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IRGENDWANN WAR DIE GUCKKASTENBÜHNE ZU KLEIN

„IRGENDWANN WAR DIE GUCKKASTENBÜHNE ZU KLEIN“

Über die Inszenierung eines Theaterstücks, in dem die Wirklichkeit explodiert

Für dieses Gespräch reisen wir in eine andere Zeit: ins Jahr 2012 – genauer gesagt, zum Freitag, den 7. September 2012, Schauspiel Dortmund. Vier Menschen im Intendanzbüro, es ist 22:52 Uhr, es herrscht glückliche Erschöpfung. Die erste Endprobe für Einige Nachrichten an das All auf der Bühne des Dortmunder Schauspielhauses ist gerade vorbei. Das preisgekrönte Theaterstück des 1981 geborenen Autors Wolfram Lotz wütet zwischen Fiktion und Realität, hochkomisch, intelligent, mit Dialogen voll Suche nach dem Sinn des Lebens. In einer Woche ist Premiere. Kay Voges führt Regie, Daniel Hengst zeichnet als Director of Photography und Schnitt verantwortlich, Mona Ulrich ist die Kostümbildnerin, Anne-Kathrin Schulz die Co-Dramaturgin. Voges, Hengst, Ulrich und Schulz blicken auf die aufregende Reise in die Welt eines Theatertexts, der zu einem Film wurde, der Teil eines Theaterstücks war.


ANNE-KATHRIN SCHULZ, DRAMATURGIN: Der erste Satz in Einige Nachrichten an das All lautet: „Wir befinden uns in einer Explosion, ihr Ficker“. Als ihr das Stück gelesen habt, gabes ziemlich schnell in der Phantasie eine Bühnenvision: Ein Raum, der sich den Theaterabend hindurch radikal verändert. Und als klar war, dass das technisch einfach nicht machbar ist, wie war der weitere Weg? Von: „Wir haben ein Bühnenbildproblem“ über „Wir müssen uns ein neues Bühnenbild ausdenken“ bis zu „Jetzt drehen wir einen Film“, das ist ja kein kleiner Schritt.

KAY VOGES, REGISSEUR Es war die Verzweiflung, die das Ausstattungsteam hatte. Mona Ulrich, Bühnenbildner Michael Sieberock-Serafimowitsch und ich, wir saßen zusammen und dachten, „Was machen wir jetzt?“ Denn der ursprüngliche Entwurf war ein Bühnenbild, das über neunzig Minuten zusammenstürzt. Und das jeden Abend. Es hätte also für jede Vorstellung ein neues Bühnenbild gebaut werden müssen. Das war einfach nicht realisierbar. Und ich fing dann an, zu erzählen, wie die Szenerien eigentlich sein müssten. Und ich erzählte von Säuglingen, die geboren werden müssen, und von Häusern, die auf dem Wasser schwimmen wie Flämmlein auf dem Ozean und von Autounfällen. Und dann sagte Michael Sieberock-Serafimowitsch: „Dann müssen wir das wohl drehen, das kriegen wir nicht alles auf der Bühne aufgebaut.“ Der allererste Gedanke war aber, dass man dieses Stück nur zu Fuß begreifen kann. Wir wollten in einer großen Halle oder in einem Museum spielen, wo man von Raum zu Raum, von Erlebnis zu Erlebnis diese Reise zu Fuß erleben würde. Und da scheiterte es am Raum, wir haben den Raum nicht bekommen. Und irgendwann war diese Guckkastenbühne dann zu klein. Die hat der Explosion nicht standhalten können, so wie wir sie hätten machen wollen. Und ich erinnere mich an den Moment, an dem ich dachte: „Wenn auf einmal ein Auto durch die Leinwand bricht und die Zweidimensionalität eines Film plötzlich in eine dritten Dimension aufreißt – dann lande ich im Theater, und das kann kein Kino mir geben.“ Die Phantasie von dem Auto war eigentlich eins der ersten Bilder, die wir hatten: „Wenn wir drehen, dann muss auf der Bühne ein Auto durch die Leinwand fliegen. Sonst machen wir Kino.“ Genau um diese Kollision von Fiktion und Wirklichkeit ging es, davon schreibt Wolfram Lotz.

ANNE-KATHRIN SCHULZ Wir sind also raus aus dem Theater. Ständig kamen neue Drehorte dazu, mussten neue Sets gebaut werden. Die Crew wurde immer größer. Wind, Feuer, Erde, Wasser wurden sinnliche Teile des Spiels. Wir haben beispielsweise auf der Halde Haniel gedreht, auf einem Hochhausdach und eine ganze Nacht am Silbersee in Haltern. Daniel stand mit der RED One-Kamera in löchrigen Gummistiefeln stundenlang im Wasser, aus dem Julia Schubert und Björn Gabriel wieder und wieder aufgetaucht sind. Frank Genser und Uwe Schmieder warteten am Ufer – auf ihre Szene in dem Haus, das wie ein Flämmlein auf einem See schwimmt. Auch Sebastian Graf war da, der den „Leiter des Fortgangs“ spielte. Ein Mann, der mit einer Apparatur durch Raum und Zeit reist, zu den Protagonisten der vielen kleinen Mikrokosmen, in denen Autor Wolfram Lotz wieder und wieder die Lupe aufs Menschsein richtet. Die Figuren sollen dann ein einziges Wort erdenken, welches sich lohnt, als Botschaft ins Weltall geschickt zu werden – letztendlich in die Ewigkeit. Dieses Setting finde ich genial. Diese Reduzierung auf Ein-Wort-Funksprüche – komprimierter und mechanisierter kann die große Suche nach dem Sinn des Lebens kaum dargestellt werden. Und das alles in permanenter Präsenz des Alls. Denn das All, das hört man auch im Stücktitel, ist der Adressat der Funksprüche, es ist also ein Subjekt des Stücks. Aber – die Unendlichkeit auf die Bühne bringen? Den Himmel?

KAY VOGES Wir haben während der Dreharbeiten sechs Mal die Sonne aufgehen sehen. Wir haben versucht, mit der Natur zu arbeiten, mussten aber gleichzeitig auch gegen sie anarbeiten, wenn wir beispielsweise schneller sein wollten als die kurze Nacht. Schneller als der Sonnenaufgang, bei anderen Szenen schneller als der Sonnenuntergang. Wir waren den Elementen ausgeliefert.

ANNE-KATHRIN SCHULZ Genau wie die Figuren im Stück.

KAY VOGES Wir hatten Wind um uns, wir waren im Wasser, Julia und Björn haben gefroren, Eva Verena Müller auch. An anderen Drehtagen war unter uns Erde, Ekkehard Freye sprach einen großen Monolog umgeben von Sand, Uwe Schmieder rannte mit seinem nackten Fleisch über den Schotter der Halde Haniel in Bottrop. Und das Element Feuer hat sich nicht nur ein bisschen zu Wort gemeldet, sondern das ganze Auto abgefackelt.

MONA ULRICH, KOSTÜMBILDNERIN Alle Beteiligten waren bereit zu einem großen Wahnsinn.

DANIEL HENGST, DIRECTOR OF PHOTOGRAPHY Alle haben mitgezogen.

MONA ULRICH Alle haben alles, was irgend möglich war, auch möglich gemacht. Eines von vielen Beispielen dafür sind auch die Kostüme. Ich habe innerhalb von zwei Wochen ein komplettes Kostümbild herstellen lassen. Die Kolleg_innen aus der Kostümabteilung haben, wie alle, unglaublich viel gearbeitet. Das, was wir in zwei Wochen realisiert haben, hat normalerweise eine Produktionszeit von einem Monat oder sechs Wochen. Mit einem Monat Vorlauf. Und dennoch haben alle Ja gesagt.

„Wenn wir drehen, dann muss auf der Bühne ein Auto durch die Leinwand fliegen. Sonst machen wir Kino.“

KAY VOGES Wir haben uns alle gemeinsam aufgemacht und gesagt: „Wir wollen das Unmögliche versuchen.“ Permanent sind wir der Zeit hinterher gelaufen und haben neue Fakten geschaffen, die überhaupt nicht in Frage gestellt werden konnten. Und dann regnet es und man entscheidet kurzfristig, woanders hinzufahren, für eine andere Szene. Und dieser Prozess war ein permanentes Verwandeln. „Dafür haben wir aber das eine Requisit nicht dabei, um das zu besorgen, müssten wir den Dreh um einen Tag verschieben, das können wir nicht, haben wir weder Geld noch Zeit für, also wird mit einem anderen gedreht.“ „Jetzt ist es kalt, jetzt können wir nicht mehr.“ Man reagiert aufeinander, und das war das Schöne an dieser Kollektivreise. Es waren nicht ein oder zwei, die eine Reise machten und mit Dingen umgehen mussten, sondern die Bühne musste mit den Schauspieler_innen umgehen, die Schauspieler_innen mit dem Material, die Kostüme mit den Schauspieler_innen, diese mit der Situation, mit der Kamera, mit dem Licht, alle mit dem Wetter. Es wurde eigentlich permanent versucht, etwas zu kreieren – in einer Art Schicksalsgemeinschaft. Ausgeliefert, mit keinem Luxus, mit wenig Geld, mit viel zu wenig Zeit. Und damit mussten wir arbeiten. Natürlich kann man, wenn man genug Zeit hat, einen Wald perfekt ausleuchten. Aber wenn man erst eine halbe Stunde vorher weiß, ob überhaupt Strom kommt, dann wird das ein existentieller Moment: „Wir haben gerade Strom, wer weiß, wie lange, lasst uns anfangen!“ Und diese Existentialität – wenn man Ja dazu sagt, machte wieder und wieder neue Räume auf. Und stößt natürlich auch immer wieder auf neue Probleme und an neue Grenzen, die man überwinden musste. Um dann zur nächsten Grenze zu kommen.

DANIEL HENGST Der Einige Nachrichten an das All-Produktionsprozess unterlag nicht den Filmproduktionsmechanismen, die es normalerweise gibt. Wir mussten keinen Pitch gewinnen, wir mussten keine Treatments einreichen und dann gegen andere Leute bestehen, damit dieser Film produziert werden konnte. Es gab eine enorme künstlerische Freiheit, die wir nutzen konnten. Wir hatten die Freiheit zu sagen: „Wir nehmen uns das Medium Film am Theater und machen damit unser eigenes Ding.“

KAY VOGES Eigentlich fast der Weg zurück zum Autorenfilm, wenn auch mit einer anderen Spielweise.

DANIEL HENGST Jede Produktionsfirma hätte uns bestimmt den Vogel gezeigt und gesagt: „Das geht niemals.“ Und wir haben es einfach gemacht, und das sieht man dem Film absolut an.

ANNE-KATHRIN SCHULZ Vielleicht sind praktische Probleme, egal in welcher Art der Inszenierung, bei diesem Stück ein inhaltliches Prinzip? Es gibt in Einige Nachrichten an das All viele Regieanweisungen und Settings von Wolfram Lotz, die ganz klar und deutlich jenseits vom im Theater praktisch Machbaren sind. Und man bekommt sehr schnell eine Ahnung, wie klug diese Settings gewählt sind. Die Grenzen, die das Medium Theater nun mal hat, lachen einem laut und fröhlich aus dem Text direkt ins Gesicht. Vieles von dem, was ihr schon zu unserer Umsetzung gesagt habt, könnte eine reine Formdebatte sein. Ist es für mich aber nicht – weil alles immer wieder inhaltlich zum Stück zurückkehrt. Es ist, als ob das Stück uns wirklich gut im Griff hatte.

KAY VOGES Ja. Die Entscheidung, die Szenen zu verfilmen, ist wirklich aus dem Text heraus getroffen worden.

MONA ULRICH Wir haben nicht ein Drehbuch geschrieben, was filmisch sein könnte, wir haben wirklich ein Theaterstück im Film gezeigt. Da treffen sich Film und Theater.

KAY VOGES Zum einen bleibt es Theater oder ein theatraler Film, allein schon durch die Sprache, die Dialoge von Wolfram Lotz. Sie haben zum Teil einen lyrischen Ton, der dann aber immer wieder so bricht, dass das wirklich Literatur ist, Theaterdrama. Und dann sind da Lotz‘ Regieanweisungen. Die fordern beispielsweise eine Gruppe real krebskranker Kinder aus der Kinderonkologie. Wollen wir jetzt Schauspieler_innen sehen, die Kinder aus der Kinderonkologie spielen? Das will man doch eigentlich nicht. So kommt man dem nicht bei, diesem Lotz mit seinen Anforderungen. Und dann denkt man sich, „Also müssen wir doch reale Kinder casten.“ Doch auch das hat seine Tücken, weil diese Kinder diese Texte von Wolfram Lotz nicht einfach gesprochen bekommen. Lotz hat eine Phantasie geschrieben, die sowohl rechts- wie linksrum nicht machbar ist, weil sie eigentlich nur scheitern kann. Und die Herausforderung war, wie man mit dem Scheitern so umgeht, dass eine Grenze eingerissen wird – und dass etwas Neues entstehen kann.

Jede Produktionsfirma hätte uns bestimmt den Vogel gezeigt und gesagt: „Das geht niemals.“ Und wir haben es einfach gemacht, und das sieht man dem Film absolut an.

ANNE-KATHRIN SCHULZ Wusstest Du, dass der fertige Film sehr theatral wirken würde?

KAY VOGES Wir hatten ja in Nora bereits auf der Bühne mit der Kamera gearbeitet, und Daniel zusätzlich bei Martin Laberenz‘ Inszenierungen Visitor Q und Naked Lenz. Das war die Grundlage, von der aus wir gestartet sind. Ich habe überlegt: Wie geht ein Theaterteam an einen Theatertext? Was sind unsere Erfahrungen mit der Kamera? Film und Theater liefen also parallel. Es gibt im Film viele Reminiszenzen an das Theater – dass Vorhänge auf- und zugehen, dass Aktwechsel stattfinden und man als Zuschauende_r nicht weiß, auf welcher Ebene befinden wir uns gerade? Ist das jetzt Theater? Oder ist das jetzt Film? Oder: Ist es die Wirklichkeit oder ist es der Traum? Es entsteht eine Unschärfe, und genau dieser Unschärfe liegt vielleicht eine Wahrheit zu Grunde. Was vielleicht diesen taumelnden Eindruck widerspiegelt, den auch die Figuren im Stück erleben – zwischen Himmel und Erde, Tod und Geburt festzuhängen und, wie Lotz schreibt, wie eine Kartoffel durchs Weltall zu eiern.

DANIEL HENGST Und dann noch die weitere Ebene in unserem Theaterabend: der Moment, an dem die Schauspieler_innen nach dem Film auf die Bühne kommen. Erst sieht man sie in ihrer Kostümierung im Film, in Großaufnahme, in Totale, und sie sind Teil dieser Realität, und dann kommen sie auf die Bühne, und es ist eine völlig andere Realität. Da sieht man zum Beispiel Eva Verena Müller, die anderthalb Stunden gerade Schwester Inge war, also eine Art Übermensch, der die Dinge dieser Welt zu lenken scheint, und dann steht Eva da vorne und ist auf einmal Fleisch geworden. Das kommt mir vielleicht so intensiv vor, weil ich selber beteiligt bin, aber alles, diese Zeit und diese Arbeit, die dahinter steckt, ist in diesem Moment auf dieser Bühne repräsentiert. All die Kostüme und die Orte sind dann auf einmal da, durch diese Menschen sprechen sie zu einem. Aber ganz anders, als der Film es tut.

ANNE-KATHRIN SCHULZ Das hat mich eben auf der Probe wirklich überrascht. Ich habe das erste Mal beide Teile nacheinander gesehen. Und die sinnliche Wirkung, die die plötzliche physische Präsenz der Schauspieler_innen auf der Bühne auf mich hatte, hatte ich vorher nicht geahnt. Ich sah den Film, dann schien das Medium plötzlich zu stolpern. Und sie waren da. Durch das Verzichten auf den realen Menschen auf der Bühne während der 90 Minuten des Films wirkten die Menschen, als sie dann plötzlich auftraten, unglaublich kostbar. Und auch das Medium Theater.

KAY VOGES Es geht auch um Material und Entmaterialisierung. Erde und Feuer und Haut und Fleisch, das in Licht verwandelt wird. Und um das Theater, was dann ebenso konkret mit diesen Menschen, mit diesen Körpern im Augenblick umgeht. Diese Transzendenz liegt, glaube ich, nah an einem der Diskurse, die unsere Gegenwart durchziehen. Die Entkörperlichung. Dass man sagt: „Ich kann Geschichte schreiben, ohne meinen Computer zu verlassen. Ich brauche nicht mehr physisch irgendwo anwesend zu sein, um Dinge zu bewegen.“

ANNE-KATHRIN SCHULZ Das Ich ist überall?

KAY VOGES Das Ich löst sich ab vom Körper, und das ist ein bisschen erschreckend und faszinierend zugleich. Und dann wird einem aber klar, dass beispielsweise auch in unserer Phantasie das Ich sich vom Körper loslöst. Die Phantasiewelt war schon immer eine, die entkörperlicht ist, und die Traumwelt auch. Und dazwischen besteht immer die Kunst, in dieser Nische zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen Körper und Immaterialität, wo Lotz dann auch hin möchte und sagt: „Da findet das Neue statt.“ Das sind alles so Phänomene, die man vielleicht noch nicht völlig beschreiben kann. Aber ich glaube, hier steckt ein sehr gegenwärtiger Diskurs in diesem Theaterstück und in diesem Abend. Wo es um Tod und Leben, Endlichkeit und Unendlichkeit, Wirklichkeit und Phantasie geht. Was dann auf diesem Grenzbereich zwischen Körper und Abbild stattfindet.

DANIEL HENGST Das Ich, wenn es sich wirklich auflöst, wenn es sich abtrennt von dem Hier und dann in Netzwerken stattfindet, welches Ich ist denn wichtiger? Welches hat eine Relevanz?

KAY VOGES Welches ist vielleicht sogar realer?

DANIEL HENGST Welche Vorstellung von einem selbst ist realer? Ich denke, dass diese Fragen nach Netzwerken oder Virtualität für so manchen heute, im Jahre 2012, noch wie neumodisches Zeug klingt, aber für eine Generation, die gerade heranwächst, überhaupt kein neumodisches Zeug ist. Das Internet ist kein abgetrennter Teil, der woanders stattfindet, sondern der findet genau da statt, wo man ist. Und das, was dort stattfindet, findet genau hier statt. Das Dort und das Hier verschwimmen völlig.

BBB #4: FEMINISTISCHE HIPHOP-TYPEN

Bei der vierten AUsgabe von BUTLER, BUTCH, BEYONCÉ war die HipHop-Wissenschaftlerin Dr. Sina Nitzsche zu Gast – sie stellte eine Möglichkeit der Typisierungen von Protagonistinnen des HipHop vor.

Hier ihre Vertreterinnen und Musikvideos:

Die HipHop-Barbie
Shirin David: Gib ihm

Die Gangsta-Braut
Schwesta Ewa: Mein Geständnis

Die afrozentristische Queen
Leila Akinyi: Afro Spartana

Sistas with Attitude
Haszcara: Lauter Rapper

Dr. Sina Nitzsche
Ruhr-Universität Bochum

 

KLITCLIQUE

„Wiens Antwort auf traurige Boys“

(c) Klitclique

Hier Links zu Ihrer Musik und zu Ihrem Album!

Musikvideo „DER FEMINIST F€M1N1$T“, feat. Florentina Holzinger

Musikvideo „AUTO“

http://www.klitclique.com/

Album & Merchandise:

http://www.klitclique.com/shop/

Social Media:

Instagram: @klitclique

Facebook: https://de-de.facebook.com/klitclique

LOLITA #1

JONATHANS PROBENTAGEBUCH #5

JONATHANS PROBENTAGEBUCH #3

JONATHANS PROBENTAGEBUCH

Was tut Jonathan Meese während der Proben zu LOLITA (R)EVOLUTION (RUFSCHÄDIGENDST) – IHR ALLE SEID DIE LOLITA EURER SELBST?

Mit auf den Fotos: Maximilian Brauer, Jonathan Meese, Uwe Schmieder, Lilith Stangenberg, Anke Zillich

Termine: 15.2., 21.3., 3./25.4., 16.5. im Schauspiel Dortmund!

JEDER MENSCH HAT EINEN NAMEN

 

„Jeder Mensch hat einen Namen“

Von Donnerstag, 20.6. bis Samstag 22.6. ruft ein breites Bündnis um Seebrücke Dortmund, Evangelischer Kirchenkreis Dortmund, EKD, Schauspiel Dortmund u.v.a. zur Aktion „Jeder Mensch hat einen Namen“ auf. Anlässlich des Evangelischen Kirchentages soll in der Reinoldikirche und auf dem Platz der Alten Synagoge den in den Jahren 2014-18 auf der Flucht über das Mittelmeer Ertrunkenen gedacht werden, indem deren Namen von jeder/m Interessierten auf große Banner geschrieben werden.

Die Banner werden im Anschluss weithin sichtbar am Kirchturm der Reinoldikirche aufgehängt.


Was ist das Ziel der Aktion „Jeder Mensch hat einen Namen“?

Paul Gerhard Stamm (SEEBRÜCKE Dortmund):  „Wenn ich den Namen eines Ertrunkenen auf das Banner schreibe, dann trete ich in diesem Moment in eine Beziehung zu diesem Menschen. Ich lasse mich berühren, werde sicher nachdenklich. Aus einer abstrakten Zahl von Ertrunkenen – in diesem Jahr schon wieder 543 – werden Menschen, die leben wollten und denen wir nicht geholfen haben.“

Anja Sportelli (SEEBRÜCKE Dortmund):  „Die Banner an der Reinoldikirche werden ein Mahnmal sein. Wir erhoffen uns von dieser Aktion, dass der Aufschrei in der Zivilbevölkerung lauter wird, bis er von den Politker*innen nicht mehr überhört werden kann und es eine politische Lösung für sichere Fluchtwege gibt.“

Wie kam es zu der Kooperation?

Michael Eickhoff (Schauspiel Dortmund): „Die Aktion geht auf eine Idee der NGO Sea-Watch zurück, mit der wir seit einigen Jahren in verschiedenen Projekten zusammenarbeiten. Das ist die NGO, die ja aktuell leider wieder in der Presse ist, weil ihr zivil betriebenes Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ keinen italienischen Hafen anlaufen darf. Sea-Watch verfügt über eine Liste, die alle bekannten Namen von auf der Flucht im Mittelmeer Ertrunkenen auflistet – dabei sind allerdings auch jede Menge Menschen, deren Namen und Identität nie bekannt wurden.“

Dirk Baumann (Schauspiel Dortmund): „Mit der Idee sind wir bei Seebrücke Dortmund und einem breiten Bündnis aus Kirche und Gesellschaft auf offene Ohren gestoßen. Ohne ein breites Bündnis wäre so eine große Aktion auch gar nicht zu schaffen. Als Schauspiel sehen wir uns in der Pflicht zivilgesellschaftlich und auch politisch zu wirken, indem wir die Besucher*innen des Kirchentages und andere Interessierte dazu aufrufen, aktiv zu werden, indem sie die unsichtbaren Schicksale sichtbar werden lassen.“

Was können Interessierte/Engagierte tun? Was passiert konkret?

Dirk Baumann (Schauspiel Dortmund): „Jede*r Interessierte*r kann einen oder mehrere Namen von auf der Flucht Ertrunkenen auf eines der Banner schreiben – und sie damit dem Vergessen entreißen. Schicksale, bei denen die Namen nicht bekannte sind, notieren wir das Ereignis und die Anzahl der Todesopfer. Das sind eine Menge.“

Was wollen Sie mit der Aktion erreichen? Was sind Ihre Forderungen?

Paul Gerhard Stamm (SEEBRÜCKE Dortmund): „Für uns, die SEEBRÜCKE-Aktivist*innen, ist es unerträglich, dass wir die Deklaration der Menschenrechte und das Grundgesetz feiern, während gleichzeitig im Mittelmeer die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Seenotrettung ist Menschenrecht – in unseren Augen.
Gemeinsam mit vielen Verantwortlichen aus Kommunen, Kirchen und der Zivilgesellschaft meinen wir:
1.    2019 darf nicht zu einem verlorenen Jahr für die Seenotrettung im Mittelmeer werden.
2.    Die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung muss ein Ende haben. Jetzt!
3.    Seenotrettung muss auch eine staatliche Aufgabe bleiben. Was ist aus der europäischen Seenotrettung geworden? Deutschland sollte hier ein Zeichen setzen und Schiffe entsenden!
4.    Wir brauchen noch in diesem Sommer eine politische Notlösung, einen vorübergehenden Verteilmechanismus für Bootsflüchtlinge. Viele Städte und Kommunen in Europa wollen „Sichere Häfen“ sein! Lassen wir das Realität werden!
5.    Wir brauchen in der EU eine „Koalition der Willigen“, die jetzt handelt. Und eine zukunftsfähige Migrationspolitik entwickelt. Denn Menschen ertrinken lassen oder in die Lager Libyens zurückschicken, kann keine Option für Europa sein.“

Wie können sich Gemeinden und Kirchenmitglieder konkret in der Seenotrettung (auf dem Mittelmeer) engagieren?

Dr. h.c. Annette Kurschus (Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen): „Die Menschen, die in Booten und Lagern hocken; die Seenotretter, die kriminalisiert werden; die Politikerinnen und Politiker, die helfen oder helfen könnten: Sie alle brauchen unsere Aufmerksamkeit, unsere Solidarität, unseren Protest. Die Situation im Mittelmeer darf nicht aus unseren Gedanken, nicht aus den Medien, nicht aus unseren Gebeten und Gottesdiensten verschwinden – solange, bis sich wirklich etwas ändert. Ich bitte jeden und jede Einzelne, ich bitte unsere Gemeinden und Kirchenkreise: Bleiben Sie unruhig, halten Sie Barmherzigkeit wach und Protest lebendig. Auch nach dem Kirchentag. Unterstützen Sie – wo es geht – die Hilfsorganisationen wie Sea-Watch, Pro Asyl und Mediterranean Hope! Bitten Sie die Europaparlamentarier und Bundestagsmitglieder aus Ihrer Region, sich stärker für die Seenotretter und einen kurzfristigen Verteilmechanismus mit deutscher Beteiligung einzusetzen! Damit das Sterben im Mittelmeer endlich ein Ende hat.“


Ablauf

Donnerstag, 20. Juni 2019
22:30 – 23:30
Politisches Nachtgebet in der Reinoldikirche

Freitag, 21. Juni 2019
10:00 – 18:00
Platz der Alten Synagoge/Opernplatz: Beschriftung des Banners und Begleitausstellung zum Thema Flucht

Samstag, 22. Juni 2019
10:00 – 17:00
Platz der Alten Synagoge/Opernplatz: Beschriftung des Banners und Begleitausstellung zum Thema Flucht

17:00 – 18:00
Abschlussprogramm auf dem Platz der Alten Synagoge/Opernplatz

18:00 – 19:00
Trauermarsch zur Reinoldikirche und Hängung der Banner

WIR SIND VIELE – JEDE*R EINZELNE VON UNS!

Die NRW-Erklärung der Vielen


Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt.

Als Kulturschaffende in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. In diesem Land wurde schon einmal Kunst als entartet diffamiert und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter ihnen auch viele Kunstschaffende.

Heute begreifen wir die Kunst- und Kultureinrichtungen als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich so im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen Möglichkeiten! Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteur*innen dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur.

Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaffenden, mit allen Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen gedenken, sobald sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden.

Wir als Unterzeichnende der NRW Kunst- und Kultureinrichtungen, ihrer Interessensverbände und freien Kunst- und Kulturschaffenden begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung:

• Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über rechte Strategien. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Häuser den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.
• Alle Unterzeichnenden bieten kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda.
• Wir wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
• Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Rassismus ist Alltag. Rechtsextremismus ist ein Symptom davon. Dieses Bündnis will nicht nur Symptome bekämpfen, sondern in die Tiefe wirken. Wir setzen uns deswegen mit den eigenen Strukturen auseinander und stellen diese zur Verhandlung. Wir müssen die Kunst- und Kulturräume sowie unsere Gesellschaft öffnen, damit wir wirklich Viele werden!

Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!


NEU IM ENSEMBLE: CHRISTIAN FREUND

„Sich fühlbar einbringen in die Konstruktion einer Stadt“

Neu im Ensemble: Christian Freund

Unsere Ensemble-Neuzugänge im Interview


Zu Beginn der Saison 2017/18 gibt es neue Gesichter am Schauspiel Dortmund zu entdecken: Die Schauspieler Alexandra Sinelnikova und Christian Freund kommen neu ins Ensemble. Beide sind Absolventen der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig und waren zuletzt zwei Jahre am Schauspielstudio in Dresden. Hier im Blog stellen wir Alexandra und Christian mit Interviews vor – nach dem Interview mit Alexandra nun Christian Freund.
Christian Freund wurde 1990 in Lüdenscheid geboren. Nach dem Abitur studierte er in Bochum Physik, Erziehungswissenschaften und Germanistik. Während des Studiums spielte er am Schauspielhaus Bochum und am Rottstraße 5 Theater Bochum, wo er zusätzlich als Licht- und Tontechniker arbeitete. 2013 begann er sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Seit der Spielzeit 2015/16 war er Mitglied des Schauspielstudios Dresden am Staatsschauspiel Dresden. Die Wiedervereinigung der beiden Koreas war seine erste Arbeit am Schauspiel Dortmund.

Du bist im Sauerland geboren, hast in Herne und Bochum gewohnt, bevor es Dich nach Leipzig zum Studium verschlagen hat. Nach Leipzig und Dresden jetzt also Dortmund – freust du dich wieder in deiner Heimat angekommen zu sein? Gibt es etwas, auf das du dich besonders freust? Ich hab hier viele Freunde und kenn mich aus, meine Familie wohnt hier. Da ist es schon schön wieder zurückzukommen. In manchen Momenten aber auch absurd, weil es mich beeindruckt, wie viele Erinnerungen für mich an diesen Orten hier hängen und weil ich jetzt vier Jahre lang weg war, in denen ich immer neue Orte kennengelernt habe. Und plötzlich sind da wieder die alten Orte, und das hat sich kurz wie ein Rückschritt angefühlt, in eine Vergangenheit, die aber halt auch die Zukunft ist. Als ich das begriffen hab, so im Februar, da hab ich mich sehr gefreut, wieder hier zu sein. Ich freue mich in Dortmund zu sein, weil ich die Stadt noch nicht so gut kenne wie zum Beispiel das Sauerland, wo ich auch groß geworden bin, oder Herne oder Bochum, wo ich fünf Jahre gewohnt hab. Das ist schön, in der Heimat Neues zu entdecken.

Was war deine Reaktion als du gehört hast: Die Dortmunder, die wollen mich? Das war ein sehr verrückter Moment: Es war der 12.12., abends um halb 10. Ich war in Bochum mit zwei Freunden aus meinem Jahrgang, die im Studio in Halle waren und am selben Tag auch in Dortmund vorgesprochen hatten, und dann kam dieser Anruf und ich war zuerst völlig sprachlos. Dortmund war das Theater, wo ich am liebsten hinwollte, und ich bin auf der einen Seite innerlich explodiert und auf der anderen Seite wusste ich nicht, wie ich das meinen Freunden sagen sollte, weil die auch gerne nach Dortmund gegangen wären. Und dann hab ich leise gesagt: „Ich muss euch was sagen. Dortmund hat mich gerade angerufen, die wollen mich.“ Erst haben die beiden es gar nicht realisiert und dann war es eine ganz absurde Stimmung, sie haben mich umarmt und gesagt, dass es sie sehr freut. Und das habe ich ihnen geglaubt und ich glaube auch, dass ich geweint habe, und dann hab ich erstmal ne Runde ausgegeben. Und am nächsten Tag sicherheitshalber nochmal im Schauspiel Dortmund angerufen und gefragt, ob das denn auch wirklich stimmt oder ob ich mir das nur eingebildet habe – und seitdem habe ich irgendwie dieses Glucksen im Bauch.

Christian Freund (mittig) in „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ (Foto: Birgit Hupfeld)

Du warst zuletzt zwei Jahre als Schauspielstudent am Schauspielstudio Dresden – was hat es damit auf sich, was hast Du da gemacht und gelernt? Zwei Jahre verbringt man in Leipzig, sozusagen die Grundausbildung: Sprechen, Singen, Akrobatik, Fechten, Tanzen, Yoga, Grundlagenseminar Schauspiel, Szenenstudien, Monologe, die man manchmal mit, manchmal ohne Dozenten erarbeitet – und dann zwischendurch Workshops, Improvisation, Filmschauspiel oder Ensembletraining. Nach diesen zwei Jahren wird der Jahrgang geteilt, die folgenden zwei Jahre verbringen die Studierenden in der Praxis an einem Schauspielhaus. Da hat man aber auch noch weiter Unterricht. Leipzig hat insgesamt vier Studios: Halle, Dresden und Köln, Leipzig. Die wechseln sich alle zwei Jahre ab: Entweder Halle oder Dresden und Leipzig oder Köln. Ich war jetzt zwei Jahre in Dresden und hab da viele Leute kennengelernt, in mehreren Stücken mitgespielt, u.a. in „Hamlet“, „Nathan der Weise“, „Michael Kohlhaas“ und auch Regie geführt bei der Bürgerbühne – das ist eine eigene Sparte in Dresden, bei der ausschließlich Laien auf der Bühne stehen.

Unser zweiter „Neuzugang“ Alexandra Sinelnikova hat mit dir studiert und war auch am Studio Dresden – ein willkommener Zufall, dass ihr weiter gemeinsam arbeiten könnt? Ja, ich freue mich sehr darüber und Alex auch. Sie ist toll. Als Mensch und als Schauspielerin.

Hast Du Lieblingsautoren oder -rollen, die du unbedingt mal spielen möchtest? Ich sehe Theater politisch und finde, da ist es dann egal, welche Rolle man spielt. Das Theatermachen an sich muss eine Rolle spielen, das sollte sich fühlbar einbringen in die Konstruktion einer Stadt. Aber im klassischen Sinn von Rolle: Ich habe mal Liliom von Molnár gespielt, das war toll, Ivanov von Anton Tschechow finde ich auch sehr interessant oder Hamlet. Aber es gibt noch so viele andere großartige Texte und Stücke, beispielsweise von Koltès, Genet, Beckett, Heiner Müller, Michaux, Kafka, Dostojewski und ganz vielen anderen. Da ist es mir egal, welche Rolle ich habe, da spiele ich einfach gerne mit, weil die Sprache so gut schmeckt und die Zustände, Handlungen und Figuren so spannend sind.

Christian Freund (rechts, neben Julia Schubert und Sebastian Kuschmann) in „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ (Foto: Birgit Hupfeld)

Was würdest Du sagen: Warum sollten die Menschen ins Theater gehen – außer um Geschichten zu sehen? Theater ist für mich im besten Fall ein Ereignis. Und das ist etwas anderes als die Bilderflut, die unsere Wirklichkeit ausmacht. Das ist etwas ganz Besonderes, das ist Auseinandersetzung auf einer anderen Ebene. Die kann man sonst nirgends im Leben haben.

Du hast ja bereits Deinen Dortmunder Einstand in „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ im Megastore gefeiert. In der kommenden Saison geht es wieder ins Schauspielhaus – findest Du es schade, dass Du die Megastore-Zeit des Schauspiel Dortmund nur am Ende mitbekommst? Ich freue mich, die Megastore-Zeit noch miterleben zu dürfen, aber genauso freue ich mich, im Schauspielhaus zu spielen. Das ist eh alles ein großes Abenteuer für mich.

Und wie sind die neuen Ensemble-Kollegen so? Wunderschön, sehr intelligent und unglaublich herzlich. Im Ernst, ich mag’s jetzt schon unglaublich gerne hier zu sein mit so tollen Menschen und freue mich auf zwei aufregende Jahre. Und besonders auf die Dortmunder.


Christian Freund ist in Übergewicht, unwichtig: Unform (Regie: Johannes Lepper, ab 17.12) sowie Der Theatermacher zu sehen (Regie: Kay Voges, ab 30.12.).