ich als Frau des 21. Jahrhunderts etwas mit dem Rollenverständnis des 18. Jahrhunderts zu kämpfen habe. Aber auch das dreht sich im Schauspiel, die Maschine ist geschaffen, um dem Menschen zu dienen – und überflügelt ihn letztendlich. Der Mensch in seiner Unvollkommenheit versucht Gutes und Nützliches zu schaffen, will eigentlich nur lieben und geliebt werden, wie Haydn das ja auch komponiert hat, und scheitert immer wieder auf verschiedensten Ebenen. Ich denke, wer mit offenen Ohren und Augen in die Vorstellung geht, kann sehr viel mitnehmen, man wird mit seinen eigenen Sichtweisen konfrontiert, auf musikalischer wie auf weltanschaulicher Ebene. Für mich als Zuschauer ist ein Theaterabend – egal in welchem Genre – immer dann besonders wertvoll, wenn ich das Theater mit einem anderen Blick auf die Welt verlasse, als ich es betreten habe. Und ich finde, unsere „Schöpfung“ hat das Zeug dazu, für viele ein solcher Abend zu sein.

Bettina Lieder
Sänger: Ulrich Cordes, Maria Helgath, Robin Grunwald
Petra Riesenweber (Piano)

„Schöpfung“ erzählt von der Möglichkeit der Schöpfung eines neuen, künstlichen Menschen durch den biologischen Menschen selbst. Ist das ein Thema, mit dem du etwas anfangen kannst? 
 
Absolut, das beschäftigt und berührt mich sehr. Ich stand vielen technologischen Neuerungen lange skeptisch gegenüber, habe mich beispielsweise gegen die Preisgabe meiner Daten gewehrt usw. und irgendwann gemerkt, dass der ständige und konsequente Kampf dagegen auch in eine Art Vereinsamung führt. Neue Technologien, künstliche Intelligenz sind nicht per se schlecht, im Gegenteil, wir Menschen erschaffen laufend Unglaubliches, allein die Fortschritte im medizinischen Sektor sind gigantisch. Aber ich gebe zu, eine Form von Angst vor der mittlerweile völlig unkontrollierbaren Ebene der Algorithmen zu haben, vor Künstlicher Intelligenz, die uns längst überholt hat und die wir uns teilweise zunutze machen können, die aber auch Dimensionen angenommen hat, die unser aller Vorstellungskraft übersteigt. Die Texte von Stanislaw Lem im Stück haben mich sehr zum Nachdenken angeregt und ich finde es unglaublich spannend und wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

„Ich genieße es sehr, wenn man bei Proben ausprobieren darf.“

Du hast eine Ausbildung als Sängerin und als Schauspielerin. Inwiefern hilft dir das bei der Arbeit? Gibt es etwas, was du lieber machst?
 
Ja, das hilft mir oft. Wenn man sich in den verschiedenen Welten Musiktheater, Schauspiel und Konzert bewegt, lernt man verschiedene Arbeits- und Herangehensweisen, wie man sich einem Stoff, einer Thematik, einer Stilistik nähert. Und da befruchtet sich natürlich alles gegenseitig! Ich nähere mich beispielsweise Operncharakteren, aber auch klassischen Liedern oder Konzertpartien gern aus schauspielerischer Sicht. Ich achte also nicht nur auf Stimmklang und Phrasierung – wobei das natürlich auch sehr wichtig ist! Umgekehrt sind Schauspieltexte auch oft eine Form von Musik: Da gibt es Rhythmen und Wortklänge, die eine Figur charakterisieren. Was ich lieber mache, Schauspiel oder Gesang, kann ich gar nicht sagen, das hängt sehr von der Partie und der Rolle ab. Zum Beispiel empfinde ich es als sehr erfüllend „Schlafe, mein Liebster“ aus dem Weihnachtsoratorium von Bach zu singen – zu erleben, wie jede Note eine Liebeserklärung von Maria bzw. Bach an das schlafende Kind, an Jesus ist. Da braucht’s sonst nichts, alles passiert in der Musik. Und am nächsten Tag stehe ich dann vielleicht in einer Schauspielrolle auf der Bühne mit unglaublich vielen Schichten, Farben, Facetten, und auch das ist erfüllend! Also, ich kann nur sagen, dass ich die Vielfalt in der ich arbeiten darf, sehr genieße!

Ensemble

Wie war die Zusammenarbeit mit Tommy Finke und der Regisseurin Claudia Bauer?
 
Ich habe jeden Tag der Probenzeit wirklich genossen. Tommy und Claudia sind beide unglaublich kreative, energetische und geradlinige Menschen, es hat großen Spaß gemacht, die Musik aufzubrechen und Dinge gemeinsam entstehen zu lassen. Es gab bei keiner Probe den Zwang perfekt sein zu müssen, was leider bei musikalischen Produktionen oft der Fall ist, wodurch oft Leistungsdruck entsteht und kreatives Arbeiten sehr eingeschränkt wird. Ich genieße es sehr, wenn man bei Proben ausprobieren darf, auch mal Dinge daneben gehen dürfen, um dann zu entstehen und sich zu entwickeln. Das bietet Raum zur Entfaltung und den haben uns Tommy und Claudia geboten. Dass in den Endprobenwochen noch ganz viel entsteht, umgestellt wird, extra geprobt wird, kenne ich von vielen Schauspielproduktionen, deshalb musste ich mich da nicht umstellen. Ich mag an Claudia sehr, dass sie bis zum Schluss um das Produkt kämpft und wenn ihr zum Beispiel der Schluss nach der Generalprobe nicht gefällt, wird er eben nochmal umgebaut und neu strukturiert! Diese Leidenschaft und Bedingungslosigkeit für die Sache und die Beteiligten finde ich super.

„Ich fühle mich dem Ensemble sehr zugehörig, wir spielen und gestalten das Stück gemeinsam.“

Bei „Schöpfung“ ist kein Orchester mit dabei – hat das Auswirkungen auf die Art, wie du singst?
 
Nein, es macht stimmtechnisch keinen Unterschied. In der Oper muss man stimmlich über den Orchestergraben kommen, da braucht es manchmal „ein paar Gramm mehr“ auf der Stimme, aber Haydn hat sehr sängerfreundlich geschrieben, sowohl mit Orchester als auch in unserem Fall mit Cembalo oder Synthesizer-Sounds ist die Stimme immer sehr präsent. Damit wir über die elektronischen Sounds hörbar sind, werden wir verstärkt, wir müssen also nicht brüllen und können ganz „normal“ singen.

Ensemble

Wie war die Zusammenarbeit mit den Schauspieler*innen für dich?
 
Super! Ich finde das Ensemble am Dortmunder Haus wirklich spitze, sowohl künstlerisch als auch menschlich. Manchmal fand ich’s schade, auf der Bühne nicht mehr Teil der Spielgeschehens sein zu können, wir drei Sänger sind im Stück als „Künstliche-Intelligenz-Sänger“ in der großen Maschinerie der KIs eine eigene Spezies und auch räumlich die meiste Zeit von den „KI-Schauspielern“ getrennt. Aber ich fühle mich dem Ensemble sehr zugehörig, wir spielen und gestalten das Stück gemeinsam, jeder in seiner Profession (diesmal bin ich einfach Sängerin) und spätestens wenn wir von der Bühne gehen ist die Trennung sowieso aufgehoben.

Termine:

20.5., 18 Uhr, 2., 22.6., 4., 12.7., jeweils 19:30 Uhr im Schauspielhaus

„WIE EIN GESAMTKUNSTWERK“

„Wie ein Gesamtkunstwerk.“

Nane Thomas über die Besonderheiten des Bühnenbilds von DAS INTERNAT.

Es ist, als wäre Fritz Lang wieder auferstanden und hätte ein perfektes Räderwerk in Gang gesetzt.“ Das schrieb die Süddeutsche Zeitung kurz nach der Premiere über die Inszenierung „Das Internat“ von Ersan Mondtag – ein hochmusikalischer, düster-assoziativer Abend voller einprägsamer Bilder und einer Geschichte um Macht und Revolte.

Ein besonderer Hingucker ist dabei das Bühnenbild, das ebenfalls von Ersan Mondtag gestaltet und konzipiert wurde: ein opulentes, sich ständig drehendes, zweistöckiges Internatsgemäuer – einerseits groß und offen, andererseits schaurig und eng. Zweifelsohne ist das Bühnen- und Kostümbild von „Das Internat“ das Aufwändigste, die in den letzten Jahren im Schauspiel Dortmund zu sehen waren.

Wir haben mit der Bühnenbild-Assistentin Nane Thomas über „Das Internat“ und dessen Bühne gesprochen. „WIE EIN GESAMTKUNSTWERK“ weiterlesen

„Momente der Unsterblichkeit“

Momente der Unsterblichkeit

Ab dem 19. April ist unser Ensemble-Mitglied Marlena Keil als Magd Zerline im Studio zu erleben! Die legendäre Erzählung von Hermann Broch als packender Theater-Soloabend.
Die Magd Zerline hält Rückschau auf ihr Leben, das sie im Dienst einer Baronin verbracht hat: eine Lebensbeichte voller Sehnsucht nach einer erfüllten Liebe, die sie glaubte, im Liebhaber ihrer Herrschaft zu finden. Sehnsucht, Begehren und Schmerz mischen sich mit Neid, Stolz und Heimtücke an diesem sommerlichen Nachmittag, der zuletzt im Anzetteln eines Mordprozesses gipfelt.

Ein Gespräch mit Marlena Keil und dem Regisseur des Abends, Matthias Rippert.

Alle Termine und Tickets. „Momente der Unsterblichkeit“ weiterlesen

AUFREGUNG FÜR ALLE.

AUFREGUNG FÜR ALLE

Das ewige Feedback der Empörung – in Utzbach und im Netz

Essay zum „Theatermacher“ von Matthias Seier


Kritiker gibt es, deren jeder vermeint, bei ihm stände es, was gut und was schlecht sein solle; indem er seine Kindertrompete für die Posaune der Fama hält.

Artur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena, 1851


I. Die Geschichte einer Empörung

Im Sommer 1972 wurde bei den Salzburger Festspielen das Theaterstück Der Ignorant und der Wahnsinnige von Thomas Bernhard uraufgeführt. Dessen Regisseur Claus Peymann bestand in der letzten Szene auf absolute Finsternis. Auch das Notlicht müsse gelöscht werden. Während es bei der Generalprobe tatsächlich stockfinster war, hielten die Feuerwehr sowie die Festspielleitung diese Idee bei einer tatsächlichen Aufführung aus Brandschutzgründen für nicht hinnehmbar. Am Premierenabend kam es also hinter den Kulissen zu einem handgreiflichen Kampf um den Notbeleuchtungsschalter. Zur zweiten Aufführung kündigten die Schauspieler an, nicht mehr zu spielen, falls das Notlicht nicht gelöscht werde. Und zur dritten Aufführung kam es nicht mehr, weil die Festspielleitung daraufhin alle weiteren Vorstellungen des Stücks absagte. Der sogenannte Notlichtskandal war geboren. Thomas Bernhard, Claus Peymann und sein Team wurden von Presse und Zuschauern beschimpft und aufgefordert, das Land zu verlassen, wenn man sich nicht an dessen Gesetze halten wolle. Bernhard selbst schrieb dazu bloß: „Eine Gesellschaft, die zwei Minuten Finsternis nicht erträgt, kommt ohne mein Schauspiel aus.“ AUFREGUNG FÜR ALLE. weiterlesen

IRREN IST MENSCHLICH? – MEMORY ALPHA

Uraufführung

MEMORY ALPHA ODER DIE ZEIT DER AUGENZEUGEN

von Anne-Kathrin Schulz

Mit: Christian Freund, Caroline Hanke, Uwe Schmieder und Friederike Tiefenbacher

Regie: Ed. Hauswirth | Bühne und Graphic Art: Susanne Priebs | Kostüme: Vanessa Rust | Film-Still-Photography: Laura N. Junghanns | Video-Operator: Julia Gründer | Musik: Sebastian Spielvogel | Licht: Sibylle Stuck | Ton: Gertfried Lammersdorf, Chris Sauer | Engineering: Lucas Pleß

Premiere am 6. April 2018 im Studio / Schauspiel Dortmund
Aufführungsdauer: 95 Minuten


Termine und Tickets


Caroline Hanke, Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder

 

Bereits 2020 will die chinesische Regierung ein landesweites Scoring-System in Betrieb nehmen, das das Verhalten jedes Bürgers elektronisch speichert und bewertet. Jede/r in China wird dann mit einem Punktestand durchs Leben gehen, der seine/ihre Reputation widerspiegeln soll. Dieser „social score“ wird permanent aktualisiert: Der Mensch kann Punkte und damit Privilegien gewinnen, aber auch verlieren – je nachdem, was man online und offline so tut. Technologisch ist das kein Problem. Daten vonOnline-Plattformen können genauso einfließen wie die Meldungen von Mitbürgern – und alles Mögliche kann von Interesse sein: Z.B. wie gut man seine Arbeit macht, was man einkauft, wie schnell man seine Rechnungen bezahlt, welche Seiten man im Internet liest oder auch wie oft man bei Rot über die Straße geht. Die Vision: Die Schaffung eines elektronischen Gedächtnisses, mit dessen Hilfe die Bürger dazu erzogen werden sollen, bessere Menschen zu werden. Denn ein niedriger Punktestand kann unangenehme Konsequenzen haben…

Uwe Schmieder
Christian Freund, Friederike Tiefenbacher

 

Der Mensch, das Gedächtnis und ein Autounfall, der die Zeit auf den Kopf stellt: Dr. Gerd Stein, Leiter des renommierten Instituts für Digitalität und Gedächtnis, wird auf einer Brüsseler Straße von einem Auto zerquetscht, kurz nachdem er im Europaparlament öffentlich vor der geplanten chinesischen Super-SCHUFA gewarnt hat. Wer saß hinterm Lenkrad? Stein begibt sich auf Spurensuche rückwärts durch die Zeit. Knapp zwei Monate zuvor hatte seine Frau, die Gedächtnis-Forscherin Johanna Kleinert, mit der natürlichen Fehleranfälligkeit des menschlichen Gedächtnisses experimentiert:

Im Rahmen einer epochalen False-Memory-Studie hackte Kleinert das Gedächtnis ihres Probanden Sebastian Grünfeld – und zwar so, dass dieser sich nun hochpräzise an ein Erlebnis erinnert, welches es nie gegeben hat. Und dann ist da noch Steins Schwester Charlotte – eine von 57 weltweit bekannten Menschen, die schwer vergessen können…

Caroline Hanke

 

Das menschliche Gehirn ist die komplexeste Struktur im uns bekannten Universum. Doch wie gut und sicher kann es Erinnerungen abspeichern – und was bedeutet das für unser Gefühl von Vergangenheit, Identität und für unsere Definition vom Menschsein? Wie werden die Fehleranfälligkeit des menschlichen Gedächtnisses und die wahnsinnigen Kapazitäten von elektronischen Gedächtnissen aufeinander treffen? Wird es bald eine Zeit geben, in der der Satz „Irren ist menschlich“ nicht mehr gilt?

Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder, Caroline Hanke, Christian Freund

 


 


Regisseur Ed. Hauswirth ist Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter des Theater im Bahnhof. Die freie Grazer Gruppe versteht sich als zeitgenössisches Volkstheater, das sich seit seinen Anfängen mit europäischer Identität auseinandersetzt. Das TiB kombiniert Unterhaltung mit unkonventionellen Formen, bewegt sich vom Bekannten ins Unbekannte, sucht mögliche und unmögliche Spielräume. Der 1965 in der Steiermark geborene Regisseur inszenierte u.a. Drei Schwestern von Anton Tschechow, Graz fliegt (Eröffnung der Kulturhauptstadt Europas Graz 2003), Burgtheater von Elfriede Jelinek, Europa, Europa und Warmanziehen.

Am Schauspiel Dortmund gab er 2016 sein Debüt mit der hoch gelobten Stückentwicklung Die Liebe in Zeiten der Glasfaser. Ein Stück Skype, gefolgt von Triumph der Freiheit nach Joël Pommerat.

Autorin Anne-Kathrin Schulz studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. 2001 wurde ihr Stück Unter Land am Jungen Theater Göttingen uraufgeführt, 2003 dann Silly Songs am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Ebenfalls 2003 entstand nach ihrer Kurzgeschichte Bericht vom Rand der Festung der Kurzfilm Nobody Kers (Regie: Philipp Reuter, Ruhrgebietspreis 2003). Seit 2000 auch Arbeit als Dramaturgin, z.B. am Schauspiel Bochum, dem Deutschen Theater Berlin und (seit 2010) am Schauspiel Dortmund, wo sie z. B. Mike Daiseys Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs und TRUMP ins Deutsche übersetzte sowie Co-Autorin von DIE SHOW war. 2016 wurde Die Schwarze Flotte in der Regie von Kay Voges uraufgeführt.


Weiterführende Informationen:

Einige Presseberichte zum geplanten chinesischen Social Score System

 

Zwei Vorträge vom letztjährigen Chaos Communication Congress

Katika Kühnreich: „Gamified Control? China’s Social Credit Systems“:

 

Tijmen Schep: „ Social Cooling – big data’s unintended side effect

Pressebericht zum trügerischen Gedächtnis

“Erinnern ist auch erfinden” (Deutschlandfunk Kultur, 9.12.2016)