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„Vielstimmigkeit“ – Marcus Lobbes über ICH, EUROPA

Christian Freund, Uwe Schmieder, Alexandra Sinelnikova

 


Vielstimmigkeit

Regisseur Marcus Lobbes über ICH, EUROPA

Interview: Michael Eickhoff & Matthias Seier

Marcus Lobbes arbeitet seit 1995 als Regisseur und Ausstatter im Musik- und Sprechtheater. Seine kompromisslosen Klassiker-Umsetzungen sorgen seit Jahren ebenso wie seine zahlreiche Ur- und Erstaufführungen in vielen renommierten, innovativen Theatern der Republik für volle Häuser und überregional für überragende Kritiken. Neuartige kollektive Arbeitsformen mit den Ensembles und sein enger Kontakt zu zeitgenössischen Autoren zeichnen seine künstlerische Handschrift aus. Wie sehr das zu gleichzeitigem Erfolg bei Publikum und Kritik führt, lassen zahlreiche Einladungen und Auszeichnungen erahnen. Zunehmend hält sein Ansatz auch in der Nachwuchs-Ausbildung Einzug: So wurde er in der jüngsten Zeit als Gastdozent und Redner an die Akademie der Künste in Ludwigsburg, das Salzburger Mozarteum, die Universität Rostock, die Hochschule Mainz und an die Kunstuniversität Graz eingeladen. (Foto: privat)

Als wir Sie für diese Inszenierung anfragten, gab es bis dahin bloß die erste grobe Idee: nicht-europäische Autoren schreiben für eine imaginierte Figur „ Europa“ einen Text über die Geschichte zwischen „Orient“ und „Okzident“. Was hat Sie daran gereizt? In der ersten Idee ging es darum, Knotenpunkte der gemeinsamen Geschichte zu beschreiben. Die Idee, dass man Annäherung über geschichtliche  Motive und Szene – bspw. Lawrence von Arabien oder „die Türken stehen vor Wien“ – schaffen kann, hat viel von einer hollywood-romantischen Suche nach den großen gemeinsamen Bildern. Da hat es mich gereizt, diese Bilder mit Gegenbildern von außen gegenüberzustellen: Was ist unsere Darstellung von Geschichte? Und natürlich war ich schlichtweg neugierig. Die Aussicht auf Texte nicht-europäischer Autor_innen, die auch mit unserem Verständnis von Theater kollidieren könnten, hat mich gereizt! Wir bekommen unsere eigene Geschichte gespiegelt und spiegeln nicht – wie sonst so oft in Europa – die Geschichte des Anderen.

Hat sich Ihrer Wahrnehmung nach in den letzten Jahren etwas im Verhältnis zwischen dem sogenannten Abend- und dem sogenannten Morgenland  verändert? 2006 habe ich mich erstmals damit am Theater beschäftigt – das war relativ kurz nach den gescheiterten islamistischen Kofferbombenattentaten in Köln. Danach kam der sogenannte „Arabische Frühling“, was begrifflich auch eine westliche Zuschreibung war. Im Laufe dieser Zeit hat sich natürlich viel verändert. Dringend revidiert gehört das Bild des Orients als einer Einheit, in der alle die gleichen Interessen haben. Zudem wandelte sich stark die Beziehung zu Europa selbst und wie man Europa entgegentritt, sowohl im Positiven wie im Negativen. Einerseits verstärkte sich die Suche nach einem politisch-kulturellen Austausch, andererseits gelangen natürlich auch immer mehr die Angst und der Hass beiderseits in den Vordergrund.

Marlena Keil

Und hat sich durch dieses Projekt Ihr Verhältnis zu der Thematik gewandelt oder erweitert? Ich war beim Lesen der Texte überrascht, wie homogen Europa von einer völlig nicht-homogenen Autor_innenschaft beschrieben wird. Das Klima, wie Europa in diesen Texten beschrieben wird bzw. wie es sich in diesen Texten darstellt, ähnelt sich oft. Da geht es viel um den guten Glauben an die Tradition dieses Kontinents und an die Hoffnung, die er weiterhin nach außen ausstrahlt – im ständigen Bewusstsein der gigantischen Schneise der Verwüstung, die er immer wieder anrichtete und anrichtet.

Der tote Zeus: Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder

Was waren bei der Beschäftigung mit den Texten die Herausforderungen? Ich musste zu Beginn damit klarkommen, dass ich bei diesen Texten mit dem theaterüblichen Interpretationsansatz nicht weit kommen würde. Die Frage war ja, wie man diese Texte in einer gleichermaßen zwingenden wie auch für alle passenden Form unterbringt. Die Texte entstammen  unterschiedlichen Denkweisen und Federn, die teils nur wenig mit unserem Theaterverständnis zu tun haben.

Gab es inhaltliche Hürden? Wir bieten mit diesem Abend eine Plattform für die Sichtweisen von anderen. Da habe ich versucht, von jeder Bewertung der Inhalte Abstand zu nehmen. Das tue ich sonst nicht. Die Maxime war, die Texte so zu nehmen, wie sie sind, und gemeinsam mit dem Ensemble herauszufinden, was ein jeweiliger Text uns gibt und was er kann – ohne als große Interpretationsmaschine dort einzugreifen.

Bettina Lieder

Gibt es eine Erklärung dafür, warum die Texte so gegenwärtig sind und eher zurückhaltend auf die Geschichte zurückgreifen? Nein, das hat mich tatsächlich überrascht. Historische Ereignisse tauchen in diesen Texten immer wieder nur als kleine Nadelstiche auf. Sie sind insofern weniger Knotenpunkte einer gemeinsamen Geschichte innerhalb der letzten 1400 Jahre, bei denen Ost und West anknüpfen und „Da ist etwas Entscheidendes passiert“ sagen könnten.

Aus eben diesen inhaltlichen Hürden entstand die Idee, eine Art von Nachbereitung des Abends im Institut zu schaffen. Ist sie für Sie auch ein inhaltliches Anliegen? Gewiss. Man kann schon den Abend direkt nach dem Applaus verlassen und trotzdem Gedanken, Bilder und Gefühle mitnehmen und das eigene Wissen oder die Meinung überprüfen. Das muss so ein Theaterabend in sich schaffen. Und trotzdem wollen wir das Feld aufmachen und zeigen, dass auch wir nur im weitesten Sinne nach Antworten gesucht und uns dem Material „ausgeliefert“ haben: so wie es ist, kommt es im Großen und Ganzen auch auf die Bühne. Und dass das Publikum nun bei Neugier hier weiterlesen und sich weiter austauschen kann, ist mir wichtig: aus welchem Kosmos entstammt der Text? Wer genau ist der Autor? Welche Passagen tauchten auf der Bühne nicht auf? Was ist das Sekundärmaterial?

Was macht diesen Abend besonders? Wem würdest du den Abend empfehlen? Und wem eher nicht?Besonders macht diesen Abend die Vielstimmigkeit, die einen Beitrag zum Gesamt-Diskurs über Europa liefert. Dieser Diskurs liegt ja eh offen vor uns und beschäftigt mehr oder weniger direkt jeden, spätestens seit 2001 ist er uns im Hinterkopf verankert. Dieser Abend ist eine große Gemeinschaftsarbeit: die Autor_innen durften eigenständig handeln, die Schauspieler_innen auf der Bühne, das Regie-Team ebenfalls. Ich habe mich darauf verlassen, dass das Kuratieren und Ordnen der Beiträge dabei nicht zu einem revuehaften Kessel Buntes führt. Wer also den Kessel Buntes sucht, wird ihn hier nicht finden. Es ist keine farbenfrohe Reise durch die Geschichte oder Kultur Europas. Es ist ein ernster Abend über ein ernstes Thema, allerdings mit Leichtigkeit und Zauber.

Uwe Schmieder, Bjšörn Gabriel

Ich, Europa feiert am 13. Oktober Premiere. Weitere Termine: 27. Oktober, 17./18./25. November… Alle Termine und Infos online.

Probenfotos: Birgit Hupfeld
 

„ICH BIN ZURZEIT ABSOLUT TRUMP-SÜCHTIG“

„Ich bin zurzeit absolut Trump-süchtig“

5 Fragen an TRUMP-Regisseur Marcus Lobbes

Marcus Lobbes arbeitet seit 1995 als Regisseur und Ausstatter in Musik- und Sprechtheater mit über 60 Produktionen in über 20 Städten. (Foto: privat) 

Eine der Herausforderungen bestand darin, dass dieser Text von Mike Daisey natürlich aus einem amerikanischen Blickwinkel für amerikanisches Publikum geschrieben wurde – also voller Anspielungen und Insider, mit denen nicht jeder hier so vertraut sein könnte. Wie hast du versucht, diesen Text auch für ein europäisches, für ein deutsches Publikum zu öffnen? Wie sehr musstest du Kompromisse eingehen?

Zum Glück haben wir eine hervorragende Übersetzung von meinen zwei großartigen Mitarbeitern bekommen. Wir haben dann bei der Erstellung der Spielfassung stets das deutsche Publikum im Blick gehabt, und so manche uns eher fremde Themen oder Anspielungen im Text nicht übernommen. Zum anderen bin ich persönlich kein besonderer Freund des „Erklärbär“-Theaters. Wenn sich eine Menschenmenge von 100 Menschen versammelt, dann gibt es genug Allgemeinwissen im Publikum, dass der eine mal das eine und der andere das andere erkennt und versteht. Und solange man quasi die „Big Points“ des Abends nicht versemmelt, ist das letztlich für einen Abend auch gar nicht so überlebensnotwendig, dass man jedes Motiv und jeden Witz in der Gänze versteht. Außerdem – und das ist ja auch der Grund für unsere Bühneneinrichtung – ist es nicht bloß eine reine Hörveranstaltung, in der man dem Autoren sehr konzentriert zwei Stunden lang dabei zuhören muss, wie er durch die eigene Kultur mäandert. Stattdessen wird man hier ja direkt anmoderiert und man bekommt auch viel Hilfestellung durch Andreas Beck und Bettina Lieder, die das Publikum durch den Abend führen – nicht nur wörtlich, sondern auch szenisch. Und das war auch einer meiner ersten Grundinstinkte: Es muss schon sein, dass man die Zuschauer an die Hand nimmt, damit sie den ganzen Weg des Stücks und des Themas mitgehen können.

Ich hatte bei Proben mit Testpublikum auch immer das schöne Gefühl, dass sich die Zuschauerschaft nach einer Weile auch wirklich als Gemeinschaft versteht: man ist kollektiv dazu eingeladen, sich 90 Minuten lang Gedanken über Trump und die Lage zu machen – ausgehend von den beiden Schauspielern, die einem dabei an die Hand nehmen. Das ist ein schönes Gefühl angesichts der Apathie und Resignation, die einem allerorten zurzeit entgegenweht.

Ein entscheidender Faktor an der Bühne ist, dass man sich hier nicht im Dunkeln empört – also wie heute im Netz, allein mit seiner Wut, ohne dass es jemand mitbekommt. Und zum anderen amüsiert man sich auch nicht im Dunkeln – wenn man über einen Gag des Abends lacht, kriegen es die anderen Zuschauer auch direkt mit. Und das schafft natürlich immer erstmal eine Art von gemeinschaftlichem Verständnis. Obwohl wir natürlich nicht stets davon ausgehen können, dass wir eine politisch amorphe Masse im Publikum haben – bestimmt werden diverse Ansichten im Raum herrschen. Sicherlich werden auch Menschen kommen, die nicht gegen Trump und trumpistisches Gedankengut sind – vermutlich werden sie nicht viele sein, aber es wird sie geben. Und da finde ich diese fast antike Situation, in der man sich gemeinschaftlich orientiert, weitaus spannender und fruchtvoller als das Zurückziehen in ein dunkles Erdloch, aus dem man nachschaut, wo die Sonne scheint.

Hast du persönlich mittlerweile einen medialen Umgang mit Trump gefunden, der akzeptabel ist? Ich denke mir ständig: „Ok, die Scheißschlagzeile ignoriere ich jetzt, sonst werde ich wahnsinnig.“ Und dann fragt man sich, ob Ignorieren die Lösung ist. Und dann denkt man: Das könnte ja aber auch bloß wieder eine Nebelkerze sein. Und dann denkt man: Aber auch Nebelkerzen können wichtig sein. Und dann, und dann, und dann… es ist ein endloser Feedback-Loop. 

Ich bin gespannt, wie es auf lange Sicht bei mir sein wird, auch nach den Proben für TRUMP. Denn zurzeit bin ich absolut trump-süchtig. Das erste, was ich morgens mache, ist das Einschalten von Nachrichtensendern  – welchen Irrsinn gibt es heute wieder? Und ich gehe mittlerweile auch direkt davon aus, dass es Irrsinn sein wird. Als neulich nach der ersten Rede vor den beiden Häusern im Kongress Kommentatoren anmerkten, dass Trump sich erstmals präsidentiell und würdevoll verhalten habe, dann war ich in dem Fall fast schon enttäuscht, dass es keine neuen Skandale und Beklopptheiten gab. Und dennoch gab es in dieser Rede ja laut Journalisten 51 Lügen in 61 Minuten – das ist auch für Trump ein ordentlicher Schnitt. Die Trump-Abnutzungserscheinungen spüre ich zurzeit bei mir eher im Comedy-Bereich. Ich fand das erste „America First – Europe Second“-Video noch lustig, aber mittlerweile gibt es ja vierzig davon! Die schau ich mir nicht mehr an, die klick ich einfach sofort weg. Neulich sah ich auch eine Kabarettsendung im Fernsehen, mit Dieter Nuhr und Konsorten. Nach wohl fünf Minuten Vortrag über Trump musste ich abschalten. So witzig fand ich es dann auch wieder nicht.

Im Vorfeld deiner Inszenierung wurden wir öfters von Journalisten und Zuschauern gefragt, ob Bettina die Rolle von Hillary oder Melania Trump und Andreas die Rolle von Trump spielen wird. Es gibt also zurzeit diesen Wunsch, Trump darstellbar zu machen. Aber auch bei den sehr beliebten Parodien – beispielsweise bei Saturday Night Live – äußert sich Kritik: indem man diese Menschen wie Stephen Bannon zu Comedy-Figuren überhöht, verstelle sich der Blick auf ihre wahre, echte, eigene Meinung und ihr Handeln.

In den letzten zwei Jahrzehnten gab es auch im Theater immer mehr Erwartungsdruck von außen. Hier ist die Erwartungshaltung nämlich erstmal, dass wir Teil der Unterhaltungsindustrie sind. Dass natürlich etwas Lustiges hier vorkommen wird. Dass man gemeinschaftlich rausgehen und befreiend „Ach ja, die blöden Amis!“ lachen kann. Dabei würde aber völlig in den Hintergrund treten, wie dem Zuschauer selbst es mit diesem Thema geht, wie es uns als Gesellschaft in der Gegenwart damit ergeht. Und da haben wir doch ganz ernste Probleme – auch anhand dieses Texts. Natürlich nehmen wir das Publikum an die Hand und verschrecken es auch nicht, man soll ja auch lachen am Abend, doch die Botschaft zum Schluss ist mindestens so düster wie der Abend „hell“ hier am Haus düster ist.

Die Hälfte der Leute meint derzeit, Amerika ist Trump hündisch ergeben. Und die andere Hälfte meint: Leute, der wird kein Jahr durchhalten, der wird zurücktreten müssen oder so. Was siehst du in den nächsten Monaten oder Jahren, wenn du in deine persönliche Zauberkugel guckst?

Die Hoffnung ist ja stets, dass Schreckensgestalten bald wieder von uns weichen. Doch so ein Impeachment-Verfahren – also dass man dem Präsidenten das Vertrauen entzieht und er zum Rücktritt gezwungen wird – besitzt derzeit enorm wenige Chancen. Und da stellt sich wieder die Frage der Gewöhnung: Es müsste ein noch unfassbarerer Skandal geschehen als es schon dutzende unfassbare Skandale gab – und da bin ich extrem pessimistisch! Ich kann mir einfach kein Szenario mehr vorstellen, außer er klaut vielleicht die Löffel aus der Kantine. Dass jetzt der nächste Bundesminister, Jeff Sessions, bei der Befragung unter Eid gelogen hat – was soll man da noch sagen? Wenn das alles so ohne Weiteres durchgewunken werden kann, dann wird es einfach so weitergehen. Und eventuell sogar schlimmer werden.

DAS PHÄNOMEN TRUMP ERZÄHLEN

Der zurückliegende US-Präsidentschaftswahl endete am 9. November 2016 mit einer Sensation: Donald Trump ist neuer Präsident der Vereinigen Staaten.

Prompt folgten erste europäische Glückwünsche von Rechtsaußen  – Frauke Petry („Dieses Wahlergebnis macht Mut für Deutschland und Europa“), Marine Le Pen, BREXIT-Kämpfer Farage, Viktor Orbán, Geert Wilders, getoppt vom italienischen Populisten Beppe Grillo, der wortgewaltig mit „Das ist der Zusammenbruch einer Epoche“ gratulierte.

Wie konnte es soweit kommen? Mike Daisey (Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs) erforscht in seinem neusten Theaterstück den Aufstieg Donald Trumps und die politische Selbstvergiftung des wichtigsten europäischen Bündnispartners. Im Echoraum die Frage: Ist es nur Amerikas Demokratie, die immer toxischer wird?

Mike Daisey (*1976), amerikanischer Performer und Autor von über zwanzig Bühnenprogrammen, wurde weltweit bekannt mit seinem Erfolgsmonolog Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs, der am Schauspiel Dortmund 2012 in der Regie von Jennifer Whigham seine Deutschsprachige Erstaufführung erlebte und bisher über 40 mal gespielt wurde. Mit TRUMP (Originaltitel: The Trump Card) präsentiert das Schauspiel Dortmund nun die zweite Deutschsprachige Erstaufführung eines Textes von Mike Daisey in Dortmund.


Vier Fragen an Regisseur Marcus Lobbes und Dramaturgin/ Übersetzerin Anne-Kathrin Schulz

 „Trump“ wurde kurzfristig in den Spielplan aufgenommen?
ANNE-KATHRIN SCHULZ
Das stimmt. Als wir das Stück im Spätherbst 2016 wenige Tage nach der verhängnisvollen Wahl gelesen haben, war uns sofort klar, dass wir es dem Publikum in Deutschland möglichst schnell präsentieren wollen, und zwar noch in der laufenden Spielzeit hier am Schauspiel Dortmund. Autor Mike Daisey ist bekannt dafür, immer aktuelle Themen der Zeit ins Visier zu nehmen – er wechselt dabei oft die Blickrichtung, geht auch stark in besondere Nahaufnahmen, und das macht seine Texte nachdenklich und unterhaltsam zugleich.

Im amerikanischen Original hat Mike Daisey den Text als Monolog aufgeführt. Wie wird es in Dortmund?
SCHULZ Während Mike Daisey selber seine Monologe immer an einem Tisch sitzend performt, werden bei Marcus Lobbes‘ Deutschsprachiger Erstaufführung die Schauspieler Andreas Beck und Bettina Lieder die Zuschauer in einem Bühnenraum empfangen. Autor Mike Daisey ermutigt die Theater generell immer dazu, ihren eigenen Weg durch einen Text von ihm zu entwickeln, sowohl was Stückfassung als auch Bühnensetting, Bühnengeschehen oder die Besetzung angeht. Das war schon bei „Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“ so. Mike Daisey stellt seine Texte tatsächlich open source zur Verfügung.

Aus „The Trump Card“, so der Originaltitel, wird in Dortmund „TRUMP“?
SCHULZ Im englischen Originaltitel „The Trump Card“ schwingt eine schöne Doppeldeutigkeit – dem Nachnamen „Trump“ und dem Begriff „the trump card“, die Trumpfkarte in einem Kartenspiel. Wir haben natürlich über eine direkte Übertragung des Titels ins Deutsche nachgedacht, z.B. mit eingeklammertem f, uns aber letztendlich anders entschieden. Im Stück werden viele verschiedene Aspekte eines Phänomens beleuchtet, die Geschichte eines Mannes, der als Geschäftsmann über viele Jahre seinen Nachnamen erfolgreich zu einer Marke aufgebaut hat und heute Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. So kamen wir zu unserem Titel: „TRUMP“.

Die Marke Trump –  Marcus Lobbes, im Deutschlandfunk sprachen Sie neulich darüber, was für einen spürbaren Stellenwert das Thema ‚finanzieller Erfolg‘ im zurückliegenden amerikanischen Wahlkampf hatte.
MARCUS LOBBES Es gibt für die ‚Bewegung Trump‘ nichts, was sie bewegt, außer, dass ein Mann sich hinstellt und sagt: ‚Mein Reichtum zeigt, dass ich ein Garant des Erfolges sein kann. Und ich werde jetzt gucken, dass alle daran teilhaben können, die mit mir sind.‘ Und das als Aussage ist Partisanentum innerhalb der politischen Landschaft. Es geht politisch nicht darum, wie man einen Ausgleich zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen schaffen oder Kooperation stärken kann, sondern, wie man propagiert, dass jeder jetzt auf sich schaut.


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