NUN SPRICHT MUTTER LOTZ: „MEIN SOHN HAT GENUG MUT“

Bangt um ihren Sohn: Elisabeth Lotz (56) vor ihrem Wohnsitz in Marl. (Foto: DIE-TV)

Elisabeth Lotz ist in diesen Tagen Mutter der Nation. Ihr Sohn Bernhard Lotz hat sich als zehnter Kandidat der DIE SHOW beworben und wird in diesem Moment vom TV-Kommando durch Dortmund und Umgebung gejagt.

Seine Mutter Elisabeth (56) sitzt derweil in Marl und bangt um ihren Sohn. Wir konnten mit der besorgten Mutter über ihre bewegte Vergangenheit, Bernhard und ihre Meinung zur Sendung sprechen.

Frau Lotz, wie geht es Ihnen zurzeit?

Es geht. Man fühlt sich sehr hilflos, das ist das Schlimmste. Man weiß, dass Killer den eigenen Sohn gerade am Liebsten tot sehen würden. Das ist ein ganz und gar fürchterlicher Gedanke. Man muss versuchen, sich abzulenken.

Aber das gelingt Ihnen anscheinend kaum. Auf Ihrem Computer läuft der 24-Stunden-Livestream.

Ja, den hat uns unser Nachbar Herr Kramberg gestern eingerichtet, ich verstehe von der Technik nicht so viel. Im Grunde schaue ich auch gar nicht viel Fernsehen. Bernhard ist mit dem Fernseher aufgewachsen. Er ist da ganz anders als ich sozialisiert. Wirklich viele Freunde hatte er nicht, weil wir ja auch so oft umgezogen sind.

Ja, „Umzug“ kann man es im strengeren Sinn schon nennen, Ihre Flucht 1986. Bernhard war da gerade mal zwei Jahre alt.

Richtig, es war riskant. Letztlich haben wir es dann ja geschafft. 1985 haben wir einen Ausreiseantrag  aufgegeben, aber er wurde abgelehnt und ein Jahr später haben wir es dann hals über kopf probiert. Ich floh damals noch mit meiner Frau Eva, die es nicht über die Grenze geschafft hat.

Sie ist kurz hinter der Grenze an ihren schweren Schussverletzungen gestorben, vermutlich in Ihren Armen verblutet.

Ich versuche, mich nicht allzu oft daran zurückzuerinnern.

Wie hält ein Mensch wie Sie das aus, dass Ihr Sohn Bernhard nun ein ähnliches Risiko auf sich nimmt?

Man hofft einfach. Hoffen kann man immer, das wird einem nie genommen. Die Hoffnung auf etwas Besseres, auf eine bessere Zukunft, darauf, dass alles gut ausgehen wird. Das habe ich damals getan, das tue ich auch heute.

Nun, zumindest damals hat es ja eher wenig gebracht. Aber Sie und Ihr noch junger Bernhard kamen im sicheren Westen an.

Vor gut zwanzig Jahren zog ich nach Lünen und dann, vor fünfzehn Jahren, lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Wir sind dann nach Marl gezogen. Bernhard konnte Marl nicht ausstehen – diese Ruhe, diese ganzen Einfamilienhäuser mit Vorgärten und Autogaragen. Bernhard war schon immer ein Draufgänger, ein vollkommen wagemutiger Typ. Den Mut, den Eva und ich hatten, den hat er doppelt und dreifach. Von daher – wie gesagt – hoffe ich einfach, dass die Woche gut für ihn ausgehen wird. Mutig genug ist er auf jeden Fall.

Dafür ist Ihnen in Marl Häme gewiss. Ihre Familie ist mal wieder Stadtgespräch. Kritiker – auch im Netz – werfen Ihnen vor, sie würden nur auf das Geld aus sein.

Den Vorwurf finde ich eh äußerst weltfern. Natürlich nimmt mein Sohn wegen des Geldes an der Sendung teil. Warum denn auch sonst? Glauben Sie, er würde sich gratis und zum Spaß von drei Profi-Auftragskillern quälen lassen? Glauben Sie das?

Ich glaube gar nichts. Ich sage nur, was man so auf der Straße hört.

Wissen Sie, ich möchte meine Ruhe haben. Ich habe ein Leben hinter mir, mit so vielen Tälern und Krisen – das reicht für zehn! Endlich habe ich mein Glück gefunden. Ich stehe zu meiner Identität. Ich führe eine ruhige, beschauliche Existenz. Habe einen schönen Wohnort. Einen Mann, der mich liebt. Und nun wird wieder im Rahmen dieser Sendung alles nach oben geschaufelt. Mein ganzes Leben wird wieder in den Fokus gestellt. Dabei will ich einfach nur ein normales, ruhiges Leben. Wie jeder andere Mensch auch.

Dann eine andere Frage: Haben Sie derzeit Kontakt zu Bernhard?

Nein, das ist nicht erlaubt. Ich kann den Livestream sehen und schaue natürlich die abendlichen Zusammenfassungen im Fernsehen.

Werden Sie der Einladung zur Final-Show am Sonntag ins Dortmunder Schauspielhaus folgen?

Ich weiß es nicht. Ich werde da schon sehr belästigt. Angeblich stünde im Vertrag meines Sohnes, dass die nächsten Familienangehörigen als Gäste verfügbar sein müssen. Falls es ihn motiviert – dann werde ich natürlich kommen.

Falls Bernhard Lotz sterben sollte, haben Sie alles schon für die Beerdigung organisiert? Und haben Sie mit Bernhard über ein mögliches Ende gesprochen? Was wäre sein Lieblingstod? Erschossen, erdrosselt, ertränkt werden?

Bernhard meinte, in der fünften Staffel wurde einer kurz vor dem Ziel vergiftet. Das war ihm noch am Angenehmsten. Können wir das Thema wechseln?

Nein, ich habe eh keine Fragen mehr. Ich drücke Ihnen die Daumen, Frau Lotz!

Ja. Danke.

Über Matthias Seier

Matthias Seier wurde 1993 im Münsterland geboren. Er studierte Kultur- und Literaturwissenschaften sowie Soziologie in Dortmund und Athen. Seit der Spielzeit 2014/2015 ist er Dramaturgieassistent und betreut die Social Media-Kanäle des Schauspiels. Assistenzen u.a. bei "Das Goldene Zeitalter" (2013, Regie: Kay Voges), "Szenen einer Ehe" (2014, Regie: Claudia Bauer), "Elektra" (2015, Regie: Paolo Magelli) und "hell / ein Augenblick" (2017, Regie: Kay Voges). Seine erste Produktionsdramaturgie "Heimliche Helden" (Regie: Julia Schubert) feierte im Oktober 2016 Premiere. Gemeinsam mit Anne-Kathrin Schulz übertrug er das Stück "TRUMP" von Mike Daisey aus dem Englischen ins Deutsche. Das Internetportal nachtkritik.de ehrte ihn 2016 mit der Auszeichnung "Goldener Hashtag" für den besten Tweet des Jahres in der Kategorie "Visionär".

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