SCHÖN FINDE ICH DIE UNGEPLANTEN MOMENTE

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Schauspielerin Marlena Keil im Interview mit Dramaturg Dirk Baumann

Neuzugang im Ensemble: Marlena Keil verstärkt zunächst als Gast das Schauspiel-Ensemble in Dortmund. Die gebürtige Münsteranerin absolvierte ihre Schauspielausbildung am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Nach ersten Stationen in Wien am Theater der Jugend, dem Theater an der Josefstadt und dem Schauspielhaus Wien kehrte Marlena Keil wieder in ihre Heimat, das Münsterland, zurück. In Münster ist sie derzeit in „Platonow“ von Anton Tschechow am Theater Münster und in ihrem Soloabend „Zerline“ im Theater im Pumpenhaus zu sehen. Am Schauspiel Dortmund hat sie gerade mit den Proben zu ihrer ersten Produktion begonnen: Die deutsche Erstaufführung von Roman Sikoras Groteske „Das Bekenntnis eines Masochisten“ in der Regie von Carlos Manuel. Das Stück, das die Mechanismen einer einzelnen „Perversion“ humorvoll auf das moderne Wirtschaftssystem überträgt, feiert am 31. Januar im Studio Premiere.

Im interview mit Dramaturg Dirk Baumann stellt sich Marlena Keil dem Dortmunder Publikum vor.

Marlena, Du hast am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien studiert und an verschiedenen Theatern gearbeitet. Wie bist Du zur Schauspielerei gekommen? War das schon immer Dein Traumberuf?

Uns wurde als Kindern sehr viel vorgelesen. Und das Lesen und das selber Vorlesen war es dann glaube ich auch, das mich zum Spielen gebracht hat. Das erste Mal war ich ungefähr mit 15 im Theater, und das muss dann gesessen haben. Von da an habe ich Schul- und Jugendtheater gemacht und kam dann zu dem Entschluss, dass es wohl der einzige Beruf ist, in dem ich richtig gut werden könnte.

Deine Arbeit führte Dich bisher u.a. nach Wien, Berlin und Münster – worauf freust Du dich in Dortmund?

Ich freue mich auf eine Großstadt (das ist es für mich), die für mich keine falschen Allüren hat und  mir unglaubliche viele kulturelle Eindrücke vermittelt. Bevor ich nach Wien gezogen bin, hatte ich keine Vorstellung von regionaler Identität – mittlerweile fühle ich mich aber ziemlich westfälisch.

In Münster hast Du zuletzt „Platonow“ geprobt. In Dortmund laufen gerade die Proben zu „Das Bekenntnis eines Masochisten“, worin Du ab 31. Januar zu sehen sein wirst. Was ist neu, was ist anders, am Stück, am Schauspiel Dortmund?

So lange bin ich ja noch nicht dabei, um große Unterschiede benennen zu können.  Der Platonow war für mich eine Riesenproduktion. Wir sind 13 Akteure auf der großen Bühne. Der Text ist klassisch, die Handlung real und sehr gefühlsgewaltig. Der Unterschied zum „Masochisten“ ist für mich recht groß. Ich freue mich sehr auf die Produktion. Nicht nur, weil ich noch nie mit einem Text gearbeitet habe, der so viel Interpunktion enthält, sondern auch, weil es keine durchgängig feste Rolleneinteilung gibt und wir den ganzen Text als Ensemble untersuchen werden.

Gab es eine Rolle, die Du besonders gerne gespielt hast?

Am liebsten habe ich (und spiele sie immer noch) meine Diplomrolle vom Max-Reinhardt Seminar gespielt, die Magd Zerline nach Hermann Brochs „Erzählung der Magd Zerline“. Die ist von ihrem Alter und ihren Lebensumständen sehr fern von mir. Aber ich mochte es sehr, dass wir einen Weg gefunden haben, nicht die Figur zu sein sondern die Figur zu zeigen.

Theater lebt von den Live-Momenten auf der Bühne: Gibt es etwas, das Dich besonders fasziniert, wenn sich der Vorhang hebt?

Schön finde ich die ungeplanten Momente, wenn etwas droht schief zu gehen. Zum Beispiel, wenn man ein Requisit vergessen hat, und dann leicht verwirrt auf die Bühne kommt – da muss man anfangen, zu improvisieren. Solche Fehler finde ich interessant: Dadurch kann auf einmal eine Spannung oder auch eine Entspannung entstehen, die Ensemble und Publikum zusammenschweißen.

Apropos Wien: Gibt es eine speziell österreichische Qualität oder Tradition, die Du in Wien kennen gelernt und nach Deutschland „mitgenommen“ hast?

Ich könnte jetzt sehr ausführlich über Knödel schreiben… Setzen wir den Knödel auf die Bühne: einer allein macht wenig Sinn. Es muss eine sehr gute Soße dabei sein und sie müssen mit Handwerk und Liebe zubereitet werden.

In „Zerline“ stehst Du ganz alleine auf Der Bühne. Nimmst Du die Arbeit im Ensemble anders wahr? Wie unterscheidet sie sich und was bedeutet die Ensemblearbeit für Dich?

Man kann ein Spielgenie sein und sich unglaublich tief in seine Rolle einfühlen. Aber es bleibt langweilig, solange man nicht mit seiner Aufmerksamkeit voll und ganz bei seinem (Spiel-)Partner ist. In der menschlichen Interaktion liegt doch erst der Reiz am Theater, weil ich live sehe und fühle, was da zwischen zwei Menschen, oder einer Gruppe von Menschen in diesem Moment abgeht.

Foto (c): Ulrike Rindermann

Über Dirk Baumann

Dirk Baumann ist seit der Spielzeit 2013/14 Dramaturg am Schauspiel Dortmund. Während des Studiums assistierte und hospitierte er u.a. am Burgtheater Wien, dem Theater an der Parkaue Berlin und am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an sein Studium arbeitete er als Assistent und Dramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin und der Komischen Oper Berlin, u.a. mit Armin Petras und Sebastian Baumgarten. Daneben entstanden in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Anja Gronau und der Theatergruppe PortFolio Inc. mehrere Inszenierungen und Stückentwicklungen am Berliner Theater unterm Dach, zuletzt "Untertan. Wir sind dein Volk". Es folgte ein Engagement als Regieassistent und Dramaturg am Deutschen Nationaltheater Weimar, hier entstand auch seine erste eigene Inszenierung "Kein Ort. Nirgends" nach Christa Wolf. In Dortmund arbeitet er u.a. regelmäßig mit den Regisseuren Claudia Bauer, Sascha Hawemann und Kay Voges zusammen. Außerdem initiierte er mit der Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak die Reihe "Herbstakademie" für Jugendliche von 14 bis 21 Jahren.

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