Schlagwort-Archive: Dortmunder Sprechchor

„EIN ECHTER GEGENENTWURF ZUM ALLTAG“ – FÜNF JAHRE SPRECHCHOR

Bärbel Schreckenberg ist Sprechchor-Mitglied der allerersten Stunde. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen auf der Bühne in mehr als fünf Jahren im Dortmunder Sprechchor – sowie über das neue Sprechchor-Stück, Das Bildnis des Dorian Gray.

"Die Hamletmaschine", 2014 (Regie: Uwe Schmieder)
„Die Hamletmaschine“, 2014 (Regie: Uwe Schmieder), Bärbel Schreckenberg zentral mit geballter Faust.

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„VIELE AUF DER BÜHNE. UND JEDER EINZIGARTIG.“

Ein Gespräch mit Alexander Kerlin

Seit 2011 betreut Alexander Kerlin das 17. Ensemblemitglied des Schauspiel Dortmund – den Sprechchor. Nun gibt es, nach fünf Jahren Chorgeschichte und über 200 Auftritten in verschiedenen Inszenierungen, ein Gespräch über die Geschichte des Dortmunder Sprechchors, über Enttäuschungen und Erfolgsmomente – und über das künstlerische Potenzial von 50 Menschen, die sich bei Karstadt auf den Boden legen. Übrigens, am Samstag feiert das neuste Stück des Sprechchors Premiere: Das Bildnis des Dorian Gray nach Oscar Wilde.

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Woher kommt dein Interesse an Sprechchören am Theater?

2004 wurde einer ein ehemaligen Chorleiter von Einar Schleef an die Bochumer Uni eingeladen, um dort mit den Theaterwissenschaftsstudenten ein Chorstück zu machen. Unter anderem also auch mit mir. Einar Schleef war wohl der wichtigste Chor-Theatermacher im 20. Jahrhundert und der einzige, auf den Heiner Müller laut Eigenaussage jemals wirklich neidisch war. So kam auch ich erstmals mit dem Chor-Theater in Berührung und habe überhaupt verstanden, dass der Chor eine der beiden Theaterfiguren ist. „VIELE AUF DER BÜHNE. UND JEDER EINZIGARTIG.“ weiterlesen

MIT HEINER MÜLLER IN DER MAPPE

Unser Sprechchormitglied Regine Anacker über den Auftritt des Chors im Museum Ostwall am vergangenen Sonntag

 

Beinah wär’s weg gewesen, das ehemalige Museum am Ostwall, sein Abriss war schon fester Stadtratsbeschluss. Am Sonntag feierte es seine Wiederauferstehung. Im November 2013 gründete sich die Bürgerinitiative „Rettet das ehemalige Museum am Ostwall“ und schaffte, was sie sich vorgenommen hatte: Sie rettete. MIT HEINER MÜLLER IN DER MAPPE weiterlesen

WIR SIND NICHT…!

Von unseren Sprechchormitgliedern Udo Höderath und Peter Jacob

 

Am vergangen Sonntag (18. Januar) feierte der Verein „Rettet das Ostwallmuseum“ mit überwältigendem Besuch Dormunder Bürgerinnen und Bürger den Erhalt des Gebäudes am Ostwall Nummer 7: das ehemaligen Museum am Ostwall. Die Rettung fällt in eine Zeit, in der gar nicht genug betont werden kann, wie sinnvoll der Erhalt dieses Hauses ist. Der Dortmunder Sprechchor am Schauspiel Dortmund gratulierte mit einem Beitrag aus seiner aktuellen Produktion „Hamletmaschine“ von Heiner Müller. Uwe Schmieder, Regisseur des Abends, dirigierte seine ChoreutInnen aus dem Off des Zuschauerraums.

Nach all den Tagen der angsterfüllten Irritationen in Europa und weltweit, war dies ein Moment des Innehaltens, des Aufspürens der Solidarität, die uns verbindet und stärkt. WIR SIND NICHT…! weiterlesen

MARGOT MARIA RAKETE

von Sprechchormitglied Katrin Osbelt

Als ich letzte Woche von der Probe des Dortmunder Sprechchors nach Hause fuhr, war ich ganz bei mir. Fast drei Stunden konzentrierter Sprecharbeit lagen hinter mir: Endproben für das Studio-Stück „Das phantastische Leben der Margot Maria Rakete“.  Also: hinein ins Auto, Hirn auf Stand-by, die neue „Strokes“ in den CD-Schacht. Da sind nur der Rhythmus der Musik – und ich. In Höhe des Stadions durchzuckt es meinen rechten Fuß: Marco Reus und Robert Lewandowski – tolle Jungs! Die geben Gas! Es blitzt rot auf. Kurzer Reflex, Bremse treten, zu spät. Eine Kelle am Straßenrand. „Können Sie sich ausweisen?“ Eine Plastikkarte genügt, um zu beweisen, dass ich „ich“ bin. Aber das war doch gar nicht ich, die da die Tempo-Grenze überschritten hat …
Die Welt eines wundervollen Wesens
Und schon bin ich wieder Teil von Margot Maria Rakete, und mitten drin in der Welt eines wundervollen Wesens, das sich aus den Biografien von rund 80 Chormitgliedern nährt, das sich in unseren – aktuell fast täglichen – abendlichen Proben unablässig auf neue Weise entwirft und immer wieder Fragen aufwirft: Wann handle ich frei und selbstbestimmt? Geben mir Konventionen und Gesetze Sicherheit? Oder machen sie mich klein und verweisen mich in meine Schranken? Ist es der Blick der anderen, der das Bild von mir prägt? Oder bin ich das Maß aller Dinge? So gelange ich schnell zu ganz großen Fragen: Der Weltraum – unendliche Weiten! Welche Bedeutung hat in Anbetracht der Ewigkeit das kurze Aufflackern unserer Existenz? Ist das, was wir Realität nennen, nicht bloß ein spiegelndes Bruchstück, von dem wir Menschen kühn behaupten, es sei die Realität? Und was unterscheidet diese Realität dann von Traum, Phantasie oder Einbildung?
Ein das Bewusstsein erweiterndes Theaterexperiment
„Das phantastische Leben der Margot Maria Rakete“ ist keine Biografien-Collage, keine Doku-Soap, keine Reality-Show. „Das phantastische Leben der Margot Maria Rakete“ ist ein alle Sinne ansprechendes, auf erfrischende Weise das Bewusstsein erweiterndes, mutiges Theaterexperiment – als Uraufführung zu sehen am 1. Juni 2013 im Studio des Dortmunder Schauspiels!

 

Veröffentlicht am 15. März 2013 in den Ruhr Nachrichten.

* Katrin Osbelt ist seit zwei Jahren im Dortmunder Sprechchor, der mit annähernd hundert Mitgliedern das 17. Ensemblemitglied am Schauspiel Dortmund ist.