„WAS WILL MAN EIGENTLICH MEHR?“ – PHILIPPE HEULE IM INTERVIEW

Philippe Heule

Der Schweizer Dramatiker Philippe Heule im Interview mit Dramaturg Dirk Baumann


Dein Stück „Die Simulanten“ lässt fünf Menschen in einem Raum aufeinandertreffen. Sie wissen nicht, wie sie dort hingekommen sind oder wie sie dort wieder herauskommen sollen. Wie würdest Du diese Anordnung beschreiben?

Ich habe nach einer Situation gesucht, die meine Wahrnehmung der Welt reflektiert: Es ist ein Raum, in den die Figuren einfach hineingeworfen werden. So wie man als Mensch ja auch einfach auf die Welt geworfen wird und nicht genau weiß, was man hier macht. Gleichzeitig hat mich der Theaterraum als Therapieraum bzw. als Ort der Reflexion interessiert. Im Falle der „Simulanten“ eher eine hysterische Reflexion, die nirgendwo genau hinführt.

Hast Du bei den fünf Figuren ein bestimmtes Bild vor Augen gehabt?

Im Schreibprozess war mir der Zustand und die Situation wichtiger als die Frage, was das für Figuren sind. Ich wollte einen Lebensstil einfangen, dieses Gefühl nie irgendwo anzukommen und die Situation, dass immer mehr Menschen Fernbeziehungen führen, auch in meinem eigenen Umfeld. Und dann haben sich Tendenzen gebildet, die ich auf fünf Sprecher verteilt habe. Aber vom Text selbst her würde ich erstmal nicht von Figuren sprechen.

Repräsentieren diese Sprecher eine Generation? War es Dir wichtig, dass es junge Menschen sind?

Nicht direkt. Aber natürlich schreibe ich stark von mir aus, von meinen Erfahrungen in meinem Umfeld, meinem Lebensgefühl, wobei das natürlich überhöht und ins Extreme getrieben ist. Wenn ich schreibe, möchte ich einen Grundzustand der Welt beschreiben und ein Abbild davon schaffen, wie ich diesen Zustand wahrnehme.

„Wenn ich schreibe, möchte ich einen Grundzustand der Welt beschreiben.“

„Die Simulanten“ ist ein sehr ungewöhnliches Stück, sowohl im Inhalt als auch in seiner Struktur. Die Ebenen zwischen Fiktion und Realität vermischen sich laufend. Als Zuschauer denkt man oft „Aha, jetzt habe ich es verstanden“, doch dann reißt einem der Text den sicher geglaubten Boden unter den Füßen weg. Wie hast Du das Stück erarbeitet?

Ich habe mit einer langen Sammelphase begonnen, bei der ich noch gar nicht an die Struktur gedacht habe, sondern erstmal für mich dieses Thema „abgehört“ habe. Einerseits von mir selbst aus und meinen eigenen Fernbeziehungserfahrungen, aber auch von denen anderer. Darüber hinaus habe ich mit Recherchen und Fragmenten gearbeitet, die ich auf anderen Wegen gefunden habe. Diese Sammlung habe ich schon in dialogischer Form festgehalten, sodass „Replikenhaufen“ entstanden. Davon hatte ich dann bestimmt 200 Seiten, die ich vor mir ausgebreitet habe, um damit zu puzzeln. Dabei fand ich Querverweise, sah, was zusammenpasst, und so entstand dann langsam die Struktur. Aber natürlich hatte ich schon vorher die Phantasie, dass ich mit Realitätsverschiebungen arbeiten möchte, dass immer die Frage im Raum stehen sollte, wo man sich eigentlich befindet und was genau die Situation ist.

Ekkehard Freye Bettina Lieder Julia Schubert Björn Gabriel
Ekkehard Freye, Bettina Lieder, Julia Schubert, Björn Gabriel

In der Versuchsanordnung Deines Stückes gibt es anscheinend einen „Clou der ganzen Sache“: Die Simulation der UN-Weltklimakonferenz. Was hat es damit auf sich?

Neben dem Thema Fernbeziehungen war die Beschäftigung mit Konferenzen ein weiterer Impuls bei der Entstehung der „Simulanten“. Es gibt ja ohne Ende Konferenzen und Krisengipfel, die sich ständig ablösen. Ich habe den Eindruck, dass das Fazit dieser Gipfel und Konferenzen meistens in etwa so lautet: „Ja, wir haben miteinander gesprochen, es war auch gut, dass wir das gemacht haben, aber beim nächsten Mal müssen wir dann wirklich mal etwas festlegen.“ Es wird sich immer zum nächsten Gipfel vertagt, aber nie wirklich etwas festzulegen. Und wenn doch, dann nur wenig, wie im Falle von UN-Weltklimakonferenzen. So war es auch bei der Weltklimakonferenz 2015 in Paris. Ich habe das Stück danach noch einmal umgearbeitet, weil es da plötzlich diesen Hype und diesen Anspruch gab, dass man es hier endlich schaffen würde. Oberflächlich gab es eine Einigung, aber kurz darauf wurde die dann wieder relativiert. Man kann diese Einigungen so leicht aushöhlen, dass es eigentlich gar keine wirklichen Einigungen sind. Solche Konferenzen und Gipfel sind eher Simulationen eines Zusammenkommens als irgendetwas anderes. Und dieser Zustand hat mich interessiert: Eigentlich wissen wir ja alle, dass das Nichts und der Weltuntergang in Form des Klimawandels lauern, aber wir reden uns um Kopf und Kragen, um unsere Befindlichkeiten und unsere Bedingungen, wie wir miteinander umgehen. Und am Ende bleibt es eben immer nur ein Reden, das kein Handeln nach sich zieht. Das Handeln lässt sich immer wieder aufschieben.

Schließlich haben sich die beide Themenfelder miteinander verschmolzen. Ich bin über den Begriff „Internationale Beziehungen“ darauf gekommen, dass eigentlich alle Länder und Nationen internationale Fernbeziehungen führen, jedes mit jedem. Wenn sich diese Nationen nun auf einem Gipfel treffen, ist das auch in einer bestimmten Weise wie bei einer Fernbeziehung. Und das finde ich spannend: Wenn sich etwas Privates mit einem globalpolitischen Thema vermengt und sich das globalpolitische Thema wiederum anbindet an sich selbst und auf diese Weise abstrakte Vorgänge näher an uns herankommen.

„Konferenzen und Gipfel sind eher Simulationen eines Zusammenkommens als irgendetwas anderes.“

Und welche Rolle spielt für Dich dabei Leonardo DiCaprio, der in Deinem Stück auch vorkommt?

Auf den bin ich im Zuge meiner Recherchen zum UN-Weltklimagipfel gestoßen. Leonardo DiCaprio ist ja UN-Friedensbotschafter für Klima und hat schon mehrfach auf UN-Weltklimakonferenzen gesprochen. Ich habe mir seine Reden angeschaut, gerade seine erste von 2014 hat mich sehr inspiriert: In der sagt er, dass er als Schauspieler ja nur „so tut als ob“, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das sei eben sein Beruf, aber er habe den Eindruck, dass das auch alle anderen auf dem Klimagipfel so sehen würden. Sie machten den Anschein, eigentlich auch nur Schauspieler zu sein, die nur so tun als ob, aber nicht wirklich handeln. Und dies richtet er als Vorwurf an die Vertreter dieser Konferenz: Er fordert sie auf, nicht nur schauzuspielen, sondern wirklich etwas zu verändern. Das finde ich ein unglaublich spannendes Bild, das sich mit meinen Überlegungen gedeckt hat. Andererseits ist Leonardo DiCaprio natürlich Multimillionär, der eine eigene Insel besitzt und wahrscheinlich jeden dritten Tag in einem Düsenjet um die Welt fliegt, um an irgendwelchen UN-Versammlungen oder Preisverleihungen teilzunehmen. Das finde ich einen interessanten Widerspruch als Figur.

Björn Gabriel Ekkehard Freye Sebastian Kuschmann Bettina Lieder Julia Schubert
Björn Gabriel, Ekkehard Freye, Sebastian Kuschmann, Bettina Lieder, Julia Schubert

In einem Statement hast Du einmal gesagt, Dich interessiert das „Umkreisen von schwarzen Löchern“. In „Die Simulanten“ hast Du die Angst vor einem schwarzen Loch in den Text eingeschrieben. Was ist das schwarze Loch für Dich?

Es hat für mich eine große Bedeutung als Bild. Als Impuls zum Schreiben, bei dem man ja nie „eine Mitte“ trifft, man schreibt immer nur um etwas herum und kann die Fragen, die aufgeworfen werden, nie ganz beantworten. Man kann sich ihnen immer nur annähern, genau wie an seine eigene Existenz. Da ist immer etwas, das unsagbar bleibt: Ein Abgrund der eigenen Existenz, an den man sich anzunähern versucht, um dann hinunterzuschauen.

Ist dieser Abgrund der eigenen Existenz etwas, was man selbst nicht beschreiben kann oder nicht beschreiben will?

Jeder hat seine eigenen blinden Flecken. In der Kunst ist der Versuch, diese blinden Flecken finden und benennen zu wollen, ein generelles Thema. Einerseits gibt es diese blinden Flecken in der Gesellschaft generell, andererseits findet man sie aber auch bei sich selbst. Ich finde einen Angriff auf Missstände einer Gesellschaft immer erst dann gelungen, wenn man sich auch selbst damit angreift. Dann ist es nicht ein Fingerzeig, der behauptet: „Ich als Autor habe da jetzt etwas erkannt und das ist alles ganz schlimm“. Ich will ja nicht moralisch sein. Außerdem habe ich ja auch keine Ahnung, wie das alles funktionieren soll, trotzdem versuche ich es abzubilden. Und im Theater kann man sich das dann ansehen und etwas wiedererkennen aus dem echten Leben.

„Ich suche immer nach etwas Universellem.“

Momentan ist es in der deutschsprachigen Theaterszene ja sehr aktuell, das Label „politisch“ zu verwenden. Würdest Du „Die Simulanten“ auch als politisches Stück bezeichnen?

Ja, auf jeden Fall. Ich denke, wenn man versucht, sich ernsthaft mit unserer Gesellschaft zu beschäftigen, dann ist es für mich auf jeden Fall politisch. Und in den „Simulanten“ stecken ja auch politische Vorgänge, wenn auch ins Absurde getrieben. Ich habe schon den Anspruch politisch zu sein, aber ich würde das nie als Label draufschreiben. Das kann manchmal kontraproduktiv sein und etwas verhindern. Ich suche immer nach etwas Universellem, mir geht es nicht um Tagespolitik, bei der man schnell Gefahr läuft, etwas hinterherzulaufen. Ich versuche immer etwas Grundmenschliches herauszuarbeiten. Wir leben in einer Zeit, in der viel passiert, auch viel Schlimmes. Das kann man gar nicht ausblenden und das will ich auch gar nicht. Mit dem Anspruch, dass man sich selbst auf die Schliche kommen will oder der Gesellschaft, dass man sie greifbarer machen will, mit diesen Stoßrichtungen entsteht auf jeden Fall etwas, das man als politisch begreifen kann.

Bettina Lieder Julia Schubert Ekkehard Freye Sebastian Kuschmann Björn Gabriel
Bettina Lieder, Julia Schubert, Ekkehard Freye, Sebastian Kuschmann, Björn Gabriel

„Die Simulanten“ ist eine Koproduktion zwischen den Ruhrfestspielen Recklinghausen und dem Schauspiel Dortmund. Hat das eine besondere Bedeutung für Dich?

Ehrlich gesagt habe ich ja nichts dafür gemacht, ich habe nur den Text geschrieben (lacht). Aber dass es nun in Form dieser Koproduktion uraufgeführt wird, ist schon toll. Es ist die erste Premiere eines meiner Texte und dann gibt es gleich zwei Premieren, in Recklinghausen und in Dortmund. Durch den Kontext der Ruhrfestspiele bekommt das Stück wahrscheinlich auch mehr Aufmerksamkeit. Aber gefreut habe ich mich so oder so. Es ist das Beste, was passieren kann, wenn eine Regisseurin zu Dir kommt und sagt: „Hey, das ist ein toller Text, ich will den gerne machen.“ Und diese Regisseurin war Claudia Bauer und das Haus das Schauspiel Dortmund, die sich beide dafür entscheiden haben. Als Autor frage ich mich da: Was will ich eigentlich mehr?

Claudia Bauer ist eine erfahrene Regisseurin von Uraufführungstexten. Was sind Deine Erwartungen an Ihre Inszenierung mit dem Dortmunder Ensemble?

Von Claudia Bauer habe ich „Der Menschen Feind“, eine Inszenierung am Theater Basel, gesehen und gleich gemerkt, dass das eine Regisseurin ist, die die Schauspieler an ein Limit bringen kann. Es geht um die nackte Existenz, schwitzende Körper, die ohne Rücksicht auf Verluste spielen. Und ich dachte, toll, wenn das auch bei den „Simulanten“ passiert, dann freue ich mich. „Die Simulanten“ ist ja eher ein „Sprachstück“, mein Anspruch beim Schreiben war, dass es eigentlich überall aufführbar ist. Ich glaube der Text käme ohne viele Mittel aus: Man braucht nur 5 Leute in einem Aufenthaltsraum und die pure Behauptung. Es gibt nur sehr wenige konkrete Anweisungen, was auf der Bühne passieren soll. Und da bin ich eben gespannt zu sehen, wie Claudia Bauer den Text angeht, eher über das Spielerische, hysterisch Überdrehte, das dann in den Abgrund führt oder ob sie den Text eher als existenzielle Situation begreift, in der es von Anfang schon um Leben und Tod geht.

„Die Simulanten“ ist Dein erstes Stück, das Du auf dem klassischen Weg herausgebracht hast, indem du es über einen Verlag veröffentlich hast. Vorher hast Du Deine Texte immer selbst inszeniert. Nimmst Du einen Unterschied beim Schreiben wahr, wenn Du einen Text schreibst und ihn dann in andere Hände gibst?

Wenn man schreibt im Wissen, dass man den Text selbst inszeniert, hat man die volle Verantwortung für den Abend. Das kann etwas Gutes sein, aber auch etwas Anstrengendes, weil man als Regisseur versuchen muss, Distanz zum eigenen Text herzustellen. Das ist die größte Herausforderung. Wenn man als Regisseur einen Text eines anderen Autors inszeniert, ist diese Distanz automatisch da, da muss man umgekehrt versuchen, sich selbst im Text wiederzufinden und überlegen, was man damit anfangen kann.

„Die Simulanten“ habe ich frei geschrieben, es ist kein Auftragswerk, ich hatte Zeit und Raum den Schreibprozess zu genießen. Es gab keinen Druck, wann das Stück fertig sein sollte. Aber als Autor im klassischen Sinne muss ich darüber nachdenken, wie ich bestimmte Dinge deutlich mache. Wenn ich Texte selbst inszeniere, sind mir manche Sachen eben einfach schon klar. Ich kann den Text roher lassen, es muss noch nicht alles hundertprozentig sein, weil es ja noch den Probenprozess gibt, in dem ich Textpassagen ausprobieren kann.

Bettina Lieder Björn Gabriel Julia Schubert
Bettina Lieder, Björn Gabriel, Julia Schubert

Du bist derzeit Hausautor am Theater Basel. Wie sieht Deine Arbeit für ein Theater aus? Inwiefern unterscheidet sich das vom freien Schreiben?

Die Hausautorschaft in Basel ist so etwas wie ein Stipendium, die durch ein Förderprogramm ermöglicht wird. Und in Basel gibt es den konkreten Auftrag, dass in dieser Spielzeit ein neues Stück entstehen soll, das in der folgenden Saison uraufgeführt wird. Als Hausautor arbeite ich eng mit dem Haus zusammen, habe verschiedene Feedbackrunden mit der Dramaturgie und muss mich auch sonst auf die Gegebenheiten dieses speziellen Hauses einstellen. Wenn man ein Auftragswerk schreibt, ist das ganz anders als wenn man frei schreibt: Da werden im Voraus bestimmte Parameter festgelegt und es gibt eine Deadline, die Premiere, die an einem ganz bestimmten Tag stattfinden muss. Das hat man beim Schreiben dann immer mit im Kopf.

Darüber hinaus habe ich z.B. Kolumnen für das Theaterjournal geschrieben und in anderen Projekten mitgemischt, und: habe eine szenische Lesung von „Die Simulanten“ eingerichtet. Vielleicht fällt es mir auch deshalb gar nicht schwer das Stück abzugeben, weil ich es ja schon selbst als szenische Lesung realisiert habe, wenn auch nicht als „richtige“ Uraufführung. Und ich wusste auch schon vorher, dass Claudia Bauer die Uraufführung mit den Ruhrfestspielen und dem Schauspiel Dortmund macht, da konnte ich das ruhigen Gewissens abgeben.

„Ich habe verschiedene Identitäten.“

Du bist auch selbst Regisseur – inwiefern spielt das für Dich beim Schreiben eine Rolle?

Ich habe immer Bilder im Kopf, gerade weil ich auch selbst Regisseur bin. Ich kann das gar nicht abstellen. Ich stelle mir meine Texte immer in einem Theaterraum vor und denke die Bühnensituation beim Schreiben schon mit. Mich interessiert das Theater einfach als Ort, der Zustand des Spielens interessiert mich. Als Menschen spielen wir ja alle permanent, und im Theater wird das deutlich sichtbar.

Du bist Schauspieler, Regisseur und Autor. Als was stellst Du Dich vor, wenn man Dich neu kennen lernt?

Ich habe verschiedene Identitäten, wie das glaube ich eigentlich jeder Mensch hat. Jetzt im Moment bin ich Autor. Übergreifend würde ich mich als Theatermacher begreifen. Wichtig ist mir bei allem, was ich mache, dass es irgendeine Form von Autorschaft mit sich bringt, ob das beim Regie führen, Performen oder Schreiben ist. Es geht immer darum, dass ich mit einer eigenen Haltung dahinter stehe und aktiv mitgestalte, statt nur ein ausführendes Organ zu sein. Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich mich generell entscheiden müsste, das wurde mir auch immer wieder von außen gespiegelt. Aber das habe ich dann nie getan, ich entscheide mich immer nur im konkreten Fall für etwas, das ich dann mache. Und natürlich bin ich gespannt, wie das in Zukunft sein wird. Momentan erlebe ich es jedenfalls so, dass ich aus den jeweils anderen Tätigkeiten immer einen Gewinn ziehen kann für das, was ich gerade mache.

Sebastian Kuschmann
Sebastian Kuschmann

Du hast bereits an verschiedenen Orten im deutschsprachigen Raum gearbeitet. Nimmst Du Unterschiede wahr, wenn Du Texte in bzw. für Deutschland oder Dein Heimatland, die Schweiz, schreibst? Hast Du bei „Die Simulanten“ in einem anderen Kontext gedacht?

Das kommt immer auf das Thema an. Der Aufführungsort spielt immer mit und den denke ich auch mit, wenn ich Texte schreibe, die ich selbst inszeniere. Bei den „Simulanten“ wollte ich mich aber nicht „nur“ mit der Situation in der Schweiz beschäftigen, was ich in meinem zuvor geschriebenen Stück schon gemacht habe. Da kam ich gerade von einem längeren Aufenthalt in Deutschland zurück und hatte durch den Abstand eine andere Perspektive auf die Schweiz, eine von außen. Nach meiner Rückkehr in die Heimat habe ich gemerkt, dass ich mich gerne damit beschäftigen möchte, was die Schweiz eigentlich für ein komisches Land ist, was da für eine Stimmung herrscht. Aber ich glaube schon, dass dieser Text in Deutschland aufführbar wäre und funktionieren würde.

Bei den „Simulanten“ wollte ich eher über globale Vorgänge nachdenken, das wurde zwangsläufig internationaler, auch wenn es ein deutschsprachiges Stück bleibt. Mir war wichtig, dass man es auf vielfältige Weise adaptieren kann. Aber natürlich ist das Stück stark geprägt von meinem Leben im deutschsprachigen Raum.

Probenfotos: Edi Szekely

Links: Philippe Heule beim Henschel Schauspiel Theaterverlag | Helium X, „Die große Schlacht“ auf den Seiten der Treibstoff Theatertage Basel 2015:

Über Dirk Baumann

Dirk Baumann ist seit der Spielzeit 2013/14 Dramaturg am Schauspiel Dortmund. Während des Studiums assistierte und hospitierte er u.a. am Burgtheater Wien, dem Theater an der Parkaue Berlin und am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an sein Studium arbeitete er als Assistent und Dramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin und der Komischen Oper Berlin, u.a. mit Armin Petras und Sebastian Baumgarten. Daneben entstanden in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Anja Gronau und der Theatergruppe PortFolio Inc. mehrere Inszenierungen und Stückentwicklungen am Berliner Theater unterm Dach, zuletzt "Untertan. Wir sind dein Volk". Es folgte ein Engagement als Regieassistent und Dramaturg am Deutschen Nationaltheater Weimar, hier entstand auch seine erste eigene Inszenierung "Kein Ort. Nirgends" nach Christa Wolf. In Dortmund arbeitet er u.a. regelmäßig mit den Regisseuren Claudia Bauer, Sascha Hawemann und Kay Voges zusammen. Außerdem initiierte er mit der Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak die Reihe "Herbstakademie" für Jugendliche von 14 bis 21 Jahren.

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