ZUM INHALT

Washington D.C. in einer nahen Zukunft. In der Stadt hat es seit sechs Jahren keinen Mord mehr gegeben. Grund dafür ist ein polizeiliches Frühwarnsystem namens PRECRIME – eine Synthese aus antikem Orakel und Computertechnik: Der PRECOG Agatha, ein quasimenschliches Wesen mit übernatürlichen Fähigkeiten, entwirft Algorithmen, die unter Zugriff auf riesige Datenberge Ort, Tatzeit und Täter voraussagen können. Der Leiter von PRECRIME, John Anderton, nimmt die zukünftigen Mörder dann fest – mitunter sogar noch bevor der Täter weiß, was er tun wird.

Jetzt soll PRECRIME landesweit eingeführt werden – doch gibt es Zweifel an der ethischen und juristischen Haltbarkeit. Darf man so viele Menschen präventiv einsperren, obwohl sie faktisch kein Verbrechen begangen haben? Danny Witwer, eine Beamtin vom Justizministerium rückt Anderton mit kritischen Fragen auf die Pelle. Der bewegt sich ohnehin am Rand des Abgrunds: Seit dem Verlust seines Sohnes ist er depressiv und drogenabhängig. Und dann der Schock: Agatha sagt einen vorsätzlichen Mord an einem Unbekannten namens Leo Crow voraus. Der Täter: John Anderton selbst.

Der Polizist muss fliehen. Er sieht sich als Opfer einer Intrige. Um herauszufinden, ob es einen Ausweg für ihn gibt, sucht er Dr. Iris Hinemann auf, die Erfinderin von PRECRIME. Hinemann erzählt dem fassungslosen Polizisten von der Existenz sogenannter MINORITY REPORTS in Agatha, Minderheiten-Berichte, die eine alternative Zukunft vorschlagen – aber von den PRECRIME-Algorithmen vorsätzlich ignoriert werden. Andertons Weltbild bricht zusammen wie ein Kartenhaus. Hat er Unschuldige verhaftet? Was hat es mit diesem merkwürdigen Fall „Anne Lively“ auf sich, der offenbar vertuscht werden sollte? Und wird er Leo Crow töten? Hat er eine Wahl?

Steven Spielbergs Film (2002) und umso mehr Philip K. Dicks Kurzgeschichte (1956) waren visionär. „Fast alles, was man in dem Film vor zehn Jahren sehen konnte, ist heute Fakt“ (John W. Whitehead, Autor und Menschenrechtler). MINORITY REPORT oder MÖRDER DER ZUKUNFT ist die zweite Dortmunder Theaterarbeit im Geiste des Manifests DOGMA 20_13, ein Zusammenschluss von Dortmunder Theaterschaffenden anlässlich der Inszenierung von DAS FEST (2013).

Über Alexander Kerlin

Alexander Kerlin ist seit 2010 Dramaturg und Autor am Schauspiel Dortmund. Er schreibt Kolumnen, Essays und Mash-Up Theaterstücke, so z.B. DAS GOLDENE ZEITALTER, DIE SHOW und DIE BORDERLINE PROZESSION (gemeinsam mit Kay Voges). 2015 organisierte er die Konferenz THEATER TRIFFT AKTION. Aus der Konferenz gingen zahlreiche Projekte zwischen Theater, Internet und Aktionskunst hervor, z.B. die "Spiegelbarrikade" mit Tools 4 Action sowie die Stückentwicklungen "Nach Manila" und "Flammende Köpfe" (beide 2017). Alexander Kerlin initiierte die Gesprächsreihe BLACKBOX. Seit 2011 Leitung des DORTMUNDER SPRECHCHORS und Regie bei Sprechchorstücken. Lehraufträge in den Studiengängen "Dramaturgie" und "Theaterwissenschaft" in Leipzig, Bochum und Frankfurt. 2014 zeichnete ihn das Land NRW für seine Arbeit mit dem Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler in der Sparte Theater aus.