Archiv der Kategorie: EXTRAS

POESIE DES WIDERSTANDS: MEGAFONCHOR

„Ich habe Lust, sie wahnsinnig zu nerven – obwohl ich eigentlich gar nicht der Typ dafür bin.“

 

 

Im Frühjar 2014 wurden in Sankt Pauli in Hamburg die Esso-Häuser abgerissen. Ein Hauskomplex mit viel Wohnraum und einer als Dorfplatz genutzten Esso-Tankstelle. Im Vorfeld des Abrisses formierte sich eine große Protestbewegung, die für den Erhalt der Esso-Häuser und gegen Gentrifizierung kämpfte. Silvi Kretzschmar, Choreographin und Künstlerin an der Schnittstelle von Performance und politischer Aktion, Mitglied des Schwabinggrad Ballets, sammelte in dieser Zeit Interviews und Statements der Bewohner_innen des Kiezes und schrieb daraus eine kollektive Rede. Diese Rede wurde von 10 Frauen mit Megafonen als Schwarm vorgetragen, mal während einer Demonstration, als Straßentheater oder im Nachruf „Esso Häuser Echo“ auf Kampnagel auf einer Theaterbühne. Es ist eine Mischung aus Textfragmenten, welche nicht nur inhaltlich sondern auch musikalisch arrangiert sind, Choreographie und dem Formulieren politischer Inhalte, inklusice Zögern und Unsicherheiten, die entstehen, wenn auf einmal ein großes Publikum zuschaut.

BITTE LIEBT ÖSTERREICH

Theater und Aktion

Eine Containeraktion von Christoph Schlingensief

Er ist bekannt für seine unzähligen Inszenierungen, Kunstinstallationen, Aktionen und Ausstellungen. Christoph Schlingensief, geboren 1960 in Oberhausen, gestorben 2010 in Berlin, war in den letzten zwei Jahrzehnten ein prägnanter Künstler, der im kulturellen und politischen Diskurs seinen Platz hat.

Wir könnten hier seitenlang über seine vielen Kunstaktionen und Projekte schreiben, doch in Anbetracht des Formats des Blogs müssen wir uns auf eins beschränken.

Schlingensief veranstaltete im Rahmen der Wiener Festwochen 2000 (11.06.-17.06.2000) die Containeraktion BITTE LIEBT ÖSTERREICH – ERSTE ÖSTERREICHISCHE KOALITIONSWOCHE. BITTE LIEBT ÖSTERREICH weiterlesen

WISSEN SCHAFFT AKTION(S)KUNST

2015-10-26 18.14.17

 

Die Tagung „Theater trifft Aktion“ rückt näher. In weniger als zwei Wochen ist es soweit. Wir vergraben uns in Büchern mit Theorien, YouTube-Videos von Aktionen und Kunstprojekten, Internet-Plattformen, welche die Bühnen der modernen Subversion bilden, um das alles in den nächsten Tagen hier mit Euch zu teilen. Eine einmalige Chance: Wir, Emel und Maren, zwei Studierende der Szenischen Forschung (Bochum) und der Inszenierung der Künste und der Medien (Hildesheim), sichten, interpretieren, kuratieren und übersetzen für alle diejenigen, die gerade keine Zeit dafür haben. Total wissenschaftlich, total subjektiv, total subversiv.

THEATER TRIFFT AKTION

Theater und Aktion

 

Anlässlich der beginnenden Kooperationen mit den AktionskünstlerInnen vom Peng! Collective (DIE POPULISTEN) und dem Zentrum für Politische Schönheit (2099) lädt das Schauspiel Dortmund gemeinsam mit der Heinrich-Böll Stiftung Berlin zu einem Arbeitswochenende ein: Dreißig ausgewählte TheatermacherInnen mit Hang zur Aktion und AktionskünstlerInnen mit Hang zum Theater werden sich vom 6. – 8. November kennenlernen und in verschiedenen Workshops miteinander austauschen.

Die Fragen, Ergebnisse und Thesen aus den Workshops werden in der Podiumsdiskussion öffentlich vorgestellt und mit dem Publikum diskutiert. Wir wollen wissen: Haben das Theater und der politische Aktivismus eine gemeinsame Zukunft? Was trennt, was eint uns? Wo können wir voneinander profitieren, und an welchen Stellen stehen wir uns auf den Füßen herum? Und was hat das Publikum davon? Brauchen wir angesichts der Katastrophen der Gegenwart ein neues Politisches Theater?

Kuratiert von Christian Römer (Heinrich-Böll Stiftung) und Alexander Kerlin (Schauspiel Dortmund)

PANOPTISMUS

Eine von Michel Foucault 1977 formulierte Theorie („Überwachen und Strafen“), nach der bereits im frühen Kapitalismus der Wunsch nach möglichst effizienter, allgemeiner gesellschaftlicher Disziplinierung immer drängender geworden sei. Das Extrem einer effizienten Überwachung: Ein sich über alle Sphären der Gesellschaft spannendes Netz. Wenn kein Bürger mehr wissen könne, ob er gerade überwacht wird oder nicht, diszipliniere er sich sicherheitshalber permanent selbst – überwacht sich also selber. Über einen längeren Zeitraum, so Foucault, führt dieser Mechanismus zu einer Verinnerlichung der erwarteten Normen und zur vollkommenen Unmöglichkeit, diese Normen brechen zu können – oder auch nur daran zu denken. |→ANTHROPOZÄN | →BLADE RUNNER | →WHISTLEBLOWER | →KAMERAS | →KEITH ALEXANDER |→MICHEL FOUCAULT | →ONLINE | →PANOPTICON | →POST-PANOPTICON | →REVOLUTION | →SCHREIBMASCHINE | →ÜBERWACHUNG | →WILLIAM SHAKESPEARE

EBEN MOGLEN

 ist (* 1959) ist Professor für Recht und Rechtsgeschichte an der Columbia Law School in New York. Er ist einer der prominentesten Verfechter für Open Software – in einer Welt, in der unser Leben so eng mit technischen Geräten verzahnt ist, sei es wichtig, dass durch freie Software alle Zugriff auf diese Technik hätten, damit die gesellschaftliche Macht auf viele verteilt werden könne. Freie Software sei also eine unverzichtbare Grundlage für die Demokratie. Zu den Snowden-Veröffentlichungen gab er eine mehrteilige Vorlesungsreihe . →WHISTLEBLOWER | →WEITERE STIMMEN

EHIJE ASCHER EHIJE

Hebräische Aussprache der berühmten Worte aus dem brennenden Dornbusch, die →GOTT in Exodus 3,14 als unmissverständlichen Ausdruck seiner Selbst-Identität zu Mose spricht, als dieser ihn nach seinem Namen fragt. Verschieden übersetzt, u.a. mit „Ich bin der ich bin“ (Elberfelder), „Ich werde sein, der ich sein werde“ (Luther), „Ich bin der Seiende“ (Septuaginta), „Ich werde sein der Ich bin“ (Zunz) und „Ich bin der, der ist und immer sein wird“ (Neue Evangelistische) | →IDENTITÄT

EINSTEIN ON THE BEACH

Experimentelle Oper in vier Akten mit fünfstündiger Aufführungsdauer, enormer hypnotischer Kraft, 1975 komponiert von dem Theatermusikers Philip Glass. Das Libretto besteht aus sich wiederholenden Silben, Zahlen und Gedicht-Fragmenten | →MANTRA

(Dies ist ein Glossar-Beitrag aus dem Jahr 2017. Zu unserer Inszenierung von EINSTEIN ON THE BEACH 2017 finden Sie hier Infos und Tickets.)

ENDE DER GESCHICHTE

Idee des Politikwissenschaftlers F. Fukuyama aus den 1990er Jahren, nach der mit dem Ende des Realsozialismus in Osteuropa der liberal-demokratische Kapitalismus endgültig gewonnen hätte und das →GOLDENE ZEITALTER einer liberalen Weltgemeinschaft vor der Tür stehe. Stand September 2013: Völliger Unsinn!

HALLUZINATIONEN

sind Sinneseindrücke, die vom Betroffenen als wahr erachtet werden, ohne dass es externe Grundlagen für diese Wahrnehmungen gibt. Gründe dafür können Schlafentzug, Drogeneinnahme, Drogenentzug, Reizüberflutung, Reizunterforderung, psychische Störungen oder eine Stoffwechselstörung im Gehirn sein. Als „Hypnagogie“ bezeichnet man Halluzinationen, die einen abends im fließenden Wandel vom Wachsein zum Halbschlaf oder Wegdämmern ereilen können. (Lesetipp: Oliver Sacks, „Drachen, Doppelgänger und Dämonen. Über Menschen mit Halluzinationen“). | →GEGENWARTSSCHOCKDIGIPHRENIE | →SCHIZOPHRENIE | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL | →POST-PANOPTICON

ENDLOSLIED

Lied mit textlicher und/oder musikalischer Struktur, in der das Ende notwendig zurück zum Anfang führt. Bekannte Beispiele sind die Volkslieder Ein Loch ist im Eimer und Ein Mops kam in die Küche sowie Eisgekühlter Bommerlunder (Die Toten Hosen) und Das rote Pferd (→ REMIX von Markus Becker und Mallorca Cowboys)