DIE MÖGLICHKEIT DES GLÜCKS

Möglichkeit einer Insel 8

Planet Erde, im fünften Jahrtausend. Das ewige Ringen um sexuelle Attraktivität hat die Menschheit solange erschöpft, bis sie ausgestorben ist. Jedenfalls so gut wie – nur noch hier und da hausen ein paar verwilderte Exemplare in postapokalyptischen Zivilisations-Trümmern: Die Starken essen die Schwachen.
Die nun dominierende Menschenform ist der genetisch veränderte sogenannte Neo-Mensch, der alleine lebt, sich durch Photosynthese ernährt und weder Liebe noch Hass kennt. Und auch nicht das Trauma des körperlichen Alterns, denn jeder Neo-Mensch wird regelmäßig neu geklont und als Achtzehnjähriger wiedergeboren. Gefühle sind längst wegoptimiert.

Mit den emotionalen Achterbahnfahrten vergangener Zeiten beschäftigt sich folglich auch Neo-Mensch Daniel24 nur in der Theorie: Gemäß einer zentralen Lebensaufgabe seiner Art studiert er die tagebuchähnlichen Lebensberichte seines genetischen Urahns, des berühmten Comediens Daniel1, der im 20./21. Jahrhundert gelebt hat. Daniel1 erweist sich als scharfer Beobachter einer Menschheitsepoche voll Liebe, Lust, Depression und radikalem Jugendwahn, in der jeder permanent verzweifelt auf der Suche nach dem Glück zu sein scheint. Aber ist die neo-menschliche Daseinsform all dem wirklich vorzuziehen? Bald beginnt auch für Daniel24 und seinen Nachfolger Daniel25 eine Suche… Gibt es die Möglichkeit, glücklich zu werden? Wenn ja – wo kann man das Glück finden? Und wie?

Michel Houellebecq, berühmtester französischer Schriftsteller der Gegenwart, wirft in seinem 2005 erschienenen Science-Fiction Bestseller einen Blick durch die Jahrtausende. Houellebecq schaut auf die Sehnsüchte unserer Jetztzeit und in eine mögliche Zukunft – und denkt weiter, wovon viele Menschen heute träumen.

 

Foto: sputnic

Über Anne-Kathrin Schulz

Anne-Kathrin Schulz studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin, schrieb die Theaterstücke "Unter Land" (UA Junges Theater Göttingen) und "Silly Songs" (UA Schauspielhaus Hamburg), arbeitete am Schauspiel Bochum und dem Deutschen Theater Berlin und ist seit 2010 Dramaturgin am Schauspiel Dortmund sowie Lehrbeauftragte im Masterstudiengang Szenografie der FH Dortmund. 2015 schrieb sie mit Kay Voges und Alexander Kerlin „Die Show“, 2018 zusammen mit Jörg Buttgereit „Im Studio hört dich niemand schreien“, seit 2012 auch Arbeit als Übersetzerin („The Agony and the Ecstacy of Steve Jobs“, „TRUMP“ sowie die Theaterfassung von Laurie Pennys Roman „Everything Belongs To The Future“). 2016 wurde Schulz‘ Theaterstück „Die Schwarze Flotte“ am Schauspiel Dortmund von Kay Voges uraufgeführt, 2017 folgte „Memory Alpha oder Die Zeit der Augenzeugen“ (Regie: Ed. Hauswirth).

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