Schlagwort-Archive: Uwe Rohbeck

DIE SHOW BEIM NACHTKRITIK THEATERTREFFEN DABEI

Nach einer Woche Abstimmungszeit hat es DIE SHOW – Ein Millionenspiel um Leben und Tod von Kay Voges, Alexander Kerlin und Anne-Kathrin Schulz unter die besten 10 aus 47 nominierten Inszenierungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum geschafft! Wir freuen uns sehr und möchten uns bei allen Freund*innen und Unterstützer*innen bedanken, die in den vergangenen Tagen fleißig für uns abgestimmt haben! DIE SHOW BEIM NACHTKRITIK THEATERTREFFEN DABEI weiterlesen

DIE REISE NACH PETUSCHKI

Wenja, Alter Ego des Autors Wenedikt Jerofejew, ist auf dem Weg zum Moskauer Kursker Bahnhof, auf Gleis 4 fährt gleich der Zug nach Petuschki ab. Dort, in Petuschki, ist die Welt noch in Ordnung: Hier wohnen seine Geliebte und sein Sohn, und es „verblüht nie der Jasmin und verstummt nie der Vogelgesang.“ Das Paradies! DIE REISE NACH PETUSCHKI weiterlesen

DIE ZUGREISE – WARUM HÄLT DER ZUG NICHT IN JESSINO?

Warum hält der Zug eigentlich nicht in Jessino? Dafür hat Wenja eine Erklärung, die so simpel wie einleuchtend ist:

„Nehmen wir unseren Zug nach Petuschki. Warum hält er überall, nur nicht in Jessino? Warum könnte er nicht auch in Jessino halten? Aber nein, er rast daran vorbei. Das kommt daher, dass in Jessino keine Passagiere sind, die steigen alle in Chrapunowo oder Frjasewo zu. Ja. Sie legen den ganzen Weg von Jessino bis Chrapunowo oder Frjasewo zu Fuß zurück und steigen dort ein. Und warum? Weil der Zug in Jessino durchrauscht, ohne zu halten.“
(Zit. n. Jerofejew, Wenedikt: Die Reise nach Petuschki. Dt. von Natscha Spitz. München/Berlin 1978. S. 81) DIE ZUGREISE – WARUM HÄLT DER ZUG NICHT IN JESSINO? weiterlesen

IRGENDWO ZWISCHEN BIOCHEMIE UND PHILOSOPHIE

Um 4 Uhr 48 | wenn die Klarheit vorbeischaut | für eine Stunde und zwölf Minuten bin ich ganz bei Vernunft. | Kaum ist das vorbei, werd ich wieder verloren sein, eine zerstückelte Puppe, ein absurder Trottel.“

28 Jahre alt ist Sarah Kane, als sie 4.48 Psychose schreibt – ein dunkles Gedicht direkt aus dem Feuer menschlicher Synapsen, eine vielteilige Bestandsaufnahme, hochpoetisch, ein Aufschrei voll Sehnsucht – und ein Abschied. Denn Sarah Kanes fünftes Stück ist zugleich ihr letztes: 1999, kurz nachdem sie das Manuskript ihrem Verleger übergeben hat, nimmt sich der Shooting Star der britischen Dramatik das Leben. Den Tod findet Kane in einer Londoner Klinik, wo sie wegen Depressionen behandelt wurde.
Wohl autobiographisch verweist der Stücktitel auf den Augenblick der größten Klarheit einer Psychiatrie-Patientin: 4 Uhr 48, ein Moment zwischen zwei Medikamentendosen, wo die Tablettenwirkung in den Hintergrund tritt und die Klarheit kommt, die vielleicht zugleich Wahn ist. Auch der Beginn der kurzen Tagesphase, in der die Dramatikerin Kane in diesem Winter 1998/99 schreiben kann.
Die Depression, das Burn-Out – eine Stoffwechselstörung? Oder vielmehr die logische Schlussfolgerung, wenn man mit offenen Augen und offenem Herzen auf unsere Welt schaut? In ihrem 2000 posthum am Londoner Royal Court Theatre uraufgeführtem Text geht die 1971 geborene Sarah Kane in die absolute Nahaufnahme. Sie seziert Fleisch und Geist einer Erkrankung, die selbst Aufgeklärte zutiefst irritiert, lauscht auf den Puls eines Leidens, von dem Millionen von Menschen betroffen sind, das irgendwo zwischen Biochemie, Psychologie und Philosophie angesiedelt scheint. Es ist ein finaler Krieg, auf den Sarah Kane in 4.48 Psychose blickt: Der Krieg des Bewusstseins.

Der Krieg des Bewusstseins: Was ist die Seele? Woraus besteht sie? Und woraus besteht die Krankheit? Für 4.48 Psychose entwickelt Regisseur Kay Voges mit den Software-Ingenieuren Stefan Kögl und Lucas Pleß vom Dortmunder Hackerspace chaostreff dortmund e.V., dem Musiker Tommy Finke, dem Videokünstler Mario Simon und den Schauspielern Björn Gabriel, Merle Wasmuth und Uwe Rohbeck einen besonderen theatralen Laborversuch, der die Metamorphose von Poesie in Elektro-Impulse erforscht – in einem Mensch/Maschine Knoten, in dem sich Körpersignalen der Menschen (Herzschlag, Körpertemperatur, Atemfrequenz usw.) in Sound – und Lichtsignale wandeln: Schichten des Versuchs einer Bestandsaufnahme des Ichs.
4.48 Psychose von Sarah Kane

4.48 PSYCHOSE: 21-Z

21 GRAMM Das Ringen um das Verständnis des Phänomens Seele beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden, sowohl aus Perspektive des Materialismus als auch der Religion oder des Humanismus. Was ist das Ich? Wo liegt die Seele? Im Herzen, im Gehirn? Existiert sie unabhängig vom Körper? Wo siedelt unsere Trauer, wo wohnt unsere Liebe? Woraus besteht die Seele? Aus Molekülen? Aus Biochemie? Kann man Gefühle messen, kann man Seelen-Krankheit messen, kann man die Seele an sich messen? Den ersten Versuch, die Seele zu wiegen, unternahm der amerikanische Arzt Duncan MacDougall 1901. Er wog mit einer ausgetüftelten Bettwaage sechs sterbende Patienten, um zu beweisen, dass die Seele materiell und messbar sei. Sein Ergebnis: Die Gewichtsdifferenz zwischen lebendigem und toten Patienten betrug durchschnittlich 21 Gramm – zwischen 8 und 35 Gramm. MacDougall experimentierte auch mit Hunden, die er vergiftete und bei deren Sterben er keine Gewichtsabnahme messen konnte, woraus er folgerte, dass Hunde keine Seele besäßen. Spätere Experimente stellten MacDougalls Erkenntnisse in Frage, seine Studien gelten heute als unwissenschaftlich. Als Sinnbild für die Sehnsucht des Menschen, sich selbst zu erkennen und die Seele zu verstehen, sind MacDougalls 21 Gramm jedoch kulturell unsterblich geworden. →LESETIPP 4.48 PSYCHOSE: 21-Z weiterlesen

WILLY LOMAN ODER DER KLEINE MANN VON HEUTE

Die Popularität von Arthur Millers mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Drama „Tod eines Handlungsreisenden“ ist seit seiner Uraufführung 1949 ungebrochen – es zählt zu den modernen Klassikern auf den Bühnen der Welt, wie beispielsweise zuletzt am New Yorker Broadway. WILLY LOMAN ODER DER KLEINE MANN VON HEUTE weiterlesen