DER LEVIATHAN DES THOMAS HOBBES

Herman Melville umschreibt den weißen Wal in seinem Roman mit der Metapher des Leviathan. Der Leviathan wird in der Bibel als Ungeheuer des Meeres beschrieben (u.a. Buch Hiob). Große Bekanntheit hat der Begriff Leviathan mit der gleichnamigen staatstheoretischen Hauptschrift von Thomas Hobbes von 1651 erlangt, der darin den Staat als Leviathan beschreibt und die Allmacht des Staates mit der Unbezwingbarkeit des biblischen Ungeheuers vergleicht. Hobbes stellt sich den Staat als einen riesigen, aus Einzelmenschen bestehenden Körper vor:

„Der große Leviathan (so nennen wir den Staat) ist ein Kunstwerk oder ein künstlicher Mensch, obgleich an Umfang und Kraft weit größer als der natürliche Mensch, welcher dadurch geschützt und glücklich gemacht werden soll. (…) Bei dem Leviathan ist derjenige, welcher die höchste Gewalt besitzt, gleichsam die Seele, welche den ganzen Körper belebt und in Bewegung setzt; die Obrigkeiten und Beamten stellen die künstlichen Glieder vor; die von der höchsten Gewalt abhängenden Belohnungen und Bestrafungen, wodurch jeder einzelne zur Erfüllung seiner Obliegenheiten angehalten wird, vertreten die Stelle der Nerven; das Vermögen einzelner Personen ist hier die Kraft, so wie das Glück des Volkes das allgemeine Geschäft; die Staatsmänner, von welchen die nötigen Kenntnisse erwartet werden, sind das Gedächtnis; Billigkeit und Recht eine künstliche Vernunft; Einigkeit ist gesunder, Aufruhr hingegen kranker Zustand und Bürgerkrieg der Tod. Die Verträge endlich, welche die Teile dieses Staatskörpers verbinden, sind jenem bei Erschaffung der Welt von Gott gebrauchtem Machtworte gleich: Es werde oder lasst uns Menschen machen.“

Trotz seiner Allmacht gesteht Hobbes dem Staat nicht unumschränkt die Herrschaft über das Individuum zu:

„Die Verpflichtung der Bürger gegen den Oberherrn kann nur so lange dauern, als derselbe imstande ist, die Bürger zu schützen; denn das natürliche Recht der Menschen, sich selbst zu schützen, im Fall dies kein anderer tun kann, wird durch keinen Vertrag vernichtet.“

Weiter fährt er fort:

„Es ist allgemein bekannt, daß kein Mensch sich durch einen Vertrag verpflichten könne, einer gewaltsamen Behandlung sich nicht zu widersetzen; darum läßt es sich auch nicht absehen, wie ein Mensch jemandem das Recht habe geben können, ihm Gewalt anzutun. Bei Errichtung eines Staats entsagt man zwar dem Recht, einen andern zu verteidigen; aber das Recht der Selbstverteidigung behält man sich vor.“

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Über Dirk Baumann

Dirk Baumann ist seit der Spielzeit 2013/14 Dramaturg am Schauspiel Dortmund. Während des Studiums assistierte und hospitierte er u.a. am Burgtheater Wien, dem Theater an der Parkaue Berlin und am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an sein Studium arbeitete er als Assistent und Dramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin und der Komischen Oper Berlin, u.a. mit Armin Petras und Sebastian Baumgarten. Daneben entstanden in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Anja Gronau und der Theatergruppe PortFolio Inc. mehrere Inszenierungen und Stückentwicklungen am Berliner Theater unterm Dach, zuletzt "Untertan. Wir sind dein Volk". Es folgte ein Engagement als Regieassistent und Dramaturg am Deutschen Nationaltheater Weimar, hier entstand auch seine erste eigene Inszenierung "Kein Ort. Nirgends" nach Christa Wolf. In Dortmund arbeitet er u.a. regelmäßig mit den Regisseuren Claudia Bauer, Sascha Hawemann und Kay Voges zusammen. Außerdem initiierte er mit der Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak die Reihe "Herbstakademie" für Jugendliche von 14 bis 21 Jahren.

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