Archiv der Kategorie: INTERVIEWS

Gespräche mit Regisseuren, Autoren, Schauspielern, Musikern, Bühnenbildnern. Gespräche also mit Theaterschaffenden.

„AUCH EIN BISSCHEN URSCHREI-THERAPIE“: TOMMY FINKE ÜBER DAS MUNDORGEL PROJECT

Seit 2015 wird im Schauspiel Dortmund gemeinsam Liedgut ge- und zerschmettert: das MUNDORGEL PROJECT von und mit Tommy Finke und Band ist längst zur Kult-Reihe  geworden. Das Konzept ist dabei simpel: das bekannte Liederbuch „Die Mundorgel“ wird im Institut oder der Megabar dem ultimativen Live-Test unterzogen – mithilfe der Band, des mitsingwilligen Publikums und Special Guests!

Am Samstag feiert das Mundorgel Project Jubiläum: zum zehnten Mal wird dann gemeinsam gejammt und gesungen. Anlässlich des Mundorgel Projects #10 hier ein paar Fragen an Tommy Finke.


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DAS ABENTEUER AUF DER SUCHE NACH DER WAHRHEIT

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Neue Wege sind der Schlüssel zu Veränderung. Ob als Flüchtling auf der Reise, Reporter auf der Jagd nach Fakten oder als Theaterschaff ender im Prozess, Geschichten auf die Bühne zu tragen. Das Stück Die schwarze Flotte ist erzählter Journalismus, eine erlebbare Reportage in gespielter Wirklichkeit. Über ein halbes Jahr hat das Reporterteam von CORRECTIV im internationalen Sumpf von Reedereien, Briefkastenfirmen, Waffen-, Drogen- und Menschenschmugglern recherchiert.
Welche Herausforderung es war, den Stoff in ein Theaterstück zu wandeln, welche Möglichkeiten und Chancen diese Liaison aus Journalismus und Bühnenkunst bietet, erklären Regisseur Kay Voges, die Autorin Anne-Kathrin Schulz und der Schauspieler Andreas Beck im Gespräch mit dem Chefdramaturgen Michael Eickhoff.

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„KEIN GESICHERTER GRUND UNTER DEN FÜSSEN“ – HANS HÜTT IM INTERVIEW

Autor Hans Hütt über revolutionäres Sprechen, Triumph der Freiheit #1 und den Versuch, die Gefahren der Zeit zu überbrüllen


Hans Hütt ist rhetorischer Berater sowie Autor, u.a. für FAZ, Freitag, taz und ZEIT. 2014 erhielt er für den Essay Angst vor der Gleichheit den Michael-Althen-Preis für Kritik.

Auf Einladung des Schauspiel Dortmund begleitete er die Proben von „Triumph der Freiheit #1“.


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Hans Hütt

Sie haben das Stück gelesen. Ganz platt gefragt, worum geht es?

Es ist auf jeden Fall kein Historiendrama. Ich würde das Stück als „Palimpsest“ beschreiben. Ein Palimpsest ist eine alte Textstelle, die abgeschabt, gereinigt und dann mit einem anderen Text überschrieben wurde. Der alte, überschriebene Text schimmert immer noch leicht durch, die Vergangenheit bleibt sichtbar. So ist es auch bei Triumph der Freiheit #1. Durch dieses Stück schimmert eine politische Gattungsgeschichte, in der alle Revolutionen und Konterrevolutionen seit 1789 übereinander geschichtet sind. Man hört Echos aller Niederlagen und Aufstände im Zeitalter der Moderne. „KEIN GESICHERTER GRUND UNTER DEN FÜSSEN“ – HANS HÜTT IM INTERVIEW weiterlesen

„EINTAUCHEN IN ANDERE ERFAHRUNGSWELTEN“ – 5 JAHRE SPRECHCHOR

Udo Höderath ist seit fünf Jahren Mitglied des Dortmunder Sprechchors. Im Interview erzählt er uns von seinen Highlights , vom Lampenfieber vor der Vorstellung und wie es ist, als Sprechchor das 17. Ensemble-Mitglied eines Theaters zu sein.

Udo Höderath vor einer Probe von "Das Bildnis des Dorian Gray"

Udo Höderath vor einer Probe von „Das Bildnis des Dorian Gray“

Wie bist du zum Sprechchor gekommen?

Das war 2011, einfach durch das Lesen vom Spielzeitbuch. Dort stand, dass Choreuten für die Bildung eines Sprechchors gesucht werden. Da fühlte ich mich sehr angesprochen. 2012 hörte ich auf, aktiv zu arbeiten und bin in Altersteilzeit gegangen. Und ab 2011 war dieser Sprechchor dann für mich eine tolle Perspektive, etwas anderes zu machen als das, was ich schon mein ganzes Leben vorher gemacht habe. Nämlich das Arbeiten nach einem festgefügten Plan. Jeder hat ja so seine Landkarte, wie er leben und arbeiten muss, und diese Karte wollte ich mit dem Ende meiner aktiven Arbeitszeit beiseitelegen. Von daher kam sowas wie der Sprechchor wie gerufen.

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„EIN ECHTER GEGENENTWURF ZUM ALLTAG“ – FÜNF JAHRE SPRECHCHOR

Bärbel Schreckenberg ist Sprechchor-Mitglied der allerersten Stunde. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen auf der Bühne in mehr als fünf Jahren im Dortmunder Sprechchor – sowie über das neue Sprechchor-Stück, Das Bildnis des Dorian Gray.

"Die Hamletmaschine", 2014 (Regie: Uwe Schmieder)
„Die Hamletmaschine“, 2014 (Regie: Uwe Schmieder), Bärbel Schreckenberg zentral mit geballter Faust.

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„VIELE AUF DER BÜHNE. UND JEDER EINZIGARTIG.“

Ein Gespräch mit Alexander Kerlin

Seit 2011 betreut Alexander Kerlin das 17. Ensemblemitglied des Schauspiel Dortmund – den Sprechchor. Nun gibt es, nach fünf Jahren Chorgeschichte und über 200 Auftritten in verschiedenen Inszenierungen, ein Gespräch über die Geschichte des Dortmunder Sprechchors, über Enttäuschungen und Erfolgsmomente – und über das künstlerische Potenzial von 50 Menschen, die sich bei Karstadt auf den Boden legen. Übrigens, am Samstag feiert das neuste Stück des Sprechchors Premiere: Das Bildnis des Dorian Gray nach Oscar Wilde.

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Woher kommt dein Interesse an Sprechchören am Theater?

2004 wurde einer ein ehemaligen Chorleiter von Einar Schleef an die Bochumer Uni eingeladen, um dort mit den Theaterwissenschaftsstudenten ein Chorstück zu machen. Unter anderem also auch mit mir. Einar Schleef war wohl der wichtigste Chor-Theatermacher im 20. Jahrhundert und der einzige, auf den Heiner Müller laut Eigenaussage jemals wirklich neidisch war. So kam auch ich erstmals mit dem Chor-Theater in Berührung und habe überhaupt verstanden, dass der Chor eine der beiden Theaterfiguren ist. „VIELE AUF DER BÜHNE. UND JEDER EINZIGARTIG.“ weiterlesen

„WAS WILL MAN EIGENTLICH MEHR?“ – PHILIPPE HEULE IM INTERVIEW

Philippe Heule

Der Schweizer Dramatiker Philippe Heule im Interview mit Dramaturg Dirk Baumann


Dein Stück „Die Simulanten“ lässt fünf Menschen in einem Raum aufeinandertreffen. Sie wissen nicht, wie sie dort hingekommen sind oder wie sie dort wieder herauskommen sollen. Wie würdest Du diese Anordnung beschreiben?

Ich habe nach einer Situation gesucht, die meine Wahrnehmung der Welt reflektiert: Es ist ein Raum, in den die Figuren einfach hineingeworfen werden. So wie man als Mensch ja auch einfach auf die Welt geworfen wird und nicht genau weiß, was man hier macht. Gleichzeitig hat mich der Theaterraum als Therapieraum bzw. als Ort der Reflexion interessiert. Im Falle der „Simulanten“ eher eine hysterische Reflexion, die nirgendwo genau hinführt.

Hast Du bei den fünf Figuren ein bestimmtes Bild vor Augen gehabt?

Im Schreibprozess war mir der Zustand und die Situation wichtiger als die Frage, was das für Figuren sind. Ich wollte einen Lebensstil einfangen, dieses Gefühl nie irgendwo anzukommen und die Situation, dass immer mehr Menschen Fernbeziehungen führen, auch in meinem eigenen Umfeld. Und dann haben sich Tendenzen gebildet, die ich auf fünf Sprecher verteilt habe. Aber vom Text selbst her würde ich erstmal nicht von Figuren sprechen. „WAS WILL MAN EIGENTLICH MEHR?“ – PHILIPPE HEULE IM INTERVIEW weiterlesen

„STRATEGIEN, DIE WELT ZU RETTEN“ – EIN GESPRÄCH MIT CLAUDIA BAUER

Claudia Bauer

Regisseurin Claudia Bauer im Interview mit Dramaturg Dirk Baumann


„Die Simulanten“ ist das erste Stück des jungen Schweizer Dramatikers Philippe Heule. Wie bist Du darauf aufmerksam geworden?

Ich bin eigentlich ganz klassisch darauf aufmerksam geworden. Ich habe in der Broschüre des Henschel Verlags die Beschreibung gelesen, in der stand, dass Menschen an einem Ort ohne Wiederkehr den Weltklimagipfel simulieren. Das fand ich eine so bemerkenswerte Beschreibung, dass ich das Stück dann gleich gelesen habe.

Was ist für Dich das Interessante an diesem Stück?

Mich interessiert an dem Stück, dass es eine merkwürdige Art von Fegefeuer-, Zwischenwelt- oder Vorhöllensituation beschreibt, in der sich fünf Global Player plötzlich wiederfinden und verschiedene Strategien probieren, die Welt zu retten. Zu sehen, wie Menschen ohne Handyempfang, ohne Internet, ohne Nahrung, eigentlich nur ausgestattet mit 20 Stangen Marlboro und einer Sprinkleranlage, aus der sie trinken, wie sie in und trotz dieser ausweglosen Situation immer noch versuchen die Welt zu retten. Letztlich ist das vielleicht sogar ein Bild für den gesamten Planeten. „STRATEGIEN, DIE WELT ZU RETTEN“ – EIN GESPRÄCH MIT CLAUDIA BAUER weiterlesen

„AUS DEM NICHTS SCHÖPFEN“ – SCHAUSPIELSCHÜLER RAAFAT DABOUL AUS DAMASKUS

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Vor einem Jahr war Raafat Daboul Schauspielschüler in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Ab dem 15. April steht er bei DIE BORDERLINE PROZESSION im Dortmunder Megastore auf der Bühne.

Matthias Seier hat mit ihm über sein Leben vor und nach der Flucht, über Theater in Syrien und Deutschland, sein neues Leben in Deutschland sowie über seine Rolle bei der BORDERLINE PROZESSION gesprochen.
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„DIE ZUKUNFT IST SCHON DA! WIR SIND SCHON CYBORGS!“ – EIN GESPRÄCH MIT MIKE DAISEY

Der Film Steve Jobs wird für Oscars nominiert. Die Entwickler wehren sich gegen FBI-Versuche, bestimmte iPhones durchsuchen zu dürfen. Auf Keynotes stellt Apple-CEO Tim Cook das neue iPhone SE vor. Und im Studio vom Schauspielhaus ist Die Agonie und Ekstase des Steve Jobs ein Dauerrenner. Der Apple-Konzern ist und bleibt also Thema.

Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz traf 2012 den Autor des Monologs Die Agonie und Ekstase des Steve Jobs in Berlin. Mit dem 1976 geborenen Autor von mehr als 20 Bühnenstücken sprach sie über Steve Jobs, über iLiebe, westliche Globalisierungsethik, seinen Monolog, die Kritik an seiner Person und vieles mehr. Hier nun das Gespräch in voller Länge. „DIE ZUKUNFT IST SCHON DA! WIR SIND SCHON CYBORGS!“ – EIN GESPRÄCH MIT MIKE DAISEY weiterlesen

„DIE DEBATTE ÜBER BESCHNEIDUNG WAR VÖLLIG KATASTROPHAL“

REGISSEUR TUĞSAL MOĞUL IM GESPRÄCH

Die Proben zur Studioproduktion Der Goldene Schnitt haben begonnen. In der Uraufführung geht es um rituelle Beschneidung bei Jungen. Der Autor, Regisseur und Schauspieler Tuğsal Moğul ist zugleich Anästhesist und kennt sich daher aus: Er hat als Arzt selber zahlreiche Beschneidungen an Jungen durchgeführt. Wir haben nach einer Probe mit ihm gesprochen und gefragt, wieso das Thema weiterhin für solche Kontroversen sorgt.
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HEINER MÜLLER WAR DIE DROGE, ÜBER DIE ICH INS THEATER GEKOMMEN BIN

USA, 1970er. Ex-Vietnamsoldat John Rambo wird von einem Sheriff misshandelt. Er flieht. Schnell hat er eine ganze Armee gegen sich – Vertreter einer Weltmacht, die das Trauma des Kriegs weiter verdrängen will. Zeitsprung, Ortswechsel: 1920er, Russland. Auch für Gleb Tschumalow ist der Krieg vorbei. Doch wo ist die erträumte bessere Welt? Keine Arbeit, das einstige Zementwerk liegt brach, in Trümmern, jenseits jeder Utopie. Müllers ZEMENT (entstanden 1972 nach dem gleichnamigen Roman von Fjodor Gladkow) und RAMBO von 1982 – Klaus Gehre kombiniert die Geschichten zweier Kriegs-Heimkehrer. Mit Klaus Gehre sprach Anne-Kathrin Schulz. HEINER MÜLLER WAR DIE DROGE, ÜBER DIE ICH INS THEATER GEKOMMEN BIN weiterlesen