MACHT ALS PROZESS

In unseren letzten Beiträgen beschäftigten wir uns mit dem Subversionsbegriff und dem emanzipierten Zuschauer nach Rancière. Und gerade diese Themen beziehen sich direkt oder indirekt auf die Machtverhältnisse Theater und Aktioninnerhalb des gesellschaftspolitischen Feldes. Macht – ein politisch und soziologischer Grundbegriff – wird zumeist für Abhängigkeits- oder Überlegenheitsbeziehung angewandt.  Macht kann sowohl von Gruppen, Institutionen, Einzelpersonen und Staat ausgehen oder sie zeigt sich in bestimmten Normen und Werten. . Dementsprechend zeigen Machtverhältnisse bestehen immer zwei Parteien auf, in der die eine Seite über mehr Macht verfügt und einflussreicher ist und die andere Seite dieses Verhältnis zulässt und duldet. Was ist wenn das Theater – gerade das politische Theater – dieses Verhältnis nicht duldet und kritisch hinterfragt?

Diesen Machtbegriff thematisiert Haas in ihrem Sammelband in Hinblick auf das Theater.

Macht ist immer im Fluss, sie ist nie stabil, automatisch generierbar oder diktatorisch verfügbar. Ihre Performativität rührt gerade nicht aus dem individuellen, regelsetzenden oder regelbefolgenden Akt, sondern aus dem unbeherrschten Zusammenspiel einer Vielheit von Akteuren.“
(Schwarte, Ludger: Macht und Aktion. Zur Performanz politischer Öffentlichkeit, S. 141)

Der Essayband Macht von Birgit Haas herausgegeben, enthält sieben englische und neun deutsche Aufsätze. Die Relation zwischen Politik und Theater wird anhand vieler Beispiele aus der Realität untersucht. Im ersten Kapitel: Politische Macht, Performanz und Performativität wird auf die von den Medien in Szene gesetzte symbolische Politik (S. 7) eingegangen. Damit sind die öffentlichen Auftritte der Politiker_innen gemeint, die politische Macht vermitteln. Diesbezüglich wird der Frage nachgegangen, inwieweit die symbolische Politik, in der Unterhaltungskultur wie im Fernsehen, ihr machtorientiertes Polittheater darstellt. Das Spektrum dieser Aufsätze reicht von Berlusconi, Bush, über Schwarzenegger bis hin zu den neuen Künstlergruppierungen, die politischen „Aktivismus zur Überschreitung traditioneller Grenzen von Kunstformen, Werkbegriffen, Ausstellungskonventionen und Genres“ (S. 151, Schwarte, Ludger). Im zweiten Kapitel Macht und politisches Theater wird dargelegt, wie das politische Theater den Versuch unternimmt, die Machtansprüche des Polittheaters zu untersuchen und dabei die symbolische Politik kritisch zu beleuchten. Der Sammelband thematisiert die Wechselwirkungen und die Kohärenz von performativer Politik, Performanz und Polittheater sowie deren Pendant, die Kunst auf der Bühne.

Haas, Birgit (Hg.): Macht. Performativität, Performanz und Polittheater seit 1990, Würzburg 2005.

 

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