WÖRTERBUCH DER BORDERLINE PROZESSION


LANGFASSUNG

Beiträge von Dirk Baumann und Matthias Seier

Fotos von Birgit Hupfeld und Maximilian Steffan

 BLP = Die Borderline Prozession


A


ALLTAG, DER „Routinemäßige Abläufe bei zivilisierten Menschen im Tages- und Wochenzyklus“, die sich durch „wiederholende Muster von Arbeit und Arbeitswegen, Konsum, Freizeit, Körperpflege, sozialer sowie kultureller Betätigung und Schlaf“ auszeichnen (Wikipedia).

AN DIE NACHGEBORENEN Reimloses Gedicht von Bertolt Brecht, das zwischen 1934 und 1938 im dänischen Exil verfasst und 1939 in einem Pariser Journal veröffentlicht wurde (→EUROPA). Es ist Brechts einziges Gedicht, von dem eine Aufnahme der Autorenlesung überliefert ist. Brecht schildert sein Leben als Exilant „in finsteren Zeiten“ und seine Schuldgefühle, da er sich noch relativ unbeschadet retten konnte. Laut dem Gedicht ist unpolitische Dichtung nicht mehr vertretbar: „Das arglose Wort ist töricht“, Dichtung habe ihre Unschuld abgelegt, es müsse eine neue Sprache jenseits belasteter Vokabeln und Formen gefunden werden.

ANTIPODEN Jene Erdenbewohner, die auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs leben. Erst mit Beginn der Neuzeit war man davon überzeugt, dass auch auf der anderen Erdenseite Leben möglich sei. Zuvor hielt man die Vorstellung für völlig absurd, da Pflanzen da ja wohl kaum nach unten wachsen und Regentropfen ja wohl kaum nach oben fallen konnten. Antipoden im wörtlichen Sinne gibt es aufgrund der gigantischen Ozeane eher wenig: Neuseeland liegt unter Spanien, Argentinien unter China. Und was liegt unter dem Megastore? Die Weite des Pazifiks…

ANDERSSON, ROY Schwedischer Filmemacher (*1943). In seinen Werken (u.a. Songs from the Second Floor, 2000) paaren sich bitterer Existenzialismus mit groteskem Humor, lange, gemälde-ähnliche Einstellungen mit Kritik am nichtigen Alltagsleben.

ANTINOMIE Eine Antinomie (von griechisch ἀντί anti ‚gegen‘, νόμος nomos ‚Gesetz‘; sinngemäß „Unvereinbarkeit von Gesetzen“) bezeichnet eine spezielle Art des logischen Widerspruchs, bei der die zueinander in Widerspruch stehenden Aussagen gleichermaßen gut begründet oder bewiesen sind. Im Gegensatz zum dialektischen Dreiklang aus These, Antithese, Synthese lassen sich Antinomien nicht aufheben.

Aufhebung, DIE Für Georg Wilhelm Friedrich Hegel wichtiger Begriff im Kontext des dialektischen Dreischritts aus These, Antithese und Synthese. Die sich im Widerspruch unterscheidende These und ihre Antithese werden in der Synthese aufgehoben in etwas Neuem. Hegel meint dies in dreierlei Weise: 1) Sie werden auf eine neue Stufe erhöht, 2) Sie nivellieren sich, 3) Sie werden vor dem Vergessen bewahrt.


B


BILD, DAS Tausend Bedeutungen. Als Abbild gemeint bezeichnet es ein B. und seine Beziehung zu einem abgebildeten Gegenstand. In der Philosophie wird insbesondere in der Erkenntnistheorie (u.a. Kant) darum gestritten, in welchem Verhältnis „Urbild“ und Abbild stehen und ob es überhaupt ein Urbild geben kann. Daran schließt sich die Frage an, inwiefern die menschliche Erkenntnis überhaupt ein Abbild der Wirklichkeit sein kann (→Perspektive). Auch Wörter sind philosophisch betrachtet nichts als Abbilder, indem sie sich als Signifikanten (Bezeichnende) auf ein Signifikat (Bezeichnetes) beziehen, genau wie Sinneseindrücke und Wahrnehmungen.

BORDERLINE Engl. Bezeichnung für „Grenzlinie“. Als Krankheitsbild eine Persönlichkeitsstörung, bei der sich der Einzelne permanent auf der →Grenze fühlt, sich im permanenten „Dazwischen“ befindet, keine Heimat, kein Ziel und keinen Ruhepunkt kennt. Auslöser können (früh-)kindliche Erfahrungen sein, die das Bemühen des →Individuums stören, sich geliebt, beheimatet und zugehörig zu fühlen. Symptome sind gesteigerte Impulsivität und Instabilität in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen und das eigene Selbstbild. Ursprünglich war mit B. eine Grenze zwischen neurotischer und stoffwechselbedingter Störung gemeint, diese Vorstellung gilt aber mittlerweile als überholt.

BUNDESLADE, DIE Mythischer Kultgegenstand des Volkes Israels in der Bibel. Nach biblischer Darstellung enthielt sie u.a. die Steintafel mit den 10 Geboten, die Moses von Gott erhielt. Sie galt den Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten als Zeichen für die Präsenz Gottes unter ihnen.Borderline_Steffan_02527


C


COLLAGE„Systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten“ (Max Ernst, Maler, 1891-1976) | →Mashup

COPY AND PASTE Die Computerbefehle Strg + C sowie Strg + V, die eine beliebige Menge Text in Sekunden von Dokument zu Dokument wandern lassen. Hat in den letzten 25 Jahren still und heimlich das Schreiben revolutioniert.

CREWDSON, GREGORY *1962 in New York, Fotograf. Berühmt für seine →Inszenierten Fotografien, für die er einen mit Hollywood-Filmen vergleichbaren Aufwand betreibt. Im Zentrum seiner stets mit einem großen Team realisierten Werke stehen zumeist rätselhafte, viel Spielraum zur Interpretation lassende melancholische Situationen des US-amerikanischen Lebens, die an die Ästhetiken der Filmregisseure David Lynch oder Alfred Hitchcock erinnern. Bedingt durch den hohen Aufwand hat C. nur relativ wenige Werke veröffentlicht. | →HOLD |→Inszenierte Fotografie


D


DAMASKUS: Eine der ältesten Städte der Welt, Hauptstadt Syriens und Sitz der Assad-Regierung. Zudem wichtiger Standort eines mittlerweile undurchschaubar gewordenen Krieges mit zahllosen Kriegsparteien und Einzelkonflikten. Offiziell knapp zwei Millionen Einwohner, tatsächlich aber wohl viel mehr. Zurzeit (Stand: April 2016) wird die Stadt zu 90% von Assads Truppen gehalten. Die Lage gilt als relativ stabil trotz sich mehrender Berichte von anrückenden IS-Kämpfern. Heimat von Raafat Daboul, der bei BLP mitspielt.

DOGMA 20_13: Manifest des Schauspiels Dortmund, das anlässlich der Premiere von Das Fest 2013 veröffentlicht wurde. Es plädiert für eine engere Vernetzung von Theater- und Filmwelten sowie für die Gattung des Live-Films. BLP ist die mittlerweile fünfte Produktion des Schauspiels Dortmund, die sich den strengen Regeln des DOGMAS 20_13 unterwirft. Den Text des Manifests finden Sie auf www.theaterdo.de.

DOLLY GRIP Berufsbezeichnung beim Film. Während der BLP zieht Tobias Hoeft den Dolly-Kamerawagen in unmerklich schwankendem Tempo um Innen und Außen. Was simpel wirkt, erfordert Präzision, Ausdauer und eine geradezu zen-meisterliche Besonnenheit.

DURCHBLICK Einerseits soll jeder und alles heute möglichst transparent sein, geradezu gläsern. Andererseits umgibt uns in Zeiten von „Gegenwartsschock“ und ständiger Überforderung der Nachrichtenlage das Gefühl, dass gar nichts mehr durchschaubar ist. Durchblick ist also ganz und gar nicht reziprok: Je transparenter wir durch Algorithmen und Analysen werden, desto undurchschaubarer wird alles.


E


ENTZWEIEN UND VEREINEN Von Johann Wolfgang von Goethe beschriebenes Grundprinzip der Welt, nach der alles in der Welt entweder einer Entzweiung des Geeinten oder einer Vereinigung des Entzweiten entspringe. Dies vorausgesetzt kann man Schöpfung, Zeugung und Weiteres als diesem Prinzip gehorchend verstehen.

ERSCHÖPFUNG Geistig-körperlicher Zustand während einer großen Anstrengung bzw. als Folge davon. Von der Unfähigkeit begleitet, weiter wie geschmiert zu funktionieren und Sinneseindrücke zu verarbeiten. Kritiker der Leistungsgesellschaft sahen in der E. Potential zum Widerstand: Am Nullpunkt der Seelenkräfte ist die Empfangsbereitschaft für das Nonkonforme besonders hoch. E. der Schauspieler und/oder → Zuschauer wird auch als ästhetisches Mittel im Theater verwendet.

EUROPA. Erdteil im Westen der eurasischen Landmasse, benannt nach der gleichnamigen Figur der gr. Mythologie. Beherbergt knapp 750 Millionen Menschen, wird seit 1,2 Millionen Jahren besiedelt. Einsatzgebiet der EU (→NATO-DRAHT). Ähnlich wie der Abendland-Begriff ein Fetischobjekt für besorgte Bürger (→KULTUR (AFD)). Heimat von u.a. Shakespeare, Hitler, Voltaire, Milosevic, Beethoven, Breivik.Borderline_Steffan_02615


F


FOLKWANG Name der in Essen beheimateten, spartenübergreifenden Folkwang Universität der Künste. Karl Ernst Osthaus entlieh den Namen Folkwang 1902 aus der Edda, einer Sammlung alt-skandinavischer Götter- und Heldensagen, wo der Name den Saal der Freya bezeichnet, der Göttin der Liebe und Schönheit. In diesem Sinne wollte Osthaus Folkwang als Begegnungsstätte für alle Bürger jedweden Standes etablieren, mit der Kunst und mit der Schönheit, die er als „volkserzieherische“ Forderung verstand. Die heutige Hochschule wurde 1927 von dem Operndirektor Rudolf Schulz-Dornburg, dem Bühnenbildner Hein Heckroth und dem Choreographen Kurt Jooss gegründet, sie übernahmen den Namen Folkwang als Programm für ihre Schule: Die Verschwisterung der Musen. In der BLP stehen 9 Schauspielstudierende der Folkwang Universität der Künste mit auf der Bühne.


G


GEBURT Nicht zu lösendes Problem für die Vernunft, weil zwei Dinge zusammengedacht werden müssen, die nicht zusammen gedacht werden können: 1) Etwas kommt, das vorher nicht da war, 2) Aus dem Nichts kann nichts kommen.

GEGENWARTSSCHOCK UND NARRATIONSKOLLAPS In seinem Buch PRESENT SHOCK: Wenn alles jetzt passiert (2013) zeichnet der amerikanische Medientheoretiker Douglas Rushkoff das Bild einer Epoche, in der der Mensch durch die globale Vernetzung Vorkommnissen in aller Welt gleichzeitig ausgesetzt ist, alles sieht – und doch nichts, mit menschlichen Synapsen in ständiger Überforderung. „Der Mikrochip gibt den Takt vor. Er ist zum Sinnbild für unseren verzweifelten Versuch geworden, mit uns selbst Schritt zu halten.“ Rushkoff beobachtet im „neuen Jetzt“ außerdem einen „Bedeutungsverlust von allem, was nicht gegenwärtig ist, weil der Ansturm von allem, was genau jetzt passiert, so gewaltig ist“. Das Gegenwärtige verschlucke das Vorherige – und damit auch die Zeit, die das menschliche Gehirn dazu brauchen würde, den Gegenwartsschock überhaupt zu bemerken oder gar zu reflektieren. Was bedeutet das für die menschliche Zeit und Narration? „Wie funktioniert Politik ohne Rückgriff auf die großen Erzählungen?“, wie lassen sich „Geschichten erzählen und Werte vermitteln“, wenn wir, überflutet vom permanenten Jetzt, „nicht mehr dazu kommen, einer linearen Handlung zu folgen?“                  

GENESIS Erstes Buch der Bibel. Beginnt mit der Schöpfung der Welt, bei der Gott Licht und Finsternis, Himmel und Erde, Land und Meer voneinander scheidet (Gen 1,3-11). | →Unterscheidung

GERMAN ANGST englischer Begriff für das oft beobachtbare Fürchten, Zweifeln und sorgsame Abwägen in „deutschen“ Reaktionen auf politische oder technische Neuerungen, die von übrigen Gesellschaften auf weniger Skepsis stoßen. In seiner Zuschreibung als deutsch ein →Klischee. Beispiele: der rasche Atomausstieg nach Fukushima, das panische Verpixeln von Häuserfronten auf Google StreetView. Der Ursprung der diffusen Furchtreflexe ist umstritten: Liegt es an unverheilten Kriegstraumata, einer Übernahme des literarischen Weltschmerzes ins echte Leben oder ist es bloß Einbildung von Amerikanern? Angesichts des prompten Handelns in der Flüchtlingskrise („Willkommenskultur“) schien die G. A. für viele überwunden. | →KULTUR (AFD)Borderline_Steffan_02635

Gleichzeitigkeit des Ungleichen Beschreibung zeitlich parallel gelagerter Handlungen, die räumlich voneinander getrennt sein können. Diese Ereignisse können diametral gegensätzlich sein, wie z.B. Leben und →Tod, Krieg und Frieden, Hier und Da. Der Begriff „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ ist ein Begriff des Philosophen Ernst Bloch (1885-1977), der damit während der Endphase der Weimarer Republik erklären wollte, warum das Staatsgebilde immer mehr aus den Fugen schien: „Nicht alle sind im selben Jetzt da“, so sein Grundgedanke. „Sie sind es nur äußerlich, dadurch, dass sie heute zu sehen sind. Damit aber leben sie noch nicht mit den anderen zugleich. Sie tragen vielmehr Früheres mit, das mischt sich ein“, schreibt Bloch 1935 in „Erbschaft der Zeit“. Sowohl äußerst moderne wie auch erzkonservative Lebensstile, Handlungsweisen und Ideologien können laut Bloch zur gleichen →Zeit parallel nebenher laufen und sich teils auch überschneiden – mit oftmals großem Konfliktpotenzial. Bloch bezog diese gleichzeitige Ungleichzeitigkeit auf den mangelnden allgemeinen Fortschritt.

GRENZE, DIE Wirkliche oder gedachte Linie, die zwei Dinge voneinander unterscheidet. Diese kann u.a. politisch oder moralisch sein. G.n beruhen auf →Unterscheidungen zwischen zwei Größen, dem einen und dem anderen. Philosophisch betrachtet gelten Grenzziehungen als Voraussetzung dafür, überhaupt etwas wahrzunehmen oder erkennen zu können.


H


HEILIGKEIT Bezeichnung für etwas Besonderes, Verehrungswürdiges. Meist religiös gebrauchter Begriff und daher mit einer Bedeutung dem Transzendenten, der Sphäre des Göttlichen angehörigen versehen. Beispiele gibt es in den christlichen Kirchen reichlich, etwa den Heiligen Geist, die heilige Schriften, aber auch heilige Orte und auch Personen; zuletzt wurde etwa Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen und damit für verehrungswürdig erklärt. Im umgangssprachlichen Gebrauch umfasst das Wort aber auch Handlungen, die mit einer Bedeutung aufgeladen sind.

HINEIN – HINAUS Richtungsangaben für eine Bewegung vom Standpunkt des Sprechenden aus betrachtet (↔ Herein, Heraus). Um in etwas hinein- oder aus etwas hinausgehen zu können, muss eine →Unterscheidung zwischen einem Innen und Außen getroffen, möglicherweise auch eine →Grenze angenommen werden.

HOLD Ausruf des Fotografen →Crewdson, Gregory, mit dem er nach dem obligatorischen „Clean the set“ das Betätigen des Auslösers der Fotokamera veranlasst. Äquivalent und zugleich konträr zum beim Film verwendeten „Action“.


I


IN A MANNER OF SPEAKING Lied der amerikanischen Avantgarde-Rockband Tuxedomoon aus dem Jahr 1985. In der Bearbeitung von T.D. Finck von Finckenstein zentraler musikalischer Bestandteil in der BLP. Verhandelt mit wenigen Worten im Refrain das Ringen um Worte und Begriffe in Situationen, in denen vielleicht nur noch die Bilder sprechen: „Oh, give me the words, that tell me nothing. Oh, give me the words, that tell me everyhing.“

INDIVIDUUM von lat. individuum für ‚Unteilbares‘, ‚Einzelding‘. Zentral für die Annahme eines I.s ist seine Singularität und seine klare Abgrenzbarkeit von anderen/Gegenständen, insofern zieht das I. durch seine pure Präsenz permanente →Grenzen, indem es sich von anderen unterscheidet.

INSZENIERTE FOTOGRAFIE Im Gegensatz zum Schnappschuss bewusster, strategischer Aufbau einer fotografischen Aufnahme mit künstlerischen Mitteln. Schwerpunkt ist das Motiv, für dessen Inszenierung hoher Aufwand betrieben wird. Die I. F. weist je nach Grad ihrer Inszenierung eine Nähe zum Theater und/oder zum Film auf. Berühmte Vertreter sind u.a. →Crewdson, Gregory und →Wall, Jeff.


J


JAM Improvisiertes Zusammenspiel verschiedener Instrumente und Stimmen, welches nach kurzem Anlauf in ungeahnte Sphären abheben kann. J.s laden den Zufall an den Tisch, das nicht Komponierbare mitzugestalten.

JERICHO Stadt im heutigen Westjordanland. Im Buch →Josua der Bibel beschriebene Stadt im Heiligen Land, die Gott den Israeliten als auserwähltem Volk verspricht. Josua wird von Gott beauftragt, eine sieben Tage andauernde Prozession aus (Kriegs-)Volk, Priestern und der →Bundeslade anzuführen, an deren Ende die Posaunen von J. die Stadtmauern zum Einsturz bringen.

JOSUA, SOHN DES NUN Biblische Figur aus dem Alten Testament, Angehöriger des Stammes Ephraim. Zunächst Diener des Moses, später wird J. dessen Nachfolger und übernimmt nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten, wo sie unter dem Pharao in Sklaverei lebten, bei der Landnahme der Israeliten im Heiligen Land eine zentrale Rolle, u.a. bei der Eroberung von →Jericho. J. schafft dadurch die Grundlage für das weitere Leben des Volkes der Israeliten.


K


KLISCHEE von frz. cliché, abgenutzte, überbeanspruchte Eigenschaft. Das K. beschreibt eine Eigenschaft, die kein tatsächliches Charakteristikum der damit beschriebenen ganzen Gruppe ist, sondern höchstens einiger ihrer Vertreter. Häufig wird K. negativ gebraucht als verallgemeinernde, nicht ausreichend reflektierte Beschreibung einer Sache, Person oder Gruppe. Das K. ist als reduzierte Wahrnehmung bzw. Reduzierung eines Bilds nah verwandt mit dem →Bild und dem Vorurteil, vielleicht sind sogar alle Bilder Klischees, wie Gilles Deleuze fragt: „Was wäre ein Bild, das kein Klischee ist?“

KOPIE Hatte immer mit dem schlechten Ruf zu kämpfen, so in etwa, jedoch nicht ganz wie das Original zu sein. Imageverbesserungen durch künstlerische Produktionsverfahren im 20. Jh., die das Unperfekte und Serielle der K. selbst als Qualität entdeckten (Andy Warhol).

KULTUR (AFD): Zentraler Begriff im diskursiven Waffenarsenal der Alternative für Deutschland (AfD), vor allem die deutsche Kultur. Auf „Eigenheiten aus anderen Kulturkreisen ist keine Rücksicht zu nehmen“ (Wahlprogramm Baden-Württemberg). Schließlich sei das Ende der deutschen und europäischen Kultur (→EUROPA) besiegelt, wenn sich die Einwanderung von „Hunderten Millionen Armutsflüchtlingen“ ungehindert fortsetze. Schon jetzt drohe unserem „schönen Land“ der „kulturelle Ruin“. Die Lösung: „Klassische deutsche Stücke so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen“. Keine Lösung: „Willkommenskultur für Zuwanderer“. Sie werde schlicht „nicht gebraucht“ (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt).

KULTURELLES GEDÄCHTNIS U.a. vom Kulturwissenschaftler Jan Assmann geprägter Begriff, der einen „jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümlichen Bestand an Wiedergebrauchs-Texten, -Bildern und -Riten“ umfasst. Dieser „Wissensvorrat ist gekennzeichnet durch eine scharfe Grenze, die das Zugehörige vom Nichtzugehörigen, d.h. das Eigene vom Fremden trennt.“ Das kulturelle Gedächtnis ist damit Gegenstand der gemeinschaftlichen Erinnerung, die unterschiedlich motiviert sein kann: „Die einen erinnern sich an die Vergangenheit aus Angst, von ihrem Vorbild abzuweichen, die anderen aus Angst, sie wiederholen zu müssen.“ (Kollektives Gedächtnis und kulturelle Identität)


L


LIESSMANN, KONRAD PAUL Österreichischer Philosoph, der sich u.a. mit der Philosophie der →Grenze beschäftigt hat. Kurzgefasst plädiert Liessmann dafür, nicht bloß den einschränkenden Charakter von Grenzen wahrzunehmen und diese daher als etwas zu Überwindendes zu begreifen, sondern auch den schützenden Charakter gelten zu lassen, sei es als politische Grenze gedacht oder als moralische.

LOLITA Kurzform des spanischen Vornamens Dolores. Nach dem Skandalroman Lolita von Vladimir Nabokov (1958), in der sich der Protagonist in ein erst 12-jähriges Mädchen verliebt, hat sich der Begriff für junge Frauen durchgesetzt, die gerade die körperliche →Grenze zum Erwachsensein passieren und dadurch zum sexuellen Phantasma insbesondere älterer Männer werden. Michel Houellebecq zufolge werden Lolitas jedoch überschätzt: In seinen Romanen plädieren die Erzähler regelmäßig dafür, dass Mädchen nicht kurz vor, sondern kurz nach Beginn der Pubertät am attraktivsten seien. Egal. Der Künstler Jonathan Meese sieht im Lolitatum künstlerisch revolutionäres Potential: „Alle Lolitas sind totalst konsenslos! Alle Lolitas sind totalst vital! Alle Lolitas sind totalst zukunftsfähig!“ | →OOPS! … I DID IT AGAIN

LOOP, DER Musikalisches oder dichterisches Verfahren mit intensiver Wirkung, bei dem ein Abschnitt herauspräpariert, beliebig oft wiederholt und zu anderen L.s ins Verhältnis gesetzt wird. Dabei können Variationen durch Effekte, Rhythmusverschiebungen und Melodiewechsel erzeugt werden. L.s verändern die Wahrnehmung von Zeit.Borderline_Steffan_02941


M


MANTRA, DAS (Sanskrit: ‚Schutz des Geistes’) Formelhafte Wortfolge, die sprechend, flüsternd, singend oder in Gedanken endlos wiederholt wird, z.B. im Gebet oder in der Meditation. Bewährtes Instrument zur Ausbildung einer ausgeglichenen Grundstimmung, die negative Energien erkennt, beobachtet und gelassen ins Nichts verschwinden lässt.

MASHUP (Engl.: ‚Vermischung’) Künstlerische Praxis, die die Verbindung zweier oder mehrerer Produkte zu einem neuen betreibt. Titel eines Buches von Dirk von Gehlen mit dem Untertitel „Lob der Kopie“ (2011), das die „Kraft der kreativen Adaption“ am M. lobt.

MASTURBATION Stimulation von Geschlechtsorganen durch wiederholte und variierte Bewegung, meist mit der Hand. Die gegenseitige Masturbation ist häufig Teil des Pettings. Fast 85 % aller geschlechtsreifen Menschen masturbieren regelmäßig selbst, während der Pubertät häufig mehrmals täglich. Freud bezeichnete die M. als Ursucht, die andere Süchte begünstigt. Kant bewertete sie als „schlimmeres moralisches Vergehen als Selbstmord“ (Wikipedia).

MEERJUNGFRAU, DIE Mischwesen aus Frau und Fisch, bekannt vor allem aus Hans Christian Andersens Märchen Die kleine Meerjungfrau, die sich in einen menschlichen Prinzen verliebt und sich fortan wünscht, die →Grenze zum Menschsein zu übertreten. Ihrem Vorbild nachgebildet ist die berühmte, aber sehr kleine Kopenhagener Den lille Havfrue, aber auch der Disney-Film Arielle beruht auf Motiven aus Andersens Märchen.


N


NAPOLEON Herrschername des frz. Kaisers und Eroberungskriegers Napoleon Bonaparte, ursprünglich französischer General, bevor er 1804 Kaiser von Frankreich wurde, das er eher diktatorisch führte. Durch Feldzüge dehnte N. sein Reich über Teile →Europas aus, scheiterte jedoch schließlich, wie andere vor und nach ihm auch, an der Weite der russischen Landmasse. Wer N.s Tod inszeniert, inszeniert die Utopie einer Welt ohne Männer wie ihn. Punkt.

NATO-DRAHT: Variante des Stacheldrahts, dessen Aufgabe es ist, unerlaubtes Passieren von Personen und Fahrzeugen stark zu erschweren oder zu verhindern (→GRENZE, →UNTERSCHEIDEN). Im Vergleich zu gebräuchlichem Stacheldraht ist der Zeitaufwand, NATO-Draht zu überwinden, höher. Außerdem ist NATO-Draht gefährlicher als gewöhnlicher Stacheldraht, da die rasiermesserähnlichen Schneiden stärkere Verletzungen als Stacheldrahtdornen verursachen. Private Verwendung auf Grundstücken ist grundsätzlich nicht verboten. (→EUROPA).


O


OOPS! … I DID IT AGAIN: Pophymne der amerikanischen, damals Gerade-noch-so-→Lolita Britney Spears (*1981) aus dem Jahr 2000, in der die Erzählerin, augenscheinlich Opfer eines →WIEDERHOLUNGSZWANGS, reumütig zugibt, erneut mit den Gefühlen eines Schwarms gespielt zu haben. Brach Verkaufsrekorde in zahlreichen Ländern und führte zusammen mit ihrem Hit … Baby, One More Time zu einer weltweiten Renaissance des Schulmädchen-Looks.


P


PANTHEISMUS Geistige Strömung, welche die Natur und die Welt als eins mit Gott begreift, sich das Göttliche also in allen Äußerungen der belebten und unbelebten Außenwelt manifestiert. Damit einhergehend werden Gott und Natur identifiziert, was auf theologischer Seite auf Ablehnung stößt, da Gott in monotheistischen Religionen als transzendente Größe gilt, die über der Welt und der Natur steht und die nicht durch das Endliche begrenzt werden kann. Hochzeit Ende des 18. Jh., z.B. Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang von Goethe.

PERSPEKTIVE Bezeichnet das Verhältnis von Objekten im Raum und ihre Wahrnehmung in Bezug auf den Standort des Betrachters. Der Betrachter kann seine P. verändern, indem er seinen Standort wechselt. In der Philosophie als Strömung unter den Begriff „Perspektivismus“ gefasst, demzufolge die Wirklichkeit vom Standpunkt und den Eigenschaften des betrachtenden Individuums abhängig ist und die individuelle P. nicht als absolute Größe angenommen werden kann – erst die Kombination verschiedenster P.n ergibt eine Annäherung an die „objektive“ Wirklichkeit – wenn es die überhaupt geben kann. Bekannte Vertreter waren u.a. Friedrich Nietzsche und Gottfried Wilhelm Leibniz.

PHILIP GLASS *1937, US-amerikanischer Komponist, wird von Kritikern der „Minimal Music“ zugeordnet, einer Musik, die meist auf einfachen Akkorden beruht, die manchmal von Soloinstrumenten, aber auch von großen Orchestern in kreisenden Mustern gespielt werden. Inspiration für Glass‘ Musik liefern Literatur, Geschichte und Politik: Seine Opern handeln u.a. von historischen Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Mahatma Gandhi oder Christoph Kolumbus, außerdem sind auch literarische Werke von Edgar Allan Poe, Franz Kafka und J. M. Coetzee Vorlagen für seine Kompositionen. Daneben hat er auch Musik von David Bowie und Brian Eno zu Sinfonien verarbeitet. Seine mithin bekannteste Oper ist Einstein on the Beach, eine experimentelle Oper in vier Akten mit fünfstündiger Aufführungsdauer und enormer hypnotischer Kraft von 1975. Das Libretto besteht aus sich wiederholenden Silben, Zahlen und Gedicht-Fragmenten (→Mantra).

PROZESSION Meist religiöses Ritual, bei dem eine Gruppe von Menschen einen strengen Regeln folgenden Umzug oder Umgang vollzieht. Im Zentrum von P.n steht stets das feierliche Schreiten, begleitet von Litaneien, Gebeten, Psalmen, →Mantras o.ä. Bekannte christlichen P.n sind die Karfreitagsprozession und die Fronleichnamsprozession. Im säkularen Bereich sind P.n u.a. als Flurumgänge bekannt, bei denen Grundeigentümer ihren Besitz umschreiten, um den Besitzanspruch aufrechtzuerhalten.Borderline Bühne 2 bb


R


REMIX Obwohl mitunter etwas despektierlich Bastard-Pop genannt, ist R. in der Musik heute weitestgehend als eigenständige Kunst anerkannt (→Mashup).


S


SCHWEIGEN Verzicht auf verbale Kommunikation, bei der weder Worte noch Laute von sich gegeben werden. Insbesondere in Religionen und der Spiritualität kommt dem S. eine erweiterte Bedeutung bei, wie etwa dem Schweigegelübde bei bestimmten Ordensangehörigen. Auch im säkularen Bereich spielt das S. eine Rolle, etwa in Kino, Bibliothek, Theater, Museum oder als Aussageverweigerung vor Gericht (vgl. Beate Zschäpe bzw. Das schweigende Mädchen). Berühmtester Schweiger der Literatur ist wahrscheinlich Oskar Matzerath aus Günther Grass‘ Blechtrommel. Bei der BLP sind alle Zuschauer zu rituellem S. aufgerufen.

SENANCOUR, ÉTIENNE PIVERT DE französischer Schriftsteller und wichtiger Wegbereiter der Romantik (1770-1846). In seinen von Rousseau inspirierten Träumereien über die ursprüngliche Natur des Menschen aus dem Jahr 1799 schreibt er über das notwendige Weltprinzip, dass das große Ganze ohne Ursache oder Entscheidung existiere: „Ein und dieselbe Fruchtbarkeit bringt die Eintagsfliege und das Gestirn für tausend Jahrhunderte hervor. Ein und dieselbe Notwendigkeit zersetzt für immer sowohl den vergänglichen Wurm als auch die ebenso vergängliche Sonne.“ Das →Individuum hingegen ist für ihn isoliert ohne Ursache und Ziel. | →PANTHEISMUS, →TRAUM

SHYLOCK Jüdischer Geldleiher und Titelfigur des Shakespeare-Stücks Der Kaufmann von Venedig (1598). Bis in die Nachkriegszeit oft mit antisemitischen →Klischees dargestellt, versteht man ihn heute als gescheiterte, rachegetriebene Figur, die in einer antisemitischen Gegend ihr Dasein fristen muss. In einem der berühmtesten Shakespeare-Monologe plädiert S. verzweifelt für ein Ende der Diskriminierung: „Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht?“ Wird bei der BLP von Rafaat Daboul auf Arabisch gesprochen. |→DAMASKUS


T


THESE, ANTITHESE, SYNTHESE Dialektischer Dreischritt, der begrifflich auf Georg Wilhelm Friedrich Hegel zurückgeht. Inhaltlich beschreibt er die Unterscheidung von Behauptung, Gegenbehauptung und Aufhebung des Widerspruches in etwas Neuem. Grundsätzlich sind Thesen Behauptungen, die zu beweisen sind. | →Aufhebung

TOD Im eigentlichen Sinne nur dann eine Grenze, wenn die kulturelle Tradition eine Jenseits-Vorstellung kennt bzw. annimmt. Im deprimierenden Alternativ-Fall ist der T. das absolute Ende.

TRAUM Psychische Aktivität zumeist des Schlafs, der nicht den logischen Gesetzlichkeiten der Realität unterworfen ist und daher auch nicht-stringente und logik-brechende Inhalte haben kann. T.e sind subjektiv und treten als Tagt. und Nachtt. auf, mitunter auch als Albt. Artur Schopenhauer stellte die Subjektivität des T.s heraus: „Jeder ist der heimliche Theaterdirektor seiner Träume… Jeder ist, während er träumt, ein Shakespeare.“ Und auch Friedrich Wilhelm Nietzsche sah den T. als absolut Subjektives, als letztes Refugium des Selbst: „Nichts ist mehr Euer Eigen als Eure Träume! Nichts mehr Euer Werk! Stoff, Form, Dauer, Schauspieler, Zuschauer – in diesen Komödien seid alles Ihr selber!“ Über Freuds Traumdeutung müsste man ein eigenes ABC schreiben.Borderline_Steffan_02980


U


UNTERSCHEIDUNG Grundbegriff der Dialektik und – theologisch betrachtet – Ursprung allen Daseins, indem Gott in der →Genesis U.n trifft und so strikte Grenzverläufe markiert. U.n sind Grundlage für die Wahrnehmung überhaupt, die auf der Erkenntnis von U.n/Differenzen zwischen Gegenständen/Sachverhalten beruht. Ebenfalls Grundlage für die Annahme von →Grenzen.


V


VERSCHWUNDENER PFAD Anfangsmotiv aus Dantes „Göttliche Komödie“, in welcher der altitalienische Dichter eine Reise in Ich-Form durch die drei Reiche der jenseitigen Welt beschreibt (Hölle, Fegefeuer, Paradies). Zu Beginn spricht der Reisende: „Es war in unseres Lebensweges Mitte, Als ich mich fand in einem dunklen Walde; Denn verschwunden war der rechte Weg.“ In der Folge wird er durch verschiedene, historisch bekannte Jenseitsführer durch die drei Reiche geführt.


W


WALL, JEFF *1946, kanadischer Fotokünstler. Berühmt für seine →Inszenierten Fotografien, u.a. After Invisible Man oder The Destroyed Room. Seine z.T. von Romanen oder Werken der bildenden Kunst inspirierten Fotografien komponiert W. mit Darstellern und großem Team recht aufwendig, bis 2013 hatte er erst 166 Fotografien veröffentlicht.

WIEDERHOLUNGSZWANG Von Sigmund Freud erstmals ausbuchstabierte und später von Jaques Lacan auch „Automaton“ genannte gespenstische menschliche Eigenart, Schmerz auslösende Gedanken, Handlungen, →Träume oder Szenen immer und immer wieder zu wiederholen – z.B. im Konflikt-, Konsum- oder Suchtverhalten sowie bei der Partnerwahl. | →OOPS! … I DID IT AGAIN!


Y


YIN UND YANG Berühmtes Prinzip des Daoismus, in der zwei konträre Eigenschaften oder Kräfte ineinander wirken und – durch die Differenzen hindurch – als eine Gesamtheit erscheinen. Dabei gilt Yin als der passive, empfangende und Yang als der aktive, gebende Teil.


Z


ZEIT Jenseits der Frage, ob sie nun an sich existiert, ist ihr Empfinden von der körperlich bedingten Perspektive abhängig: Ein kurzlebiges Tier hat ein anderes Zeitempfinden als der Mensch und auch beim Menschen wandelt sich das Zeitempfinden mit zunehmendem Alter, wie schon Artur Schopenhauer konstatierte: „Vom Standpunkte der Jugend aus gesehn, ist das Leben eine unendliche Zukunft, vom Standpunkte des Alters aus eine sehr kurze Vergangenheit.“

ZITATRECHT Die Erlaubnis, unter Angabe der Quelle gemäß §63 deutsches UrhG, wörtlich übernommene Textstellen in eigenen Arbeiten zu wiederholen, sofern diese Arbeiten eine eigene ‚Schöpfungshöhe’ aufweisen. Wird allgemein begründet mit der kulturellen Weiterentwicklung einer Gesellschaft.

ZOMBIE Abgeleitet von nzùmbe aus der zentralafrikanischen Sprache Kimbundu. Bezeichnung für einen scheinbar von den Toten wiederauferstandenen Menschen, der seelenlos als Untoter auf der Erde weilt. Ursprung im Volks- und Aberglauben, der fürchtet, dass sie sich für erlittenes Unrecht oder die Nicht-Erlösung ihrer Seelen rächen wollen. Verbreitung in der (Pop-)Kultur in den 1920er Jahren durch das Buch The Magic Island des Abenteuerschriftstellers W. B. Seabrook und die dadurch ausgelösten US-amerikanischen Kinofilme und Comics. Seither fungieren Z.s als Schreckensfiguren meist ohne Bewusstsein. Berühmt wurden u.a. die Darstellungen im Musikvideo zu Michael Jacksons Thriller oder George A. Romeros Dawn of the Dead (Zombies im Kaufhaus). | →LOLITA, →TOD

ZUSCHAUER Sollte sich bei Vorstellungen der BLP sein Recht auf Freizügigkeit nutzen, um verschiedene →Perspektiven einnehmen zu können und bei zwischenzeitlicher Erschöpfung die MEGABAR aufzusuchen. Auf den Tribünen herrscht das Gebot zu →Schweigen.

ZWEITE SINFONIE Sinfonie von Gustav Mahler in c-moll, die nach sieben Jahren des Komponierens 1897 veröffentlicht wurde. Der Inhalt des fünften Satzes verlieh ihr den inoffiziellen Titel der Auferstehungssinfonie, in dem der Chor zwischen behutsamen, stillen Momenten sowie lauter, dynamischer Euphorie changiert: „Was entstanden ist, das muss vergehen! Was vergangen, auferstehen! Hör’ auf zu beben! Bereite dich zu leben!“

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