DIE BORDERLINE-STUDENTEN IM PORTRÄT (II)

Bei der nächsten, großen Premiere im Megastore, der BORDERLINE-PROZESSION, spielen neben fast dem gesamten Schauspiel-Ensemble zusätzlich neun weitere Schauspieler mit. Es sind Schauspielschüler der Essener Folkwang Universität der Künste.

Vor der Premiere am 15. April wollten wir ihnen die Gelegenheit geben, sich beim Dortmunder Publikum vorzustellen. Hier nun die nächsten drei: David Vormweg, Anja Kunzmann und Thomas Kaschel.


IMG_1493DAVID YANN VORMWEG ALTER 24 | GEBURTSORT Köln | BISHERIGE THEATERENGAGEMENTS Schauspiel Köln (Jugendclub), Schauspielhaus Bochum

Etwas, was dir viel bedeutet? Der Pate.

Wie bist du zum Schauspielen gekommen? Irgendwann war der Wunsch einfach da. Oder besser: irgendwann konnte ich ihn formulieren. In meiner Jugend bin ich viel in der Hip-Hop-Szene rumgeturnt, Graffiti und Breakdance, habe gleichzeitig meine Zeit auf dem Musikgymnasium verbracht, wäre gerne nach dem Abi in BIZ gelaufen und hätte mir meine Zukunft voraussagen lassen, aber… ich brauchte noch eine viermonatige Motorradtour durch Südostasien bevor ich erleuchtet meinen Mitmenschen mitteilen konnte, dass ich auf jeden Fall Schauspieler werde. Dann habe ich rumprobiert. Durch einen Kumpel bin ich in den Jugendclub des Schauspiel Kölns geraten. Von da aus ging es dann ziemlich schnell auf die Schauspielschule.

Wie empfindest du den Probenprozess zur Borderline Prozession? Es ist ein gigantisches Projekt, das jeden Tag spürbar wächst. Jeder Raum, im gigantischen Bühnenbild, bebt durch eine andere Energie/Atmosphäre/Geschichte. Beim Spielen muss man die Langsamkeit, die Einfachheit ertragen, die es braucht, um die Luft eines Raums dick werden zu lassen.

Kannst du die Borderline Prozession und deinen Anteil daran in wenigen Worten beschreiben? Die Borderline Prozession versucht, die Parallelität verschiedenster Leben gleichzeitig sichtbar zu machen. Mein Anteil ist es eben, einen Ort oder Raum mit Leben und einer Geschichte zu füllen.


ANJA KUNZMANN ALTER 22| GEBURTSORT München | BISHERIGE THEATERENGAGEMENTS Armada Theater: Dann weißt du, was mir gehört; Schauspielhaus Bochum: Lucrezia in Der Impresario von Smyrna

Etwas, was dir viel bedeutet? Janis Joplin.

Wie bist du zum Schauspielen gekommen? Ich kochte Blumenkohl. Dann spießte ich ihn auf. Und da war mir alles klar.

Wie empfindest du den Probenprozess zur Borderline Prozession? Prickelnd, aufregend und inspirierend. Es kommt darauf an, zu versuchen, echt und ehrlich zu sein.

Kannst du die Borderline Prozession und deinen Anteil daran in wenigen Worten beschreiben? Wir betrachten gemeinsam die Welt, bevor wir uns alleine ins Leben begeben. Das Einzelne bildet das Ganze, oder andersherum und dann explodiert es. Denn man spürt seine Nachbarn, seine Mitmenschen, aber es passiert ja gerade in den heutigen Tagen so viel auf der Erde, dass man es als Einzelner unmöglich würdig begreifen kann. Mir kommt es so vor, als würde man das, was einen beschäftigt, was neu in der Welt geschehen ist, immer in die Prozession mitnehmen.


Schauspieler II4279THOMAS KASCHEL ALTER 25 | GEBURTSORT Recklinghausen | BISHERIGE THEATERENGAGEMENTS Rottstraße 5-Theater, Bochum (seit 2011), Schauspielhaus Bochum (seit 2011)

Etwas, was dir viel bedeutet? Filme von Gaspar Noé.

Wie bist du zum Schauspielen gekommen? Es ist kein konkretes Ziel, das ich mir gesetzt habe. In meinem Leben haben sich die Dinge dahingehend entwickelt – vom Nachspielen von Western als Kind, über die ersten Bühnenerfahrungen in der Schule bishin zu meinen Erfahrungen am Off-Theater und der bald darauf folgenden Ausbildung.

Wie empfindest du den Probenprozess zur Borderline Prozession? In allererster Linie empfinde ich den Probenprozess als sehr lehrreich. Es ist eine Forschung an neuen Spielweisen und ich lerne viel von meinen Kollegen. Beim Spielen kommt es darauf an, ein Gefühl für das Ganze zu bekommen und die eigene Handlung in den Kontext des Gesamtgeschehens einzufügen. Es ist eine sehr feine Arbeit bei der es um das Eintauchen in und vor allem das Aushalten von Zuständen geht.

Kannst du die Borderline Prozession und deinen Anteil daran in wenigen Worten beschreiben? Die Borderline Prozession ist ein orchestraler Versuch, herauszufinden, woraus die Mauern der Festung Europa gemacht sind, wo es Risse gibt und wie man es gemeinsam schaffen kann, sie zum Einsturz zu bringen. Mein Beitrag besteht aus einer Berg- und Talfahrt zwischen hysterischem Lachen und der Suche nach einer Projektionsfläche für eine ungestillte Wut.

Über Matthias Seier

Matthias Seier wurde 1993 im Münsterland geboren. Er studierte Kultur- und Literaturwissenschaften sowie Soziologie in Dortmund und Athen. Seit der Spielzeit 2014/2015 ist er Dramaturgieassistent und betreut die Social Media-Kanäle des Schauspiels. Assistenzen u.a. bei "Das Goldene Zeitalter" (2013, Regie: Kay Voges), "Szenen einer Ehe" (2014, Regie: Claudia Bauer), "Elektra" (2015, Regie: Paolo Magelli) und "hell / ein Augenblick" (2017, Regie: Kay Voges). Seine erste Produktionsdramaturgie "Heimliche Helden" (Regie: Julia Schubert) feierte im Oktober 2016 Premiere. Gemeinsam mit Anne-Kathrin Schulz übertrug er das Stück "TRUMP" von Mike Daisey aus dem Englischen ins Deutsche. Das Internetportal nachtkritik.de ehrte ihn 2016 mit der Auszeichnung "Goldener Hashtag" für den besten Tweet des Jahres in der Kategorie "Visionär".

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.