Alle Beiträge von Matthias Seier

Über Matthias Seier

Matthias Seier wurde 1993 im Münsterland geboren. Er studierte Kultur- und Literaturwissenschaften sowie Soziologie in Dortmund und Athen. Seit der Spielzeit 2014/2015 ist er Dramaturgieassistent und betreut die Social Media-Kanäle des Schauspiels. Assistenzen u.a. bei "Das Goldene Zeitalter" (2013, Regie: Kay Voges), "Szenen einer Ehe" (2014, Regie: Claudia Bauer), "Elektra" (2015, Regie: Paolo Magelli) und "hell / ein Augenblick" (2017, Regie: Kay Voges). Seine erste Produktionsdramaturgie "Heimliche Helden" (Regie: Julia Schubert) feierte im Oktober 2016 Premiere. Gemeinsam mit Anne-Kathrin Schulz übertrug er das Stück "TRUMP" von Mike Daisey aus dem Englischen ins Deutsche. Das Internetportal nachtkritik.de ehrte ihn 2016 mit der Auszeichnung "Goldener Hashtag" für den besten Tweet des Jahres in der Kategorie "Visionär".

„EINE ERSCHRECKENDE UNBEDARFTHEIT“

„Eine erschreckende Unbedarftheit“

Furcht und Hoffnung in Deutschland: Ich bin das Volk

Die Regisseurin Wiebke Rüter über Rechtspopulismus in Deutschland und ihre Collage von zwei Stücken des Volkstheater-Autors Franz Xaver Kroetz, die im Dezember im Megastore Premiere feiert: „Ich bin das Volk“ von 1993 und „Furcht und Hoffnung in Deutschland“ von 1983.

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„AUCH EIN BISSCHEN URSCHREI-THERAPIE“: TOMMY FINKE ÜBER DAS MUNDORGEL PROJECT

Seit 2015 wird im Schauspiel Dortmund gemeinsam Liedgut ge- und zerschmettert: das MUNDORGEL PROJECT von und mit Tommy Finke und Band ist längst zur Kult-Reihe  geworden. Das Konzept ist dabei simpel: das bekannte Liederbuch „Die Mundorgel“ wird im Institut oder der Megabar dem ultimativen Live-Test unterzogen – mithilfe der Band, des mitsingwilligen Publikums und Special Guests!

Am Samstag feiert das Mundorgel Project Jubiläum: zum zehnten Mal wird dann gemeinsam gejammt und gesungen. Anlässlich des Mundorgel Projects #10 hier ein paar Fragen an Tommy Finke.


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„BOB DYLAN? TOTAL GROSSARTIG! UND TOTAL SCHEISSE!“

„Für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“ erhält Bob Dylan nach Jahren der emsigen Spekulationen endlich den Literaturnobelpreis. Ein Mensch, zu dessen Werk beinahe jeder eine Meinung hat.

Wir sprechen mit dem Musikalischen Leiter des Schauspiels, Tommy Finke, über sein schwieriges Verhältnis zu Bob Dylan und warum Bob Dylan auch noch nach dem Dritten Weltkrieg hilfreich sein wird.


Tommy Finke, geboren 1981 in Bochum, ist Sänger und Musiker in den Genres Indie, Alternative und Pop und Komponist für Elektronische Musik/Computermusik und Theatermusik. Seit 2015 ist er Musikalischer Leiter am Schauspiel und hat bis dato keinen Literaturnobelpreis erhalten (Stand: Oktober 2016).


Tommy, Bob Dylan erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Wie ist dein Verhältnis zu Bob Dylan?

Ich finde Bob Dylan total großartig und ich finde Bob Dylan auch total scheiße. Er hat ja während seiner Karriere schon so viele Gesichter gehabt und Rollen gespielt, dass es nicht den „einen“ Bob Dylan gibt, sondern quasi mehrere verschiedene. Diese ganze Bob Dylan-Manie existiert ja deshalb, weil wir alle mehr oder weniger mit ihm aufgewachsen sind. Der war ja nie weg. Und am Tag, an dem Bob Dylan stirbt, werde ich nicht zur Arbeit kommen, sondern mein Handy ausschalten und mir seinen ganzen Kram nochmal anhören. Ich meine, so wie das Jahr 2016 bisher verlaufen ist… naja… der Mann ist ja schließlich 75… „BOB DYLAN? TOTAL GROSSARTIG! UND TOTAL SCHEISSE!“ weiterlesen

„KEIN GESICHERTER GRUND UNTER DEN FÜSSEN“ – HANS HÜTT IM INTERVIEW

Autor Hans Hütt über revolutionäres Sprechen, Triumph der Freiheit #1 und den Versuch, die Gefahren der Zeit zu überbrüllen


Hans Hütt ist rhetorischer Berater sowie Autor, u.a. für FAZ, Freitag, taz und ZEIT. 2014 erhielt er für den Essay Angst vor der Gleichheit den Michael-Althen-Preis für Kritik.

Auf Einladung des Schauspiel Dortmund begleitete er die Proben von „Triumph der Freiheit #1“.


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Hans Hütt

Sie haben das Stück gelesen. Ganz platt gefragt, worum geht es?

Es ist auf jeden Fall kein Historiendrama. Ich würde das Stück als „Palimpsest“ beschreiben. Ein Palimpsest ist eine alte Textstelle, die abgeschabt, gereinigt und dann mit einem anderen Text überschrieben wurde. Der alte, überschriebene Text schimmert immer noch leicht durch, die Vergangenheit bleibt sichtbar. So ist es auch bei Triumph der Freiheit #1. Durch dieses Stück schimmert eine politische Gattungsgeschichte, in der alle Revolutionen und Konterrevolutionen seit 1789 übereinander geschichtet sind. Man hört Echos aller Niederlagen und Aufstände im Zeitalter der Moderne. „KEIN GESICHERTER GRUND UNTER DEN FÜSSEN“ – HANS HÜTT IM INTERVIEW weiterlesen

ES SPUKT UND BRODELT

stbSie werden es zweifellos bereits mitbekommen haben: Diese eine Parteivorsitzende gab neulich einer großen Zeitung ein Interview. Und darin forderte sie, das Wort „völkisch“ wieder in den deutschen Wortschatz zu integrieren. Ein Adjektiv, in dem die Vorstellung eines Volkes als geschlossener, gesunder Volkskörper widerhallt.

Worte haben stets einen Unterbau, der beim Sprechen mittransportiert wird. In ihnen spuken die Geister der Vergangenheit und brodeln die Hoffnungen einer Zukunft. Unkontrollierbar. Doch man kann Begriffe nicht leeren, man kann sie nicht überweißen und mit einem schönen Blumenmuster neutapezieren. Wer so etwas in der Öffentlichkeit behauptet, dem geht es nicht nur um das Wort selbst. Er oder sie lotet aus, wie sehr man Geschichte relativieren oder gar auslöschen kann. Er oder sie verfolgt damit sehr wahrscheinlich eine Ideologie. ES SPUKT UND BRODELT weiterlesen

„HAT SICH SCHON MAL JEMAND IM BÜHNENBILD VERLAUFEN?“

Auf Einladung des Schauspiel Dortmund haben sich zwölf Dramaturgie-Student*innen der Hessischen Theaterakademie in Frankfurt / Goethe-Universität die Borderline Prozession angeschaut. Ihr Arbeitsauftrag nach dem Besuch: Stellt vierzig Fragen an das Stück. Es entstand ein einzigartiger Fragenkatalog über die Inszenierung, aber auch über Theater, Kunst, das Leben an sich.

Eine Auswahl der schönsten, klügsten, kritischten und humorvollsten Fragen zeigen wir hier.

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„EINTAUCHEN IN ANDERE ERFAHRUNGSWELTEN“ – 5 JAHRE SPRECHCHOR

Udo Höderath ist seit fünf Jahren Mitglied des Dortmunder Sprechchors. Im Interview erzählt er uns von seinen Highlights , vom Lampenfieber vor der Vorstellung und wie es ist, als Sprechchor das 17. Ensemble-Mitglied eines Theaters zu sein.

Udo Höderath vor einer Probe von "Das Bildnis des Dorian Gray"

Udo Höderath vor einer Probe von „Das Bildnis des Dorian Gray“

Wie bist du zum Sprechchor gekommen?

Das war 2011, einfach durch das Lesen vom Spielzeitbuch. Dort stand, dass Choreuten für die Bildung eines Sprechchors gesucht werden. Da fühlte ich mich sehr angesprochen. 2012 hörte ich auf, aktiv zu arbeiten und bin in Altersteilzeit gegangen. Und ab 2011 war dieser Sprechchor dann für mich eine tolle Perspektive, etwas anderes zu machen als das, was ich schon mein ganzes Leben vorher gemacht habe. Nämlich das Arbeiten nach einem festgefügten Plan. Jeder hat ja so seine Landkarte, wie er leben und arbeiten muss, und diese Karte wollte ich mit dem Ende meiner aktiven Arbeitszeit beiseitelegen. Von daher kam sowas wie der Sprechchor wie gerufen.

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„EIN ECHTER GEGENENTWURF ZUM ALLTAG“ – FÜNF JAHRE SPRECHCHOR

Bärbel Schreckenberg ist Sprechchor-Mitglied der allerersten Stunde. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen auf der Bühne in mehr als fünf Jahren im Dortmunder Sprechchor – sowie über das neue Sprechchor-Stück, Das Bildnis des Dorian Gray.

"Die Hamletmaschine", 2014 (Regie: Uwe Schmieder)
„Die Hamletmaschine“, 2014 (Regie: Uwe Schmieder), Bärbel Schreckenberg zentral mit geballter Faust.

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„VIELE AUF DER BÜHNE. UND JEDER EINZIGARTIG.“

Ein Gespräch mit Alexander Kerlin

Seit 2011 betreut Alexander Kerlin das 17. Ensemblemitglied des Schauspiel Dortmund – den Sprechchor. Nun gibt es, nach fünf Jahren Chorgeschichte und über 200 Auftritten in verschiedenen Inszenierungen, ein Gespräch über die Geschichte des Dortmunder Sprechchors, über Enttäuschungen und Erfolgsmomente – und über das künstlerische Potenzial von 50 Menschen, die sich bei Karstadt auf den Boden legen. Übrigens, am Samstag feiert das neuste Stück des Sprechchors Premiere: Das Bildnis des Dorian Gray nach Oscar Wilde.

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Woher kommt dein Interesse an Sprechchören am Theater?

2004 wurde einer ein ehemaligen Chorleiter von Einar Schleef an die Bochumer Uni eingeladen, um dort mit den Theaterwissenschaftsstudenten ein Chorstück zu machen. Unter anderem also auch mit mir. Einar Schleef war wohl der wichtigste Chor-Theatermacher im 20. Jahrhundert und der einzige, auf den Heiner Müller laut Eigenaussage jemals wirklich neidisch war. So kam auch ich erstmals mit dem Chor-Theater in Berührung und habe überhaupt verstanden, dass der Chor eine der beiden Theaterfiguren ist. „VIELE AUF DER BÜHNE. UND JEDER EINZIGARTIG.“ weiterlesen

DER SCHREIBTISCH DES DRAMATURGEN

Schreibtisch des Dramaturgen

Kaffee, Limo, Deko-Elefanten: Dramaturg Alexander Kerlin gibt Einblicke in das Chaos auf seinem Schreibtisch.

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ASOZIALE NETZWERKE

stbIn der vergangenen Woche war ich für das Schauspiel Dortmund auf der größten Internet-Konferenz Deutschlands, der re:publica. Netzdenker, Blogger und Künstler treffen sich für ein paar Tage in Berlin, um über digitale Gegenwart und Zukunft zu sprechen. In diesem Jahr war die Stimmung merklich gedämpft: Noch vor wenigen Jahren galt das Netz als utopischer Raum der Freiheit, gar als Friedensbringer. Und heute? ASOZIALE NETZWERKE weiterlesen

GE TRENNT

stbEin Hörsaal, gefüllt bis zum Bersten mit 700 Menschen. Schmal und lang. Steil ansteigend. Ich unten, um mich herum Gewusel, Hektik. Soviel ist klar: Berühmte Menschen sind eingeladen, sehr berühmte. Jeder von ihnen wird einen dreiminütigen Vortrag halten. Ich klammere mich an mein Mikrofon. Heute geht’s um Tempo: Meine Ansagen als Moderator müssen kommen wie aus der Pistole geschossen. Gleich geht es los.

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