DIE BORDERLINE-STUDENTEN IM PORTRAIT (I)

Bei der nächsten, großen Premiere im Megastore, der BORDERLINE PROZESSION, spielen neben fast dem gesamten Schauspiel-Ensemble zusätzlich neun weitere Schauspieler mit: sie sind  Schauspielschüler der Essener Folkwang Universität der Künste.

Vor der Premiere am 15. April wollten wir ihnen die Gelegenheit geben, sich beim Dortmunder Publikum vorzustellen. Hier nun die ersten drei: Paulina Alpen, Michael Wischniowski und Carl Bruchhäuser.


Paulina AlpenPAULINA JOLANDE ALPEN

ALTER 23 | GEBURTSORT Mering bei Augsburg | BISHERIGE THEATERENGAGEMENTS Eröffnung der Wiener Festspiele 2007, mehrere Produktionen am Theater… und so fort in München 2011 – 2013, Gastspiel am Schauspielhaus Bochum 2016

Etwas, was dir viel bedeutet? Ich sage jetzt einfach mal Pina Bausch, weil sie es schafft, Tanz und Theater zusammen zubringen.

Wie bist du zum Schauspielen gekommen? Ich stand mit 7 Jahren schon auf der Bühne, jedoch als Tänzerin. Mit 18 Jahren wurde mir klar, dass ich noch was anderes suche, und fing mit der Schauspielerei an. Richtig überzeugt, dass ich Schauspielerin werden will, war ich aber erst nach einem Theaterbesuch im Münchner Volkstheater. Das Stück war nicht besonders, aber es gab einen Schauspieler, der mich so berührt hat, dass ich im selben Moment dachte, das will ich auch, andere berühren.

Wie empfindest du den Probenprozess zur Borderline Prozession? Ich finde die Proben sehr anstrengend und nervenaufreibend, aber auch unglaublich spannend. Es gibt keine Probe, wo ich rausgehe und denke, war ja ganz nett heute. Entweder bin ich echt frustriert, weil nichts funktioniert hat, oder euphorisch, weil so viel funktioniert hat. Man ist wie in einer Welt, in einer Meditation. Wenn ich aus einer Probe rauskomme, dauert es eine Weile, bis ich mich wieder normal fühle. Beim Spielen kommt es, glaube ich, vor allem auf den eigenen Mut an. Den Mut, Situationen auszuhalten und nicht sofort die perfekte Lösung parat zu haben. Den Mut, Fehler zu machen und zu scheitern. Den Mut, sich Dinge zu trauen, und den anderen Spielern zu vertrauen. Und natürlich auf den Spaß am Spiel.

Kannst du die Borderline Prozession und deinen Anteil daran in wenigen Worten beschreiben? Für mich ist die Borderline Prozession ein Versuch, die Welt in all ihren Facetten darzustellen. Und ich bin ein kleiner Teil von einem großen Ganzen, der mit versucht.


MICHAEL WISCHNIOWSKI

ALTER 25 | GEBURTSORT Coburg | BISHERIGE THEATERENGAGEMENTS Aktuell in Der Impresario von Smyrna (Regie: Marco Massafra) am Schauspielhaus Bochum

Etwas, was dir viel bedeutet? Vielleicht ist es ein Klischee, aber ich mag Shakespeare.

Wie bist du zum Schauspielen gekommen? Mit Gummi.

Wie empfindest du den Probenprozess zur Borderline Prozession? Ich hab unglaublich viele Fragen. Immer wieder das Gefühl etwas endlich verstanden zu haben, um dann zu erkennen, dass ich völlig auf dem Holzweg liege. Also worauf kommt es beim Spielen an? Wenn ich das nur wüsste…

Kannst du die Borderline Prozession und deinen Anteil daran in wenigen Worten beschreiben? Ich versuch es mal, so weit ich das kann: Für mich ist die Borderline Prozession eine Meditation über Gleichzeitigkeit, von vielen verschiedenen Leben. Nebeneinander. Manchmal auch miteinander. Oder alleine. Ich bin eines davon. Vielleicht auch noch ein zweites. Oder drittes.


CARL BRUCHHÄUSER

ALTER 25 | GEBURTSORT Lahnstein | BISHERIGE THEATERENGAGEMENTS „Ein Traumspiel“ von August Strindberg (Regie: Laura N. Junghanns) im Rottstr.5-Theater Bochum, „Der Impresario von Smyrna“ von Carlo Goldoni (Regie: Marco Massafra) am Schauspielhaus Bochum

Etwas, was dir viel bedeutet? Siddhartha von Hermann Hesse… mit 12 habe ich es das erste Mal gelesen und fühlte mich wie erleuchtet, war mir sicher, dass die Wohnzimmerlampe und ich sind, was wir sind und zwar eins. Das zweite Mal habe ich es dann mit 19 gelesen, verwirrt und verwundet vom frischen Erwachsensein, da war die Geschichte plötzlich neu und heilsam. Wenn ich dem Siebenjahreszyklus treu bleibe, ist es bald wieder soweit: Ich bin gespannt, was es nun mit sich bringt! Schönerweise habe ich das Gefühl, wieder alles vergessen zu haben.

Wie bist du zum Schauspielen gekommen? Wie der Vater so der Sohn. So lautet auch mein Artist Diploma (Studien-Abschlussarbeit), das ich gemeinsam mit meinem Schauspielervater Karl Bruchhäuser Anfang nächsten Jahres auf die Bühne bringen werde.

Wie empfindest du den Probenprozess zur Borderline Prozession? Diese Frage stelle ich mir jeden Tag. Die Tatsache, das ich nun auch nach einer halben Stunde Hirnkrampf und vor Anstrengung verzerrtem Gesicht keine kompakte oder mich befriedigende Antwort hervorbringe, sagt mir, dass der Prozess existenziell ist. Ich habe mich jedenfalls noch nie so ernsthaft mit den Fragen auseinandergesetzt, „Was bedeutet SPIELEN?“ und „Was bedeutet MENSCH sein?“. Worauf es spielerisch ankommt, dazu könnte ein jeder von uns mittlerweile wahrscheinlich ein Handbuch herausgeben: Es geht ums SEIN, AUSHALTEN, ENTSCHLOSSENHEIT, NICHTS TUN…

Kannst du die Borderline Prozession und deinen Anteil daran in wenigen Worten beschreiben? Für mich ist die Borderline Prozession wie ein Gottesdienst, zu dem man geht. Einer, bei dem durch das Zusammenwirken von allem und allen ein kleiner fragiler aber magischer Kosmos entstehen kann, in dem man versucht Grenzen zu finden, zu testen, vielleicht zu überwinden.

Über Matthias Seier

Matthias Seier wurde 1993 im Münsterland geboren. Er studierte Kultur- und Literaturwissenschaften sowie Soziologie in Dortmund und Athen. Seit der Spielzeit 2014/2015 ist er Dramaturgieassistent und betreut die Social Media-Kanäle des Schauspiels. Assistenzen u.a. bei "Das Goldene Zeitalter" (2013, Regie: Kay Voges), "Szenen einer Ehe" (2014, Regie: Claudia Bauer), "Elektra" (2015, Regie: Paolo Magelli) und "hell / ein Augenblick" (2017, Regie: Kay Voges). Seine erste Produktionsdramaturgie "Heimliche Helden" (Regie: Julia Schubert) feierte im Oktober 2016 Premiere. Gemeinsam mit Anne-Kathrin Schulz übertrug er das Stück "TRUMP" von Mike Daisey aus dem Englischen ins Deutsche. Das Internetportal nachtkritik.de ehrte ihn 2016 mit der Auszeichnung "Goldener Hashtag" für den besten Tweet des Jahres in der Kategorie "Visionär".

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