„WIE EIN GESAMTKUNSTWERK“

„Wie ein Gesamtkunstwerk.“

Nane Thomas über die Besonderheiten des Bühnenbilds von DAS INTERNAT.

Es ist, als wäre Fritz Lang wieder auferstanden und hätte ein perfektes Räderwerk in Gang gesetzt.“ Das schrieb die Süddeutsche Zeitung kurz nach der Premiere über die Inszenierung „Das Internat“ von Ersan Mondtag – ein hochmusikalischer, düster-assoziativer Abend voller einprägsamer Bilder und einer Geschichte um Macht und Revolte.

Ein besonderer Hingucker ist dabei das Bühnenbild, das ebenfalls von Ersan Mondtag gestaltet und konzipiert wurde: ein opulentes, sich ständig drehendes, zweistöckiges Internatsgemäuer – einerseits groß und offen, andererseits schaurig und eng. Zweifelsohne ist das Bühnen- und Kostümbild von „Das Internat“ das Aufwändigste, die in den letzten Jahren im Schauspiel Dortmund zu sehen waren.

Wir haben mit der Bühnenbild-Assistentin Nane Thomas über „Das Internat“ und dessen Bühne gesprochen.


Was ist das Besondere für dich an diesem Bühnenbild?
Auf jeden Fall, wie detailliert es ist. Jeder Quadratzentimeter des Bühnenbilds wurde eigenständig von unserem Theater-Malsaal bemalt. Die dortigen Mitarbeiter haben sich über den Auftrag gefreut, weil sie recht frei nach dem Modell des Bühnenbilds malen durften: es gab keine definitiven Vorgaben, sondern sie hatten bloß das Modell und wussten, dass es „so in etwa“ ausschauen sollte. Sie waren also freier und kreativer in der malerischen Gestaltung des Bühnenbilds als sonst üblich.

Wenn man sich die Inszenierungsfotos anschaut, wirken sie beinahe wie Gemälde und man sieht erst auf dem zweiten Blick, dass es echte Fotos sind. War dieser Stil beabsichtigt?
Ja, definitiv. Man sieht ganz schnell den eigenen Stil: die bunten Farben, die etwas schiefen Linien, den dicken Pinselstrich. Es sollte auch durchaus ein wenig unbeholfen oder wie eine Kinderzeichnung eines Grusel-Internats aussehen. Und trotzdem wirkt es ja sehr schaurig, schwarz-romantisch, wie ein Gemälde von Edvard Munch.

Wie lang haben die Mitarbeiter des Malsaals für die Bemalung des Bühnenbilds gebraucht?
Eigentlich nicht länger als sonst. Vielleicht auch, weil sie freier malen durften als sonst. Ich kann natürlich nicht komplett für den Malsaal sprechen, aber ich glaube, das war ein tolles Bühnenbild für sie. Ich habe die Requisiten mitgestaltet. Wir sind da mehr oder weniger selbstständig drangegangen und haben gemerkt, was für Requisiten dem Stück noch fehlen: Teller, Löffel, Waffen… Ähnlich wie die Kostüme, die von der Kostüm-Assistentin Annika Lu Hermann bemalt wurden, waren wir da in der Gestaltung recht frei. Damit wirkt auch alles – vom Raum bis zu den Kostümen bis zum Requisit – wie ein Gesamtkunstwerk, wie aus einem Guss.

„Selten erlebt man in Theaterräumen eine optisch so spektakuläre und umfassende Welt-Entrückung. Vögel kreischen, schwarze Burgzinnen ragen, aus einem dunklen Wald glühen rote Augen, eine Drehbühne kreist im langsamen Dauerloop zu schwarz-romantisierenden Geigen. Immer neue dunkle Kammern öffnen sich, man könnte sich schwindlig sehen.“
(Theater heute)

Auch die Bühnentechniker sind während einer Aufführung von „Das Internat“ backstage schwer beschäftigt. Was genau ist deren Job?
Da die Bühne sich dreht, gibt es kaum lange Umbauzeiten. Die Bühnentechniker müssen also, während die Bühne sich dreht, backstage die Tische oder Schulpulte in die Räume tragen. Das ist immer etwas hektisch, aber es funktioniert wie ein Uhrwerk – und der Zuschauer im Saal bekommt davon gar nichts mit.

Das Bühnenbild ist sehr aufwändig und anspruchsvoll. Was macht dieses Bühnenbild denn aufwändiger als andere?
Zum Einen liegt es daran, dass es auf unserer Drehbühne steht und permanent in Bewegung ist. Damit das geht, muss man bei der Konzeption auf viele Details achten. Aber auch die Doppelstöckigkeit von Ober- und Untergeschoss ist besonders. Der Wald, der auf der oberen Schräge des Bühnenbilds steht, beeinflusst stark, wie die Sichtlinien funktionieren. Also musste es so funktionieren, dass man in der ersten Reihe und auch im obersten Rang noch alles und jeden Raum gut sehen kann. Dadurch, dass sich das Bühnenbild dann auch noch ständig dreht, ist das eine knifflige Aufgabe.

Gibt es denn überhaupt noch Möglichkeiten, das Bühnenbild zu ändern, sobald es einmal aufgebaut ist? 
Ja, wir haben bis zur Premiere noch Elemente daran verändert. Unter anderem haben wir mit einem Statiker berechnet, wie stabil und sicher das Bühnenbild ist. Es ging aber auch um die Beleuchtung von Rainer Casper, die einen großen Anteil an der Imposanz des Bühnenbilds hat. Es ist ständig in Bewegung, und dazu sehen wir dadrin Menschen in Bewegung. Es ist wirklich schön, anzuschauen und es zieht einen sehr in den Kosmos des Stücks hinein.


Alle Termine von DAS INTERNAT bis Juli.

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