Archiv der Kategorie: 2099

2099

(Einige Gedanken zum Ansatz der Inszenierung)

Das erste Theaterstück des Zentrums für Politische Schönheit stellt vier Philosophen vom Ende des 21. Jahrhunderts auf eine Theaterbühne des Jahres 2015. Menschen vom Beginn des Jahrhunderts sehen sich Menschen vom Ende des Jahrhunderts gegenüber. In dieser Gegenüberstellung fliegt der Funke einer historischen Kraft: Menschen, die sich gerade erst aufmachen, ihr politisches Wollen im 21. Jahrhundert zu erforschen, werden auf der Bühne des Schauspiels Dortmund mit dem Urteil konfrontiert, das sich die Nachwelt über sie gebildet hat. Eine Theater-Zeitreise, die allen Beteiligten – sowohl auf, vor, neben und hinter der Bühne – buchstäblich alles abverlangt. Die Philosophen aus dem Jahre 2099 versuchen dabei, die Geschichte des 21. Jahrhundert umzuschreiben und das Schicksal zu korrigieren. Von dieser Überzeugung sind sie alle getragen – Natur würfelt nicht, aber die Geschichte würfelt. Das Publikum muss handeln, bevor es zu spät ist. 2099 weiterlesen

SCHAUSPIEL DISTANZIERT SICH VON ZWERGAFFENDIEBSTAHL

Dortmund 18. September 2015

Das Schauspiel Dortmund hat sich nach langer Beratung dazu entschieden, sich öffentlich von dem Diebstahl der beiden Zwergagutis aus dem Dortmunder Zoo durch das „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) in der Nacht vom 10. auf den 11. August zu distanzieren. Die Intendanz des Schauspiels ist in den Vorgang durch die KünstlerInnen des ZPS weder im Vorhinein eingeweiht gewesen, noch hätte sie ihm in der Durchführung jemals zugestimmt. Die Intendanz behält sich vor, mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln dagegen vorzugehen. Diebstahl fremden Eigentums ist nach §242 StGB strafbar und nicht durch die Kunstfreiheit Art. 5 Abs. 3 (GG) gedeckt. Die heutige Bekanntgabe des ZPS, dass die beiden Exemplare der seltenen Zwergseidenaffen-Art in seinem Besitz seien und darüber hinaus in der morgigen Premiere auf der Bühne präsentiert werden sollen, hat die Intendanz ebenso überrascht wie verärgert. Das Schauspiel Dortmund sieht an dieser Stelle eindeutig eine moralische und ethische Grenze überschritten, die durch nichts gerechtfertigt ist.

Für das Wohlergehen der Tiere kann die Intendanz des Schauspiels keine Verantwortung übernehmen, weil der derzeitige Aufenthaltsort vom ZPS geheim gehalten wird. Die Intendanz hat die KünstlerInnen des ZPS heute mehrfach aufgefordert, sich umgehend mit den Tieren der Polizei zu stellen oder deren Aufenthaltsort zu verraten. Sollte dies nicht geschehen, behält sich das Schauspiel Dortmund vor, die morgige Premiere abzubrechen, wenn die Affen auf der Bühne präsentiert würden.

 

gez. Kay Voges, Intendant

sowie Dirk Baumann, Michael Eickhoff, Alexander Kerlin, Anne-Kathrin Schulz (Dramaturgie)

 

Foto: dpa

WENN DIE SYRER WALE WÄREN

von Philipp Ruch / Zentrum für Politische Schönheit

„Warum sollen wir Mitleid mit Menschen haben?
Von ihnen können wir jederzeit mehr machen,
aber ein Pferd – versuch mal, ein Pferd zu machen!“
Stalin

stbAls der letzte Bär im Zoo von Sarajevo 1992 während des Bosnien-Krieges verhungerte, war die öffentliche Empörung groß. Der geplante Massenmord von Hunderttausend Menschen, gerade auch die mit gezielten Kopfschüssen getöteten Kinder zu Kriegsbeginn, verkörperten dagegen das kleinere Problem. Der Dortmunder Zoo ist ein Liebling der Lokalmedien; bedrohte Tiere sind immer auch eine Herzensangelegenheit der (medialen) Weltöffentlichkeit. WENN DIE SYRER WALE WÄREN weiterlesen