„EINE ERSCHRECKENDE UNBEDARFTHEIT“

„Eine erschreckende Unbedarftheit“

Furcht und Hoffnung in Deutschland: Ich bin das Volk

Die Regisseurin Wiebke Rüter über Rechtspopulismus in Deutschland und ihre Collage von zwei Stücken des Volkstheater-Autors Franz Xaver Kroetz, die im Dezember im Megastore Premiere feiert: „Ich bin das Volk“ von 1993 und „Furcht und Hoffnung in Deutschland“ von 1983.

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„AUCH EIN BISSCHEN URSCHREI-THERAPIE“: TOMMY FINKE ÜBER DAS MUNDORGEL PROJECT

Seit 2015 wird im Schauspiel Dortmund gemeinsam Liedgut ge- und zerschmettert: das MUNDORGEL PROJECT von und mit Tommy Finke und Band ist längst zur Kult-Reihe  geworden. Das Konzept ist dabei simpel: das bekannte Liederbuch „Die Mundorgel“ wird im Institut oder der Megabar dem ultimativen Live-Test unterzogen – mithilfe der Band, des mitsingwilligen Publikums und Special Guests!

Am Samstag feiert das Mundorgel Project Jubiläum: zum zehnten Mal wird dann gemeinsam gejammt und gesungen. Anlässlich des Mundorgel Projects #10 hier ein paar Fragen an Tommy Finke.


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DER 9.11. HIER UND DORT

stbDer 9. November, ein Tag voller historischer Brüche. Amerika erwacht am 9. November 2016 in einer anderen Welt. Ob das Datum der US-Wahl in die Geschichte eingehen wird, weil es den politisch institutionalisierten Rückfall – oder Neubeginn – in eine Zeit der nationalistischen, chauvinistischen und rassistischten Politik der Ausgrenzung, Abschiebung und Entrechtung markiert, werden die Monate nach der Amtseinführung Donald Trumps zeigen.

Vielleicht markiert aber auch ein anderes Datum den „amerikanischen 9. November“: Vielleicht der Tag, an dem „TRUMP“ auf die Tür der muslimischen Studenten-Gemeinschaft an der New York University gekritzelt wird? Vielleicht der Tag, an dem Unbekannte einen Spielplatz in New York, dem verstorbenen (jüdischen) Beastie Boys-Mitglied Adam Yauch gewidmet, mit Hakenkreuzen und Trump-Parolen beschmieren? Vielleicht der Tag, an dem auf CNN zur besten Sendezeit die Banderole zu lesen steht: „Alt-Right Founder Questions If Jews Are People“ (i.e. „Der rechtsradikale Gründer der Alt-Right fragt, ob Juden wirklich Menschen sind“).

Die These, dass sich der Faschismus normalisiere und dass dies auch in Deutschland der Fall sei, findet ihre Begründung und ihren Ausdruck in einem Tweet zum Beispiel von Deutschlandradio Kultur: „Trump-Unterstützer mit Hitlergruß – was will die Alt-Right-Bewegung?“ Ist das jetzt purer Euphemismus oder einfach nur verantwortungslos?

Verantwortungslos und nicht zu verstehen ist in jedem Fall, dass es am „deutschen 9. November“, der seit 1938 als Gedenktag für die Nazi-Novemberprogrome in unseren Geschichtsbüchern steht, in Dortmund nicht gelingt, würdig an die von Faschischten ermordeten Juden zu erinnern. Am Denkmal für die einstige Dorstfelder Synagoge am Wilhelmsplatz „gelang“ es Dortmunder Nazis zum wiederholten Male, die Ansprachen aus Politik und Jüdischer Gemeinde durch lautstarke Rufe zu stören.

Geschichte vergeht nie, sagen die einen. Geschichte vergeht, wenn wir uns ihrer nicht mehr erinnern, sagen die anderen. Am 9. November diesen Jahres kehrt sie mit doppelter Macht zurück. Und zeigt uns einmal mehr, wie fragil die öffentliche Sprache ist, wie zerbrechlich unsere politische Ordnung…

Ursprünglich erschienen am 23.11.2016 in den Dortmunder Ruhr Nachrichten.

 

DAS ABENTEUER AUF DER SUCHE NACH DER WAHRHEIT

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Neue Wege sind der Schlüssel zu Veränderung. Ob als Flüchtling auf der Reise, Reporter auf der Jagd nach Fakten oder als Theaterschaff ender im Prozess, Geschichten auf die Bühne zu tragen. Das Stück Die schwarze Flotte ist erzählter Journalismus, eine erlebbare Reportage in gespielter Wirklichkeit. Über ein halbes Jahr hat das Reporterteam von CORRECTIV im internationalen Sumpf von Reedereien, Briefkastenfirmen, Waffen-, Drogen- und Menschenschmugglern recherchiert.
Welche Herausforderung es war, den Stoff in ein Theaterstück zu wandeln, welche Möglichkeiten und Chancen diese Liaison aus Journalismus und Bühnenkunst bietet, erklären Regisseur Kay Voges, die Autorin Anne-Kathrin Schulz und der Schauspieler Andreas Beck im Gespräch mit dem Chefdramaturgen Michael Eickhoff.

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„BOB DYLAN? TOTAL GROSSARTIG! UND TOTAL SCHEISSE!“

„Für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“ erhält Bob Dylan nach Jahren der emsigen Spekulationen endlich den Literaturnobelpreis. Ein Mensch, zu dessen Werk beinahe jeder eine Meinung hat.

Wir sprechen mit dem Musikalischen Leiter des Schauspiels, Tommy Finke, über sein schwieriges Verhältnis zu Bob Dylan und warum Bob Dylan auch noch nach dem Dritten Weltkrieg hilfreich sein wird.


Tommy Finke, geboren 1981 in Bochum, ist Sänger und Musiker in den Genres Indie, Alternative und Pop und Komponist für Elektronische Musik/Computermusik und Theatermusik. Seit 2015 ist er Musikalischer Leiter am Schauspiel und hat bis dato keinen Literaturnobelpreis erhalten (Stand: Oktober 2016).


Tommy, Bob Dylan erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Wie ist dein Verhältnis zu Bob Dylan?

Ich finde Bob Dylan total großartig und ich finde Bob Dylan auch total scheiße. Er hat ja während seiner Karriere schon so viele Gesichter gehabt und Rollen gespielt, dass es nicht den „einen“ Bob Dylan gibt, sondern quasi mehrere verschiedene. Diese ganze Bob Dylan-Manie existiert ja deshalb, weil wir alle mehr oder weniger mit ihm aufgewachsen sind. Der war ja nie weg. Und am Tag, an dem Bob Dylan stirbt, werde ich nicht zur Arbeit kommen, sondern mein Handy ausschalten und mir seinen ganzen Kram nochmal anhören. Ich meine, so wie das Jahr 2016 bisher verlaufen ist… naja… der Mann ist ja schließlich 75… „BOB DYLAN? TOTAL GROSSARTIG! UND TOTAL SCHEISSE!“ weiterlesen

WAS WIR SEHEN

stbDonald Trump mit roter Krawatte, wie er sich hinter Hillary Clinton ins Fernsehbild schiebt; Jaber al-Bakr auf einem schäbigen Sofa, mit Verlängerungsschnüren gefesselt, von hinten fest gehalten von einem Mann, dessen Kopf vom oberen Bildrand abgeschnitten wird; Andrea Nahles‘ riesig projiziertes, strahlendes Gesicht hinter dem zierlichen Körper von Caren Miosga im Studio der Tagesthemen; entschlossene Münder und Gewehrläufe vor einem Maschendrahtzaun in Warschau bei der neuen EU-Behörde für Grenz- und Küstenschutz; ein wütender Schreimund, ein Mittelfinger, zerdrückte Bierdosen, ein tätowierter Reichsadler, viele Glatzen im Dortmunder Hauptbahnhof; zehn übervolle Schlauchboote im Gegenlicht, dazwischen orange Schwimmwesten, schon im Wasser; eine Schlagzeile: „Was wir wissen, und was nicht“; ein braungebrannter Mann mit tropfendem Bart und Schnorchel, lächelnd, im Hintergrund weißer Sand und türkisener Himmel; Putin und Erdogan in tiefen Stühlen an einem runden Tisch, den Blick fest in der Ferne; ein weißer Bus fährt auf dem Parkplatz ein, 2005, mit einem verräterischen Voice-Over; das Modell zweier Molekülringe, ineinander gefügt (der preisgekrönte Durchbruch für die kleinsten Motoren der Welt); eine Bushaltestelle in Jerusalem, Blut und Beton, von Projektilen geborstenes Glas; ein Wirtschaftswissenschaftler mit grauem Pullover, der erklärt, warum Vertragstheorie kein trockener Stoff ist (Karlsruhe oder anderswo); Ronald Barnabas Schills Rückenfalten bei „Adam sucht Eva“; ein explodierendes Samsung-Telefon; Frauke Petry und Sarah Wagenknecht auf derselben Seite; Straßenzüge in Aleppo 2016 als Straßenzüge in Berlin 1945; der Zeigefinger von Jogi Löw und die Venen auf dem Unterarm von Thomas Müller; der goldene Glanz der Siegessäule und Rauchentwicklung auf dem Europa-Center; Jan Böhmermann auf Youtube und an einem Schreibtisch, irgendwo ein Mainzelmännchen, im Hintergrund schwarzer Moltonstoff mit unregelmäßigem Faltenwurf; die Kanzlerin, mintfarben in Addis Abeba, auf dem Teppich vor dem Palast; das Lächeln der Anne Will und die erstaunt angewinkelten Augenbrauen des Heiko Maas; die Geberkonferenz; ein männliches Küken (niedlich) vor dem Eingang zum Schredder; eine Sechserpackung Alnatura-Eier; eine kurdische Kämpferin mit Kopftuch und Kalaschnikow; die Theateraufführung am morgigen Donnerstag, bei der dieser Text zu hören sein wird, zum ersten und zum letzten Mal –
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Ursprünglich erschienen am 12. Oktober in den Dortmunder Ruhrnachrichten.

5 THESEN ZUM „TRIUMPH DER FREIHEIT“

5 Thesen zum Triumph der Freiheit #1
von Regisseur Ed. Hauswirth

#1

Caroline Hanke Friederike Tiefenbacher Andreas Beck

TRIUMPH DER FREIHEIT #1 erzählt die Geschichte eines Machtwechsels. Mit historischer Einordnung wollen wir uns hier nicht aufhalten: gewiss, einschneidender Moment der Menschheitsgeschichte, Bruch der Alten Ordnung, Geburtsstunde modernes Europa, etc. Jenseits der Prosa des Nationbuilding und dem Gebrauchstext der Geschichtsbücher wird aber auch eine Schablone sichtbar, die einen einlädt, über politische und gesellschaftliche Verhältnisse nachzudenken: jede Revolution ist ein Lehrstück über Gruppendynamik, Lenkungsprozesse, dem Fahrtwind des Fortschritts, dem einen die Augen tränen lassen. Kurz: über Macht und über Wissen, das sich verhältnismäßig schnell und überstürzt von A nach B verlagert. Manchmal geschieht das mit bloßer Waffengewalt, mit verordneter Revolte. Manchmal aber auch durch bloße Bildung einer Mentalität und einer dazugehörigen Idee, die sich durch Sprache entzündet. Das ganze ist wie eine sprachliche Hirnhautentzündung. 5 THESEN ZUM „TRIUMPH DER FREIHEIT“ weiterlesen

STATISTINNEN GESUCHT!

Statistinnen gesucht!

Für die Produktion „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ von Bertolt Brecht, die ab Dezember im Megastore zu sehen sein wird, suchen wir

russische/russlanddeutsche Statistinnen!

Sie sollten zwischen 20 und 40 Jahre alt sein, russisch sprechen können und idealerweise musikalisch sein (Gesang und/oder Instrument von Vorteil). Professionelle Schauspielkenntnisse sind nicht erforderlich.

Regie führt Sascha Hawemann, der in der vergangenen Saison bereits „Eine Familie (August: Osage County)“ im Schauspielhaus inszeniert hat.

Alle Informationen zum Stück und Inhalt findet ihr hier.

Der Probenzeitraum erstreckt sich vom 25.10. bis zur Premiere am 10.12., wobei nur ein geringerer Teil der Proben mit den Statisten geprobt wird, insbesondere aber in den Endproben ab Anfang Dezember. Das Stück wird nach der Premiere 2-3 Mal im Monat gespielt.

Wenn Sie Interesse haben und Neugier, Offenheit und die Lust, auf der Bühne zu stehen mitbringen, dann melden Sie sich beim stückbegleitenden Dramaturgen Dirk Baumann unter dbaumann@theaterdo.de!

SO WAR ES. NICHT WAHR?

stbLesen Sie diese Kolumne schon länger? Wenn ja, dann erinnern Sie sich vielleicht dunkel an ein psycho-soziales Experiment, von dem ich Ihnen an dieser Stelle irgendwann in der zweiten Jahreshälfte 2014 erzählt habe. Den Namen der Studie habe ich vergessen, man müsste in der Kolumne von damals nachschauen.

Worum ging es nochmal? Forscher hatten gezeigt, dass es möglich ist, Menschen Ereignisse in die Erinnerung zu pflanzen, die in Wirklichkeit nie stattgefunden haben. Den Probanden wurde erzählt, dass sie in ihrer Jugend diese oder jene Tat begangen hätten. Wenn die Probanden dann widersprachen, antworteten die Forscher mit der Vermutung, dass die Ereignisse vielleicht verdrängt worden seien – und zeichneten die Tat im wahren Sinne des Wortes vor deren innerem Auge nach. SO WAR ES. NICHT WAHR? weiterlesen

„KEIN GESICHERTER GRUND UNTER DEN FÜSSEN“ – HANS HÜTT IM INTERVIEW

Autor Hans Hütt über revolutionäres Sprechen, Triumph der Freiheit #1 und den Versuch, die Gefahren der Zeit zu überbrüllen


Hans Hütt ist rhetorischer Berater sowie Autor, u.a. für FAZ, Freitag, taz und ZEIT. 2014 erhielt er für den Essay Angst vor der Gleichheit den Michael-Althen-Preis für Kritik.

Auf Einladung des Schauspiel Dortmund begleitete er die Proben von „Triumph der Freiheit #1“.


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Hans Hütt

Sie haben das Stück gelesen. Ganz platt gefragt, worum geht es?

Es ist auf jeden Fall kein Historiendrama. Ich würde das Stück als „Palimpsest“ beschreiben. Ein Palimpsest ist eine alte Textstelle, die abgeschabt, gereinigt und dann mit einem anderen Text überschrieben wurde. Der alte, überschriebene Text schimmert immer noch leicht durch, die Vergangenheit bleibt sichtbar. So ist es auch bei Triumph der Freiheit #1. Durch dieses Stück schimmert eine politische Gattungsgeschichte, in der alle Revolutionen und Konterrevolutionen seit 1789 übereinander geschichtet sind. Man hört Echos aller Niederlagen und Aufstände im Zeitalter der Moderne. „KEIN GESICHERTER GRUND UNTER DEN FÜSSEN“ – HANS HÜTT IM INTERVIEW weiterlesen

DER MEGASTORE GEHT IN DIE VERLÄNGERUNG!

Noch mehr MEGATHEATER für alle! Alle Infos und Updates zum neuen Spielplan.


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Eigentlich sollte das Schauspiel bereits im Dezember aus dem Megastore in Phoneix-West zurück in das Schauspielhaus in die Innenstadt zurückkehren. Doch was Berlin kann, können wir schon lange: Die Umbauarbeiten der Werkstätten und der Neubau des Magazins am Schauspielhaus verzögern sich, und somit müssen wir wir den Spielbetrieb im Schauspielhaus verschieben. Die Folge: Das Schauspiel wird diese gesamte Spielzeit noch weiter im Megastore bleiben! Wir sind gekommen, um zu bleiben.

Unsere neue und alte Heimat: Der Megastore!

Der Spielplan für die im Schauspielhaus und Studio geplanten Premieren kann mit wenigen Änderungen auch im Megastore beibehalten werden. Trotzdem sind Termin- und Stückänderungen aufgrund der veränderten Raumsituation nicht zu vermeiden. Die mittlerweile drei Bühnenbereiche im MEGASTORE bieten für die einzelnen Inszenierungen verschiedene Raum- und Bühnenlösungen an und ermöglichen es, das immense künstlerische Potential des Megastore weiter zu nutzen. So wird auch die in der Zeitschrift „Die Deutsche Bühne“ jüngst als „Beste Inszenierung“ ausgezeichnete Produktion DIE BORDERLINE PROZESSION bis auf Weiteres im Spielplan bleiben. Darüber freuen wir uns sehr!

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