Raphael Westermeier, Schauspieler, Jahrgang 1982


Wohnt seit Sommer 2020 in der Dortmunder Nordstadt in der Nähe des Borsigplatzes.
Wohnte vorher viele Jahre in Süddeutschland.


Was hast Du bei Deiner Ankunft als Erstes getan, um Dortmund kennenzulernen?
Ich habe noch aus der Ferne viel über Dortmund gelesen, habe vor und bei der Wohnungssuche große Wanderungen durch die Innenstadtbezirke gemacht.
Aber als wir dann im Sommer ankamen, habe ich gemeinsam mit meiner Familie in vielen Fahrradtouren zuerst einmal das Dortmunder Umland erkundet.

Wie bewegst Du Dich am Liebsten in der Stadt?
Oh, das kommt ganz darauf an.
Ich liebe es, eine Stadt von meiner Wohnung aus zu erlaufen und so wirklich zu erleben.
Ich finde es auch toll, mit der Stadtbahn irgendwo hinzufahren und mich dann durch unbekannte Viertel treiben zu lassen.
Und ich liebe es, mit dem Fahrrad sehr schnell von A nach B zu kommen…

Wie bewegst Du Dich am häufigsten in der Stadt?
Auf jeden Fall an der frischen Luft.

Welchen Ort möchtest Du uns zeigen?
Dortmund.
Als klar war, dass ich nach Dortmund gehe, habe ich immer wieder von Menschen gehört: „Da ist es ja sehr hässlich…!“
Ich hatte von Anfang an aber einen ganz anderen Eindruck.
Fasziniert war ich direkt von den vielen Jugendstilfassaden in der Nordstadt. Hier hat mein Projekt auch begonnen. Nachdem ich einmal angefangen hatte, meinen Blick an den Häuserfassaden entlangstreifen zu lassen, war ich überrascht, wie oft ich (vor allem in den oberen Stockwerken) aufwendige Ornamente, Köpfe, Körper, Masken, Pflanzen oder Tiere entdecken konnte.
Ich liebe diese alten Fassaden, habe aber auch ein großes Faible für die Architektur der 50er Jahre und auch für moderne Architektur.
Sobald mir eine Fassade oder ein Detail ins Auge gesprungen ist, habe ich ein schnelles Smartphone-Foto geschossen und direkt im Anschluss eine 30-sekündige Tonaufnahme gemacht, um ganz nah und direkt festzuhalten, wie diese Stadt für mich klingt.

Und warum?
Ich arbeite sehr gerne dokumentarisch.
Gerade das Zusammenspiel und Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Geschmäcker und Baustile erzählt so viel über eine Stadt und ihre Entwicklung. Auch über Dortmund. Manches fasziniert mich. Manches irritiert mich. Manches schockiert mich. 

Was interessiert Dich an diesen Orten und was möchtest Du uns darüber erzählen?
Ich wollte als Chronist die Fassaden oder Details mit einem Foto festhalten.
Manchmal habe ich eine Fassade gesehen, die frisch herausgeputzt wurde – manchmal wollte ich einen Blick festhalten, den es so in ein paar Monaten oder Jahren nicht mehr geben wird, manchmal war es ein Schnappschuss, der nur in dem Moment möglich war.
Mir war es auch wichtig, das starre Foto mit einer bewegten Tonspur zu verbinden, da sowohl Sehen als auch Hören für mich so noch intensiver erlebt werden können und die Fassaden in einen optischen und akustischen Dialog miteinander treten.



Mein Projekt:

Fassaden

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