4.48 PSYCHOSE: 21-Z

21 GRAMM Das Ringen um das Verständnis des Phänomens Seele beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden, sowohl aus Perspektive des Materialismus als auch der Religion oder des Humanismus. Was ist das Ich? Wo liegt die Seele? Im Herzen, im Gehirn? Existiert sie unabhängig vom Körper? Wo siedelt unsere Trauer, wo wohnt unsere Liebe? Woraus besteht die Seele? Aus Molekülen? Aus Biochemie? Kann man Gefühle messen, kann man Seelen-Krankheit messen, kann man die Seele an sich messen? Den ersten Versuch, die Seele zu wiegen, unternahm der amerikanische Arzt Duncan MacDougall 1901. Er wog mit einer ausgetüftelten Bettwaage sechs sterbende Patienten, um zu beweisen, dass die Seele materiell und messbar sei. Sein Ergebnis: Die Gewichtsdifferenz zwischen lebendigem und toten Patienten betrug durchschnittlich 21 Gramm – zwischen 8 und 35 Gramm. MacDougall experimentierte auch mit Hunden, die er vergiftete und bei deren Sterben er keine Gewichtsabnahme messen konnte, woraus er folgerte, dass Hunde keine Seele besäßen. Spätere Experimente stellten MacDougalls Erkenntnisse in Frage, seine Studien gelten heute als unwissenschaftlich. Als Sinnbild für die Sehnsucht des Menschen, sich selbst zu erkennen und die Seele zu verstehen, sind MacDougalls 21 Gramm jedoch kulturell unsterblich geworden. →LESETIPP

Foto: Edi Szekely
Foto: Edi Szekely

Uwe Rohbeck, Merle Wasmuth, Björn Gabriel, Lucas Pleß, Stefan Kögl, AK Schulz, Mario Simon, Tommy Finke

ABLETON LIVE ist eine für den Live Einsatz konzipierte Musik Software, mit der man virtuelle Partituren erstellen kann und u. a. in Echtzeit Audioquellen bearbeiten, modulieren oder mit internen Instrumenten zusammenmischen kann. Ableton Live erlaubt das Komponieren und Improvisieren von Musik in Echtzeit →FINKE, TOMMY | →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN

BRANDT, JAN P. (*1979) absolvierte von 2002-2005 eine Ausbildung zum Bühnenmaler bei den Bühnen der Stadt Köln und arbeitete dort von 2005-2007 als Bühnenmaler und -plastiker. Darauf folgte bis 2013 ein Bühnenbildstudium an der Kunstakademie in Düsseldorf. Seit 2013 ist er Bühnenbildassistent am Schauspiel Dortmund. Das Bühnenkonzept für 4.48 Psychose realisierte er mit →VOGES, KAY.

CHAOSTREFF DORTMUND e.V. ist ein Zusammenschluss von technikbegeisterten Menschen, denen ein bloßes Benutzen von Technik zu wenig ist und die vielmehr Technik verstehen, verbessern und kreative Potentiale entdecken wollen. Der Dortmunder Hackerspace liegt am Nordmarkt. (www.ctdo.de). 4.48 Psychose ist (nach CRASHTEST NORDSTADT, Der Live-Code: Krieg und Frieden im globalen Dorf und dem Festival Cyberleiber 2013) die nunmehr vierte Zusammenarbeit zwischen Chaostreff Dortmund und Schauspiel Dortmund. →KÖGL, STEFAN | →PLEß, LUCAS | →OPEN SOURCE | →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN

DATEN werden derzeit als der wertvollste Rohstoff der Gegenwart und Zukunft gehandelt, als das „Öl des 21. Jahrhunderts“ – mit dem Potential, das Phänomen Menschsein auf völlig neue Art erkennen, durchdringen und gestalten zu können. Es ist ein Rohstoff, der kein begrenztes Vorkommen hat und der permanent von vielen Menschen auf aller Welt stetig produziert wird: Inzwischen lagern bereits Zettabytes (eine Zahl mit 21 Nullen) auf Servern in der ganzen Welt, und es werden sekündlich mehr Daten – die entweder gezielt gesammelt werden oder eher „nebenbei“ entstehen. Bei „Big Data“ geht es um wesentlich mehr als die Anfeuerung von Konsum mittels der Optimierung personalisierte Werbung. Wenn es praktisch unendliche Datenmengen gibt, aus praktisch unendlich vielen Bereichen des Lebens, und die richtigen Algorithmen (also die Möglichkeit, diese Datenmengen auch sinnvoll miteinander zu verknüpfen und auszuwerten) – wird die Vision vom „Gläsernen Menschen“ dann wahr? Und die vom „Gläsernen Konsumenten“? Wird man irgendwann Körper und Seele des Menschen anhand der geschickten Kombination seiner Daten im Detail verstehen können? Und in Folge beeinflussen? Falls ja, welche Möglichkeiten ergeben sich daraus – für die Medizin, für die Gesellschaft, für die Politik, für die Wirtschaft? Und: Ab wann sind Gefühle und die Gedanken nicht mehr frei? →21 GRAMM | →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN

DEPRESSION ist eine Krankheit, die weltweit Millionen von Menschen betrifft. Genauere Zahlen sind schwer zu recherchieren, was vermutlich mit einer hohen Dunkelziffer unerkannter Krankheitsfälle und verschiedenen Definitionen der Erkrankung an sich zu tun hat. Bei der selteneren bipolaren affektiven Störung erkrankt der Patient im Wechsel an Depression und Manie. Die frühere Bezeichnung dieses Krankheitsbildes lautete manisch-depressive Erkrankung. Auch hier ist der Begriff „affektive Psychose“ noch gebräuchlich. Zur Behandlung von Depression werden neben einer Psychotherapie derzeit am häufigsten die sogenannten Selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) eingesetzt, die im Gehirn die Wirkungsdauer des aktivierenden Neurotransmitters Serotonin im synaptischen Spalt verlängert. →MEDIKAMENTE

Foto: Edi Szekely
Foto: Edi Szekely

Merle Wasmuth, Uwe Robeck, Björn Gabriel

FINKE, TOMMY komponiert und arrangiert u.a. mit →ABLETON LIVE, →MAX/MSP, Computern und Launchpads die Klänge und Sounds für 4.48 Psychose und wandelt live die Körpersignale (wie zum Beispiel den Herzschlag) von →GABRIEL, BJÖRN, →ROHBECK, UWE und →WASMUTH, MERLE in Töne und Musik um. Finke (*1981 in Bochum) ist Sänger und Musiker in den Genres Indie, Alternative und Pop sowie Komponist für Elektronische Musik/Computermusik und Theatermusik. Von 2003 bis 2008 studierte er am Institut für Computermusik und Elektronische Medien an der Folkwang Universität der Künste, seit 2004 tritt er regelmäßig u.a. beim Festival Bochum total auf. 2013 erschien nach Repariert, was Euch kaputt macht! (2008), Poet der Affen (2010) sein nunmehr drittes Album: Unkämmbar. Am Schauspiel Dortmund komponierte Finke 2013 die Musik zum Stück DAS GOLDENE ZEITALTER, die er auch live auf der Schauspiel Bühne spielt. →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN | →MOZARTS REQUIEM | →TRISTAN UND ISOLDE

GABRIEL, BJÖRN (*1977 in Köln) war Ensemblemitglied am Staatsschauspiel Dresden und am Theater Oberhausen; darüber hinaus gastierte er in Berlin, Hamburg, Zürich und Bern. Seit 2009 erste eigene Regiearbeiten, zusammen mit Bühnenbildnerin Stefanie Dellmann und weiteren Künstlern leitet er das Theaterkollektiv Sir Gabriel Dellmann. Am Schauspiel Dortmund inszenierte er z.B. Sauerstoff und Die Leiden des jungen Werther. Seit 2010 ist Gabriel festes Ensemblemitglied am Schauspiel Dortmund, hier spielte er u.a. Macbeth, Fritz Walfang in der DSE von Fassbinders Welt am Draht sowie in Visitor Q, Bluthochzeit, Naked Lenz und in Einige Nachrichten an das All (Beste Inszenierung NRW Theatertreffen 2013, 2. Preis Kategorie „Experimental Film“ beim Sunset Film Festival Los Angeles). Am Schauspiel Dortmund ist Björn Gabriel unter anderem als Michael in Das Fest (Regie Kay Voges, nominiert für den deutschen Theaterpreis DER FAUST 2013), als Nick in Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, als K. in Kafkas Der Prozess, in DAS GOLDENE ZEITALTER und als John Anderton in Minority Report oder Mörder der Zukunft zu sehen. →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN

KANE, SARAH war eine britische Dramatikerin und Regisseurin. Bereits mit ihrem ersten Theaterstück Blasted (deutscher Titel: Zerbombt) erlangte sie internationale Aufmerksamkeit und avancierte rasch zum mehrfach preisgekrönten Shooting-Star der modernen britischen Dramatik. Geboren 1971 im britischen Essex, studierte Kane Theaterwissenschaft und Szenisches Schreiben in Bristol und Birmingham. 1995 wurde ihr erstes Theaterstück, Blasted (deutscher Titel: Zerbombt) am Londoner Royal Court Theatre uraufgeführt und sofort kontrovers diskutiert – die Geschichte über menschliche Beziehungen in Zeiten eines Bürgerkriegs gilt als erstes Werk des „In-Yer-Face“-Theaters und wurde erfolgreich europaweit gespielt. Ihr zweites Stück, Phaedra’s Love (Phädras Liebe), brachte Kane als Regisseurin selber in London zur Uraufführung. Es folgten Cleansed (Gesäubert, 1997) und Crave (Gier, 1998) – sowie das Drehbuch zu Skin, einem 11-minütigen Kurzfilm, der im britischen Channel 4 ausgestrahlt wurde. Kane war Hausautorin am Paines Plough Theatre in London und arbeitete auch als Regisseurin. Im Herbst und Winter 1998/1999 entstand ihr fünftes und letztes Stück, 4.48 Psychosis (4.48 Psychose), das sie im Februar 1999 ihrem Verleger übergab. Kurz darauf nahm sich die 28-jährige Sarah Kane in einer Londoner Klinik, in der sie wegen ihrer depressiven Schübe behandelt wurde, das Leben. 4.48 Psychose gilt aber nicht als rein autobiographisches Werk, sondern als weiterer Schritt in Sarah Kanes Dramatisierungen von Liebe in Zeiten von Zerstörung. War es in Zerbombt der Bürgerkrieg, in Phädras Liebe ein Familienkrieg, in Gesäubert die Schlachten innerhalb einer Gruppe, in Gier der Krieg des Individuums, so ist 4.48 Psychose die Nahaufnahme eines Krieges im Bewusstsein. →MOZARTS REQUIEM

Foto: Edi Szekely
Foto: Edi Szekely

Merle Wasmuth

KÖGL, STEFAN (*1978) studiert Informatik an der TU Dortmund. Er arbeitete u.a. in einer Forschungsgruppe zu IT-Sicherheit und ist ein starker Befürworter von open source-Technologien. Darüber hinaus spielte Kögl in den letzten 20 Jahren Schlagzeug in verschiedenen Bands und bei Studioengagements in den Genres Heavy Metal und Jazz und sammelte Erfahrung als Produzent elektronischer Musik jenseits von 160 BPM. Außerdem arbeitete er bei einem großen Musikdistributor und -label in NRW. Seit 2008 hat er Gleichgesinnte im Chaostreff Dortmund e.V. gefunden und erfreut sich an der Kultivierung des Nerd- und Geektums. Für Der Live-Code: Krieg und Frieden im globalen Dorf (Regie: Daniel Hengst) war Stefan Kögl co-creator diverser Mensch/Maschine-Schnittstellen, diese Arbeit führt er jetzt bei 4.48 Psychose fort und überwacht während der Vorstellung im →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN live Sensorik, Datenübertragung und Netzwerk. →CHAOSTREFF DORTMUND | →OPEN SOURCE

LESETIPP Das Ich und sein Gehirn von Karl R. Popper und John C Eccles. Von der Liaison zwischen Ich und Gehirn: Zwei herausragende Gelehrte des Jahrhunderts – der Philosoph Karl R. Popper und der Hirnforscher und Nobelpreisträger John C. Eccles – beschäftigen sich in diesem einmaligen Dokument kreativer Zusammenarbeit mit dem Leib-Seele-Problem. →21 GRAMM

LIVE-WORDING Die von Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz live eingestreamten englischen Texte sind Passagen aus dem englischen Originalstück von Sarah Kane, 4.48 Psychosis. →KANE, SARAH | →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN

MAX/MSP ist eine modular aufgebaute, objektbasierte Programmiersprache, eine graphische Entwicklungsumgebung für Musik und Multimedia, die für Arbeiten in Echtzeit ausgelegt ist. Sie wird als eine Art Software Synthesizer von Komponisten, Musikern, Softwareentwicklern und Künstlern eingesetzt, um interaktive Software selbst zu erstellen – unabhängig von den ästhetischen Vorgaben kommerzieller Produkte. Insbesondere im Live-Betrieb ist diese Sprache in der zeitgenössischen elektronischen Musik, im Bereich des Live-Video und unter Laptop-Künstlern weit verbreitet. →FINKE, TOMMY | →SIMON, MARIO | →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN | →OPEN SOURCE

MEDIKAMENTE Die in 4.48 Psychose erwähnten Medikamente sind Sertralin (Selektiver Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer, antriebssteigernd, häufigste Nebenwirkung: Übelkeit), Zopiclon (sedierend, häufigste Nebenwirkung: Bitterer, metallischer Geschmack im Mund), Melleril (sedierend), Lofepramim (Trizyklisches Antidepressivum, stark stimmungsaufhellend, Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Sehstörungen, Gewichtszunahme), Citalopram, Paroxetin und Fluoxetin (Selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, häufige Nebenwirkung: sexuelle Störungen), Thorazin (Neuroleptikum, wirkt sedierend), Venlafaxin (selektiver Serotonin und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, anwendbar bei Depression und Angststörungen, häufigste Nebenwirkung: Magen-Darm-Beschwerden). Diverse Anti-Depressiva bergen die Gefahr, dass mit der gewünschten Antriebssteigerung eine erhöhte Suizidgefahr einhergeht. →DEPRESSION

MENSCH-MASCHINE-KNOTEN 9 Menschen (→GABRIEL, BJÖRN, →FINKE, TOMMY, →KÖGL, STEFAN, →PLEß, LUCAS, →ROHBECK, UWE, →SAUER, CHRIS, →SCHULZ, ANNE-KATHRIN, →SIMON, MARIO, →WASMUTH, MERLE) erforschen mit 3 Puls-Oxymetern, 4 Beamern, 13 Boxen, 5 Kameras, 3 Microports sowie Scheinwerfern, Micro-Controllern, Launchpads, Sensoren, Atemkontroll-Steuerungs-Sensoren, EKG, EMG, Temperaturfühlern und Computern einen Resonanzkörper für die Poesie von Sarah Kanes 4.48 Psychose.

MOZARTS REQUIEM Das Requiem in d-Moll (KV 626) aus dem Jahr 1791 ist Wolfgang Amadeus Mozarts letzte Komposition. Mozart erkrankte während der Arbeit an dem Werk schwer und verstarb schließlich, mit nur 34 Jahren, am 5. Dezember 1791, bevor er seine Komposition fertigstellen konnte, sodass seine Schüler Joseph Eybler und Franz Xaver Süßmayr das Werk vollendeten. Diverse Mythen umranken das Werk – Johann F. Rochlitz berichtete z.B. 1798, Mozart hätte durch das Auftauchen eines Boten aus dem Jenseits seinen baldigen Tod vorausgeahnt, habe daher Tag und Nacht an der Partitur gearbeitet, in der Annahme, er „arbeite dies Stück zu seiner eigenen Totenfeier“. Bei derartigem Eingreifen jenseitiger Gewalten sei es kein Wunder, „daß so ein vollendetes Werk zustande kam“. Das berühmte Lacrimosa findet in Mozarts Requiem seine wohl bekannteste Vertonung – die letzten Strophe der liturgischen Sequenz Dies irae (lateinisch für „Tag des Zorns“), die den Anfang eines mittelalterlichen Hymnus vom Jüngsten Gericht bildet, der bis 1970 in der römischen Liturgie als Sequenz der Totenmesse gesungen wurde. Dort heißt es: „Lacrimosa dies illa“, zu deutsch: „Tränenreich ist jener Tag“. | →TOMMY FINKE

OPEN SOURCE und das Copyleft stehen im direkten Gegensatz zum Copyright. Die Open Source-Bewegung steht für Transparenz, freien Ressourcenaustausch und Kooperation, sowohl hinsichtlich von Daten als auch von Software und Wissen. Ihr Vorhaben ist ohne Frage ein epochales: Die technischen Errungenschaften der Jetztzeit – wichtige Gestalter der Gegenwart – für immer und für jeden frei verfügbar und frei veränderbar zu halten. Es ist ein Aufruf an Zeitgenossen – aktiver Part der elektronisch-menschlichen Evolution zu sein, statt nur Konsument. Am Ball zu bleiben. Die für 4.48 Psychose entwickelte Software ist unter https://github.com/DerLiveCode/chaosc zum kostenlosen Download bereitgestellt. →CHAOSTREFF DORTMUND, →KÖGL, STEFAN | →MAX/MSP | →PLEß, LUCAS

PLEß, LUCAS, geboren im Orwell’schen 1984, arbeitet als Software Developer an verschiedenen Kreativprojekten. Das Studium der Technischen Informatik prägt auch seine Freizeit, in der er sich mit Schaltungsbau, Lasern und blinkenden Gadgets beschäftigt. Als Ausgleich zum Computerleben ist er leidenschaftlicher Mountainbiker und Kletterer. 2013 entwickelte Lucas Pleß für Der Live-Code: Krieg und Frieden im globalen Dorf (Regie: Daniel Hengst) diverse Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, diese Arbeit führt er beim Projekt Bioadapter mit Daniel Hengst (auf dem -Festival CYBERLEIBER 2013) und nun bei 4.48 Psychose fort – hier baute er u.a. die Micro-Controller, wichtiger Teil der Verarbeitung der Körperimpulse der Schauspieler im à MENSCH-MASCHINE-KNOTEN und überwacht und kontrolliert während der Vorstellung live die Sensoren, Datenübertragung und das Netzwerk.| →CHAOSTREFF DORTMUND | →OPEN SOURCE

Foto: Edi Szekely
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Björn Gabriel

ROHBECK, UWE (*1961 in Wismar), arbeitete u.a. an den Bühnen in Dresden, Salzburg, Heilbronn, Münster und Kassel. Er war Oberspielleiter an der Landesbühne Wilhelmshaven und inszenierte für Schauspiel und Oper. Seit der Spielzeit 2010/11 ist Uwe Rohbeck festes Ensemblemitglied am Schauspiel Dortmund. 2011 wurde er mit dem Dortmunder Publikumspreis ausgezeichnet. Uwe Rohbeck war in den vergangenen Dortmunder Spielzeiten u. a. als Brennwert in Werner Schwabs Eskalation ordinär, als Wurm in Kabale und Liebe und als Ed Gein in Jörg Buttgereits Kannibale und Liebe zu sehen – sowie in seinem gefeierten Solo Kohlhaas. Aktuell steht er in Dortmund u.a. als John Merrick in Der Elefantenmensch, als Nosferatu in Jörg Buttgereits NOSFERATU LEBT! und in Tod eines Handlungsreisenden auf der Bühne. →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN

Foto: Edi Szekely
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Uwe Rohbeck

SAUER, CHRIS ist im à MENSCH-MASCHINE-KNOTEN für die Tontechnik zuständig. Geboren 1976, war Chris schon seit früher Kindheit immer dort, wo Musik gespielt wurde. Seine erste Schallplatte veröffentlichte er mit 17. Abitur, Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker, Gründung eines eigenen Studios für Musik- und Medienproduktionen, Engagements als Produzent und Tontechniker u.a. für Motor/Universal, Virgin, Warner/Chappell und Grönland, in Studio und auf Tour Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Künstlern von Rap bis Weltmusik, von Punk bis Jazz – letzteres seit 2011 im Dortmunder Blue Notez Club. Seit 2013 arbeitet Chris Sauer am Theater Dortmund.

SCHULZ, ANNE-KATHRIN absolvierte eine Ausbildung zur Redakteurin an der Berliner Journalistenschule und arbeitete für Radio und Zeitung. Sie studierte Szenisches Schreiben an der UdK Berlin. 2001 wurde ihr Theaterstück Unter Land in Göttingen uraufgeführt, 2003 Silly Songs am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Als Dramaturgin arbeitete sie u.a. am Schauspielhaus Bochum, am Deutschen Theater Berlin und, seit 2010, am Schauspiel Dortmund. →LIVE-WORDING | →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN

Foto: Edi Szekely
Foto: Edi Szekely

Lucas Pleß, Stefan Kögl, Anne-K. Schulz, Mario Simon, Tommy Finke, Chris Sauer

SIMON, MARIO steuert per Resolume-VJ-Software und –>Max/MSP die Echtzeit-Videokunst im àMENSCH-MASCHINE-KNOTEN und verwandelt u.a. die Körperimpulse von –>GABRIEL, BJÖRN, –>ROHBECK, UWE und –>WASMUTH, MERLE und das –>LIVE-WORDING in bewegtes Licht. Simon studierte Germanistik, Literatur- und Kulturwissenschaften, Film- und Medienwissenschaften sowie Philosophie. Von 2003-2007 war er Gitarrist der Punkband Anewhope. Von 2009-2013 arbeitete er beim Dortmunder Geierabend und gastierte bei diversen Produktionen des Westdeutschen Rundfunks und beim Theater Fletch Bizzel. Zum Schauspiel Dortmund stieß Mario Simon erstmals für den Dreharbeiten zu Einige Nachrichten an das All, seit 2013 ist er fest im Ensemble.

TRISTAN UND ISOLDE Die Erfüllung der Liebe im Tod – Tristan und Isolde von Richard Wagner, uraufgeführt 1865 in München. Die letzten Worte Isoldes:

„Mild und leise / wie er lächelt,
wie das Auge / hold er öffnet –
seht ihr’s Freunde? / Seht ihr’s nicht?
Immer lichter / wie er leuchtet,
stern-umstrahlet / hoch sich hebt?
Seht ihr’s nicht?
Wie das Herz ihm / mutig schwillt,
voll und hehr / im Busen ihm quillt?
Wie den Lippen, / wonnig mild,
süßer Atem / sanft entweht –
Freunde! Seht!
Fühlt und seht ihr’s nicht?
Hör ich nur / diese Weise,
die so wundervoll und leise,
Wonne klagend, / alles sagend,
mild versöhnend / aus ihm tönend,
in mich dringet, / auf sich schwinget,
hold erhallend / um mich klinget?
Heller schallend, / mich umwallend,
sind es Wellen / sanfter Lüfte?
Sind es Wogen / wonniger Düfte?
Wie sie schwellen, / mich umrauschen,
soll ich atmen, / soll ich lauschen?
Soll ich schlürfen, / untertauchen?
Süß in Düften / mich verhauchen?
In dem wogenden Schwall,
in dem tönenden Schall,
in des Welt-Atems / wehendem All –
ertrinken, / versinken –
unbewußt –
höchste Lust!”
–>FINKE, TOMMY

ULRICH, MONA arbeitet als Kostümbildnerin für Schauspiel und Oper an den Theatern Potsdam, Chemnitz, Luzern, Frankfurt und Oldenburg sowie am Schauspiel Dortmund, wo sie z.B. die Kostüme für Einige Nachrichten an das All, Endspiel sowie Peer Gynt entwarf. Bei 4.48 Psychose kleidete Ulrich nicht nur die drei Schauspieler →GABRIEL, BJÖRN, →ROHBECK, UWE und →WASMUTH, MERLE ein, sondern auch →PLEß, LUCAS, →SIMON, MARIO, →FINKE, TOMMY, →KÖGL, STEFAN, →SCHULZ, ANNE-KATHRIN und →SAUER, CHRIS. Sowie diverse von →PLEß, LUCAS konstruierte Kästchen mit Mikro-Controllern auf den Rücken der Schauspieler, welche diese mit dem →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN verbinden.

VOGES, KAY ist Intendant des Schauspiel Dortmund. Nach diversen anderen Preisen und Festival-Einladungen wurde er 2013 mit Das Fest für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert. Schwerpunkt seiner Arbeiten sind multi-mediale Begegnungen zwischen Theater und Video/Film/Technik, wie z.B. beim Theater-Film Einige Nachrichten an das All, bei DAS FEST, bei der multimedialen Stückentwicklung DAS GOLDENE ZEITALTER, bei der Oper Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg, bei seiner Dortmunder Spielzeiteröffnung Hamlet sowie bei Endstation Sehnsucht am Schauspiel Frankfurt. Während der Proben zu 4.48 Psychose bewegte sich Voges regelmäßig um den Bühnenkubus herum, um den →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN von allen Seiten sehen und hören zu können.

WASMUTH, MERLE absolvierte von 2007 bis 2011 ihre Schauspielausbildung am Max Reinhardt Seminar Wien. Währenddessen war sie bereits am Wiener Burgtheater engagiert (u.a. Andrea Breth, Luc Bondy, Matthias Hartmann) und spielte auch bei den Salzburger Festspielen. Seit der Spielzeit 2013/14 ist sie festes Ensemblemitglied am Schauspiel Dortmund, hier u.a. zu sehen in DAS GOLDENE ZEITALTER,  Der nackte Wahnsinn, Die Hamletmaschine, Der Prozess und Szenen einer Ehe. | →MENSCH-MASCHINE-KNOTEN

Foto: Edi Szekely
Foto: Edi Szekely

Uwe Rohbeck

ZWIEBEL (aus Peer Gynt von Henrik Ibsen)
„Noch immer das alte Geliebel!
Du bist kein Kaiser; du bist eine Zwiebel.
Jetzt will ich dich einmal schälen, mein Peer!
Es hilft dir nichts, stöhnst du auch noch so sehr.
Da liegt die äußre, zerfetzte Schicht; –
Der Gescheiterte, der um sein Leben ficht.
Die Passagierhaut hier, dünn wie ein Sieb, –
Hat doch im Geschmack von Peer Gynt einen Hieb.
Hier ist das Goldgräber-Ich; – fahr hin!
Der Saft ist weg, – war je einer drin.
Dies Dickfell hier, mit dem Zipfel für zwei, –
Ist der Pelzjäger an der Hudsonsbai.
Dies gleicht einer Krone hier; – hat sich was -!
Dem geben wir ohne weitres den Paß.
Hier der Altertumsforscher, kurz aber kräftig,
Und hier der Prophete, frisch und vollsäftig.
Er stinkt von Lügen, wie’s in der Schrift heißt;
Ein Duft, der ein ehrlich Mannsaug’ wie Gift beißt.
Dies Blatt hier, das weichlich am Finger klebt,
Ist der Herr, der herrlich und in Freuden gelebt.
Das nächste scheint krank. Es hat schwarze Schwielen; –
Schwarz kann auf Neger wie Pfaffen zielen.
Das hört ja nicht auf! Immer Schicht noch um Schicht!
Kommt denn der Kern nun nicht endlich ans Licht?!
Bis zum innersten Innern, – da schau’ mir einer! –
Bloß Häute, – nur immer kleiner und kleiner. –
Die Natur ist witzig!
Verdammtes Gegrübel!
Geht eins in Gedanken, gerät’s ihm oft übel.
Na, ich kann ja nichts an Haltung verlieren;
Denn ich lieg‘ ja grundfest auf allen Vieren
Wunderlich kommt mir dies Welttreiben vor!
Das Leben, wie’s heißt, hat ’nen Fuchs hinterm Ohr.
Doch greift einer zu, verzieht sich der Schuft,
Und man fängt etwas andres – oder leere Luft.“

→21 GRAMM

Foto: Edi Szekely
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Merle Wasmuth, Uwe Rohbeck, Björn Gabriel

 

 

Über Anne-Kathrin Schulz

Anne-Kathrin Schulz studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin, schrieb die Theaterstücke "Unter Land" (UA Junges Theater Göttingen) und "Silly Songs" (UA Schauspielhaus Hamburg), arbeitete am Schauspiel Bochum und dem Deutschen Theater Berlin und ist seit 2010 Dramaturgin am Schauspiel Dortmund sowie Lehrbeauftragte im Masterstudiengang Szenografie der FH Dortmund. 2015 schrieb sie mit Kay Voges und Alexander Kerlin „Die Show“, 2018 zusammen mit Jörg Buttgereit „Im Studio hört dich niemand schreien“, seit 2012 auch Arbeit als Übersetzerin („The Agony and the Ecstacy of Steve Jobs“, „TRUMP“ sowie die Theaterfassung von Laurie Pennys Roman „Everything Belongs To The Future“). 2016 wurde Schulz‘ Theaterstück „Die Schwarze Flotte“ am Schauspiel Dortmund von Kay Voges uraufgeführt, 2017 folgte „Memory Alpha oder Die Zeit der Augenzeugen“ (Regie: Ed. Hauswirth).

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