„ICH LASSE TATEN STATT WORTE SPRECHEN“ – BRUNO HÜBNER IM GESPRÄCH

Run for food7

Bruno Hübner. Der Name ist mittlerweile synonym geworden mit der DIE SHOW. Als berüchtigter Kopf des ebenso berüchtigten „Kommandos“ leitet er die grausamen Spiele und die Menschenjagd gegen die SHOW-Kandidaten.

Wie tickt ein Mensch, der von Millionen dafür bejubelt wird, dass er Menschen bis in den Tod quält? Hat Bruno Hübner gar auch eine andere Seite – eine verständnisvolle, selbstkritische? Ist hinter der Oberfläche, die uns der Sender DIE-TV präsentiert, auch etwas Tieferes?

Falls ja, konnten wir es nicht herausfinden. Hübner lässt keinen an sich ran. Jeden Versuch lässt er gnadenlos abprellen, was uns schnell im Gespräch bewusst wurde. Was folgt, ist somit leider mehr nur das Protokoll einer gescheiterten Kontaktaufnahme als ein wahres Interview.

Herr Hübner, danke für das Interview. Sie gelten als medienscheu und sind eigentlich abseits der SHOW kaum für die Öffentlichkeit zu erreichen.

Das stimmt. Ich lasse Taten sprechen. Keine Worte.

In Kürze beginnt für Sie zum bereits zehnten Mal die Jagd auf einen Menschen. Diesmal ist es der Dortmunder Bernhard Lotz. Wie fühlen Sie sich und ist das mittlerweile ein ganz normaler Job für Sie?

Es ist insofern ein ganz normaler Job für mich, da ich für meine Arbeit bezahlt werde. Ich fühle mich entspannt. Sehr sogar. Hinter mir liegen Wochen intensiver Konzentration. Ich habe mich mit unserem Kandidaten auseinandergesetzt und ich glaube, ich kenne ihn jetzt. Seine Stärken, seine Schwächen. Wie die Woche verläuft, werden wir dann sehen.

Können Sie den Lesern eventuell bereits verraten, auf welche Aufgaben Bernhard Lotz sich schonmal freuen darf? Was dürfen die Zuschauer erwarten?

Das werde ich hier sicherlich nicht verraten.

Wenn Bernhard Lotz aufgibt oder den Tod findet, locken 600.000 Euro auf Sie und Ihre zwei Mitstreiter. Eine ganz schöne Menge Geld.

Sie sagen das mit so einem Unterton, als wäre das moralisch verwerflich. Aber wir arbeiten hart für dieses Geld. Auch wir haben pro Staffel kaum Schlaf und sind den ganzen Tag auf Achse. Wenn Lotz so dumm ist und sich jagen lassen will, dann jagen wir ihn halt – koste es, was es wolle. Und auch keine Kohle für uns, solange wir nicht haben, was wir wollen – den Sieg.

Moralische Bedenken haben Sie nun wirklich nicht? Sie können  nach all diesen Staffeln mit all den Todesfällen immer noch ruhig schlafen?

Wie ein Baby. Seien Sie ganz unbesorgt.

Sie waren langjähriger Präsident der Hells Angels, berieten den Verfassungsschutz, leiten nebenberuflich eine Security-Agentur. Sie machen diesen Job also wohl kaum wegen des Geldes. Was reizt Sie an der Figur des Jägers? Ist es erst das Jägerische, was uns zum Menschen macht? Machen Sie also den Job, den wir uns alle in Wahrheit wünschen würden, aber nie ausführen würden? Einen lukrativen Job jenseits von Gesetz und Moral?

Für derartige Holzhammer-Psychologie fehlt mir die Geduld. Ich mache den Job, weil ihn jemand machen muss. Der Sender suchte drei kompetente Leute, ich war einer von ihnen.

Wie und nach welchen Kriterien suchte sich der Sender das Kommando aus? Sie haben doch wohl kaum eine handelsübliche Bewerbungsmappe versandt.

Darüber bin ich nicht befugt zu sprechen, tut mir leid. Lassen Sie es mich so sagen: eine gewöhnliche Bewerbung war es nicht, mehr sagen soll und muss ich nicht.

Was denkt denn Ihr Umfeld von Ihrem eher ungewöhnlichen Job des Fernsehkillers?

Ich bekomme positives Feedback. Menschen stehen hinter mir. Hören Sie, die zehn vereinbarten Minuten fürs Interview sind jetzt gleich vorbei.

Ihre harte Schale ist kaum zu knacken. Deswegen eine andere Frage: Hätten Sie, umgekehrt gefragt, auch mal den Job von Lotz machen wollen? Den Gejagten statt des Jägers?

Vielleicht schon, sicherlich. Das kann schon sein, dass ich das mal mache. Ich weiß ja, worauf es nun ankommt. Einen Job will ich nie übernehmen – Ihren.

Warum nicht?

Macht mir keinen Spaß.

Immerhin brauche ich nicht zu schießen.

Na, dann sind doch alle zufrieden. Danke für das Gespräch, war nett mit Ihnen.

Über Matthias Seier

Matthias Seier wurde 1993 im Münsterland geboren. Er studierte Kultur- und Literaturwissenschaften sowie Soziologie in Dortmund und Athen. Seit der Spielzeit 2014/2015 ist er Dramaturgieassistent und betreut die Social Media-Kanäle des Schauspiels. Assistenzen u.a. bei "Das Goldene Zeitalter" (2013, Regie: Kay Voges), "Szenen einer Ehe" (2014, Regie: Claudia Bauer), "Elektra" (2015, Regie: Paolo Magelli) und "hell / ein Augenblick" (2017, Regie: Kay Voges). Seine erste Produktionsdramaturgie "Heimliche Helden" (Regie: Julia Schubert) feierte im Oktober 2016 Premiere. Gemeinsam mit Anne-Kathrin Schulz übertrug er das Stück "TRUMP" von Mike Daisey aus dem Englischen ins Deutsche. Das Internetportal nachtkritik.de ehrte ihn 2016 mit der Auszeichnung "Goldener Hashtag" für den besten Tweet des Jahres in der Kategorie "Visionär".

2 Gedanken zu „„ICH LASSE TATEN STATT WORTE SPRECHEN“ – BRUNO HÜBNER IM GESPRÄCH

  1. ein harter hund der hübner. kaltblütig sicher ein geborener jäger. bin gespannt ob sie den lotz zur strecke bringen werden in diesen nächsten tagen.
    SPANNEND ALLEMAL!
    kann den sonntag kaum erwarten 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.