Archiv der Kategorie: H-O

HALLUZINATIONEN

sind Sinneseindrücke, die vom Betroffenen als wahr erachtet werden, ohne dass es externe Grundlagen für diese Wahrnehmungen gibt. Gründe dafür können Schlafentzug, Drogeneinnahme, Drogenentzug, Reizüberflutung, Reizunterforderung, psychische Störungen oder eine Stoffwechselstörung im Gehirn sein. Als „Hypnagogie“ bezeichnet man Halluzinationen, die einen abends im fließenden Wandel vom Wachsein zum Halbschlaf oder Wegdämmern ereilen können. (Lesetipp: Oliver Sacks, „Drachen, Doppelgänger und Dämonen. Über Menschen mit Halluzinationen“). | →GEGENWARTSSCHOCKDIGIPHRENIE | →SCHIZOPHRENIE | →WILLIAM SHAKESPEARE | →ZWEIFEL | →POST-PANOPTICON

HEGEMANN, HELENE

Autorin, die in ihrem ersten Roman Axolotl Roadkill die Idee vom → Remix sehr weit trieb, indem sie Passagen des Bloggers Airen ohne Zitatangaben in den Roman integrierte, und damit den versammelten Groll des deutschen Feuilletons und diverser Schriftstellerkollegen auf sich zog  |  → COPY AND PASTE  |  →ZITATRECHT

HELSINGÖR

(auch Helsingør oder Elsinore) ist eine idyllisch gelegene Kleinstadt an Dänemarks östlicher Küste, direkt der schwedischen Stadt Helsingborg gegenüber. In die Literaturgeschichte ging das verschlafene und windumtoste Städtchen als Schauplatz der Hamlet“-Geschichte ein. Im hiesigen Schloss Kronborg siedelte Shakespeare die Geschichte an. Seit 2000 ist die Kronborg Weltkulturerbe der UNESCO. Erstmals wurde „Hamlet“ in jenen Gemäuern 1816 gespielt – zum 200. Todestag des Autors. Heutzutage bekommen Touristengruppen und Shakespeare-Fans jeden Tag um halb eins eine „Hamlet“-Führung, Kosten: 40 dänische Kronen pro Nase.  | → REGIZID | → WILLIAM SHAKESPEARE | → ZWEIFEL

HETZMASSE

Von E. Canetti bezeichnete Gruppe von Menschen, die sich in der Jagd (z.B. auf einen Menschen) zusammenrottet und durch sie bestehen bleibt. Laut Schriftsteller Klaus Theweleit 1998 „zunehmend an die Bildschirme und Zeitungen verwiesen.“  Berichterstattung sei überwiegend „Mord auf Raten“, der uns nicht „vorgesetzt wird, damit wir informiert sind, sondern damit wir etwas Lust verspüren im erlahmten Leben, wenigstens die Lust am Sterben anderer“ | → TAGESSCHAU

HERZ

Schlägt und schlägt und schlägt und schlägt und schlägt und schlägt dann, eines nahen oder fernen Tages, nicht mehr (→TOD). Metronom, konstanter Beat, Lebensmaschine, umgangssprachlich der Sitz der Liebe. Das H. sitzt im besten Falle am rechten Fleck.

HUNDERT

Berühmte Quadratzahl zwischen 99 und 101. Vielleicht weil sie die durchschnittliche Lebenszeit der Menschen überschreitet, wird sie häufig als Synonym für eine besonders lange →ZEIT oder große Menge verwendet.

IDENTITÄT

(Lat.: idem ‚derselbe‘‚ dasselbe‘) Je näher man sich über diesen Begriff beugt, desto strudeliger der Strudel, in den man hinabgezogen wird. Wie kann A = A sein, wenn ein Gleichheitszeichen sie trennt? Wie kann ich von mir als selbstidentische Einheit ausgehen, wenn in mir die Wünsche auseinander stäuben wie →HUNDERT Pferde bei Gewitter?

I GOT YOU BABE

Number 1-Hit des Pop-Duos Sonny & Cher aus dem Jahre 1965. Das hundertfach (→ HUNDERT) gecoverte (→COVER) Liebesduett schrieb Sonny an einem Abend in seinem Keller und wurde von der Redaktion des Rolling Stone zum 444besten Lied aller Zeiten gekürt. Cineasten werden dabei wohl für immer die Zahlen eines Radioweckers umklappen sehen.

INDIVIDUUM

(Lat.: ‚Unteilbares‘, ‚Einzelding‘) Das westliche Konzept vom I. besagt, dass jeder Einzelne unverwechselbar und – Vorsicht: Paradox – dass Unverwechselbarkeit ein Ziel sei, dass es im Leben zu erreichen gilt. Als Angriffe auf das  I. werden z.B. Kopftücher, Uniformen oder gleichförmige Rhythmen gewertet. Nur die Logik widerspricht: Wenn am Ende alle individuell sind, ist’s keiner mehr | →EXACTITUDES

JAM

Improvisiertes Zusammenspiel verschiedener Instrumente und Stimmen, welches nach kurzem Anlauf in ungeahnte Sphären abheben kann. Die J. lädt den Zufall an den Tisch, das nicht Komponierbare mit zu gestalten.

KAMERAS

Im „Hamlet“-Bühnenbild befinden sich (zwischen Schlafzimmer und Wohnzimmer, beim Labor in der Nähe des Gartenhauses sowie in der Kapelle) insgesamt drei sogenannte PTZ (Pan-Tilt-Zoom)-Kameras. Diese beweglichen Full-HD-Kameras können mit 18-fachem optischen Zoom nahezu jede Aktion im Bühnenbild erfassen und werden während der Vorstellung von Jan Voges durch eine Steuereinheit mit Zoomhebel und Richtungslenkarm bedient. Insgesamt sind sieben Kameras im Einsatz – neben den PTZ-Kameras kommt noch eine von Robin Otterbein geführte Handkamera sowie eine Dom-Kamera zum Einsatz, um alle Geschehnisse direkt übertragen zu können – sowie eine Kamera aus der Vogelperspektive und die →KINECT | →DATEN | →GEGENWARTSSCHOCK | →MAX/MSP | →PANOPTISMUSPOST-PANOPTICON | →VIDEOART