Schlagwort-Archive: Das goldene Zeitalter

WILLKOMMEN UND ABSCHIED

Ich persönlich bin ja ganz schlecht darin, ein Ende zu finden. Sowohl beim Zeitpunkt – auf Parties bleibe ich meist zu lange – als auch beim Abschied an sich. Da bin ich ein großer Fan des stillen Abgangs: einfach ohne persönliche Verabschiedung gehen. Anfänge sind mir da lieber: Der Urlaubsbeginn, das frisch angeschnittene Brot, das neu beginnende Projekt. Jedem Anfang wohnt eben ein Zauber inne, das schrieb schon Hermann Hesse.

Aber alles hat eben irgendwann ein Ende. Manchmal ist das ein Grund zur Freude – und manchmal ist man sehr traurig. Wenn Beziehungen in die Brüche gehen, lieb gewonnene Menschen sterben oder einfach eine schöne Zeit zu Ende geht. Das ist im echten Leben genauso wie im Theater. Im Schauspiel mussten wir uns z.B. gerade von DAS GOLDENE ZEITALTER verabschieden. Und dabei wurde sicher das ein oder andere Tränchen im Publikum und bei den Beteiligten verdrückt. WILLKOMMEN UND ABSCHIED weiterlesen

DIE RÜCKKEHR DES GOLDENEN ZEITALTERS

Alles neu – Das Dortmunder Kultstück ist zurück

„The return of DAS GOLDENE ZEITALTER – 100 Wege dem Schicksal das Sorgerecht zu entziehen“. Regisseur Kay Voges beantwortet die wichtigsten Fragen.

Herr Voges, eine zweite Premiere vom gleichen Stück? Wie geht das?

Wir haben bisher 12 Vorstellungen gespielt, und jede war auf ihre Art eine neue Aufführung. Wir haben dutzende Szenen, die wir jedes Mal aufs Neue miteinander kombinieren. Durch meine Live-Regie und die Improvisation der Schauspieler kommt eine Unberechenbarkeit in den Abend, der an Performance erinnert. Und für „Die Rückkehr“ des Stücks entwickeln wir gerade eine Reihe neuer Ideen und Figuren, die wir mit den bekannten Szenen mischen. Es ist wie in der berühmten Beckett-Formulierung: Das Gleiche noch mal anders. DIE RÜCKKEHR DES GOLDENEN ZEITALTERS weiterlesen

WENN UNS EINER TRÄUMT

Das goldene Zeitalter

Als mein Cousin sechs Jahre alt war, saß er mit seinem Vater zusammen im Computerzimmer. Er blätterte in einem Buch, während sein Papa auf den Bildschirm blickte. Beide waren in ihre Gedanken und Aufgaben vertieft. Plötzlich sah mein Cousin auf und sagte nachdenklich: „Papa. Wenn uns einer träumt, der träumt aber lange.“

Wenn uns einer träumt, der träumt aber lange. Das ist ein Satz, den in seiner Schlichtheit und Tiefe kein Dichter am Schreibtisch herbei phantasieren könnte. Was mich an ihm so berührt, ist die Mischung aus Unbedarftheit, Melancholie, Weisheit und dieser besonderen Inspiration von Kindern. Mein Cousin hatte offenbar schon früh eine Ahnung für das Absurde am Dasein.

Was, wenn der, der uns träumt, plötzlich aufwacht? Sind wir dann alle weg? Sigmund Freud ging davon aus, dass wir im Traum nur in Zitaten sprechen, sehen und in gewisser Weise auch fühlen. In Träumen gibt es keine Originale. Wenn wir also Objekte im Traum eines Anderen wären – was wären wir dann anderes als Zitate von etwas, das wir selbst nicht sind?

Die Frage ist, ob das nicht eigentlich eine ganz treffende Definition des Menschen wäre. Menschen sind Zitate. Die Sprache? Gab es vor unserer Geburt. Unsere politischen Haltungen? Nichts als ausgeborgte Gesten. Die Gefühle? Angst, Liebe und Traurigkeit sind Jahrtausende älter als unsere individuellen Leben. Unsere Gedanken? Milliardenfach gedacht zu allen Zeiten.

Und das Theater? Ein Ort, gebaut für das Rezitieren selbst: Dort schleudern wir uns die Zitate aus Literatur, Kunst und Musik um die Ohren. Wir experimentieren mit dem Nachlass der Welt, aus dem wir uns selbst zusammensetzen. Wozu? Wo Zitat auf Zitat trifft, in noch nicht dagewesener Weise – an diesen „Nahtstellen“ kommt es mitunter zu glücklichen Momenten, die unplanbar und unwiederholbar sind, in denen unser Dasein als Zitat übertroffen wird.

Am Freitag ist Premiere von „the return of DAS GOLDENE ZEITALTER“: Schopenhauer trifft auf Mario Götze trifft auf Sahnejoghurt trifft auf Goethe trifft auf Duracell-Hase trifft auf Karl Marx trifft auf Wagner trifft auf „Die Ärzte“ treffen auf Supergirl. Hoffentlich werden wir geküsst von der Inspiration der Kinder. Auf meinen Cousin. Der Abend ist für dich. Zitat Ende.

 

Das Sterntagebuch wurde am 25. Januar 2015 in den Ruhr Nachrichten veröffentlicht.

Foto: Edi Szekely

WENN GOTT DIE WIEDERHOLUNG NICHT GEWOLLT HÄTTE

Eine Backstage-Dokumentation über DAS GOLDENE ZEITALTER 

Mario Simons Backstage-Dokumentation gibt Einblicke in den Denk-Kosmos der überregional gefeierten Theater-Performance DAS GOLDENE ZEITALTER – 100 Wege dem Schicksal die Show zu stehlen. Die Künstler und Schauspieler um den Regisseur Kay Voges kommen zu Wort und der komplexe technische Aufbau („Die Maschine“) wird erklärt. Zahlreiche Szenenausschnitte werden gezeigt. Darüber hinaus erzählen Zuschauer von ihren Eindrücken während des Abends: verstört, wütend, begeistert.

Die Welt urteilte nach der Uraufführung: „Mit DAS GOLDENEZEITALTER etabliert sich das Dortmunder Ensemble als führendes deutsches Theaterlabor.“ Und amusio.de polterte: „Der größte Theaterskandal des Jahres.“


COME AS YOU ARE

Unsere neue Fassadengestaltung
Die Berliner Künster von Innerfields haben im Sommer zwei neue Bilder auf die Fassade des Schauspielhauses gezaubert. Mit Fassadenfarbe und Sprühlack haben sie in 6tägiger Arbeit unseren alten Bannern neuen Glanz verliehen und für das Schauspielhaus zwei leuchtende und auffällig zum Wall hin strahlende Kunstwerke kreiert.
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Das Motiv rechts über dem Haupteingang zeigt unseren „Duracell“-Hasen aus dem Stück DAS GOLDENE ZEITALTER – 100 Wege dem Schicksal die Show zu stehlen (darin: Schauspieler Uwe Schmieder), mit ausholenden Drum-Sticks. Darüber steht BIGGER THAN LIFE – was man für die Bühne sinngemäß interpretieren könnte: Theater ist – wenn es gut ist – größer als das Leben: eine Überhöhung und Zuspitzung der Wirklichkeit, keine Abbildung.
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Zum Wall hin sieht man Adam und Eva, ebenfalls aus DAS GOLDENE ZEITALTER (Eva Verena Müller und Caroline Hanke). Der Baum der Erkenntnis und der Sünde zwischen ihnen wurzelt in einer Leiterplatte, einer Platine.
Beide Bilder, sowohl Hase als auch Adam und Eva, sind angegriffen, zerstört, beschädigt, vervollständigt, perfektioniert durch Glitsches, Fehler bzw. Verzögerungen in der Daten-Übertragung. Siehe bitte auch GLITCH. Ursprünglich war geplant, dass sich um den Baumstamm noch ein weißes iPhone-Ladekabel schlängelt – im Stress der Fertigstellung haben Künstler und wir das allerdings vergessen.
So oder so: Das Publikum soll kommen, wie es ist. Immer Ausschau halten nach unserem Stern.

SCHAUSPIEL 3.0 – WIR SIND ONLINE!

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Gut Ding will mitunter keine Weile haben. Da sind wir wieder, neue Spielzeit, neues Glück. Und mit brandneuem Blog, von den Machern des Schauspiel Dortmund für ihr Publikum. Herzlich Willkommen auf diesen Seiten, über die wir Sie schnell, direkt und hoffentlich auch immer kurzweilig auf dem Laufenden halten werden – über Hintergrund-Stories, inhaltliche Schwerpunkte, Probenbetrieb, Künstler, Sonderveranstaltungen und vieles mehr. Darüber hinaus wird der Blog auch als eine Art Archiv angelegt, das unsere Arbeit dokumentiert und inhaltlich begleitet: Theorie und Philosophie sollen dabei nicht zu kurz kommen. Zum Beispiel wächst unter dem Sichtwort GLOSSAR ein ABC für das Theater in der Digitalen Moderne, so dass unsere ästhetischen und inhaltlichen Setzungen für das Publikum transparenter werden.
Der Blog verdankt sich der Not nicht genügend Platz in unseren Programmheften zu haben, um über all das zu sprechen, was uns inhaltlich zu einer Inszenierung bewegt. Daher erweitern wir jetzt unsere Programmhefte in den virtuellen Raum und setzen sie als Programmhefte 3.0 im Netz fort.
Das erwartet Sie hier in Zukunft:
NEUES
Geschichten und Informationen rund um den Proben- und Aufführungsbetrieb – in Wort, Bild und Bewegtbild – verknüpft mit aktuellen Themen aus Gesellschaft, Politik, Pop, Kultur und Netz.
PROGRAMMHEFTE 3.0
Vom Papier ins Netz, vom Netz ins Theater – und wieder zurück. Netz, Inszenierung und Programmzettel geraten in ein enges Wechselspiel, kommentieren sich gegenseitig, führen zueinander hin, voneinander weg, bilden einen gemeinsame Cloud des Wissens, Fragens, Denkens, Fühlens: Links, Videos, Bilder und Texte.
GLOSSAR
Ein beständig wachsendes ABC von Begriffen und Ideen, die im Zuge der Theaterarbeiten am Schauspiel bearbeitet und befragt, verarbeitet und hinterfragt wurden und werden. Schwerpunkt: Theater und Netz. Ausgangspunkt sind die ABCs aus dem Programmheften von DER LIVE-CODE – KRIEG UND FRIEDEN IM GLOBALEN DORF, DAS GOLDENE ZEITALTER, KASSANDRA, PSYCHOSE und HAMLET.
STERNTAGEBÜCHER
Die besten Sterntagebücher der Jahre 2011-2014 zum Nachlesen. In Kooperation mit den RuhrNachrichten.
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