Schlagwort-Archive: Alexander Kerlin

ALLES IST MATERIAL FÜR DIE KUNST, AUCH LIEBESBEZIEHUNGEN

Ein Interview mit Ed Hauswirth, dem Erfinder der neusten Schauspiel-Produktion im MEGASTORE

Ed Hauswirth 3

Der Regisseur Ed Hauswirth hat mit seinem Schauspielensemble ein unheimliches Drama über Fernbeziehungen entwickelt: Vier Menschen, zwei Paare – Tonia (Julia Schubert) ist Studentin der Mediensoziologie und geht für ein Auslandssemester nach Rom. Ihren Freund Tomasz (Peer Oscar Musinowski) lässt sie dabei zurück – er steht vor einen Karrieresprung bei IKEA. Tonias Professor Wolf-Adam (Uwe Schmieder) tritt seinerseits eine Gastprofessur in Aalborg, Dänemark an. Seine Frau Helena ist Schauspielerin und geht für eine internationale Theaterproduktion nach Breslau in Polen. „Wird das halten?“ fragt Wolf. Das Auseinanderdriften der Beziehungen beginnt schon kurz nach dem Aufbruch in die neue Heimat. Trotz Skype. Wegen Skype? Misstrauen und Fremdheitsgefühle treten zwischen die Figuren. Wie beeinflusst das Medium Skype die menschlichen Beziehungen? Darüber haben wir uns mit Ed Hauswirth im Vorfeld der Premiere von „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ unterhalten. ALLES IST MATERIAL FÜR DIE KUNST, AUCH LIEBESBEZIEHUNGEN weiterlesen

DIE SHOW BEIM NACHTKRITIK THEATERTREFFEN DABEI

Nach einer Woche Abstimmungszeit hat es DIE SHOW – Ein Millionenspiel um Leben und Tod von Kay Voges, Alexander Kerlin und Anne-Kathrin Schulz unter die besten 10 aus 47 nominierten Inszenierungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum geschafft! Wir freuen uns sehr und möchten uns bei allen Freund*innen und Unterstützer*innen bedanken, die in den vergangenen Tagen fleißig für uns abgestimmt haben! DIE SHOW BEIM NACHTKRITIK THEATERTREFFEN DABEI weiterlesen

BEI SCHAUPROZESSEN GEHT DIE KOMIK FLÖTEN

Ein Gespräch mit dem Autor und Trash-Regisseur Wenzel Storch über katholische Künstler, DALLI DALLI und sein neustes Stück: DAS MASCHINENGEWEHR GOTTES, das am Donnerstag am Schauspiel Dortmund Premiere feiert. BEI SCHAUPROZESSEN GEHT DIE KOMIK FLÖTEN weiterlesen

GRENZENLOSER EINBLICK

stbIch weiß nicht, vielleicht ist das eine masochistische Ader von mir. Ich lese obsessiv die Facebook-Seiten der politisch ganz Rechten. Ich verzweifle dabei – aber ich tu es. So fand ich mich schon kurz nach den Paris-Anschlägen auf der Seite von Pegida. Um in der Annahme bestätigt zu werden, dass der islamistische Terror dort sofort mit dem Schicksal der Geflüchteten in einen Kausalzusammenhang gebracht wird, der aus einer großen Mehrzahl von Opfern Täter macht.

Facebook hat ein überragendes Gedächtnis. Aber es weiß nicht, mit welcher Haltung jemand liest – kritisch oder bejahend. Es weiß nur: den interessiert Pegida, und die Algorithmen laufen dann automatisch. In meiner Timeline tauchen derzeit vermehrt „gesponserte Beiträge“ (sprich: Werbung) vom rechten Rand auf, z.B. von GDD („Gegen die Destabilisierung Deutschlands“) oder von der „European Defence League“. Letztere griffen mich kürzlich mit einem Video an, das wahllos Bilder von rennenden, dunklen Menschenmassen mit bedrohlicher Musik kombiniert und weiße Menschen zeigt, die dazu schluchzen: „Sie drangen in mein Haus ein und nahmen mir alles.“ GRENZENLOSER EINBLICK weiterlesen

ELEKTRA IST PUNKROCK

Am kommenden Samstag, 7. Februar 2015 feiert am Schauspiel Dortmund die Tragödie „Elektra“ von Alexander Kerlin Uraufführung – mit einer fantastisch besetzten Live-Band: Paul Wallfisch (u.a. Botanica) steht gemeinsam mit Drummer Larry Mullins (u.a. Iggy Pop and the Stooges, Swans) und Gitarrist Geoffrey Burton (u.a. Sophie Hunger und Iggy Pop) auf der Bühne. Matthias Seier hat mit Wallfisch, seit 2010 Musikalischer Leiter am Schauspiel, über den Abend gesprochen.

 Elektra ELEKTRA IST PUNKROCK weiterlesen

OTTER UND DACHS

Meine Töchter haben kürzlich von Opa und Oma zwei Kuscheltiere geschenkt bekommen: einen kleinen Otter und einen kleinen Dachs. Die neunmalkluge Dreijährige hatte sofort zwei super Rufnamen parat – und zwar „Otter“ und „Dachs“. Mit dem Dreh, dass der kleine Otter nun Dachs und der kleine Dachs nun Otter heißen sollte. Entscheidungen dieser Art zweifelt man nicht an. Getauft ist getauft. Jedoch: Wir haben es mit einer verzwickten Überkreuzung von Gattungs- und Eigennamen zu tun, die durch die Angewohnheit im Pott, Eigennamen mit bestimmten Artikeln (der oder die) zu versehen, noch verkompliziert wird. OTTER UND DACHS weiterlesen

PARIS, PEGIDA UND DIE ANGST

Wie das politische Klima in Europa einen Probenprozess verändert hat

Am 7. Februar feiert die Tragödie Elektra Uraufführung im Schauspielhaus. Der Dramaturg und Autor Alexander Kerlin hat in Zusammenarbeit mit Regisseur Paolo Magelli, dem Ensemble und Musiker Paul Wallfisch ein Stück geschrieben, das sich an dem antiken Vorbild von Euripides orientiert – und dabei einen eigenen Fokus setzt. Wir haben mit ihm über seine Arbeit gesprochen. PARIS, PEGIDA UND DIE ANGST weiterlesen

DER BAUSCHUTT DER MODERNE

Müssen wir in den Theatern eine Stunde Null ausrufen? Matthias Weigels Vorschlag (Kritiker bei nachtkritik.de), die Images der Theater mit „Pools und Party“ zu neutralisieren, ist vermutlich augenzwinkernd gemeint – und doch legt er dem Theater nahe, sich von einem bestimmten Strang seiner Geschichte zu trennen, zumindest zu distanzieren. Dieser Strang betrifft, wenn ich das richtig verstehe, in erster Linie die sogenannten „Klassiker“: die großen Erzählungen, die großen und kleineren Würfe seit dem 16. (England), 17. (Frankreich) und 18. Jahrhundert (Deutschland) sowie die Tragödien der griechischen Antike. Weigels Vorschlag kommt vermutlich nicht zufällig zu einem Zeitpunkt, an dem unser Vorrat an Vergangenheit ohnehin merklich schwindet – eine der unzähligen Folgen der Digitalen Revolution. Im Netz erreichen uns die Botschaften unabhängig von ihrer objektiven Relevanz in Permanenz, Überfülle und Echtzeit. Daher meine erste These: Die „Klassiker“ taugen durchaus als Munitionslager, um sich gegen den von Apple, Google, Facebook, Twitter und Amazon orchestrierten Angriff des Jetzt auf unsere Leben zu wehren. Andererseits hat Weigel recht, wenn er implizit in Zweifel zieht, dass uns die „Klassiker“ überhaupt noch ohne Umwege „etwas sagen“. Jeder sensible Bewohner des 21. Jahrhunderts wird das im Theater schon gespürt haben. Das wäre die zweite These, die ebenfalls als eine Folge der Digitalisierung beschrieben werden kann: Das Internet hat die Macht des Kanons längst gebrochen. Um diesen Widerspruch soll es im Folgenden gehen: Wir können die Klassiker nicht mehr gebrauchen, aber wir brauchen sie. Was machen wir also mit ihnen? DER BAUSCHUTT DER MODERNE weiterlesen