KLEINES WHO IS WHO DES TRUMPISMUS

Wie wurde Donald Trump zu dem, wer und was er ist? Und wie wurde unsere politische Landschaft zu der, die sie ist? Das Stück „TRUMP“ von Mike Daisey versucht, einzelne Aspekte Trumps in den Blick zu nehmen – durch biografische und historische Anekdoten, durch eigene Theorien und Praxisbeispiele. Dabei stets im Text vorhanden: ein kraftvoller Zorn, eine analytische Schärfe und ein schlagfertiger Humor.

Die Figuren, die im Text auftauchen, sind zahlreich. Deshalb wollen wir hier im Blog Hintergrundinfos zu diesen im Text auftauchenden Unterstützern, Wegbereitern und Phänomenen Trumps liefern.


EIN KLEINES WHO IS WHO DES
TRUMPISMUS
von Matthias Seier

BREITBART Amerikanische Website, deren Herz stramm rechts schlägt. Benannt nach ihrem Gründer Andrew Breitbart. Wurde nach seinem Ableben († 2012, beim Spazierengehen tot umgefallen) rasch vom Publizisten Stephen Bannon aufgekauft und mauserte sich daraufhin zur Anlaufstelle Nr. 1 für rechte Lügen, Verschwörungsgeraune, Hass und Hetze. Trug dabei ordentlich zur Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts bei und wurde insbesondere im Wahlkampf ein erschreckend beliebtes Nachrichtenmedium auch bei eher moderat gesinnten Trump-Wählern. Wurde in Dortmund durch Fake News über angebliche Silvester-Krawalle an der Reinoldikirche leidlich bekannt. Ist in den USA die derzeit 29st-meistbesuchte Website, sogar noch vor Pornhub.

BETSY deVOS Bildungsministerin im Trump-Kabinett. Findet öffentliche, staatlich finanzierte Schulen nur so semi-gut und plädiert stattdessen für Privatschulen en masse. Die Lehrergewerkschaft NEA kritisiert dies scharf: Dadurch werde Bildung privatisiert, verlöre Anspruch und werde unprofessioneller und unprofessioneller. Betsy machte ebenfalls von sich reden, als ihr Ministerium auf Twitter den Namen des Bürgerrechtlers W.E.B. Du Bois falschschrieb, sich dann dafür entschuldigen wollte und dabei das Wort „Entschuldigung“ ebenfalls falschschrieb. Gegen Waffen in Schulen hat sie nichts, man muss sich ja vor Grizzlybären verteidigen können.

„Und dann überziehen wir das gesamte Ding einfach mit Gold und das ist dann superluxuriös.“

TRUMP – THE GAME Brettspiel der Milton Bradley Company, das ursprünglich 1989 veröffentlicht wurde, jedoch mehrere Neuauflagen erlebte (so wie auch die Abbildung links, von 2004). Bestach durch recht stupide Regeln und wirkte wie ein völlig unmoralisches, hyper-kapitalistisches Monopoly. Nichtsdestotrotz war das Spiel ein ziemlicher Flop, wie auch Trump zugeben musste: „Es war vermutlich den meisten Spielern zu kompliziert.“ Ebenfalls im großen Spielzeugschrank des Trumpismus erhältlich: kleine Trump-Actionfiguren im Anzug, die für 25$ so dolle Sachen sagen wie „Ich sollte mich selber feuern, bloß dafür, dass ich dich kenne.“ Aaaw.

ATLANTIC CITY Bankrotte Stadt an der amerikanischen Ostküste, etwa 200km von New York entfernt. Wurde durch windige Hyper-Investments von Trump (gigantische Casinos wie das über 200 Meter hohe „Taj Mahal“, die den Stadtbewohnern die Kaufkraft entzogen) erfolgreich in den Ruin getrieben. So liegt heute die Arbeitslosigkeit in Atlantic City bei 14 Prozent, die Rate an Zwangsvollstreckungen gehört zu den höchsten im Land. Trump selbst lobt sein Vorgehen in Atlantic City in seinen Wahlkampfreden außerordentlich: „Leute, sobald ich merkte, dass es mit Atlantic City bergab ging, hab ich meine Sachen gepackt und bin mit meinen Geschäften daraus abgehauen.“ Das kommt beim wirtschaftsliberalen Teil seiner Gefolgschaft überaus gut an: ein Mensch, der ausschließlich an den eigenen Profit denkt, wird auch ein Land dementsprechend lenken. Die Bewohner selbst finden es selbst nicht so überzeugend: sie wählten mehrheitlich demokratisch.

Tyrannosaurus rex-tillerson.

 REX TILLERSON Außenminister der USA unter Trump, war vorher Präsident des Mineralölkonzerns ExxonMobil und wie beinahe jeder in Trumps Kabinett Millionär bzw. Milliardär. 2013 ehrte der Kreml ihn mit dem „Orden der Freundschaft„, da Putin seit über 20 Jahren der beste Kumpel von Tillerson ist. Außer routiniertem Händeschütteln mit über 50 Staatschefs bei Besuchen als Öl-Konzern-Chef hat Rex Tillerson keine politische Erfahrung, aber wer braucht die schon.

 

Seltsame Frisuren ziehen sich anscheinend durch die Familie: Fred und Donald Trump, 1980.

FRED TRUMP amerikanischer Immobilientycoon (1905-1999) und Vater Donald Trumps. Zwanzig Jahre vor seiner Geburt war sein Vater, also Donalds Opa, aus dem verschlafenen Städtchen Kallstadt in der Pfalz nach New York ausgewandert. Dort angekommen erging es ihnen prächtig: Durch zahlreiche Wohnungsbauprojekte in Brooklyn, Queens und Staten Island wurde Fred Trump zum Multimillionär. Qualitativ waren die Wohnblocks, die Fred Trump mithilfe unterbezahlter Subunternehmer hochzog, alles andere als erste Sahne: der berühmte Folk-Sänger Woody Guthrie lästerte mehrfach in seinen Liedern und auf Konzerten über die baufälligen, zugigen Gebäude sowie über Fred Trump selbst, den er für einen miesen Rassisten hielt. Tatsächlich gibt es Gerüchte, dass Fred Trump Mitglied des Ku Klux Klans war. Und 1973 klagte die Bürgerrechtsabteilung des Justizministeriums der Vereinigten Staaten gegen Trumps Unternehmen, weil es sich weigerte, Wohnungen an Schwarze zu vermieten. Die National Urban League, eine amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die sich für die Rechte von Afroamerikanern und gegen deren Diskriminierung in den USA einsetzt, hatte das durch schwarze und weiße Testpersonen, die sich jeweils für ein Appartement in einem Trump gehörenden Komplex bewarben, herausgefunden. 1973 übernahm sein vierter Sohn, Donald Trump, die Geschäfte.

Roy Cohn und sein bester Kunde.

ROY COHN Ein wirklich mieser Typ. New Yorker Anwalt (1927-1986), ab 1973 bis zu seinem Tod Rechtsberater von Donald Trump. Bereits als junger Anwalt erregte er 1951 im berühmten Rosenberg-Spionagefall Aufmerksamkeit: es war sein Verhör mit Ethel Rosenbergs Bruder, das dafür sorgte, das auch Ethel Rosenberg für Hochspionage auf dem Elektrischen Stuhl landete. Heutzutage ist man sich recht sicher, dass Ethel Rosenberg nichts von der Spionagetätigkeit ihres Ehemannes wusste und somit zu Unrecht die Strafe erhielt. Nichtsdestotrotz rief damals Cohn den Richter selbst fast täglich an, um inständig darum zu bitten, dass Ethel Rosenberg geröstet werden würde. Durch dieses rücksichtslose Vorgehen wurde der FBI-Direktor J. Edgar Hoover auf Cohn aufmerksam und empfahl ihn dem berüchtigten amerikanischen Senator Joseph McCarthy. Dieser nutzte ihn als Rechtsberater während der McCarthy-Prozesse in den 1950er Jahren. Cohn und McCarthy griffen viele Mitarbeiter der Regierung und der Verwaltung sowie Kulturschaffende an und untersuchten nicht nur deren Verbindungen zum Kommunismus. Dabei verfasste er auch ein Büchlein mit dem schönen Namen Only a Miracle Can Save America From the Red Conspiracy. Nach der aufregenden McCarthy-Ära ließ sich Cohn als Rechtsanwalt in New York nieder, wo er auch die Trumps beim bereits erwähnten Rassismus-Prozess gegen die National Urban League vertrat und kraftvoll in die Gegenoffensive trat: er wies die Vorwürfe als völlig haltlos zurück und forderte von der National Urban League 100 Millionen Dollar Entschädigungsgeld. Spoiler: sie haben haushoch verloren. Roy Cohn war wegen seiner widersprüchlichen, unnachgiebigen Art ein gefundenes Fressen für Schriftsteller und Filmemacher – besonders legendär ist der Umgang mit seiner Figur im Drama Angels in America von Tony Kushner. Hier eine besonders spannende Szene aus der HBO-Verfilmung mit Al Pacino als Cohn, in der Cohn in den frühen 80ern erfährt, dass er an AIDS leidet – und es um jeden Preis unbedingt verheimlichen will.

REPUBLIKANISCHE PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN 2016 Mike Huckabee (gab auf am 1. Februar 2016), Rand Paul (gab auf am 3. Februar), Rick Santorum (auch 3. Februar), Carly Fiorina (10. Februar), Chris Christie (auch 10. Februar), Jim Gilmore (12. Februar), Jeb Bush (20. Februar), Ben Carson (2. März), Marco Rubio (15. März), Ted Cruz (3. Mai), John Kasich (4. Mai), Donald Trump (Sieger).

Sieht nett aus. Ist es nicht.

STEPHEN BANNON Chefberater Trumps, vorher wie bereits erwähnt Publizist bei der, äh, naja, „Nachrichten“seite BREITBART NEWS. Bannon scheut weder die Nähe zu Neonazis, noch schreckt er vor Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus zurück. Er war Marineoffizier, hat im Pentagon gearbeitet und ist Harvard-Absolvent. Als Banker für Goldman Sachs hat er Millionen verdient. Findet, die „Medien sollten ihre Schnauze halten“ und hat laut Eigenaussage nichts dagegen, im Dunkeln zu operieren. Ist einer der wenigen, die rund um die Uhr ohne Anmeldung zu Donald Trump ins Oval Office reinplatzen dürfen. Man vermutet, dass er bei zahlreichen Telefongesprächen Trumps mit Staatsoberhäuptern anderer Nationen das Gespräch lenkt. 

Über Matthias Seier

Matthias Seier wurde 1993 im Münsterland geboren. Er studierte Kultur- und Literaturwissenschaften sowie Soziologie in Dortmund und Athen. Seit der Spielzeit 2014/2015 ist er Dramaturgieassistent und betreut die Social Media-Kanäle des Schauspiels. Assistenzen u.a. bei "Das Goldene Zeitalter" (2013, Regie: Kay Voges), "Szenen einer Ehe" (2014, Regie: Claudia Bauer), "Elektra" (2015, Regie: Paolo Magelli) und "hell / ein Augenblick" (2017, Regie: Kay Voges). Seine erste Produktionsdramaturgie "Heimliche Helden" (Regie: Julia Schubert) feierte im Oktober 2016 Premiere. Gemeinsam mit Anne-Kathrin Schulz übertrug er das Stück "TRUMP" von Mike Daisey aus dem Englischen ins Deutsche. Das Internetportal nachtkritik.de ehrte ihn 2016 mit der Auszeichnung "Goldener Hashtag" für den besten Tweet des Jahres in der Kategorie "Visionär".

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