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SUIZID

Lamar Burgess, Gründer von PRECRIME, befindet sich kurz vor Schluss des Films in einer ähnlichen Situation wie gerade noch Anderton: Mit gezogener Waffe steht er Anderton gegenüber, ein REDBALL von den Precogs sagt einen Mord aus Affekt voraus. Das Dilemma des PRECRIME-Vaters: Wenn er Anderton umbringt, muss er in die Sicherheitsverwahrung, aber der Glaube an die Unbestechlichkeit/Unfehlbarkeit von PRECRIME bleibt erhalten. Tut er es nicht, steht PRECRIME vor dem Ende, Burgess bleibt jedoch ein freier, wenn auch gescheiterter Mann. Der Film läuft hier Gefahr, die philosophische Dichte zu verlieren, und Partei zu ergreifen für a) den freien Willen (die „amerikanisch-moderne Variante“: er schießt nicht) oder b) die Unhintergehbarkeit des vorausgesagten Schicksals (die „griechisch-antike Variante“: er schießt). Beides würde die Botschaft des Films durch Ein-Eindeutigkeit verwässern. Spielberg löst das brillant, auf die einzig mögliche Weise: Suizid von Lamar Burgess. Am Ende des Plots steht die monströse Frage, ob die einzig freie Entscheidung, die diesen Namen tatsächlich verdient, in Zusammenhang stehen könnte mit der Verfügung über den eigenen Tod. Check.