„FÜR ANGST HAB ICH KEINE ZEIT“

Am 23. August feiert die Die Show ihr zehntes Staffelfinale und gleichzeitig ihre Premiere im Schauspiel Dortmund.  Die Grundregeln der Show: Der Kandidat muss in sechs Tagen sechs unlösbare Aufgaben überleben und wird am letzten Tag für vogelfrei erklärt.

Erstmals wird mit Bernhard Lotz (43) ein Dortmunder an der umstrittenen TV-Sendung „Die Show“ teilnehmen. Der Bäckereiangestellte trainiert täglich vor Schichtbeginn am Phoenix-See. Wir sprachen mit Lotz über seine Zukunft, seine Teilnahme an der Show sowie die Angst vor dem Tod.

Bernhard Lotz erhält vom Moderatorenduo Bodo Aschenbach und Ulla die Einladung zur Show. (Foto: DIE TV)
Bernhard Lotz erhält vom Moderatorenduo Bodo Aschenbach und Ulla die Einladung zur Show. (Foto: DIE TV)

Herr Lotz, in ein paar Monaten wird DIE SHOW ihr zehntes Staffelfinale senden. Seit einigen Tagen steht fest – mit Ihnen als Kandidat!

Ich bin wirklich aufgeregt.  Am Dienstag hatte ich in der Nachtschicht bei der Bäckerei Kilders, in der ich arbeite. Plötzlich kamen ein Kamerateam und das Moderatoren-Duo Bodo und Ulla rein und überreichten mir die Einladung zur Show. Meine Kollegen wussten gar nicht, was sie sagen sollten. Und auch ich war total baff: in der einen Minuten legt man noch Brezeln, in der anderen ist man groß in den Medien!

Da waren Sie doch bestimmt ganz aus dem Häuschen, oder?

Klar. Ich habe für alle meine Freunde erstmal eine große Party geschmissen. Eine Einladung in solch eine Sendung muss man gebührlich feiern.

Haben Sie keine Angst vor dem, was vor Ihnen liegt? DIE SHOW ist ja berüchtigt für ihre lebensgefährlichen Situationen. Für viele Ihrer Vorgänger endete die Sendung im Grab. Kandidaten, die abbrechen, ist Häme und soziale Isolation gewiss.

Ich bin mir der Risiken bewusst, klar. Ab sofort wird täglich so hart trainiert wie nie zuvor. Denn die Vorstellung, mein Leben lang Brötchen in den Ofen zu schieben und ewig lang auf Urlaub hinzusparen, finde ich noch viel schlimmer. Was man gemeinhin unter „Alltag“ versteht, halte ich für eine einzige große Zeitverschwendung. Meine Großmutter sagte immer: Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch! Der Spruch ist mittlerweile recht altbacken, aber dennoch nicht weniger wahr. Ich bin ein zäher Kämpfer. In der Realschule haben sie mich alle immer „Rambo“ genannt. Und das bin ich auch – ein Rambo mit Herz. Die Chance auf eine Million Euro – die wird mich motivieren. Und das wird man in der Show auch merken.

Was sagen Ihre Angehörigen dazu?

Meine Eltern sind nicht so begeistert, was ich aber auch verstehen kann. Mein Vater findet es unverantwortlich, mein Leben für ein bisschen TV-Aufmerksamkeit wegzuwerfen. Meine Mutter macht sich natürlich große Sorgen. DIE SHOW ist halt auch nicht so sehr für ihre Generation. Aber ich werde von meiner Freundin unterstützt. Sie hält zu mir und dafür bin ich sehr dankbar.

Im August beginnen die Dreharbeiten in Dortmund. Sechs Tage lang müssen Sie auf einer Flucht durch ganz Dortmund fast unlösbare, oft auch schmerzhafte oder bedrohliche Situationen meistern. Was dürfen wir erwarten?

Wenn ich das mal wüsste! Ich weiß genauso wenig wie Sie. Das ist alles noch ein großes Geheimnis, das erst in der Sendung gelüftet wird.

Sie sind 43. Alle anderen Kandidaten waren jünger. Ganz Deutschland wird zusehen, wie Sie leiden – und vielleicht auch scheitern – werden. Ganz ehrlich: Sie haben wirklich gar keine Angst?

Angst ist was für Leute, die zuviel Zeit zum Nachdenken haben. Ich träume von einer besseren Zukunft für mich und meine Freundin. Angst hat in dieser Zukunft keinen Platz, sonst kann man es gleich sein lassen.

Das große Staffelfinale läuft dann am 23. August live im Schauspielhaus.

Ich kenne mich nicht so sehr in der Theaterwelt aus, aber ich finde es klasse, dass die Produktionsfirma die Erlaubnis des Theaters bekommen hat, dort zu senden. Sicherlich werden viele meiner Freunde im Publikum sein.

Kritiker werfen der Sendung unmenschliche Gewalt- und Sensationslust vor. Der Sender bereichere sich am Leben und Sterben seiner Kandidaten. Was sagen Sie dazu?

Man muss heute den Leuten etwas bieten. Damals waren es Gladiatorenkämpfe oder Wettringen mit Löwen im berühmten Athener Kollosseum. Heute findet der Nervenkitzel halt hinter dem Fernsehbildschirm statt. Dass der Sender damit viel Geld verdient, finde ich nicht verwerflich – die Produktion der Sendung kostet halt sehr viel. Und außerdem: Wer eine gute Idee hat, soll dafür gut entlohnt werden!

Was machen Sie noch bis August?

Ich möchte so viel Zeit mit meiner Freundin verbringen wie möglich. Vielleicht fahren wir für ein Wochenende noch ins Sauerland. Und wenn ich das Geld habe, dann gibt’s eine große Weltreise.

Über Matthias Seier

Matthias Seier wurde 1993 im Münsterland geboren. Er studierte Kultur- und Literaturwissenschaften sowie Soziologie in Dortmund und Athen. Seit der Spielzeit 2014/2015 ist er Dramaturgieassistent und betreut die Social Media-Kanäle des Schauspiels. Assistenzen u.a. bei "Das Goldene Zeitalter" (2013, Regie: Kay Voges), "Szenen einer Ehe" (2014, Regie: Claudia Bauer), "Elektra" (2015, Regie: Paolo Magelli) und "hell / ein Augenblick" (2017, Regie: Kay Voges). Seine erste Produktionsdramaturgie "Heimliche Helden" (Regie: Julia Schubert) feierte im Oktober 2016 Premiere. Gemeinsam mit Anne-Kathrin Schulz übertrug er das Stück "TRUMP" von Mike Daisey aus dem Englischen ins Deutsche. Das Internetportal nachtkritik.de ehrte ihn 2016 mit der Auszeichnung "Goldener Hashtag" für den besten Tweet des Jahres in der Kategorie "Visionär".

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