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„ACH JA… WAS SOLL MAN NUR MACHEN?“ – EIN GESPRÄCH ZU „WARTEN AUF GODOT“

WARTEN AUF GODOT

Wladimir und Estragon, die zwei Wartenden, harren aus – wohl seit langer Zeit, die zwischen Ewigkeit und Ewigkeit aufgespannt ist. Aneinander geklammert sind sie allein – und doch sicher aufgehoben in ihrer Annahme, dass das Große – nennen wir es Godot – doch irgendwann kommen könnte. Die Gewissheit, Godot könnte existieren, gibt den beiden wahren tragikomischen Gestalten des Lebens Halt in der Leere des Raums und der Zeit, die sie mit endlosen Wiederholungen und Variationen der Wiederholung zu erhellen versuchen. Dürfen Wladimir und Estragon hoffen? Und: worauf eigentlich?

Regisseur Marcus Lobbes, der das Stück am ersten Februar 2020 im Schauspielhaus zur Premiere bringt, im Gespräch mit Dramaturg Michael Eickhoff.

Warten, warten, warten: Andreas Beck als Wladimir, Uwe Rohbeck als Estragon, Martin Weigel als Pozzo, Christian Freund als Lucky

Zunächst: Was geschieht in „Warten auf Godot“? Warum hat das Stück zwei Akte? Und wie unterscheiden sie sich?
Es passiert aber auch gar nichts.
Wir fingen an nachzulassen. Jetzt ist das Ende des Programms gesichert.
Es ist schrecklich. – Schlimmer als im Theater.

Warum braucht es die fortwährende Wiederholung?
Ach ja. Was soll man nur machen?

Wie würdest Du Wladimir und Estragon charakterisieren und was treibt sie an?
Wenn ich morgen glaube, wach zu werden, was werde ich dann von diesem Tage sagen? Dass ich mit meinem Freund Estragon an dieser Stelle bis in die Nacht gewartet habe auf Godot?

Samuel Beckett wird immer wieder dem absurden Theater zugerechnet. Hat „Warten auf Godot“ für Dich mehr absurde, komödiantische oder existentielle Anteile?
Alles fließt.

Und worin bestehen diese?
Zieh deine Hose rauf.
Wie bitte?
Zieh deine Hose rauf.
Meine Hose aus?
Zieh deine Hose h e r a u f.
Ach ja.

Seit seiner Uraufführung 1953 in Paris hat „Warten auf Godot“ unzählige Inszenierungen erlebt. Beckett, immer wieder danach gefragt, worauf denn Wladimir und Estragon am Ende des Tages warten, antwortete stets, wenn er gewusst hätte, wer Godot sei, hätte er es aufgeschrieben. Auf wen warten denn die Wladimir und Estragon in Deiner Inszenierung – vordergründig und hintergründig?
Uns braucht man nicht alle Tage. Ehrlich gesagt, braucht man nicht gerade uns. Andere würden die Sache ebenso gut, wenn nicht besser machen. Der Ruf, den wir soeben vernahmen, richtet sich vielmehr an die ganze Menschheit. Aber an dieser Stelle und in diesem Augenblick sind wir die Menschheit, ob es uns passt oder nicht. Wir wollen es ausnützen, ehe es zu spät ist. Wir wollen einmal würdig die Sippschaft vertreten, in deren Fänge wir zu unserem Leidwesen geraten sind.
Wir warten auf Godot.

Und jenseits der Inszenierung: Gibt es für Dich einen persönlichen Godot?
Eines Tages wurden wir geboren, eines Tages sterben wir, am selben Tag, im selben Augenblick, genügt Ihnen das nicht?

Anmerkung:  Alle Antworten von Marcus Lobbes sind 1:1 dem Stücktext aus Warten auf Godot entnommen.


WARTEN AUF GODOT von Samuel Beckett

Mit Andreas Beck, Alida Bohnen, Berna Celebi, Christian Freund, Max Ranft, Annou Reiners, Uwe Rohbeck, Martin Weigel und dem Dortmunder Sprechchor.

TermineSA, 01. FEBRUAR 2020
FR, 21. FEBRUAR 2020
SA, 29. FEBRUAR 2020
FR, 13. MÄRZ 2020
DO, 19. MÄRZ 2020
SO, 26. APRIL 2020
SO, 17. MAI 2020
MI, 27. MAI 2020