Schlagwort-Archive: Hamlet

TROLLE

Vor kurzem gab es bei Maybrit Illner eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Aktivisten Sascha Lobo und dem Kripo-Gewerkschafter André Schulz. Die Frage: Ist der gegenwärtige Hass gegen Fremde ein Randphänomen („eine Gruppe von ca. 20.000 radikalisierten Deutschen“, Schulz)? Oder ist der Rassismus längst ein Massenphänomen (Lobo)?

Lobos Einschätzung ist durch das Netz geprägt. Er beobachtet eine tiefgreifende Veränderung des Verhaltens in den Sozialen Medien. Offen rassistische und verfassungsfeindliche Kommentare werden massenhaft unter „Klarnamen“ (d.h. nicht mehr unter Pseudonymen) veröffentlicht – ein Indiz für Lobo, dass ein gesellschaftliches Tabu gebrochen ist. Zum Glück stimmt das nicht ganz: Die Website „Perlen aus Freital“ hat in den letzten Wochen freundlicherweise Facebook-Rassisten und Holocaust-Leugner direkt mit ihren Arbeitgebern in Kontakt gebracht hat – in mehreren Fällen kam es zu Entlassungen. So mancher wird sich da über sein Netz-Verhalten geärgert haben: „Nüchtern bin ich doch eigentlich ganz anders und sogar Roberto Blanco-Fan“. TROLLE weiterlesen

ZEITSCHOCK

Von Dramaturg Alexander Kerlin

 

Nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern. Geschätzter Volksmund, nichts ist so alt, wie dieser Spruch. Heute gilt: Alles ist alt, was nicht jetzt geschieht. „Always on“ – immer an. Alles ist verfügbar, immer gerade jetzt. Und was verfügbar ist, wird Objekt der Begierde, weil es verfügbar ist: Was machen die Freunde gerade? Kollegen, Stars, Kriegsparteien auf aller Welt? Börse, Bundesliga? Ich will das wissen, spüren, kommentieren. Und zwar jetzt. Und alle sollen wissen, spüren, kommentieren – wie ich weiß, spüre und kommentiere. Und zwar jetzt.

Die zur Epoche gehörigen Krankheitsbilder sind beobachtet und benannt. Phantomvibrieren: Falsche Nervensignale, die dem Hirn weismachen, dass sich das Handy in der Tasche mit Neuigkeiten meldet. Nomophobia (von „No Mobile Phone-Phobia“): Die Angst davor, offline zu sein. Das sind keine Kuriositäten, sondern verbreitete Phänomene.

“Present Shock – Wenn alles jetzt passiert.” Das ist ein Buchtitel (2013) von dem Medientheoretiker Douglas Rushkoff. Er beobachtet: „Das Gegenwärtige schluckt das Vorherige, und damit auch die Zeit, die das Gehirn dazu brauchen würde, den Gegenwartsschock überhaupt zu bemerken.“

Ich habe Rushkoffs Thesen wie Schmerzmittel gegen die Überforderung zu mir genommen. Gute Begriffe sagen uns gegenüber Technik-Fortschritt und sozialen Veränderungen immer erst verspätet, worin wir uns befinden – das aber zu können, ist Bedingung für die geistige Unversehrtheit. Wer z.B. versucht, angesichts der Fülle an Echtzeit-Wissen dem alten Bildungskanon zu genügen, verzweifelt. Und je mehr uns die Gegenwart im Griff hat, desto weniger Vorrat an Vergangenheit bleibt. Da haben wir das ganze Dilemma: Denn nur aus der Vergangenheit (das Andere des Jetzt) können die Begriffe zu uns aufsteigen, die wir brauchen, um uns zu verorten und in der neuen Epoche nicht nur nicht zu verzweifeln, sondern glücklich zu werden. Nur aus sich selbst schöpfen, das kann das Jetzt nicht.

Im Theater haben sich Gegenwart und Vergangenheit schon immer in der Wolle. In unserem „Hamlet“ gehen sie miteinander in den Ring wie zwei Wrestler. Der 400 Jahre alte Shakespeare unter Gegenwartsbeschuss. Buchen Sie jetzt Karten für den Kampf unserer Epoche.

DIE ZEIT IST AUS DEN FUGEN

DIE ZEIT IST AUS DEN FUGEN

Wie oft William Shakespeares Tragödie HAMLET seit ihrer Entstehung um 1600 auf den Bühnen dieser Welt aufgeführt wurde, vermag niemand genau zu sagen. Eins aber ist sicher: Es gab in den vergangenen rund 400 Jahren Millionen von Zuschauern, die die Geschehnisse hinter den Mauern von Helsingör immer wieder neu mit offenen Herzen und Hirnen erleben wollten. Und wenn – was selten genug vorkommt – ein Theatertext die Menschen dermaßen konstant fasziniert, und das in vielen Sprachen und Ländern, so ist oft einer der Gründe dafür, dass die Dialoge, Figuren und Fragen des Dramas Kompositionen ermöglichen, die – unabhängig vom Wann und Wo – unsere Synapsen zum Schwingen bringen. Unsere Gegenwart.

Ein Mikrokosmos, in dem das Theater der Welt stattfindet. Ein Schauplatz, ein Ort des Sehens und Gesehen-Werdens: Schloss Helsingör, Dänemark. Eine neue Epoche beginnt mit Gewalt. Claudius ermordet heimlich seinen Bruder, den König von Dänemark, heiratet dessen Frau Gertrud und reißt den Thron an sich. Dann sind da noch Polonius, der Claudius zur Seite steht, dessen Sohn Laertes, der sofort abrei­sen will, seine Schwester Ophelia – und die Schauspieler. Von außen drohen Feinde, innen verfaulen Ethik und Moral – verfault ein Land. Das Verbrechen, mit dem so manches begann, bleibt nicht lange ein Geheimnis, doch auf allem, aus dem eine echte Revolution erwachsen könnte, liegt ein Mehltau. Hamlet, Sohn des Ermordeten, ringt mit Wahrheit und Wahnsinn. Und er ist nicht der Einzige, der bald erkennen muss, dass man in der eigenen Heimat zum Fremden werden kann. Im Spannungsfeld von Virtualität, Realität, Sein oder Nicht-Sein: Was genau ist das, was alles und jeden zu verzehren droht? Was sind die Krankheiten der Zeit? Wo anfangen, sie zu bekämpfen? Und – wie?

MENSCHEN, DIE IN IHRER ZEIT VERLOREN GEHEN

William Shakespeare (1564 – 1616) zeichnet in HAMLET eine Welt am Abgrund. Sein Dänemark ist ein Kosmos im Umbruch, in dem überall Paranoia, Zweifel und Einsamkeit lauern. Shakespeares wohl berühmteste Tragödie strahlt seit Stückentstehung durch die Jahrhunderte, lauscht gleich einem Seismographen in die Erschütterungen der Jetztzeit. Macht sich auf die Suche nach der Architektur der Welt – nach dem, was die Menschen zusammenhält, nach dem Ich in einer Zeit aus den Fugen, sieht Verlorengegangenes und Verlorengegangene, Macht und Ohnmacht, lädt ein zu einem offenen Blick auf die Gegenwart der Evolution und auf die Evolution der Gegenwart – auf all das, was fasziniert und überfordert, verängstigt und anspornt, verwirrt und verblüfft. Europa, 2014: Was ist der Mensch?

 

HAMLET A-Z

© Edi Szekely
© Edi Szekely

ALGORITHMUS Im Alltagsleben begegnen wir algorithmischen Formeln mittlerweile überall: Sie werten Daten aus – sie berechnen z.B. Börsenkurse, durch sie werden Kunstprojekte realisiert, Werbeprofile erstellt oder nachrichtendienstliche Erkenntnisse gewonnen. Gute Algorithmen sind für Firmen wichtigstes Kapital: Googles hauseigener Algorithmus
„Hummingbird“ zum Beispiel verarbeitet mittlerweile 90% aller Suchanfragen und kann vermutlich die Absicht hinter unseren Sucheingaben mittlerweile besser verstehen als wir selber. |→DATEN | →KEITH ALEXANDER | →KEYWORDS | →MAX/MSP | →ONLINE | →RAY KURZWEIL | →POST-HUMANISMUS | →POST-PANOPTICON | →VIDEOART | →WHISTLEBLOWER

ANTHROPOZÄN Hat die Menschheit ihren Planeten in eine neue geologische Epoche getrieben? 2000 brachten Forscher den Begriff „Anthropozän“ ins Spiel – das Zeitalter des Menschen. Jede neue geologische Epoche muss anhand einer einheitlichen Schicht im Boden weltweit nachweisbar sein. Doch erfüllen die von der Menschheit gebohrten Löcher und Tunnel, die verlegten Glasfaser- und Kupfer-Kabel sowie Rohre (allein in deutschem Boden liegen über 1,4 Milliarden km Abwasserleitungen), die unterirdischen Atomtests, Mülldeponien und Gasspeicher inzwischen diese Voraussetzung? Die Internationale Kommission für Stratigraphie (ICS) berät weiter. →DATEN | →FRANKENSTEIN | →PROMETHEUS | →ZWEIFEL

BLADE RUNNER ist ein amerikanischer Science-Fiction-Cyberpunk-Film aus dem Jahre 1982 (Regie: Ridley Scott), in dem ursprünglich zum Arbeitseinsatz auf fremden Planeten konstruierte Androiden auf die Erde fliehen und dort um das Verständnis ihrer Selbst, um ihre Existenz ringen. Sein oder Nicht-Sein? Literarische Vorlage ist der Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ von Philip K. Dick. Theatertipp: „Minority Report oder Mörder der Zukunft“ nach Steven Spielberg und Philip K. Dick, Schauspiel Dortmund (Regie: Klaus Gehre) | →FRANKENSTEIN | →POSTHUMANISMUS | →TRANSHUMANISMUS →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

COLLATERAL MURDER-VIDEO Neben den Snowden-Files ist das sogenannte „Collateral Murder“-Video einer der berühmtesten Leaks der letzten Jahre. Veröffentlicht von Wikileaks am 5. April 2010, erregte der Clip weltweit Betroffenheit und Wut. Er zeigt Cockpit-Footage eines amerikanischen Helikopters, der bei Bagdad Menschen erschießt, die angeblich bewaffnete Kämpfer sind. Da sich unter den Getöteten zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters befinden, versuchte Reuters in Folge (unter Berufung auf den amerikanischen Freedom of Information Act), die Hubschrauber-Aufnahmen zu bekommen – erfolglos. Erst als der amerikanische Soldat Bradley Manning (später Chelsea Manning) die Aufnahmen im Militärnetzwerk findet und Wikileaks zukommen lässt, erfährt die Welt, was damals, am 12. Juli 2007, wirklich geschah. Das Video ist unter www.collateralmurder.com noch heute einsehbar. | →DATEN | →GEGENWARTSSCHOCK | →KEITH ALEXANDER | →ONLINE | →WHISTLEBLOWER | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

DATEN werden derzeit als der wertvollste Rohstoff der Gegenwart und Zukunft gehandelt, als das „Öl des 21. Jahrhunderts“ – mit dem Potential, das Menschsein auf völlig neue Art neu durchdringen zu können. Inzwischen lagern bereits Zettabytes (eine Zahl mit 21 Nullen) auf Servern in aller Welt, und es werden sekündlich mehr. Bei „Big Data“ geht es um wesentlich mehr als das Optimieren von Werbung. Wenn es praktisch unendliche Datenmengen gibt – aus allen Bereichen des Lebens – und die richtigen Algorithmen (also die Möglichkeit, diese Datenmengen auch sinnvoll auszuwerten), wird die Vision vom „Gläsernen Menschen“ dann wahr? Falls ja, was bedeutet das – für die Medizin, für Gesellschaft, für Politik, für die Wirtschaft? Und: Ab wann sind Gefühle und die Gedanken nicht mehr frei? Lesetipp: Heinrich Geiselberger und Tobias Moorstedt (Hrsg.): Big Data. Das neue Versprechen der Allwissenheit. |→ALGORITHMUS | →KAMERAS | →MICHEL FOUCAULT | →PANOPTISMUS | →POST-PANOPTICON | → RAY KURZWEIL →ÜBERWACHUNG | →VIDEOART | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

DAVID MIRANDA ist der Lebenspartner des britischen Journalisten →GLENN GREENWALD und wurde am 19. August 2013 während einer Reise von Deutschland in sein Heimatland Brasilien am Londoner Flughafen Heathrow unter Berufung auf Anti-Terror-Maßnahmen einer neunstündigen Festnahme und Durchsuchung unterzogen ohne Zugang auf einen Anwalt. Greenwald verurteilte die unwürdige Behandlung und wertete sie als Drohgeste und Einschüchterung gegenüber ihm, seinen Kollegen und Freunden. Nach einem neunstündigen Verhör beschlagnahmten die Sicherheitskräfte Mirandas Gepäck, darunter mehrere externe Festplatten. Ende Februar 2014 entschied ein britisches Gericht, dass die Festnahme Mirandas rechtens und „angesichts der Umstände angemessen“ war, woraufhin der Guardian in einem Leitartikel schrieb: „Das Urteil zeigt eine sehr enge Definition von Journalismus im 21. Jahrhundert, aber eine sehr großzügige Definition von ‚Terrorismus.‘“ Miranda legte Berufung ein. | →GLENN GREENWALD | →THE GUARDIAN | → THE INTERCEPT

DIE HAMLETMASCHINE ist ein im Jahr 1977 entstandener Theatertext von Heiner Müller, der trotz seiner Länge von bloß neun Seiten ein atemberaubend dichtes, opulentes und bedeutungsschwangeres Verwirrspiel und Gedankenkonstrukt abbildet, dass den „Hamlet“-Stoff frei assoziierend weiterdenkt und auf die Situation und Traumwelt einer Künstlerexistenz im damaligen Ostblock überschreibt. Müller lässt die Schauspieler von Hamlet und Ophelia aus ihren Rollen treten und sie distanziert von der Figur sprechen. Berühmt sind die ersten Sätze der „Hamletmaschine“: „Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und sprach mit der Brandung BLABLA, im Rücken die Ruinen von Europa. Die Glocken läuteten das Staatsbegräbnis ein, Mörder und Witwe ein Paar, im Stechschritt hinter dem Sarg des hohen Kadavers die Räte, heulend in schlecht bezahlter Trauer.“ Theatertipp: „Die Hamletmaschine“ im Schauspiel Dortmund (Regie: Uwe Schmieder). | →POLITISCHES THEATER | →REVOLUTION | → WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL | → WEITERE STIMMEN

© Edi Szekely
© Edi Szekely

DIE MAUSEFALLE ist der Titel des Stücks, das die Theatertruppe im Auftrag von Hamlet am dänischen Hof spielt. Es handelt von einem König, der von seinem Bruder im Schlaf vergiftet wird. Hamlet will so den Mörder Claudius entlarven. Mit Erfolg: Claudius verlässt tatsächlich abrupt die Aufführung. Damit wird „Die Mausefalle“ ein Beispiel von politischem Theater: Dem Mächtigen den Spiegel vorhalten, auf dass er reflektieren möge. Vom Stück im Stück ließ sich auch Agatha Christie für ihr berühmtes „Whodunit“-Krimistück „Die Mausefalle“ inspirieren, das seit 1952 täglich im Londoner West End aufgeführt wird. | →POLITISCHES THEATER | →ÜBERWACHUNG | →WHISTLEBLOWER | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

DIGIPHRENIE. Da wir den →GEGENWARTSSCHOCK um uns herum kaum mehr merken können, leben wir laut dem amerikanischen Medientheoretiker Douglas Rushkoff im Zeitalter der sog. Digiphrenie – der Diskrepanz zwischen der Scheingegenwart, die uns ein „digitales Dauerbombardement“ erleben ließe, und dem realen Jetzt des „echten lebenden Menschen“. Unser Verhältnis zu Raum und Zeit sei ebenso kollabiert wie unser Verhältnis zur Narration: Befinde ich mich gerade beim Frühstück oder doch eher via Facebook im Urlaub meiner besten Freunde? Sitzt mein Ich in der Bar oder in der Twitter-Timeline? Wie geht ein Soldat damit um, per Fernsteuerung mit Drohnen Menschen in Afghanistan zu töten, und kurz darauf in den USA mit seiner Familie Abend zu essen? Das uralte Gleichgewicht zwischen chronos, der echten Uhrzeit, und kairos, unserem inneren Zeitgefühl, ist gefährdet – ein Aspekt der Zeit, die aus den Fugen ist. →ONLINE | →TRANSHUMANISMUS | →ZWEIFEL | →WEITERE STIMMEN

EBEN MOGLEN ist (* 1959) ist Professor für Recht und Rechtsgeschichte an der Columbia Law School in New York. Er ist einer der prominentesten Verfechter für Open Software – in einer Welt, in der unser Leben so eng mit technischen Geräten verzahnt ist, sei es wichtig, dass durch freie Software alle Zugriff auf diese Technik hätten, damit die gesellschaftliche Macht auf viele verteilt werden könne. Freie Software sei also eine unverzichtbare Grundlage für die Demokratie. Zu den Snowden-Veröffentlichungen gab er eine mehrteilige Vorlesungsreihe. →WHISTLEBLOWER | →WEITERE STIMMEN

FRANKENSTEIN ist die Hauptfigur in Mary Shelleys Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ von 1818: Der vermutlich schizophren gestörte Forscher Viktor Frankenstein erschafft den ersten künstlichen Menschen. Das zweieinhalb Meter große Wesen verhält sich zu Beginn naiv, leidet jedoch immer mehr an seiner endlos großen Einsamkeit und kompensiert diese mit maßloser Gewalt und Rachsucht gegen seinen Schöpfer, der während der ganzen Handlung des Romans nicht mal daran dachte, seiner Kreatur einen Namen zu geben. In tiefer Abscheu vor sich selbst beendet die Kreatur letztlich ihr Leben in den Flammen eines Scheiterhaufens. Am Bekanntesten ist Frankenstein wohl durch die legendäre Verfilmung aus dem Jahr 1931, aus der der Ausruf „Es lebt! Es lebt!“ sowie der unnachahmlich gefühlslose Blick der von Boris Karloff gespielten Kreatur wohl jedem Filmfreund bekannt ist. Der „Frankenstein“-Stoff erinnert an die jüdische Legende vom Golem, bei der ein Prager Rabbi mithilfe der vier Elemente einer Lehmfigur Leben einhaucht. Der Golem kann nicht sprechen oder denken, aber Befehle jedweder Art – gut wie böse – mit eisernem Willen befolgen. | →BLADE RUNNER →FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE | →PROMETHEUS | →TRANSHUMANISMUS →SCHIZOPHRENIE | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE ist ein Horrorfilm aus dem Jahre 1989 nach dem gleichnamigen Bestseller von Stephen King. In der Kleinstadt Ludlow kehren Tote, die hinter dem örtlichen Tierfriedhof begraben werden, fatal verändert ins Leben zurück! Church, der graue Kater der Familie Creed, erlangte als Wiederkehrer weltweit Unsterblichkeit – er schaffte es sogar auf die Filmplakate. →FRANKENSTEIN | →ZWEIFEL

GEGENWARTSSCHOCK UND NARRATIONSKOLLAPS In seinem Buch „PRESENT SHOCK: Wenn alles jetzt passiert” zeichnet der amerikanische Medientheoretiker Douglas Rushkoff das Bild einer Epoche, in der der Mensch durch die globale Vernetzung Vorkommnissen in aller Welt gleichzeitig ausgesetzt ist, alles sieht – und doch nichts, mit menschlichen Synapsen in ständiger Überforderung. „Der Mikrochip gibt den Takt vor. Er ist zum Sinnbild für unseren verzweifelten Versuch geworden, mit uns selbst Schritt zu halten.“ Rushkoff beobachtet im „neuen Jetzt“ außerdem einen „Bedeutungsverlust von allem, was nicht gegenwärtig ist, weil der Ansturm von allem, was genau jetzt passiert, so gewaltig ist“. Das Gegenwärtige verschlucke das Vorherige – und damit auch die Zeit, die das menschliche Gehirn dazu brauchen würde, den Gegenwartsschock überhaupt zu bemerken oder gar zu reflektieren. Was bedeutet das für die menschliche Zeit und Narration? „Wie funktioniert Politik ohne Rückgriff auf die großen Erzählungen?“, wie lassen sich „Geschichten erzählen und Werte vermitteln“, wenn wir, überflutet vom permanenten Jetzt, „nicht mehr dazu kommen, einer linearen Handlung zu folgen?“ |→ANTHROPOZÄN | →ALGORITHMUS →DATEN | →DIGIPHRENIE | →KAMERAS | →REVOLUTION | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL | →WEITERE STIMMEN

GENDER ist ein großes Thema in den sozialen Medien. Da Online-Avatare und Offline-Physis in keinem zwingenden Zusammenhang stehen, stellt sich auch die Frage nach geschlechtlicher Selbstidentifizierung neu. Im Februar entschloss sich Facebook, die rigide Einteilung in männliches oder weibliches Geschlecht aufzuheben und bietet seitdem stattdessen gleich fünfzig Möglichkeiten an, seine Geschlechtszugehörigkeit zu definieren: intersexuell, transsexuell, pansexuell, asexuell, transgender… |→TRANSHUMANISMUS

GLEICHZEITIGKEIT DES UNGLEICHZEITIGENEN ist ein Begriff des Philosophen Ernst Bloch (1885-1977), der damit während der Endphase der Weimarer Republik erklären wollte, warum das Staatsgebilde immer mehr aus den Fugen schien: „Nicht alle sind im selben Jetzt da“, so sein Grundgedanke. „Sie sind es nur äußerlich, dadurch, dass sie heute zu sehen sind. Damit aber leben sie noch nicht mit den anderen zugleich. Sie tragen vielmehr Früheres mit, das mischt sich ein“, schreibt Bloch 1935 in „Erbschaft der Zeit“. Sowohl äußerst moderne wie auch erzkonservative Lebensstile, Handlungsweisen und Ideologien können laut Bloch zur gleichen Zeit parallel nebenher laufen und sich teils auch überschneiden – mit oftmals großem Konfliktpotenzial. Bloch bezog diese gleichzeitige Ungleichzeitigkeit auf den mangelnden allgemeinen Fortschritt. |→ANTHROPOZÄN →BLADE RUNNER | →GEGENWARTSSCHOCK | →DIGIPHRENIE | →RAY KURZWEIL | →TED KACZYINSKI | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

GLITCH (jiddisch „Ausrutscher“, „Unvollständigkeit“) ist der Name für einen oft nur kurz währenden, mitunter aber auch dauerhaften Fehler bei der Ausführung von Programmen. Winzige Systemfehler wie hakende Bilder, stotternder Sound, falsche Farben, plötzliche Störgeräusche, Rauschen und Flimmern, Verzerrungen, sich wiederholende Videosequenzen oder fehlerhaft agierende Befehle sind typische Beispiele für Glitchs. Sie stellen das alte Sprichwort „Irren ist menschlich!“ infrage, denn Glitchs sind bei Elektrogeräten de facto so unvermeidlich und natürlich wie Irrtümer, Fehlhandlungen oder das Vergessen beim Menschen. Die Wahrheit hinter der Oberfläche: Medienkünstler und Musiker setzen Glitches bisweilen gezielt ein – sie schätzen das kreative Potential des vermeintlichen „Fehlers“. In der Musik hat es der Glitch sogar zu einem eigenen Genre gebracht: Glitch, der schwammige Sammelbegriff für ein Elektro-Musikgenre, dessen Material sich aus der künstlerischen Würdigung des Fehlbaren speist. Musiker wie Alva Noto oder Oval lauschen dem Knacksen kaputter Stromkreise oder dem Stottern demolierter CDs in absichtlich falsch präparierten Abspielgeräten. Was vielleicht auf dem Papier nach unhörbarem Krach anmutet, klingt oftmals jedoch überraschend gut. | →ALGORITHMUS | →DATEN | →KAMERAS | →KINECT | →POSTHUMANISMUS | →VIDEOART

© Edi Szekely
© Edi Szekely

HALLUZINATIONEN sind Sinneseindrücke, die vom Betroffenen als wahr erachtet werden, ohne dass es externe Grundlagen für diese Wahrnehmungen gibt. Gründe dafür können Schlafentzug, Drogeneinnahme, Drogenentzug, Reizüberflutung, Reizunterforderung, psychische Störungen oder eine Stoffwechselstörung im Gehirn sein. Als „Hypnagogie“ bezeichnet man Halluzinationen, die einen abends im fließenden Wandel vom Wachsein zum Halbschlaf oder Wegdämmern ereilen können. (Lesetipp: Oliver Sacks, „Drachen, Doppelgänger und Dämonen. Über Menschen mit Halluzinationen“). | →GEGENWARTSSCHOCK → DIGIPHRENIE | →SCHIZOPHRENIE | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL | →POST-PANOPTICON

HELSINGÖR (auch Helsingør oder Elsinore) ist eine idyllisch gelegene Kleinstadt an Dänemarks östlicher Küste, direkt der schwedischen Stadt Helsingborg gegenüber. In die Literaturgeschichte ging das verschlafene und windumtoste Städtchen als Schauplatz der Hamlet“-Geschichte ein. Im hiesigen Schloss Kronborg siedelte Shakespeare die Geschichte an. Seit 2000 ist die Kronborg Weltkulturerbe der UNESCO. Erstmals wurde „Hamlet“ in jenen Gemäuern 1816 gespielt – zum 200. Todestag des Autors. Heutzutage bekommen Touristengruppen und Shakespeare-Fans jeden Tag um halb eins eine „Hamlet“-Führung, Kosten: 40 dänische Kronen pro Nase. | → REGIZID | → WILLIAM SHAKESPEARE | → ZWEIFEL

KAMERAS Im „Hamlet“-Bühnenbild befinden sich (zwischen Schlafzimmer und Wohnzimmer, beim Labor in der Nähe des Gartenhauses sowie in der Kapelle) insgesamt drei sogenannte PTZ (Pan-Tilt-Zoom)-Kameras. Diese beweglichen Full-HD-Kameras können mit 18-fachem optischen Zoom nahezu jede Aktion im Bühnenbild erfassen und werden während der Vorstellung von Jan Voges durch eine Steuereinheit mit Zoomhebel und Richtungslenkarm bedient. Insgesamt sind sieben Kameras im Einsatz – neben den PTZ-Kameras kommt noch eine von Robin Otterbein geführte Handkamera sowie eine Dom-Kamera zum Einsatz, um alle Geschehnisse direkt übertragen zu können – sowie eine Kamera aus der Vogelperspektive und die →KINECT | →DATEN | →GEGENWARTSSCHOCK | →MAX/MSP | →PANOPTISMUS →POST-PANOPTICON | →VIDEOART

KEITH ALEXANDER (*1951) war bis März 2014 Direktor der National Security Agency (NSA) – von Kritikern wird ihm ein juristisch grenzwertiger Drang, den ultimativen Spionageapparat aufzubauen, vorgeworfen. Internationale Bekanntheit erlangte Alexander im Sommer 2013 im Zuge der Snowden-Enthüllungen, die riesige Datensammlungen offenlegten. Aus dieser Zeit stammt auch das berühmte Zitat Alexanders: „Man braucht die Daten, man braucht den Heuhaufen, um die Nadel zu finden.“ | →ALGORITHMEN | →DATEN →KEYWORDS | →LAURA POITRAS | →PANOPTISMUS | →POST-PANOPTICON | →WHISTLEBLOWER

KEYWORDS 2012 wurde das amerikanische Department of Homeland Security gerichtlich dazu verpflichtet, eine Liste mit Schlagwörtern zu veröffentlichen, auf die sie Internet-Kommunikation durchsucht hatten, darunter auch Begriffe wie Schwein, Afghanistan, Irak, biologisch, China, Puder, Tsunami, Flughafen, Wolke, Piraten oder Kain & Abel. Es gilt als wahrscheinlich, dass hierbei nicht nach einzelnen Wörtern Ausschau gehalten wurde, sondern nach bestimmten Wortkombinationen. Dass diese Liste mit 377 Wörtern die einzige ihrer Art ist, gilt dagegen als unwahrscheinlich. | →ALGORITHMUS | →DATEN | →KEITH ALEXANDER | →ONLINE | →ÜBERWACHUNG

KINECT ist eine 3D-Kamera von Microsoft, die von einem der größten Experten für Mensch/Maschine-Schnittstellen, Johnny Chung Lee, ursprünglich für die Spielkonsole Xbox entwickelt wurde, um Computerspiele durch Körperbewegungen und Stimme zu steuern. Die visionäre Sensoren-Technik der Kinect (u.a. Tiefensensoren, Farbkamera, 3D Mikrophon) stieß schnell auch außerhalb der Gamer-Szene auf großes Interesse – inzwischen gibt es die verschiedensten Open Source-Softwareentwicklungen, die es dem Anwender erlauben, die Kinect auch ohne die Xbox anzusteuern, Menschen und Objekte digital zu erfassen und die so gewonnenen Daten auf die vielfältigsten Arten mit anderen Daten, Algorithmen und Layern zu verknüpfen, z.B. für 3D-Modelle und als Grundlage für Animationen. Bei „Hamlet“ steht die Kinect in der Bühnenmitte nahe der Rampe und generiert live Daten aus den Schauspielern. | →ALGORITHMEN | →DATEN | →KAMERAS | →VIDEOART

LAURA POITRAS (*1962) ist eine amerikanische Dokumentarfilmerin, die derzeit in Berlin lebt. Poitras wird seit Veröffentlichung ihres Oscar-nominierten Irak-Films „My Country, My Country“ (2006) von Behörden ihres Heimatlandes als terrorverdächtig eingestuft und auf einer „watchlist“ geführt. Sie wurde zigmal bei Einreise in die USA schikaniert und verhört, ihre Unterlagen und Datenträger beschlag­nahmt. Poitras traf Edward Snowden zusammen mit Glenn Greenwald in Hongkong. Seit Februar 2014 ist sie vor allem für die Website „The Intercept“ tätig. | →ANTHROPOZÄN | →COLLETERAL MURDER-VIDEO | →ÜBERWACHUNG | →REGIZID | →REVOLUTION | →WHISTLEBLOWER | →ZWEIFEL

COLLATERAL MURDER Neben den Snowden-Files ist das sogenannte „Collateral Murder“-Video einer der berühmtesten Leaks der letzten Jahre. Veröffentlicht von Wikileaks am 5. April 2010, erregte der Clip weltweit Betroffenheit und Wut. Er zeigt Cockpit-Footage eines amerikanischen Helikopters, der bei Bagdad Menschen erschießt, die angeblich bewaffnete Kämpfer sind. Da sich unter den Getöteten zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters befinden, versuchte Reuters in Folge (unter Berufung auf den amerikanischen Freedom of Information Act), die Hubschrauber-Aufnahmen zu bekommen – erfolglos. Erst als der amerikanische Soldat Bradley Manning (später Chelsea Manning) die Aufnahmen im Militärnetzwerk findet und Wikileaks zukommen lässt, erfährt die Welt, was damals, am 12. Juli 2007, wirklich geschah. | →DATEN | →GEGENWARTSSCHOCK | →KEITH ALEXANDER | →ONLINE | →WHISTLEBLOWER | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

MAX/MSP ist eine graphische Programmiersprache für Musik, Video und Multimedia, die für Arbeiten in Echtzeit ausgelegt ist, eine Art Echtzeit-Software-Synthesizer. Mit MAX/MSP und den Signalen von sieben Kameras generiert und komponiert Daniel Hengst live während der Vorstellung die „Hamlet“-Bildwelten. | →ALGORITHMUS→DATEN | →KAMERAS |→KINECT | → KAMERAS | →VIDEOART

MICHEL FOUCAULT ist ein berühmter französischer Historiker und Philosoph (1926-1984), der in seinem umfangreichen Werk die Beziehungen zwischen Wissen und Macht sowie dessen Nutzung durch soziale Kontrollorgane untersuchte. Er widmete sich zunächst der Geschichte des Wahnsinns und der Psychiatrie in Europa („Wahnsinn und Gesellschaft“, 1963), später analysierte er Institutionen wie Klinik oder Gefängnis („Überwachen und Strafen“, 1977) oder die Geschichte der Sexualität. In „Die Ordnung der Dinge“ (1966) beschreibt er das Entstehen der Linguistik, Soziologie oder auch Psychoanalyse und schlussfolgert, dass diese den Menschen als einen vom Unterbewusstsein Getriebenen zeichnen. Gerade deshalb sei die Figur des Menschen in der Wissenschaft kein souveränes und selbstbestimmtes Individuum, sondern, so Foucault, werde „verschwinden wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.“ | →ALGORITHMUS | →PANOPTICON | →PANOPTISMUS | →POST-PANOPTICON | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL | →WEITERE STIMMEN

© Edi Szekely
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ONLINE Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 steigt die Internetnutzung weiter an. 79 Prozent der Deutschen sind online – 55,6 Millionen Deutschen ab 14 Jahren (und damit 1,4 Millionen mehr als 2013). Jeder zweite Onliner greift inzwischen auch unterwegs auf Netzinhalte zu. | →ALGORHITMUS | →ANTHROPOZÄN | →DATEN | →DIGIPHRENIE →GEGENWARTSSCHOCK | →KEITH ALEXANDER | →MICHEAL FOUCAULT →PANOPTISMUS | →POST-PANOPTICON | →REVOLUTION | →ÜBERWACHUNG

PANOPTICON Eine vom englischen Juristen und Sozialreformer Jeremy Bentham um 1800 erdachte Gefängnisform, die die gleichzeitige Überwachung vieler Menschen durch einen einzelnen Überwacher ermöglicht. Im Idealfall ist ein panoptisches Gefängnis kreisrund, mit einem von außen verspiegelten, also uneinsehbaren Überwachungsturm in der Mitte. Um diesen Turm herum verteilen sich die stets erleuchteten Einzelzellen der Insassen. Der Wärter in der Mitte kann also alle Insassen sehen, diese ihn aber nicht. So wissen die Insassen nicht, ob sie gerade überwacht werden. Bentham plädierte für die Anwendung dieser Architektur auch in Fabriken, Schulen oder Psychiatrien. |→KEITH ALEXANDER | →MICHEL FOUCAULT | →PANOPTISMUS | →POST-PANOPTISMUS | →ÜBERWACHUNG

PANOPTISMUS Eine von Michel Foucault 1977 formulierte Theorie („Überwachen und Strafen“), nach der bereits im frühen Kapitalismus der Wunsch nach möglichst effizienter, allgemeiner gesellschaftlicher Disziplinierung immer drängender geworden sei. Das Extrem einer effizienten Überwachung: Ein sich über alle Sphären der Gesellschaft spannendes Netz. Wenn kein Bürger mehr wissen könne, ob er gerade überwacht wird oder nicht, diszipliniere er sich sicherheitshalber permanent selbst – überwacht sich also selber. Über einen längeren Zeitraum, so Foucault, führt dieser Mechanismus zu einer Verinnerlichung der erwarteten Normen und zur vollkommenen Unmöglichkeit, diese Normen brechen zu können – oder auch nur daran zu denken. |→ANTHROPOZÄN | →BLADE RUNNER | →WHISTLEBLOWER | →KAMERAS | →KEITH ALEXANDER |→MICHEL FOUCAULT | →ONLINE | →PANOPTICON | →POST-PANOPTICON | →REVOLUTION | →SCHREIBMASCHINE | →ÜBERWACHUNG | →WILLIAM SHAKESPEARE

POLITISCHES THEATER begreift das Theater als Kunst, die die Gesellschaft sowie den politischen Status Quo hinterfragt und mehr ist als bloße Massenbespaßung. „Wo die ganze Nation betroffen ist, darf das Theater nicht hintan stehen“, so der einflussreiche Regisseur Erwin Piscator (1893-1966), der den Begriff in den 1920er Jahren prägte. Piscators Werke wollten – ähnlich wie bei Brecht – die Arbeiterschicht mit radikaler Konsequenz auf der Bühne vertreten. Heute sind Theaterabende mit politischen oder gesellschaftskritischen Inhalten zwar so beliebt wie lange zuvor nicht mehr, doch nur selten behaupten sie auch von sich, „Politisches Theater“ zu sein. Klingt der Begriff inzwischen zu sehr nach erhobenem Zeigefinger, nach moralischer Anstalt und nach der Weisheit letzter Schluss? (Lesetipp: Friedrich Schiller, Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet, 1784) | →DIE MAUSEFALLE | →DIGIPHRENIE →GEGENWARTSSCHOCK | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

POSTHUMANISMUS Eine zeitgenössische philosophische Denkrichtung, die den →TRANSHUMANISMUS auf die Spitze treibt, sich auf die Zeit nach dem Menschenzeitalter konzentriert, und die mögliche Verwandlung des physischen Körpers in ein virtuelles Wesen beschreibt. Der Posthumanist erklärt den Machtanspruch des echten Menschen in der physischen Welt für null und nichtig. Stattdessen beschreibt er, als Gegenstück zum bishe­rigen Menschen, den „posthumanen“ Menschen eher als hypothetisches zukünftiges Wesen, das durch Nanotechnologie, Gentechnik, neurale und virtuelle Schnittstellen aus dem fehlerbehafteten menschlichen Körper befreit wird und im Lichte des Siliziums neu erstrahlen kann. (Lesetipp: „Hyperion“ von Dan Simmons) | → DATEN | →FRANENSTEIN | →RAY KURZWEIL | →SINGULARITÄT | →TRANSHUMANISMUS | →ZWEIFEL

POST-PANOPTICON Die vom polnisch-britischen Soziologen Zygmunt Bauman mit Blick auf die Gegenwart weiterentwickelte Theorie des →PANOPTICONS besagt, dass das jetzige sog. Post-Panopticon der Postmoderne sich dank moderner technischer Kontrollmöglichkeiten nicht länger an feste Territorien oder klar zugewiesene Räume binden muss, sondern zeitlich und räumlich völlig ungebunden durch alle Gesellschaftsraster Menschen disziplinieren kann. Anstatt vom gesichts­losen Wärter im metaphorischen Wachturm tendenziell beobachtet zu werden, rastern und bewerten uns nun körperlose Algorithmen. | →ALGORITHMUS| →DATEN | →WHISTLEBLOWER | →KEITH ALEXANDER →ONLINE | →MICHEL FOUCAULT | →PANOPTISMUS | →RAY KURZWEIL →REVOLUTION | →SCHREIBMASCHINE

PROMETHEUS formt in der griechischen Mythologie mithilfe von Athene die Menschheit aus Lehm, lehrt sie und verteidigt sie gegen die häufigen übelwollenden Taten des Göttervaters Zeus. Zeus fängt den Menschenfreund Prometheus, fesselt ihn auf einen Felsen im Kaukasus und veranlasst, dass der Adler Ethon ihm jeden Tag aufs Neue die Leber aus seinem Körper heraushackt, die zu seiner Qual jede Nacht aufs Neue nachwächst. Erst nach Jahrhunderten wird er durch Herakles von dieser Folter befreit, muss seitdem jedoch immer noch gefesselt durch den Kaukasus ziehen. | →FRANKENSTEIN | →REGIZID | →REVOLUTION | →SINGULARITÄT | →ZWEIFEL

PSEUDOPRIVAT kann man den Inhalt jener politischen Schachzüge nennen, die sich durch heimelige Home-Stories, rührende Familienfotos oder bewusst inszenierte Privat-Spektakel positive Sommerloch-Schlagzeilen erhoffen oder negative Wahlkampf-Schlagzeilen wegwünschen. Wie sehr das aber auch zum unschönen Selbstläufer werden kann, musste der SPD-Politiker Rudolf Scharping 2001 erfahren, als er sich als Verteidigungsminister in der BUNTEN beim Planschen im Swimmingpool ablichten ließ, um ein lockereres, lässigeres Image zu erhalten. Dumm nur, dass die Fotos kurz vor einem gefährlichen Bundeswehreinsatz in Mazedonien entstanden. Dass diese pseudoprivaten Stories aber auch zum Stoff werden können, der Nationen zusammenschweißt, zeigt die Ankündigung des englischen Königshauses Mitte September, dass William und Kate ein neues Kind erwarten. Experten vermuten, dass das Timing für die Bekanntgabe der Nachricht exakt geplant war; in just jenen Tagen überlegten schottische Bürger, ob sie sich von Großbritannien – und damit auch von den Royals – abspalten sollten.

RAY KURZWEIL ist seit Ende 2012 der Director of Engineering bei Google. Kurzweil (*1948) gilt als personifizierter Fortschrittsglaube des Silicon Valley. Seit vielen Jahren propagiert er programmierbare Nano-Roboter für die Blutbahn, Software-Downloads für das menschliche Bewusstsein und die „Singularität“ – der Zeitpunkt, ab dem Computer intelligenter als Menschen sein werden. Wie genau er mit einer der größten Datensammlungen der Menschheit bei Google arbeiten will, ist nicht bekannt. Um eine neue Zukunft selber noch miterleben zu können, ernährt sich Kurzweil seit Jahren hauptsächlich von Nahrungsergänzungstabletten sowie ionisiertem Wasser und grünem Tee. | →ALGORITHMUS | →DATEN →ONLINE | →MICHEL FOUCAULT | →PANOPTISMUS | →POSTHUMANISMUS →POST-PANOPTICON | →SINGULARITÄT | →TED KACZYNSKI | →TRANSHUMANISMUS

REGIZID ist das juristische Fachwort für den Mord an einem Monarchen. Da man lange davon ausging, dass ein König nur durch göttlichen Willen regieren könne, wurde ein Mordattentat auf den König auch als ein Attentat auf Gottes Willen gewertet – und daher besonders schwer be­straft. So wurden Königsmörder wie Robert-François Damiens, der Ludwig XV. töten wollte, öffentlich vor der jubelnden Menge brutal gefoltert. | →LAURA POITRAS | →REVOLUTION | →ÜBERWACHUNG | →WHISTLEBLOWER →WILLIAM SHAKESPEARE

REVOLUTION „Warum ist das neoliberale Herrschaftssystem so stabil?“, fragt Byung-Chul Han in seinem Essay „Warum heute keine Revolution mehr möglich ist“ (SZ vom 2. September 2014). http://www.sueddeutsche.de/politik/neoliberales-herrschaftssystem-warum-heute-keine-revolution-moeglich-ist-1.2110256 Der Berliner Philosophie-Professor weist darauf hin, dass die systemerhaltende Macht heut­zutage nicht mehr so sichtbar sei wie in vergangenen Zeiten: „Es gibt kein konkretes Gegenüber mehr, keinen Feind, der die Freiheit unter­drückt und gegen den ein Widerstand möglich wäre.“ Das neoliberale Herrschaftssystem agiere nicht repressiv, sondern verführend. Es forme aus dem unterdrückten Arbeiter einen freien Unternehmer, mit der Folge, dass heute jeder „Herr und Knecht in einer Person“ sei, und dass der, der scheitere, sich selbst beschuldige. „Das unterworfene Subjekt ist sich nicht einmal seiner Unterworfenheit bewusst“, so Han. Auch das Bewusstsein für Überwachung habe sich radikal geändert. Han erinnert an die Proteste gegen die Volkszählung in den 1980er Jahren: „Es war eine Zeit, in der man glaubte, dem Staat als Herrschaftsinstanz gegenüberzustehen, der den Bürgern gegen deren Willen Informationen entreißt. (…) Heute entblößen wir uns aus freien Stücken. Es ist gerade diese gefühlte Freiheit, die Proteste unmöglich macht. (…) Wogegen protestieren? Gegen sich selbst?“ Statt Aggression nach außen, die in organisierter Form in eine Revolution münden könne, herrsche nun eine „Selbstaggression von vereinzelten Selbst-Unternehmern“. Daran würde auch die globale Vernetzung nichts ändern, denn: „Aus erschöpften, depressiven, vereinzelten Individuen lässt sich keine Revolutionsmasse formen.“ (Lesetipp: Unsichtbares Komitee, „Der kommende Aufstand“) | →DATEN | →COLLETERAL MURDER-VIDEOS | →MICHEL FOUCAULT →ONLINE | →PANOPTISMUS →POST-PANOPTICON | →REGIZID | →ÜBERWACHUNG | →WHISTLEBLOWER | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

SCHIZOPHRENIE ist eine schwere psychische Erkrankung, bei der das Denken, die Wahrnehmung sowie die Gefühle gestört sind. Symptome sind Gedankenrasen, Affektverflachung und Depressionen, das Hören kommentierender Stimmen, die Auflösung vom Ich sowie wahnhaftes Verhalten (beispielsweise Verfolgungs- oder Schuldzuweisungswahn.) Laut neueren Studien können nur zehn bis zwanzig Prozent aller Betroffenen dauerhaft geheilt werden. →GEGENWARTSSCHOCK | →GLEICHZEITIGKEIT DES UNGLEICHZEITIGEN →HALLUZINATION | →DIGIPHRENIE | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

SCHREIBMASCHINE Im Zeitalter anlassloser digitaler Massenüberwachung erlebt die analoge Schreibmaschine ein ungeahntes Comeback. So erwog im Juli 2014 der NSA-Untersuchungsausschuss, die interne Kommunikation sicherer zu gestalten, indem alle Akten per Schreibmaschine verfasst werden. Auch der „Unabomber“ Ted Kaczynski erkannte das revolutionäre Potential des altmodischen Geräts: Sein 35.000 Wörter langes Manifest hat er 1995 per Schreibmaschine getippt.→DATEN | →KEITH ALEXANDER | →TED KACZYNSKI | →REVOLUTION | →PANOPTISMUS | →POST-PANOPTICON | →WHISTLEBLOWER

© Edi Szekely
© Edi Szekely

SINGULARITÄT Technologische Singularität bezeichnet laut Zukunftsforschern den Moment, ab dem Maschinen dazu in der Lage sind, sich selbst ohne menschliche Hilfe zu reparieren oder optimieren, was unvorhersehbare Folgen für unsere Zivilisation hätte: die Schöpfung entkoppelt sich vom Schöpfer und entwickelt ein für uns nicht mehr verständliches Eigenleben. 1993 prophezeite der Mathematiker Vernor Vinge, dass wir „innerhalb von 30 Jahren über die technologischen Mittel verfügen werden, um übermenschliche Intelligenz zu schaffen. Wenig später ist die Ära der Menschen beendet.“ Sobald Fortschritt nämlich von übermenschlich hoher Intelligenz angetrieben werde, beschleunige sich dieser um ein Vielfaches. Der Mensch spielt dann einfach keine Rolle mehr und wird im schlimmsten Fall zur emotional verblendeten, gesundheitlich störanfälligen und fehlerbehafteten Restmenge, für die es rational betrachtet keinen Nutzen und von daher keine Berechtigung mehr gibt. Optimisten hingegen hoffen, Singularität sei der Endpunkt der Evolution: gerade weil das technische Bewusstsein höher entwickelt als unseres sei, verfüge sie über ein dem Menschen überlegenes, friedfertiges ethisches Bewusstsein. Filmtipp: „Her“ von Spike Jonze (2013). |→RAY KURZWEIL |→POSTHUMANISMUS | → TRANSHUMANISMUS | →GLEICHZEITIGKEIT DES UNGLEICHZEITIGEN | →ALGORITHMUS | →PROMETHEUS

TED KACZYNSKI ist ein von den Medien „Unabomber“ getaufter Mathematiker und Anarchist, der von 1978 bis 1995 durch das Verschicken von Briefbomben in den USA drei Menschen tötete und dreiundzwanzig verletzte. 1969 hatte der Harvard-Absolvent mit einem IQ von 167 ohne Erklärung seine Assistenzprofessur an der Berkeley-Universität gekündigt und sich in eine selbstgebaute Holzhütte in den Bergen Montanas zurückgezogen. 1995 kündigte er an, seine Attentatsserie zu beenden, sobald eine überregionale Zeitung sein Manifest „Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft“ abdrucken würde, in der er die Technisierung der Gesellschaft und ihre psychischen Wirkmechanismen kritisiert. Kaczynskis Bruder kam der im Manifest verwandte Schreibstil bekannt vor, er alarmierte die Behörden. Kaczynski verbüßt seit 1996 eine lebenslange Haftstrafe. Das Manifest wurde in der Presse ausführlich rezipiert, teils auch wohlwollend oder respektvoll, obwohl man sich von der Gewalt distanzierte. | →DATEN |→GEGENWARTSSCHOCK | →RAY KURZWEIL | → SCHREIBMASCHINE | →SCHIZOPHRENIE | →SINGULARITÄT | →ZWEIFEL

THE INTERCEPT ist eine Nachrichtenwebsite in englischer Sprache, die seit Februar 2014 von àLAURA POITRAS und Glenn Greenwald mit dem Anspruch betrieben wird, relevante und geheime Informationen z.B. über Korruption, Bürgerrechtsverletzungen und die NSA-Affäre allgemein verständlich aufzubereiten und zu veröffentlichen. Greenwald kündigte für „The Intercept“ seinen Job bei der britischen Tageszeitung The Guardian“. Am 20. August 2014 gab „The Intercept“ bekannt, dass es Angehörigen des US-Militärs geraten wird, die Website nicht mehr zu besuchen, da das Betrachten dort veröffentlichter geheimer Inhalte von der Army als eine „Nichteinhaltung der Sicherheitsbestimmungen“ verstanden wird. Von Militär-Computern kann die Seite nicht mehr aufgerufen werden. | →EDWARD SNOWDEN | →KEITH ALEXANDER | →COLLETERAL MURDER-VIDEOS | →ONLINE | →ÜBERWACHUNG

THE LION KING (Der König der Löwen) ist ein erfolgreicher Disney-Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1994, der den „Hamlet“-Stoff von Dänemark in die tropische Savanne Afrikas verlegt. Aus der Shakespeare’schen Hofgesellschaft sind Löwen, Paviane und Warzenschweine geworden: Der machthungrige Löwe Scar tötet „versehentlich“ den stolzen Löwenkönig Mufasa. Der rechtmäßige Thronfolger, der junge Löwe Simba, versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen, unterstützt von zwei gewieften Freunden, Timon und Pumbaa.: Charaktere wie Polonius oder Laertes fehlen in der Steppe, zweideutige Wortspiele oder melancholische Selbstmordgedanken gibt es nicht, und wie jeder Disney-Film endet auch dieser natürlich mit einem Happy End. | →ZWEIFEL

TRANSHUMANISMUS ist eine philosophische Richtung, die den Körper nicht mehr als unberührbare Einheit ansieht, sondern statt­dessen die menschlichen Möglichkeiten durch den Einsatz technolo­gischer Verfahren erweitern will. Jeder Mensch soll seine seelischen und körperlichen Möglichkeiten selbst bestimmen und verbessern können. Kritiker wie der Politwissenschaftler Francis Fukuyama sehen im Transhumanismus eine Gefahr – er könne die progressiven Ideale der liberalen Demokratie auf kritische Weise unterminieren, indem er die menschliche Natur und Gleichheit auf fundamentale Weise verändere. Falls man, so Fukuyama, die „gefährlichste Idee der Welt“ nicht stoppe, werde sie das Menschheitsideal bald mit „genetischen Bulldozern und psychotropen Shopping-Malls“ plattwalzen. Lesetipp: Karin Harrasser – „Körper 2.0 – Über die technische Erweiterbarkeit des Menschen“, 2013. | →ANTHROPOZÄN | →DATEN | →RAY KURZWEIL | →POSTHUMANISMUS →ZWEIFEL

ÜBERWACHUNG Lesetipp: Glenn Greenwald, „Die globale Überwachung“ | →DATEN | →KEITH ALEXANDER | →LEAKS | →MICHEL FOUCAULT | →PANOTPICON | →PANOPTISMUS | → POST-PANOPTICON →WHISTLEBLOWER | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL | →LEAK

WEITERE STIMMEN Unsichtbares Komitee, „Der kommende Aufstand“ | Douglas Rushkoff: „PRESENT SHOCK. Wenn alles jetzt passiert“ →GEGENWARTSSCHOCK | Eben Moglen: „Snowden and the Future“ | Friedrich Schiller: “Die Schaubühne als moralische Anstalt betrachtet“ | Thomas Assheuer: Der künstliche Mensch | Erwin Piscator: Das Politische Theater| Michel Foucault: „Überwachen und Strafen“ | Tom Stoppard: „Rosencrantz and Guildenstern are dead“ | Franz Schubert/Wilhelm Müller: Winterreise (Das Wirtshaus).

WHISTLEBLOWER Zwei der bekanntesten Whistleblower der letzten Jahre sind Edward Snowden (*1983) und Chelsea Manning (*1987 als Bradley Manning). Zu denen von Manning an Julian Assanges Internetplatform Wikileaks weitergegebenen Geheimdaten zählen neben Botschaftsdepeschen auch die Videoaufnahmen des Beschusses irakischer Zivilisten und Journalisten durch einen amerikanischen Kampfhubschrauber 2007 →COLLATERAL MURDER-VIDEO. Manning wurde verhaftet, nachdem sie sich in einem Chat Adrian Lamo (der 2002 in das Netzwerk der New York Times eingedrungen war) anvertraut, und dieser die Behörden informierte hatte. Nach ihrer Verhaftung wurde die ehemalige Soldatin Manning mehrere Monate speziellen Haftbedingungen (u.a. Schlafentzug) unterzogen, was von vielen Juristen als verfassungswidrig eingestuft wurde. Kritiker warfen den amerikanischen Behörden Folter vor. Derzeit sitzt Manning eine 35jährige Haftstrafe ab und wurde 2011, 2012 und 2013 für den Friedensnobelpreis nominiert. Für diesen wurde auch Ex-Spion Snowden 2014 vorgeschlagen, durch den die Welt vom Ausmaß der weltweiten geheimdienstlichen Überwachungspraktiken erfahren hatte. 2007 waren Snowden erstmals Zweifel an seiner Arbeit gekommen, er erkannte, dass eine Architektur der Unterdrückung aufgebaut wurde. Im Moskauer Asyl sagte er in einem Interview mit Glenn Greenwald: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird.“ | →ALGORITHMUS →KEITH ALEXANDER | →LAURA POITRAS | →ONLINE | →PANOPTISMUS →POST-PANOPTICON | →PROMETHEUS | →REGIZID | →REVOLUTION | →ÜBERWACHUNG | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL

VIDEOART Lars Ullrich und Daniel Hengst haben in der Programmiersprache →MAX/MSP für „Hamlet“ eine Echtzeit-Videoumgebung entwickelt, die den Live-Schnitt und die Echtzeit-Verarbeitung und -Ergänzung der aus dem Bühnenraum per Live-Kamera gesendeten Daten ermöglicht. Daniel Hengst kann so während der Vorstellungen live die „Hamlet“-Bildwelten generieren – die so entstehenden Videokompositionen können aus bis zu 1000 Plains bestehen, die geometrisch sowohl geordnete als auch ungeordnete, fraktale Strukturen annehmen können. | →DATEN |→KAMERAS | →POST-PANOPTISMUS | →PANOPTICON | →ZWEIFEL

WILLIAM SHAKESPEARE Die Komödien und Tragödien des englische Dramatikers William Shakespeare (1564 – 1616) gehören ohne Zweifel zu den berühmtesten Dramen der Welt. „Hamlet“, das auf eine mittelalterliche nordische Erzählung um den jungen Amlet zurückgeht, wurde in der heute vorliegenden Fassung spätestens zwischen Februar 1601 und Sommer 1602 von Shakespeare fertiggestellt. | →DIE MAUSEFALLE →GEGENWARTSSCHOCK | →GLEICHZEITIGKEIT DES UNGLEICHZEITIGEN →MICHEL FOUCAULT | →PANOPTICON | →PANOPTISMUS →REVOLUTION | →REGIZID | →ÜBERWACHUNG | →WHISTLEBLOWER | →ZWEIFEL

WUM UND WENDELIN Ein Zeichentrick-Hund und -Elefant des Humoristen Loriot, die in den komfortgesättigten 1970ern als das Tüpfelchen auf dem in der Quizsendung „Der Große Preis“ auftraten und dort mit dem Moderator Wim Thölke um die Wette spaßten.

ZWEIFEL ist eines der unbestreitbaren Hauptthemen bei „Hamlet“ und bestimmt nahezu jede Handlung dieser „Tragödie des Zweifelns“ (Victor Hugo): Gibt es den Geist von Hamlets Vater wirklich, und falls ja, sagt er überhaupt die Wahrheit? Mord oder kein Mord? Liebt Hamlet Ophelia oder ist das alles nur Schauspiel? Ist Ophelias Ertrinken Unfall oder Selbstmord? Ist Hamlet wahnsinnig oder extrem gewieft? Liebt Gertrud Claudius oder geht es ihr nur um Machterhalt? Hat Gertrud etwas mit dem Mord zu tun oder nicht? Ist Polonius gut oder böse, weise oder wahnsinnig? Wie lang ist der Mord am alten König her – zwei Stunden, zwei Tage, zwei Monate? Sind Rosencrantz und Guildenstern unschuldig oder verlogen? An der Wahrheit wird gezweifelt, an der Sterne Feuer, an der Sonne Licht: Sein oder Nicht-Sein? | →BLADE RUNNER | →FRANKENSTEIN | →HALLUZINATION | →TED KACZYINSKI | →SCHIZOPHRENIE | →WHISTLEBLOWER | →WILLIAM SHAKESPEARE | →LEAK

Quellen: Matthias Seier und Anne-Kathrin Schulz (Dramaturgie Schauspiel Dortmund) unter Verwendung von diversen Quellen aus dem World Wide Web. Szenenfotos: Edi Szekely.

SCHAUSPIEL 3.0 – WIR SIND ONLINE!

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Gut Ding will mitunter keine Weile haben. Da sind wir wieder, neue Spielzeit, neues Glück. Und mit brandneuem Blog, von den Machern des Schauspiel Dortmund für ihr Publikum. Herzlich Willkommen auf diesen Seiten, über die wir Sie schnell, direkt und hoffentlich auch immer kurzweilig auf dem Laufenden halten werden – über Hintergrund-Stories, inhaltliche Schwerpunkte, Probenbetrieb, Künstler, Sonderveranstaltungen und vieles mehr. Darüber hinaus wird der Blog auch als eine Art Archiv angelegt, das unsere Arbeit dokumentiert und inhaltlich begleitet: Theorie und Philosophie sollen dabei nicht zu kurz kommen. Zum Beispiel wächst unter dem Sichtwort GLOSSAR ein ABC für das Theater in der Digitalen Moderne, so dass unsere ästhetischen und inhaltlichen Setzungen für das Publikum transparenter werden.
Der Blog verdankt sich der Not nicht genügend Platz in unseren Programmheften zu haben, um über all das zu sprechen, was uns inhaltlich zu einer Inszenierung bewegt. Daher erweitern wir jetzt unsere Programmhefte in den virtuellen Raum und setzen sie als Programmhefte 3.0 im Netz fort.
Das erwartet Sie hier in Zukunft:
NEUES
Geschichten und Informationen rund um den Proben- und Aufführungsbetrieb – in Wort, Bild und Bewegtbild – verknüpft mit aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik, Pop, Kultur und Netz.
PROGRAMMHEFTE 3.0
Vom Papier ins Netz, vom Netz ins Theater – und wieder zurück. Netz, Inszenierung und Programmzettel geraten in ein enges Wechselspiel, kommentieren sich gegenseitig, führen zueinander hin, voneinander weg, bilden einen gemeinsame Cloud des Wissens, Fragens, Denkens, Fühlens: Links, Videos, Bilder und Texte.
GLOSSAR
Ein beständig wachsendes ABC von Begriffen und Ideen, die im Zuge der Theaterarbeiten am Schauspiel bearbeitet und befragt, verarbeitet und hinterfragt wurden und werden. Schwerpunkt: Theater und Netz. Ausgangspunkt sind die ABCs aus dem Programmheften von DER LIVE-CODE – KRIEG UND FRIEDEN IM GLOBALEN DORF, DAS GOLDENE ZEITALTER, KASSANDRA, PSYCHOSE und HAMLET.
STERNTAGEBÜCHER
Die besten Sterntagebücher der Jahre 2011-2014 zum Nachlesen. In Kooperation mit den RuhrNachrichten.
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