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WÖRTERBUCH DER BORDERLINE PROZESSION


LANGFASSUNG

Beiträge von Dirk Baumann und Matthias Seier

Fotos von Birgit Hupfeld und Maximilian Steffan

 BLP = Die Borderline Prozession WÖRTERBUCH DER BORDERLINE PROZESSION weiterlesen

DAS KOMMENDE BILD

DAS KOMMENDE BILD.
Ein Begleitessay zur Borderline Prozession von Anika Koswič.
Borderline Bühne 2 bb


Anika Koswič (*1976) ist freie Autorin und Lehrbeauftragte
für Visuelle Ideengeschichte. Für ihren Lyrikband „Rauchfang.Schleuse“
erhielt sie ein Stipendium der Rudolf Meyer-Gesellschaft
in Bamberg. Im Auftrag des Schauspiel Dortmund
begleitete sie die Proben von DIE BORDERLINE PROZESSION.

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MAUERN, ZÄUNE UND ZAHLEN

Am 9. November jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 25. Mal. Ein Grund zum Feiern und zur Erinnerung an politische Gefangene der SED-Diktatur und die Menschen, die am innerdeutschen Grenzzaun starben. Während in Berlin durch die symbolische Markierung des Mauerverlaufs mit einer „Lichtgrenze“ aus 8000 leuchtenden Ballons allein der Vergangenheit gedacht wird, versuchen die Aktionskünstler des „Zentrum für Politische Schönheit“ eine Engführung von Gedenken und Gegenwart: Die innerdeutsche Mauer ist weg, aber an den Außengrenzen der EU ist in den vergangenen Jahren eine neue „Mauer“ entstanden – hochgerüstete Grenzanlagen in Bulgarien, Griechenland, im spanischen Melilla. An dieser Mauer wird gestorben, jetzt und heute.

Sicher ist es moralisch streitbar – wie geschehen – Teile der Gedenkstätte für die Mauertoten zu entfernen und an den EU-Außengrenzen zu inszenieren. Aber die kontroverse Diskussion der letzten Tage zeigt die Brisanz des Themas: Wo liegt unsere Verantwortung Flüchtlingen von heute gegenüber? Wir alle kennen die Berichte von gekenterten Nussschalen auf dem Mittelmeer und überfüllten Aufnahmelagern in Italien. Und auch bei uns: volle Aufnahmelager, Gewaltexzesse von Sicherheitsdiensten, Hausbesetzungen durch Asylbewerber, politische Diskussionen um die weitere Aufnahme von vergleichsweise wenigen Flüchtlingen.

Die Gedenkstätte für die Mauertoten erinnert an individuelle Schicksale. Aber wer verleiht den Flüchtlingen der Gegenwart ein Gesicht? Hinter der anonymen Masse stehen Menschen. Im Gepäck: Verzweiflung und Hoffnung auf eine Zukunft. Wie damals an der innerdeutschen Grenze. Der Autor Miltiadis Oulios gibt den Schicksalen der Gegenwart in seinem Buch „Blackbox Abschiebung“ eine Stimme: Menschen, die es zwar nach Deutschland geschafft haben, aber nicht bleiben durften. Gemeinsam mit dem Stadtmagazin Bodo, Pro Asyl und dem Schauspiel Dortmund präsentiert Oulios sein Buch am 9. Dezember im Institut des Schauspiels (19:30 Uhr). Der Eintritt ist frei.

Veröffentlicht am 5. November 2014 in den Ruhr Nachrichten