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BILDER UND IHRE ECHOS

bilder und ihre echos

das sehen und das phänomen der nachbilder

Unser Sehvermögen ist das Ergebnis wundersamer Vorgänge zwischen Physik und Biochemie. Wenn Licht ins Auge fällt, strahlt es durch Hornhaut, Pupille und Linse und wird auf diesem Weg so präzise durch den Glaskörper gelenkt, dass es genau einen besonderen Punkt auf der Netzhaut trifft – den des schärfsten Sehens. Dort ist sie am höchsten, die Konzentration der elektrochemischen Wunderwerke, die wir Sehzellen oder Fotorezeptoren nennen. Grob sortiert schauen wir hier auf zwei Gruppen: „Stäbchen“ (für hell und dunkel) und „Zapfen“ (für das Sehen von Farben). Von letzteren haben wir drei Sorten – empfindlich entweder für rötliche, bläuliche oder grünliche Lichtwellen. Der Goldfisch hat noch eine vierte Zapfenart, genau wie viele Vögel: Sie können auch Lichtwellen aus dem UV-Bereich sehen – ob ihre Welt farbiger ist als die unsere? Das menschliche Auge jedenfalls kann tagsüber viele Millionen verschiedene Farbnuancen wahrnehmen. Nachts sind alle Katzen grau. BILDER UND IHRE ECHOS weiterlesen

„WIR ARBEITEN AUS DER TOTALEN DUNKELHEIT HERAUS“

wir arbeiten aus der totalen dunkelheit heraus

kay voges über die probenarbeit zu „hell / ein augenblick“
 
Herr Voges, Ihr neues Stück heißt „hell / ein Augenblick“. Sie nennen das selbst ein großes Experiment und Abenteuer. Worauf dürfen die Zuschauer sich denn freuen?
Wir haben in den letzten Jahren viele gute Erfahrungen darin gesammelt, Theaterabende im Kollektiv zu entwickeln. In „Das Goldene Zeitalter“ habe ich gemeinsam mit Alexander Kerlin und dem Ensemble über Wiederholungen und Einzigartigkeit des Menschen gearbeitet. In „Die Borderline Prozession“ ging es um die Gleichzeitigkeit von Ereignissen, und wie wir das im Theater sinnlich machen können. Nun geht es um den „Augenblick“ – kann man ihn festhalten? Im Leben? Im Theater? Oder bedeutet Leben lernen nicht auch immer, loslassen zu lernen?
 
Das klingt nach „Faust“: „Augenblick, verweile doch – du bist so schön“.
In der Tat. Im Sommer habe ich viel Goethe gelesen und habe dabei immer wieder an die berühmte Stelle zurückgeblättert. Es ist natürlich eine Utopie, den Augenblick für immer konservieren zu wollen. Aber es gibt ein Medium, dass genau das seit bald 200 Jahren versucht: Die Fotografie. Also habe ich mich gefragt, ob man nicht eine Theaterform erfinden kann, die sich mit der Fotografie verbündet.
Kay Voges
Kay Voges
 
Und daran arbeiten Sie sich gerade ab?
Richtig, im Team mit 14 Schauspielern und vielen Mitarbeitern. Wir haben den Fotografen Marcel Schaar engagiert, der vielleicht erste Live-Fotograf in einer Theaterinszenierung. Wir arbeiten aus der totalen Dunkelheit heraus, man sieht nichts. Die anderen Sinne werden dadurch extrem angeregt, insbesondere das Hören. Tommy Finke, der auch schon bei „Die Borderline Prozession“ die Live-Musik macht, komponiert bereits den Soundtrack. Die Schauspieler spielen und sprechen also erstmal im Dunkeln. Dann, wie aus dem Nichts, kommt ein Biltzlicht: Und wir sehen riesige Fotos erscheinen. Das ist die Grundkonstellation für den Abend.
 
Und worum geht es inhaltlich?
Wenn wir über Fotografie sprechen, kommt man automatisch auf die großen, menschlichen Themen: Erinnerung, Vergessen, Vergänglichkeit und Zauber. Wir arbeiten wie schon zuvor mit Textzitaten aus vielen Jahrhunderten, von der jüdischen Kabbala bis zu Charles Bukowski, von Paul Celan bis Rainald Goetz – Goethe, Nietzsche und Baudelaire nicht zu vergessen. Aber das ist nur der Anfang. Wir sind in einer ständigen Suchbewegung und hoffen wie immer, das Publikum am Schluss zu überraschen und zu begeistern. Es ist ein Wagnis, bei dem es thematisch wieder um alles geht: Leben, Liebe und Tod. Und wir wollen uns selbst überfordern, um etwas Einzigartiges zu schaffen.
 

premiere am 11. februar (bereits ausverkauft), weitere termine gibt es hier.
 
anmerkung: zuschauern mit dunkelangst, akuten herzkrankheiten oder epilepsie wird dringend von einem besuch der vorstellung abgeraten.