GEÄCHTET – WORUM GEHT’S?

New York. Ein Apartment in der Upper East Side. Emily und ihr Mann Amir haben seine Kollegin Jory und deren Mann Isaac zum Dinner eingeladen. Alle vier sind gebildet, wortgewandt, geben sich aufgeklärt und kultiviert; ausnahmslos Umstände, die – ihr überproportionales Einkommen eingerechnet – einen Konflikt um Religion unwahrscheinlich erscheinen lassen. Doch der Firnis ist dünn: Hinter den vier schimmernden Biographien stecken verschiedene Geschichten vom Ankommen in einer Einwanderungs-Gesellschaft, die den Aufstieg eines Jeden gegen Leistung verspricht. Da ist Amir, erfolgreicher Anwalt für Wirtschaftsrecht, der sich als pakistanischstämmiger Muslim von seiner Religion losgesagt hat. Seine Frau Emily, weiß und protestantisch, ist eine von islamischer Kunst inspirierte Malerin und steht kurz vor dem Durchbruch – den sie Isaac, einem der wichtigsten Kuratoren der New Yorker Kunst-Szene, verdanken könnte. Isaac ist amerikanischer Jude und mit Jory, einer afroamerikanischen Juristin und Kollegin von Amir verheiratet. Berufl iches und Privates vermengen sich bei Salat und Brot und Wein – bis die Rede auf 9/11 kommt und von dort auf den Islam und Religion, später Iran und Israel, Ahmadinedschad und Netanjahu, Migration und Terrorismus. Themen, die den Figuren allesamt Bekenntnisse abfordern und Streit über vergessen geglaubte oder versteckte Ressentiments entfachen. Am Ende ist, wie in jedem guten Boulevard-Stück, nichts mehr wie es war…

Geächtet (Disgraced)

Geächtet, 2012 in Chicago uraufgeführt und 2016 erstmals in Deutschland zu sehen, ist das Stück der Stunde: Ayad Akhtar hat ein Stück geschrieben über die prägende Kraft von Religion und ethnischer Zugehörigkeit; es stellt auf persönliche berührende Art und Weise die Frage nach der Überwindbarkeit religiöser Gegensätze: Wie tief reichen die Wurzeln religiöser Erziehung – für Muslime, Juden, Christen? Kann eine wirkliche Emanzipation vom Glauben gelingen? Und – dies ist in unseren bewegten Zeiten vielleicht die wichtigste Frage: Vermag man hinter dem eigenen Bild des Muslims, egal ob gläubig oder nicht, den Menschenzu sehen? Geächtet, 2013 mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet, ist ein bewegendes Stück Gegenwartsdramatik, komisch und tragisch zugleich, voll geschliffener Dialoge und einer feinen, bösen Ironie.

Geächtet (Disgraced)

Ayad Akhtar, geboren 1970 in New York, wuchs als Sohn pakistanischer Einwanderer in Wisconsin auf und studierte Schauspiel und Regie in den USA und Italien. Akhtar schreibt für Theater, Film und Fernsehen. Sein erster Roman erschien 2012 – in Himmelsstürmer schildert er die Suche einer ganzen Generation junger gläubiger Muslime nach einem richtigen Leben in der westlichen Welt. Mit seinem 2012 in Chicago uraufgeführten Theaterstück Geächtet gewann er 2013 den Pulitzer-Preis.

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Über Michael Eickhoff

Michael Eickhoff, 1972 in Göttingen geboren, studierte Geschichtswissenschaft, Germanistik, Romanistik und Philosophie in Bielefeld und Paris. Während seines Studiums arbeitete er u.a. am Deutschen Literaturarchiv Marbach, am Institut Mémoires de l‘Édition Contemporaine in Paris sowie an der Universität Bielefeld (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft und Fakultät für Geschichtswissenschaft). Seine Arbeit am Theater begann er am Theater Bielefeld, noch als Regieassistent, später als Produktionsleiter. Der Wechsel in die Dramaturgie führte ihn für kurze Zeit an das Berliner Ensemble, gastweise an das Staatstheater Wiesbaden und von 2003 bis 2009 an das Theater Bonn, wo er mit zahlreichen Regisseuren Inszenierungen, Projekte, Szenische Lesungen etc. realisierte. Seit der Spielzeit 2010/11 ist Michael Eickhoff Chefdramaturg am Schauspiel Dortmund und Lehrbeauftragter an der Folkwang-Hochschule Essen (Studiengang Schauspiel Bochum). Er ist Mitglied der „dramaturgischen Gesellschaft“.

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