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DER 9.11. HIER UND DORT

stbDer 9. November, ein Tag voller historischer Brüche. Amerika erwacht am 9. November 2016 in einer anderen Welt. Ob das Datum der US-Wahl in die Geschichte eingehen wird, weil es den politisch institutionalisierten Rückfall – oder Neubeginn – in eine Zeit der nationalistischen, chauvinistischen und rassistischten Politik der Ausgrenzung, Abschiebung und Entrechtung markiert, werden die Monate nach der Amtseinführung Donald Trumps zeigen.

Vielleicht markiert aber auch ein anderes Datum den „amerikanischen 9. November“: Vielleicht der Tag, an dem „TRUMP“ auf die Tür der muslimischen Studenten-Gemeinschaft an der New York University gekritzelt wird? Vielleicht der Tag, an dem Unbekannte einen Spielplatz in New York, dem verstorbenen (jüdischen) Beastie Boys-Mitglied Adam Yauch gewidmet, mit Hakenkreuzen und Trump-Parolen beschmieren? Vielleicht der Tag, an dem auf CNN zur besten Sendezeit die Banderole zu lesen steht: „Alt-Right Founder Questions If Jews Are People“ (i.e. „Der rechtsradikale Gründer der Alt-Right fragt, ob Juden wirklich Menschen sind“).

Die These, dass sich der Faschismus normalisiere und dass dies auch in Deutschland der Fall sei, findet ihre Begründung und ihren Ausdruck in einem Tweet zum Beispiel von Deutschlandradio Kultur: „Trump-Unterstützer mit Hitlergruß – was will die Alt-Right-Bewegung?“ Ist das jetzt purer Euphemismus oder einfach nur verantwortungslos?

Verantwortungslos und nicht zu verstehen ist in jedem Fall, dass es am „deutschen 9. November“, der seit 1938 als Gedenktag für die Nazi-Novemberprogrome in unseren Geschichtsbüchern steht, in Dortmund nicht gelingt, würdig an die von Faschischten ermordeten Juden zu erinnern. Am Denkmal für die einstige Dorstfelder Synagoge am Wilhelmsplatz „gelang“ es Dortmunder Nazis zum wiederholten Male, die Ansprachen aus Politik und Jüdischer Gemeinde durch lautstarke Rufe zu stören.

Geschichte vergeht nie, sagen die einen. Geschichte vergeht, wenn wir uns ihrer nicht mehr erinnern, sagen die anderen. Am 9. November diesen Jahres kehrt sie mit doppelter Macht zurück. Und zeigt uns einmal mehr, wie fragil die öffentliche Sprache ist, wie zerbrechlich unsere politische Ordnung…

Ursprünglich erschienen am 23.11.2016 in den Dortmunder Ruhr Nachrichten.