DAS MASCHINENGEWEHR GOTTES

Ein Vorgeschmack zum neuen Stück von Wenzel Storch

„Was hier so freundlich gluckst, das ist der Pluderbach. Der Pluderbach fließt seit Jahrhunderten durch Nesselrode, direkt am uralten Pfarrhaus vorbei…“ Mit diesen Worten beginnt ein Kriminalstück, das uns mitnimmt in die fröhliche Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1965). Im Zentrum des Geschehens steht Nesselrode – ein verschlafenes Nest, das durch einen militanten Priester-Mutanten aus dem Gleichgewicht gerät. Drei herrenlose Messdiener begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, um dem Geheimnis ihres Seelsorgers auf die Spur zu kommen.

Schon immer hat es brave Jugendliche gegeben, die bereit waren, sich für ihren Glauben auf den Weg zu machen, sei dieser auch steil und beschwerlich. Man denke nur an die tollen Tage, als die katholische Jugend aus allen Himmelsrichtungen zum Weltjugendtag in Köln zusammenströmte: Über 1.000.000 Teens und Twens versanken im Sommer 2005 im Papsttaumel, und sogar die „Bravo“ war mit einem Poster dabei.

DAS MASCHINENGEWEHR GOTTES entführt die Zuschauer in die versunkene Welt der römisch-katholischen Abenteuerliteratur, wie sie in den Werken von Gerd Holm („Ministranten, Wald und bunte Zelte“) oder Hermann Skolaster („Der Detektiv im Kloster“) noch bis in die späten siebziger Jahre lebendig war. Die Sprache der drei Messdiener orientiert sich dabei am Duktus sakral-trashiger Jugendbuchklassiker wie „Mord auf dem Pfarrfest“ oder „Der geheime Bund“. Dabei ist das titelgebende „Maschinengewehr“ angelehnt an eine Figur der jüngeren Kirchengeschichte: an den legendären Jesuitenpater Johannes Leppich (* 16. April 1915 in Ratibor/Oberschlesien; † 7. Dezember 1992 in Münster), der sich selbst das „Maschinengewehr Gottes“ nannte. Als römisch-katholischer Wanderprediger soll Pater Leppich, der schon früh die Titelseiten der bunten Blätter schmückte, vor über 25 Millionen Menschen live gepredigt haben. Seine Kanzel stellte er am liebsten in Zirkuszelten und Fußballarenen auf, wo er „mit nasalem, fast Goebbels-ähnlichem Pathos“ die frohe Botschaft „im Jargon eines Bierkutschers“ verkündete, so das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im Januar 1954.

Mal wetterte er gegen „das Gullyloch des Sexualismus“, mal gegen „die Mischehe“, mal forderte er, „Schönheitsköniginnen“ in Arbeitshäuser zu stecken, und mal liebte er es, das eigene Publikum zu erschrecken. So rief er einem Zuhörer in Neustadt an der Weinstraße zu: „Komm her, du Schweinehund, als Priester geniere ich mich nicht, dir an die Gurgel zu springen!“ Einige seiner Massenpredigten sind überliefert und bilden die Grundlage für die

Monologe des Priester-Mutanten. Was das „Maschinengewehr Gottes“ in der kurzen Spanne zwischen der Lieferung durch den Christlichen Versandhandel und der Explosion im Pfarrgarten von sich gibt, basiert auf echten Leppich-Bonmots und ist wortgetreu den beiden Langspielplatten „Ist das Liebe?“ und „Money Motor Mädchen“ entnommen.

Auf diesen Sprechplatten, 1968 erschienen, versucht Pater Leppich den modernen „Teenagern“ die Welt zu erklären, während um ihn herum die Jugendrevolte tobt und die Sexwelle durchs Land schwappt. In die Handlung eingewoben sind ausgesuchte Perlen des Sakropop-Genres. So die berückende „Morning Has Broken“-Version des singenden Pallottiner-Mönchs Pater Heinz Perne, der in der Szene als „Gitarrist Gottes“ bekannt war. Oder der Evergreen „Ich will an deiner Seite geh‘n“, mit dem Kaplan Alfred Flury, der in den sechziger Jahren u. a. als „Leserberater“ der Zeitschrift „Pop“ wirkte, bis in die deutschen Charts vordrang.

 

Wenzel Storch (* 1961) wirkte in den siebziger Jahren als Meßdiener in Wolfsburg und Hildesheim. Nach dem Zivildienst entwarf er Muster für eine katholische Tapetenfabrik. Ende der Achtziger stellte er hinter dem Rücken der Kirche den römisch-katholischen Monumentalfilm „Der Glanz dieser Tage“ her, dem 1992 der Langhaarigen-Report „Sommer der Liebe“ und 2004 der Abenteuermärchenfilm „Die Reise ins Glück“ folgten. 2009 erschien sein heiteres und reich bebildertes Brevier „Der Bulldozer Gottes“, 2012 das Fake-Kinderbuch „Arno & Alice“ und 2013 das Kompendium „Das ist die Liebe der Prälaten“.

Zuletzt erschien das Bilderlesebuch „Wenzel Storch – Die Filme“. Wenzel Storch ist in das Goldene Buch des Bonifatiuswerkes eingetragen und immerwährendes Mitglied im Pallottiner Meßbund. Am Schauspiel Dortmund inszenierte er zum ersten Mal überhaupt im Theater, „Komm in meinen Wigwam“ war eines der Kult-Stücke in der Spielzeit 2014/15.

 

Uraufführung ist am 10. Dezember 2015 im Studio

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