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MARGOT MARIA RAKETE

von Sprechchormitglied Katrin Osbelt

Als ich letzte Woche von der Probe des Dortmunder Sprechchors nach Hause fuhr, war ich ganz bei mir. Fast drei Stunden konzentrierter Sprecharbeit lagen hinter mir: Endproben für das Studio-Stück „Das phantastische Leben der Margot Maria Rakete“.  Also: hinein ins Auto, Hirn auf Stand-by, die neue „Strokes“ in den CD-Schacht. Da sind nur der Rhythmus der Musik – und ich. In Höhe des Stadions durchzuckt es meinen rechten Fuß: Marco Reus und Robert Lewandowski – tolle Jungs! Die geben Gas! Es blitzt rot auf. Kurzer Reflex, Bremse treten, zu spät. Eine Kelle am Straßenrand. „Können Sie sich ausweisen?“ Eine Plastikkarte genügt, um zu beweisen, dass ich „ich“ bin. Aber das war doch gar nicht ich, die da die Tempo-Grenze überschritten hat …
Die Welt eines wundervollen Wesens
Und schon bin ich wieder Teil von Margot Maria Rakete, und mitten drin in der Welt eines wundervollen Wesens, das sich aus den Biografien von rund 80 Chormitgliedern nährt, das sich in unseren – aktuell fast täglichen – abendlichen Proben unablässig auf neue Weise entwirft und immer wieder Fragen aufwirft: Wann handle ich frei und selbstbestimmt? Geben mir Konventionen und Gesetze Sicherheit? Oder machen sie mich klein und verweisen mich in meine Schranken? Ist es der Blick der anderen, der das Bild von mir prägt? Oder bin ich das Maß aller Dinge? So gelange ich schnell zu ganz großen Fragen: Der Weltraum – unendliche Weiten! Welche Bedeutung hat in Anbetracht der Ewigkeit das kurze Aufflackern unserer Existenz? Ist das, was wir Realität nennen, nicht bloß ein spiegelndes Bruchstück, von dem wir Menschen kühn behaupten, es sei die Realität? Und was unterscheidet diese Realität dann von Traum, Phantasie oder Einbildung?
Ein das Bewusstsein erweiterndes Theaterexperiment
„Das phantastische Leben der Margot Maria Rakete“ ist keine Biografien-Collage, keine Doku-Soap, keine Reality-Show. „Das phantastische Leben der Margot Maria Rakete“ ist ein alle Sinne ansprechendes, auf erfrischende Weise das Bewusstsein erweiterndes, mutiges Theaterexperiment – als Uraufführung zu sehen am 1. Juni 2013 im Studio des Dortmunder Schauspiels!

 

Veröffentlicht am 15. März 2013 in den Ruhr Nachrichten.

* Katrin Osbelt ist seit zwei Jahren im Dortmunder Sprechchor, der mit annähernd hundert Mitgliedern das 17. Ensemblemitglied am Schauspiel Dortmund ist.