LET´S MOBILIZE!

Die Tagung ist beendet. Drei Tage voller interessanter Gespräche, Diskussionen, Bier, Sauna, Theater und Party.

45 Wissenschaftler_innen, Aktivist_innen, Schauspieler_innen, Journalist_innen, Künstler_innen und Kurator_innen waren 3 Tage lang zusammen, und nicht nur die Sauna hat die Köpfe zum Rauchen gebracht, sondern auch viele Fragen, die sich im Zusammenhang mit Theater und Aktion stellten: Was hat Theater überhaupt mit Aktion zu tun? Was können beide Bereiche voneinander lernen? Welche Rolle spielt eigentlich das Publikum? Was verändert sich, wenn der Rahmen einer Aktion eine Theaterbühne ist, im Gegensatz zu einer medialen Bühne oder einfach der Straße? Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Diskurse und was vereint sie?

Die Ansätze und Erfahrungen der Teilnehmer_innen waren sehr verschieden, und reichten vom abstrakten Reflektieren in der Theaterwissenschaft, über Kritiken und kritischen Journalismus bis hin zu ganz konkreten Aktionen wie zum Beispiel dem Bereitstellen von WLAN in Flüchtlingsheimen. Die Diskussionen waren geprägt von den aktuellen politischen Ereignissen, den Geflüchteten auf dem Weg nach Europa und den rechtsradikalen Gegenbewegungen. Die Tagung war ja nicht öffentlich, was einen fast intimen Schutzraum ermöglichte. Beim gemeinsamen Bier wurden die gesehenen Inszenierungen erörtert, kritisch betrachtet und Netzwerke gesponnen.

Nach dem ersten Tagungsblock, in dem sich alle einander vorstellten, fand die große Gründungsparty der Agentur „DIE POPULISTINNEN“ vom Peng!-Collective statt, welche sich das erste Mal auf einer Theaterbühne ausgetobt haben – inklusive Glitzer, Projektionen, Luftballons, Live-Band (Avantiboomboom aus Köln), eine fliegende Schauspielerin, die ein Manifest verliest, beantwortet vom Dortmunder Bürgerchor. Alles Mittel, die das Theater, und gerade eine große Stadttheaterbühne mit ihren großen Kapazitäten und den vielen Menschen, die im Hintergrund arbeiten, bereit stellen kann. Bei der Party danach wurden beim Politaoke große Reden geschwungen, und beim Freibier über Populismus, Theater und politische Aktionen debattiert.

Der nächste Tag war voll von Diskussionen, der Keynote von Kai van Eikels („Die Kunst des Kollektiven“) und Workshops, aus denen praktische Aktionsideen entstanden sind. Kai van Eickels betonte, das Theater als Ort historisch und nicht neutral sei. Wegen der Bindung an sein Publikum, welches immer eher im Bürgertum zu finden sei, ist es historisch betrachtet eher reaktionär. Theater könnten aber als Institutionen zur Übung von Politisierung, Geschmeidigkeit und Genießbarkeit dienen. Gerade das „als-ob“ des Theaters schafft dabei einen Möglichkeits- und Übungsraum, welcher kollektiv hervorgebracht wird.

Und dann am Abend noch die Aufführung vom Zentrum für politische Schönheit: Bei der Tagung war niemand vom ZPS anwesend, gesprochen wurde natürlich trotzdem über sie. Das Publikumsgespräch im Anschluss an die Aufführung war auch dementsprechend gut besucht und es wurde kontrovers diskutiert. Hauptkritikpunkte waren der auf der Bühne offensichtliche Chauvinismus (die handelnden Subjekte sind nur weiß, männlich, hetero) und das typische Zeitreisenden-Problem: Menschen, die aus der Zukunft kommen, um die Gegenwart zu verändern, sind in einer paradoxen Situation. Denn alles, was die Zeitreisenden tun, um den Verlauf der Zukunft zu ändern, ist bereits Teil der Vergangenheit. Es gibt also keine Möglichkeit, die kausalen Zusammenhänge zu verändern. (Mein Lieblingszitat von einem Tagungsteilnehmer zu diesem Paradoxon: „Die haben wohl zu wenig Star Trek geguckt!“) Das Publikum, welches nicht zu der Tagung dort war, fand in der Inszenierung trotzdem sinnvolle Anreize, aktiv zu werden.

Bei Pizza und Bier in den Garderoben des Theaters und gelegentlichen Saunagängen klang der Abend dann aus bzw. ging noch bis tief in die Nacht und zum nächsten Morgen.

Fazit: Drei inspirierende Tage, die keine endgültigen Antworten fanden, aber dafür Begegnungen mit Menschen ermöglichten, welche sich für ähnliche Fragen interessieren.

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