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5 FRAGEN AN JÖRG BUTTGEREIT

Die seltsam ritualisierte Welt der blutig-erotischen Schlitzerfilme

5 Fragen an Im Studio hört Dich niemand schreien-Regisseur Jörg Buttgereit

Uwe Rohbeck, Alexandra Sinelnikova, Marlena Keil, Caroline Hanke

Lieber Jörg Buttgereit, wie ist es, wieder in Dortmund zu inszenieren? „Besessen“ ist ja nun schon etwas her.

Buttgereit: Ich bin dem Schauspiel Dortmund ja immer treu geblieben und habe im letzten Jahr mehrere Abende meiner Gesprächsreihe für Freunde der Trivialkultur, „Nackt und zerfleischt“, auf der Studiobühne gemacht. Das neue Stück schließt da nahtlos an.

Ihre bisherigen Dortmunder Stücke kreisten thematisch um Sexploitation, Godzilla, die krude Welt des Leichenteile-Sammlers Ed Gein, den Elefantenmenschen, den Vampir Nosferatu und den Film „Der Exorzist“. Und auch diesmal nehmen Sie ein spezifisches Genre in den Fokus: Die italienischen Giallo-Horrorfilme. Genauer gesagt, die Werke des italienischen Filmemachers Dario Argento aus den 1970ern und 80ern, in Italien gefeiert und in Deutschland zensiert, sowie die Giallo-Hommage „Berberian Sound Studio“ von Peter Strickland aus dem Jahre 2012. Spielt auch „Im Studio hört Dich niemand schreien“ in Italien?

Ja, das Stück spielt 1976 in Italien. Wir begleiten den deutschen Tongestalter Maximilian Schall in diese seltsam ritualisierte Welt der blutig-erotischen Schlitzerfilme. Herr Schall hat bislang nur Tierfilme vertont und hat jetzt echte Probleme, sich mit dem Machwerk „Die Blutbraut der Bestie mit den schwarzen Handschuhen“ anzufreunden. Auch wenn das Stück im Sujet Italo-Horror angesiedelt ist, funktioniert es wie eine Komödie.

Wir sehen ein Tonstudio irgendwo in Italien – wieso haben dann zwei Figuren einen englischen Namen, und eine einen deutschen?

In den italienischen Giallos treten oft internationale Filmstars auf, um eine weltweite Vermarktung zu erleichtern. Einige Filme des Regisseurs Dario Argento wurden in Deutschland koproduziert und spielen in München oder Berlin.

Ihr langjähriger Weggefährte Frank Behnke, der auch schon mit David Lynch, Tom Tykwer und Oscarpreisträger Alan Splet gearbeitet hat, ist diesmal in Dortmund an Ihrer Seite – wie kam es dazu?

Frank Behnke hat die bedrückende Tonspur meiner Episode in dem Kompilationsfilm „German Angst“ kreiert. Da es in „Im Studio hört Dich niemand schreien“ um die Tonebenen eines Horrorfilms geht, schien mir die Zusammenarbeit naheliegend und reizvoll.

Susanne Priebs hat für das Stück nicht nur die Kostüme, sondern auch ein sehr detailgetreues Bühnenbild entworfen und dabei die Tatsache, dass das Stück 1976 spielt, scharf im Auge behalten. Haben Sie ein Lieblingsrequisit?

Die Bühne ist voll mit wunderschönen Requisiten. Die alte majestätische Bandmaschine im Zentrum des Geschehens ist natürlich ein Hingucker. Im digitalen Zeitalter empfinde ich solche wuchtigen analogen Maschinen als sehr anrührend.


Teambild

IM STUDIO HÖRT DICH NIEMAND SCHREIEN
von Jörg Buttgereit und Anne-Kathrin Schulz
frei nach Peter Strickland und Dario Argento

Premiere am 16. September 2018 am Schauspiel Dortmund, bereits ausverkauft

Weitere Termine: 20. September, 6. Oktober, 28. Oktober, …

Mit: Christian Freund, Ekkehard Freye, Caroline Hanke, Marlena Keil, Uwe Rohbeck und Alexandra Sinelnikova.


Jörg Buttgereit (*1963) ist Regisseur und Autor diverser Arthouse-Horrorfilme (u.a. „Nekromantik“ und „Der Todesking“), Hörspiele, Theaterstücke, Filmkritiken und der Bilderheft-Serie „Captain Berlin“. In der Spielzeit 2011/12 gab er mit dem ersten – von Kritik und Publikum gleichermaßen umjubelten – „Double-Feature in 3 D“ GREEN FRANKENSTEIN und SEXMONSTER! sein Debut am Schauspiel Dortmund. 2012 inszenierte er die True-Crime-Tragödie „Kannibale und Liebe“, 2013 „Der Elefantenmensch“, 2014 „Jörg Buttgereits NOSFERATU LEBT!“ und 2015 „Besessen“. Anfang 2015 erschien sein Episodenfilm „FINAL GIRL“ in der Compilation „GERMAN ANGST“, 2017 inszenierte er „Die lebenden Toten oder: Monsters Of Reality“ in Essen. Seit 2018 kuratiert er am Schauspiel Dortmund die Gesprächsreihe Jörg Buttgereits NACKT UND ZERFLEISCHT.

Frank Behnke (*1955) studierte Filmton und Sound Design bei Oscar-Preisträger Alan Splet bei „Blue Velvet“ (Regie: David Lynch). Ton bei „Lola rennt“ (Regie: Tom Tykwer) u.v.a. Filmen. Er arbeitet als Autor, Tonmeister, Schauspieler, Cutter, Sound Designer und als Dozent für Ton, Schnitt, Sound Design an Filmschulen in Zürich, Münster, Berlin, Bozen, München, Potsdam. Mit Regisseur Jörg Buttgereit verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit, z.B. bei diversen Musikvideos (Klaus Beyer, Half Girl, Stereo Total, Mutter) und Spielfilmen (z.B. Final Girl / German Angst).

Susanne Priebs (*1983) studierte Architektur an der FH Düsseldorf und Baukunst an der Kunstakademie Düsseldorf mit einem Master Abschluss in Architektur. Seit 2006 Arbeit als freie Bühnen- und Kostümbildnerin u.a. für das Staatstheater Kassel, das Schauspiel Dortmund und das Schauspiel Essen. Am Schauspiel Dortmund arbeitete sie als Ausstatterin bei „GREEN FRANKENSTEIN und SEXMONSTER!“, „Kannibale und Liebe“, „Der Elefantenmensch“, „Jörg Buttgereits NOSFERATU LEBT!“, „Besessen“, „Triumph der Freiheit #1“, „Memory Alpha oder Die Zeit der Augenzeugen“ und „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm verantwortlich“ und gestaltete die MEGABAR.